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JJ1, bekannt geworden als „Bruno“, (* 2004 im Val di Tovel, Trentino; getötet am 26. Juni 2006) war ein Braunbär, der im Mai 2006 von Südtirol, Italien über Tirol, Österreich nach Bayern, Deutschland eingewandert war.
JJ1 war der erste frei lebende Braunbär in Deutschland nach über 140 Jahren. Der letzte Braunbär in Deutschland wurde am 1. September 1864 im bayerischen Wettersteinwald erlegt.
JJ1 erbeutete auf seinem Streifzug Haus- und Nutztiere, vor allem Schafe, zum Teil auch in oder in der Nähe menschlicher Siedlungen. Er wurde daraufhin von der Regierung Bayerns als „Problembär“ bezeichnet, als Bedrohung für den Menschen eingestuft und schließlich zum Abschuss freigegeben. Diese Freigabe wurde aufgrund massiver Kritik von Experten und der Öffentlichkeit zeitweise zurückgezogen. Zwei Wochen lang wurde dann mit verschiedenen Methoden versucht, JJ1 lebendig zu fangen. Nach dem Abbruch der Fangversuche wurde er am Morgen des 26. Juni 2006 gegen 4:50 Uhr in der Nähe der Rotwand im Spitzingseegebiet erschossen.
JJ1 wurde während seines Streifzuges zu einem Politikum und internationalen Medienereignis, über das unter anderen auch die New York Times The New York Times: Bruno Is Having a Picnic, but He's No Teddy Bear, 16. Juni 2006 berichtete. Zahlreiche Menschen und Gruppen solidarisierten sich mit dem Bären. Besonders seine Tötung führte zu massiven Protesten.
Im Jahr 2004 wurde ein LIFE Nature Co-op Projekt gegründet, das mit Unterstützung der EU versucht, wieder Braunbären im Alpenraum anzusiedeln und die dort noch bestehenden Bärenpopulationen zu vernetzen. An diesem Projekt sind die Länder Italien mit den Regionen Trentino und Friaul, Österreich mit Kärnten, Nordösterreich, Oberösterreich und Steiermark sowie Slowenien beteiligt WWF: Bären in den Alpen. Im Rahmen des italienischen LIFE-Ursus-Projekts wurden im Naturreservat Adamello-Brenta bei Trient (Trentino/Norditalien) (Val di Tovel), von 1999 bis 2002 insgesamt zehn Bären aus Slowenien freigelassen. Die Population im Naturpark Adamello Brenta bestand Ende des 20. Jahrhunderts nur noch aus 2 bis 3 Individuen, ein Überleben dieser Population ohne Bestandsstützung war ausgeschlossen Naturpark Brenta Adamello - Homepage: Life Ursus (englisch). Seitdem sind dort insgesamt elf Junge geboren, derzeit schätzt man den aktuellen Bestand auf etwa 18 bis 20 Bären. JJ1 wurde dort 2004 geboren, er konnte während seines Streifzuges durch DNA-Analysen von Fellresten identifiziert werden WWF-Österreich: WWF bestätigt: Tiroler Bär ist JJ1, 30. Mai 2006. Seine Eltern sind Vater Joze (*1994) und Mutter Jurka (*1998). Als Erstgeborener erhielt er aus deren Anfangsbuchstaben den Namen JJ1. Zu Beginn seines Streifzuges erhielt JJ1 dann von österreichischen Medien den Spitznamen Bruno, die Augsburger Allgemeine nannte ihn hingegen Beppo Sein jüngerer Bruder, JJ2, war 2005 im Engadin in der Schweiz und in Nauders in Tirol unterwegs, gilt aber seit Herbst 2005 als verschwunden. Es wird vermutet, dass er gewildert wurdeLiechtensteiner Vaterland: "Schweizer Braunbär" seit neun Monaten spurlos verschwunden, 22. Juni 2006.
JJ1 hatte zum Zeitpunkt seines Todes eine Widerristhöhe von 91 cm, seine Scheitel-Steiß-Länge betrug 130 cm, die Kopflänge 32 cm und er wog 110 KilogrammWar „Bruno“ doch nicht sofort tot? in der Passauer Neuen Presse am 29. Juni 2006.
Normalerweise sucht ein Bär den Platz der zurückgelassenen Beute wieder auf, um diese vollends aufzufressen, sollte dies nicht bereits beim ersten Mal geschehen sein. Die Bärin Jurka machte jedoch die Erfahrung, dass beim zweiten Mal oft Menschen anwesend waren, die sie mit Gummigeschossen vertrieben, so dass sie lernte, das Zurückkehren zu einer Beute zu unterlassen. Bären sind lernfähig und übernehmen die Verhaltensweisen der Mutter. Als sich JJ1 als Jungbär noch bei seiner Mutter aufhielt, lernte er von seiner Mutter, nicht an eine Stelle zurückzukehren, an der er ein Beutetier gerissen hat. Dies machte es auch so schwer, den Bären in Tirol in eine Falle zu locken und einzufangen.
Nach Meinung von Verhaltensforschern wäre es möglich gewesen, den halbwüchsigen Bären umzuerziehen, d. h. ihn durch gezielte Vertreibungsmethoden das Halten von Abstand zu menschlichen Siedlungen beizubringen. Die Erfahrung mit den in Österreich eingesetzten speziellen Verhaltenstrainern zeigt, dass diese Methoden in der Regel auch bei so genannten „Problembären“ greifen.
JJ1 zeigte zu keinem Zeitpunkt Aggressionen gegenüber Menschen und ergriff bei Annäherung eines Menschen die Flucht.
Bärenmutter Jurka hat inzwischen drei weitere Jungbären. Seit mehreren Wochen wird im Trentino versucht, sie zu fangen, weil man befürchtet, dass sie ihr problematisches Verhalten, ebenso wie im Fall JJ1', an ihre Jungen weitergibt*in portale.web.de, 25.06.06
Die hier wiedergegebene Route und die geschilderten Ereignisse beruhen fast ausnahmslos auf Pressemeldungen, die häufig auf Augenzeugenberichten basieren. In vielen Fällen können diese Meldungen, insbesondere wenn es sich um reine Sichtbeoabchtungen handelt, nicht als gesichert gelten und sind daher mit Vorsicht zu interpretieren.
Anfang Mai 2006 verließ JJ1 Südtirol. 1 der Karte
4. Mai: Er betrat zum ersten Mal Nordtiroler Boden. Kurz darauf wanderte er nach Vorarlberg.
10. Mai: Er riss im Montafon zwei Schafe. Das erste Mal wurde er nachts beim Wechsel von Vorarlberg übers Zeinisjoch in Tirol von Jägern gesichtet. Danach durchstreifte er das Tiroler Oberland, wo er im Paznauntal Außerfern [4" target="_blank" >*.
17. Mai: Er wurde kurz vor der deutschen Grenze Im Tiroler Lechtal gesichtet.
18. Mai: „Der Bär ist in Bayern willkommen“, so der bayerische Umweltminister Werner Schnappauf.
19. Mai: JJ1 plünderte dort einen Bienenstock. Anschließend wanderte er Richtung Oberbayern und tötete vier Schafe.
20.–22. Mai: Er erreichte Grainau * bei Garmisch-Partenkirchen, wo auch ein Foto entstand. Dort fiel er über Geflügel her und riss zwei weitere Schafe. Kurz darauf führte seine Spur wieder zurück nach Österreich. "Der Bär ist zu einem Problembären geworden.", so das Bayerische Umweltministerium.
25. Mai: JJ1 wurde im Rofangebirge, in der Nähe vom Achensee *, von einem Jäger gesichtet.
27. Mai: Der Bär zog ins Zillertal * weiter und plünderte einen Bienenstock.
29. Mai: Er wurde bei der Überquerung der Inntalautobahn bei Jenbach * gesichtet und zog weiter zum Achensee.
Anfang Juni 2006 überquerte er wieder die deutsche Grenze.
2. Juni: JJ1 tötete zwei weitere Schafe.
4. Juni: Der Bär riss in der oberbayerischen Gemeinde Klais * abermals drei Schafe und verletzte vier weitere sowie ein Ziegenkitz.
5. Juni: Am Pfingstmontag fiel er am Lautersee bei Mittenwald wieder über drei Schafe her und tötete sie. Dabei lief er mitten durch eine kleine Siedlung am Seeufer, wie Tatzenspuren belegen. Am Tag sichtete eine Autofahrerin den Bären beim Tiroler Grenzort Ehrwald[11. In der Nacht plünderte JJ1 einen Hasenstall im österreichischen Weidach, Gemeinde Leutasch.
6. Juni: Mehrere Jugendliche sahen JJ1 auf einer Straße von Scharnitz nach Leutasch *.
8. Juni: Abends soll das Tier in der Nähe des Solsteinhauses im Gemeindegebiet von Zirl * gesichtet worden sein.
9. Juni: Bei einer nächtlichen Suchaktion, die von einem Tross Jäger durchgeführt wurde, konnten in dieser Gegend einige Bärenspuren, sowie ein totes und ein verletztes Schaf gefunden werden. Ob die Schafe von einem Bären angegriffen wurden, ist noch nicht gesichert. Am selben Tag wurde noch ein Wildhase ohne Kopf zwischen den Gemeinden Roppen und Sautens * im Bezirk Imst gefunden.
10. Juni: JJ1 brach nord-östlich von Innsbruck einen Kaninchenstall auf. Am selben Tag traf die extra aus Finnland angereise Bärenhundestaffel in Tirol ein.
11. Juni: Es wurden Spuren des Tieres im Gemeindegebiet von Terfens * im Bezirk Schwaz gefunden. Die Suche der darauf angesetzten Bärenhundestaffel brachte keinen Erfolg. Mitschuld an der Erfolglosigkeit dieser Aktion hatte ein Jäger, der die Hundestaffel nicht in sein Jagdgebiet lassen wollte, weil sie keine Genehmigung vorweisen konnten.
12. Juni: Der Bär, der in kurzer Zeit sehr große Distanzen zurücklegte, wurde wieder im Achental * gesichtet. Der wiederum angesetzte Suchtrupp gab jedoch nach stundenlanger Suche auf. Kurz vor der Suchaktion wurde auf Initiative des Tiroler Landesrates Anton Steixner eine schriftliche Genehmigung für die Bärensuche ausgestellt.
14. Juni: JJ1 wurde um 12.50 Uhr von einem Mountainbiker im Bereich der Gan-Alm im Vomper Loch gesichtet. Einem Studenten gelang es, ein weiteres Foto des Tieres zu machen.
15. Juni: Nachts wurde der Bär im Bereich des Sylvensteinspeichers (südlich von Bad Tölz) * in Oberbayern von einem österreichischen Autofahrer angefahren. Da der Bär nur gestreift wurde und am Unfallort weder Fell- noch Blutspuren zu finden waren, ging man davon aus, dass er unverletzt blieb. Der Bär flüchtete über eine Böschung hinab in Richtung eines Sees. Noch in der Nacht setzten die Bärenfänger die Hunde auf die Fährte des vierbeinigen Räubers, doch verlor sich seine Spur bis zum Vormittag wieder. Die Seilbahn am 1556m hohen Brauneck wurde kurzzeitig angehalten, nachdem der Bär dort tagsüber gesichtet wurde.
16. Juni: Gegen 01:00 Uhr früh wurde der Bär bei Lenggries in Bayern erstmals „gestellt“ und die Bärenfänger konnten sich ihm auf 600 Meter nähern, das Brauneck-Gebiet wurde vorher gesperrt und die Seilbahn angehalten. Die Dunkelheit, das unübersichtliche Gelände sowie ein starkes Gewitter verhinderten aber einen Abschuss oder eine Betäubung. Als die Fänger gegen 04:30 Uhr erneut zur Stelle der letzten Sichtung aufbrachen, fand man nur mehr ein gerissenes und zum größten Teil bereits vom Bären gefressenes Schaf vor. Die sodann aufgenommene Verfolgung musste gegen 08:00 Uhr abgebrochen werden, weil die Hunde keine Spur mehr hatten aufnehmen können Frankfurter Rundschau: [http://www.fr-aktuell.de/in_und_ausland/panorama/panorama/?em_cnt=907192 "Bruno" narrt Jäger erneut, 22. Juni 2006.
17. Juni: Der Bär wurde in Kochel am See gesichtet. In der Nacht brach das Tier dann inmitten des Orts einen Hasenstall auf und tötete Kaninchen sowie ein Meerschweinchen. Gäste eines Cafés wollen ihn direkt gegenüber einer Polizeistation gesehen haben www.lycos.de: [http://www.lycos.de/nachrichten/deutschland/show_story.html,,43548/baer-bruno-in-kochel-gesichtet.html «bruno» taucht am Tegernsee auf, 19. Juni 2006.
18. Juni: JJ1 wurde auf einer Alm im Gemeindegebiet der Tiroler Gemeinde Achenkirch * im Bezirk Schwaz vermutet. Es wurde ein Zaun zerstört und es wurde vom Almhirten beobachtet, dass die Kühe brüllend herumliefen, der Bär wurde nicht gesichtet keine Spuren von ihm gefunden.
19. Juni: Frühmorgens wurde er in Wildbad Kreuth gesehen. Erneut sind zwei Schafe gerissen worden Südwest Presse: [http://www.suedwest-aktiv.de/landundwelt/topthemen/2265030/artikel.php?SWAID=c029b31272bd1c784695154ab4a33fa6 «Bruno» taucht am Tegernsee auf, 16. Juni 2006. Nach behördlichen Angaben waren die fünf finnischen Bärenjäger mit ihren sechs speziell ausgebildeten Jagdhunden bereits auf der Fährte des Braunbären Bruno.
20. Juni: Der Bär traf nachts gegen 01:00 Uhr in Maurach auf einen Fußgänger und wurde an der dortigen Polizeiwache beobachtet.
21. Juni: Der Bär konnte zwar von den finnischen Spezialisten und ihren Hunden an einer Klamm bei Brandenberg * in der Nähe des Achensees im Bezirk Kufstein gestellt werden, ihm gelang jedoch wieder die Flucht.
22. Juni: Am Nachmittag sah ein Wanderer den Bären im Rofangebirge *.
23. Juni: JJ1 riss bei Thiersee (nahe Kufstein) ein Schaf. Die finnischen Bärenjäger gaben die Jagd auf JJ1 ist Bärenjägern neuerlich entwischt.
24. Juni: Weitere Beobachtungen erfolgten nahe dem Spitzingsee und der Bär wurde gesichtet, als er den Soinsee Miesbach durchschwamm. Am selben Abend wurde er in der Nähe einer Bergwachthütte im Rotwandgebiet [25" target="_blank" >* beim Aufstieg beobachtet.
25. Juni: Einer der letzten, der JJ1 noch lebend sah, war der Koch der Berghütte Rotwandhaus, Thomas Krapichler: „Der Bär hatte mehr Angst vor mir als ich vor ihm.“ Der Bär riss am Abend noch ein Schaf auf einer in der Nähe liegenden Weide, wurde dort jedoch von Kühen vertrieben. „Der ist sogar vor den Kühen davongelaufen.“ so der Angestellte der Berghütte, dessen Chef dann die Polizei verständigte, woraufhin sich Jäger auf JJ1' Spur heftetenUm 4.50 Uhr streckten sie ihn nieder ... im abendblatt.de am 29. Juni 2006.
26. Juni 2006: JJ1 wurde um 04:50 Uhr auf der Kümpflalm () in der Nähe der Rotwand * im Spitzingseegebiet bei Bayrischzell im Landkreis Miesbach erschossen.
Wegen seines Verhaltens, sich menschlichen Siedlungen zu nähern, und der darin gesehenen potentiellen Gefährdung, erließ die Bayerische Staatsregierung Ende Mai eine Abschussgenehmigung, an der sich ein öffentlicher Streit entzündete. Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz stufte das Verhalten des Bären als „abnormal“ ein, Umweltminister Werner Schnappauf verkündete darüber hinaus, der Bär sei ganz offensichtlich außer Rand und Band. Angaben des Sprechers des bayerischen Umweltministeriums Roland Eichhorn zufolge, ist bereits die Bärenmutter Jurka bei sogenannten Vergrämungs-Versuchen, bei denen sie mittels Gummigeschossen von menschlichen Ansiedlungen ferngehalten werden sollte, versehentlich „falsch gepolt“ worden und habe somit auch ihre Jungen JJ1 und JJ2 entsprechend konditioniert Mitteldeutsche Zeitung: Streunender Braunbär ist kein Unbekannter mehr, 19. Juni 2006, siehe auch Debattierter Hintergrund des Problemverhaltens.
JJ1 habe es offensichtlich auf Schafe abgesehen, denn allein vom 2. bis 5. Juni tötete er mindestens acht, ließ sie aber meist liegen. Durchschnittlich reißt ein Bär nur zwei bis drei Schafe pro Jahr. Solche Schäden sind typisch und normalerweise durch Versicherungen gedeckt. Problematisch sei jedenfalls die offenkundige Nähe der menschlichen Siedlungen zum Bärenrevier.
Vertreter von Naturschutzverbänden stimmten dem zwar prinzipiell zu, wandten jedoch ein, dass es noch zu keiner direkten Konfrontation mit Menschen gekommen sei und Bären außerdem derartige Zusammentreffen üblicherweise mieden. Sie erklärten den Bären als ungefährlich für den Menschen und kritisierten ausdrücklich die heftige Reaktion.
Auch im Land Tirol wurde Ende Mai eine Schießgenehmigung für den Bezirk Außerfern erteilt und eine Ausweitung auf das ganze Bundesland diskutiert. Aufgrund der oben angeführten Diskussion wurde sie jedoch am 2. Juni sowohl in Bayern als auch in Österreich widerrufen, was von den Vertretern vieler internationaler Tierschutzorganisationen begrüßt wurde www.nachrichten.ch: Finnische Bärenfänger suchen «Bruno», 9. Juni 2006.
Das Team wurde auch von einem österreichischen Betäubungsexperten, dem Wiener Professor für Wildtiermedizin und Artenschutz Chris Walzer, begleitet. Da man mit Blasrohren oder normalen Betäubungsgewehren zu nah an den Bären heran gemusst hätte, war ein Spezialgewehr erforderlich, das auf eine Entfernung von 80 Metern Betäubungspfeile verschießen konnte. Bären haben eine außerordentlich dicke Fettschicht, darum versagen konventionelle Betäubungsmethoden.
Der sofortige Einsatz der Jäger scheiterte zunächst an bürokratischen Hürden, da geprüft werden musste, ob finnische Jäger grenzüberschreitend in Deutschland und Österreich bewaffnet eingreifen dürfen. Nach einer Einigung der Länder Tirol und Bayern gab es dann für die finnischen Sucher grünes Licht, am darauf folgenden Wochenende mit der Suche zu beginnen. Den Bärenfängern wurde zwei Wochen Zeit eingeräumt, den Bären aufzuspüren.
Am Sonntag, dem 11. Juni, begann die inzwischen eingetroffene Bärenhundestaffel im Bezirk Schwaz mit der organisierten Suche. Diese musste jedoch unterbrochen werden, weil ein Pächter sich weigerte, den Suchtrupp auf sein Jagdgebiet zu lassen, was wiederum darin begründet lag, dass die Bärenfänger keine Genehmigung vorweisen konnten. Erst ein Machtwort des zuständigen Landesrates konnte diesbezüglich Klarheit schaffen. Weil jedoch schon wieder ein Tag vergangen war, musste man auf die nächste Spur des Bären warten.
Als dieser tags darauf im Karwendelgebirge beim Achensee gesichtet wurde, nahm die Hundestaffel erstmals am 13. Juni morgens die Fährte des Bären auf. Sie musste jedoch die Jagd nach achtstündiger Suche abbrechen. Die Hunde waren erschöpft und den finnischen Jägern waren die Berge zu steil. Sowohl die Hunde als auch die Jäger hatten offenbar auch Probleme mit der ungewohnten Hitze. Aufgrund der ständig warmen Witterung blieben zudem die Duftspuren des Bären nicht lange erhalten, weshalb die Hundestaffel diese immer wieder verlor.
Am 21. Juni 2006 konnte der Bär zwar erneut gestellt, aber wieder nicht betäubt werden. Als ihm die Flucht gelang, konnte einer der Hunde ihn zwar verfolgen, aber nicht mehr stellen. Da die Hunde erschöpft waren, wurde auch kein weiterer Fangversuch mehr gestartet.
Am 23. Juni wurde der Einsatz der fünf finnischen Spezialisten endgültig abgebrochen.
Während man in Tirol die gesetzlichen Grundlagen für einen Abschuss des Bären schufKurier: Jagd auf JJ1 beendet, 23. Juni 2006, entbrannte in Bayern ein Streit darüber, wer dafür zuständig sein könnte: Der Landesjagdverband wollte sich keinesfalls aktiv an einer Hatz auf JJ1 beteiligen. So sollte die Polizei diese Aufgabe übernehmen. Das Innenministerium verwies aber darauf, dass die Polizei lediglich unterstützend, z. B. mit Hubschraubern und Personal, tätig werden könne, für die Jagd auf Großwild fehle jedoch die Kompetenz.
Die Neuerteilung der Abschussgenehmigung stieß dabei immer noch auf vehementen Protest von Experten und TierschützernNetzeitung: Ab Montag droht Bruno der Abschuss, 23. Juni 2006. Ein Streitpunkt war, ab wann die neue Abschussgenehmigung ihre Gültigkeit erlangte. Hier kursierten sowohl der 26. Juni für Bayern als auch der 27. Juni für Tirol in den Medien, das bayerische Ministerium selbst nannte den 25. Juni, obwohl in einer Allgemeinverfügung des zuständigen Regierungsbezirks Oberbayern vom 23. Juni 2006 „der sofortige Vollzug der vorstehenden Ausnahmegenehmigung als Notstandsmaßnahme im öffentlichen Interesse“ angeordnet wurde. Zitat: „Die Allgemeinverfügung tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft“Algemeinverfügung Regierung Oberbayern am 23.Juni 2006.
Kritisiert wurde auch, u.a. seitens der Jägerschaft, dass Schnappauf eine Abschussgenehmigung gutheiße, obwohl der Bär ein geschützes Tier und entsprechend dem bayerischen Jagdgesetz kein jagbares Wild ist. Somit, hieß es, läge eine Kompetenzüberschreitung wenn nicht gar die Anstiftung zum Wildfrevel vor.
Die Jägerschaft distanzierte sich von Anschuldigungen und gab an, sich bereits frühzeitig gegen einen Abschuss des Braunbären ausgesprochen zu haben, da dieser in Deutschland geschützt sei und überhaupt nicht gejagt werden dürfe - der Abschuss sei vielmehr durch ein staatlich beauftragtes Sicherheitsteam erfolgt.
TV-Berichten zufolge soll es sich bei den Personen um zwei ortsansässige Jäger sowie einen Polizisten gehandelt haben, die das Tier aus 150 Metern Entfernung durch zwei Schüsse in Lunge und Leber töteten. Von Seiten des Bayerischen Umweltministeriums hieß es, der Abschuss sei von – so wörtlich – „jagdkundigen Personen“ vorgenommen wordenBayerischer Rundfunk: Online-Berichterstattung des Bayerischen Rundfunks. Weitere Details über den Schützen oder den Vorgang selbst wurden jedoch nicht genannt.
Er starb aufgrund innerer Verletzungen, wie die am 28. Juni 2006 veröffentlichte Obduktion ergab, in der Lunge befand sich 1 Liter Blut. *
Am 6. Juli 2006 gab Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf das Ergebnis der DNA-Analyse bekannt, welches bestätigte, dass der abgeschossene Bär tatsächlich auch JJ1 war.
Auf eine entsprechende Anfrage der SPD-Fraktion im bayerischen Landtag verweigerte Schnappauf detailiertere Angaben zum Abschuss: „Aussagen zum Gewehrtyp, zu Kaliber und Munition können nicht gemacht werden, um die Anonymität der Beteiligten zu wahren.“DNA-Analyse bestätigt: Der tote Bär war JJ1 in www.badische-zeitung.de am 7. Juli 2006
In Deutschland populär und zu einem das Tagesgeschehen mitbestimmenden Wort wurde dieser Ausdruck jedoch erst durch eine Rede des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber Ende Mai 2006, der im Rahmen einer Pressekonferenz die Abschussgenehmigung rechtfertigte. Stoiber erkannte zwar die Bedeutung des Bären als Zeichen gelungenen Naturschutzes an, verwies aber auf die bestehende Problematik der mangelnden Scheu dieses Bären vor dem Menschen. Hierbei unterschied Stoiber in wissenschaftlich fragwürdiger Weise zwischen „Normalbären“ mit erwartungsgemäßem Verhalten, weiter sogenannten „Schadbären“ (einem Begriff, der in der Staatskanzlei breite Verwendung fand) sowie schließlich den „Problembären“, zu denen er auch JJ1 zählte. In den deutschen Medien und der deutschen Öffentlichkeit etablierte sich dann überwiegend der Begriff Problembär.
Aufgrund der ständig fehlgeschlagenen Fangversuche und der sich anhäufenden Schäden wurde JJ1 später auch als sogenannter "Risikobär" bezeichnet.
Inzwischen finden die mit der Rechtfertigung der Verfolgung des Bären in Zusammenhang gebrachten Komposita „Problem-“, „Schad-“ und „Risikobär“ vielfältige Verwendung. Oft tauchen sie in den Medien im Hinblick auf Personen oder Personengruppen auf, die gerade für ein negatives Presse-Echo sorgen. So sprachen Medien am 27. Juni in einem Artikel im Bezug auf den bayrischen Umweltminister, der die Abschussgenehmigung erteilt hatte, von einem „Problemminister“.Stern: "Schnappauf wird zum Problem-Minister", 27. Juni 2006 In anderen Medien war in ähnlichen Zusammenhängen die Rede von einem „Risikominister“ und von „Schadpolitikern“.
Auch das gesamte Wortgebilde „Problembär“ hat sich als Metapher für unliebsame Personen etabliert. Der stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP, Rainer Brüderle im Bezug auf Bundeswirtschaftsminister Michael Glos: „Manche sehen in Michael Glos ja schon den Problembären der Regierung, so eine Art Bruno der deutschen Volkswirtschaft.“ Spiegel Online:Kanzlerin rettet „Problembär“ Glos Auch in privaten Kreisen ist die Verwendung des Begriffes inzwischen ein Trend. Es ist daher nicht auszuschließen, dass mit dem Begriff „Problembär“ eine stehende Redewendung Einzug in die Alltagssprache erhält (vgl. die ähnliche Entwicklung bei der Figur Erklärbär aus der Sat.1-Wochenshow).
23. Mai: „Der Papst hat mit der Aufnahme des Bären in sein Wappen das Heimatrecht des Bären in Bayern neu bekräftigt.“ so der Münchner Ordinariatssprecher Winfried Röhmel.
Im Zusammenhang mit der Sichtung des Bären am 24. Juni 2006 hatte der anlässlich Brunos Auftauchen eigens ernannte bayerische Bärenbeauftragte, Manfred Wölfl, die Bevölkerung darauf hingewiesen, den Bären nicht zu verfolgen. Man solle sich im Falle einer Begegnung ruhig verhalten, dem Bären den Weg freigeben und ihm durch Sprechen signalisieren, dass er Menschen vor sich habe. Anschließend seien die Behörden zu informieren. Berliner Morgenpost: "Bruno" trifft Mountainbiker, 26. Juni 2006
In einem Internet-Wettbüro wurde die Frage gestellt: „Fliegt Deutschland bei der WM hinaus oder wird Bruno gefangen?“ Nach den damaligen Quoten war Deutschlands Ausscheiden leichter Favorit gamebookers Sportwetten-Portal.
Unter dem Namen „Bruno der Bär“ wird ein im Stil des Moorhuhn gehaltenes Online-Flash-Spiel kostenlos angeboten.
Wegen der erneuten Freigabe zum Abschuss wollten ab Dienstag, den 27. Juni Aktivisten der Jugendorganisation JBN des „Bund Naturschutz“ in „täuschend realistischen“ Bärenkostümen durch den Wald streifen, um die Jäger zu verunsichern und den Abschuss zu verhindern. Einen Tag vorher wurde JJ1 jedoch bereits erlegt.
Der tote Bär soll nach seiner Obduktion präpariert werden und dem Naturkundemuseum „Mensch und Natur“ im Schloss Nymphenburg in München übereignet werden Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz: Mitteilung, 26. Juni 2006, 13.00 Uhr. Hier ist bereits der letzte freilebende Bär ausgestellt, der vor 170 Jahren erlegt wurde. Zugleich gibt es Forderungen, „JJ1'“ Überreste in einem örtlichen Heimatmuseum auszustellen oder in seine italienische Heimat zu verbringen.