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JJ1, bekannt geworden als „Bruno“, (* 2004 im Val di Tovel, Trentino; getötet am 26. Juni 2006) war ein Braunbär, der im Mai 2006 von Südtirol, Italien über Tirol, Österreich nach Bayern, Deutschland eingewandert war.

JJ1 war der erste frei lebende Braunbär in Deutschland nach über 140 Jahren. Der letzte Braunbär in Deutschland wurde am 1. September 1864 im bayerischen Wettersteinwald erlegt.

JJ1 erbeutete auf seinem Streifzug Haus- und Nutztiere, vor allem Schafe, zum Teil auch in oder in der Nähe menschlicher Siedlungen. Er wurde daraufhin von der Regierung Bayerns als „Problembär“ bezeichnet, als Bedrohung für den Menschen eingestuft und schließlich zum Abschuss freigegeben. Diese Freigabe wurde aufgrund massiver Kritik von Experten und der Öffentlichkeit zeitweise zurückgezogen. Zwei Wochen lang wurde dann mit verschiedenen Methoden versucht, JJ1 lebendig zu fangen. Nach dem Abbruch der Fangversuche wurde er am Morgen des 26. Juni 2006 gegen 4:50 Uhr in der Nähe der Rotwand im Spitzingseegebiet erschossen.

JJ1 wurde während seines Streifzuges zu einem Politikum und internationalen Medienereignis, über das unter anderen auch die New York Times The New York Times: Bruno Is Having a Picnic, but He's No Teddy Bear, 16. Juni 2006 berichtete. Zahlreiche Menschen und Gruppen solidarisierten sich mit dem Bären. Besonders seine Tötung führte zu massiven Protesten.

Herkunft des Bären


Im Jahr 2004 wurde ein LIFE Nature Co-op Projekt gegründet, das mit Unterstützung der EU versucht, wieder Braunbären im Alpenraum anzusiedeln und die dort noch bestehenden Bärenpopulationen zu vernetzen. An diesem Projekt sind die Länder Italien mit den Regionen Trentino und Friaul, Österreich mit Kärnten, Nordösterreich, Oberösterreich und Steiermark sowie Slowenien beteiligt WWF: Bären in den Alpen. Im Rahmen des italienischen LIFE-Ursus-Projekts wurden im Naturreservat Adamello-Brenta bei Trient (Trentino/Norditalien) (Val di Tovel), von 1999 bis 2002 insgesamt zehn Bären aus Slowenien freigelassen. Die Population im Naturpark Adamello Brenta bestand Ende des 20. Jahrhunderts nur noch aus 2 bis 3 Individuen, ein Überleben dieser Population ohne Bestandsstützung war ausgeschlossen Naturpark Brenta Adamello - Homepage: Life Ursus (englisch). Seitdem sind dort insgesamt elf Junge geboren, derzeit schätzt man den aktuellen Bestand auf etwa 18 bis 20 Bären. JJ1 wurde dort 2004 geboren, er konnte während seines Streifzuges durch DNA-Analysen von Fellresten identifiziert werden WWF-Österreich: WWF bestätigt: Tiroler Bär ist JJ1, 30. Mai 2006. Seine Eltern sind Vater Joze (*1994) und Mutter Jurka (*1998). Als Erstgeborener erhielt er aus deren Anfangsbuchstaben den Namen JJ1. Zu Beginn seines Streifzuges erhielt JJ1 dann von österreichischen Medien den Spitznamen Bruno, die Augsburger Allgemeine nannte ihn hingegen Beppo Sein jüngerer Bruder, JJ2, war 2005 im Engadin in der Schweiz und in Nauders in Tirol unterwegs, gilt aber seit Herbst 2005 als verschwunden. Es wird vermutet, dass er gewildert wurdeLiechtensteiner Vaterland: "Schweizer Braunbär" seit neun Monaten spurlos verschwunden, 22. Juni 2006.

JJ1 hatte zum Zeitpunkt seines Todes eine Widerristhöhe von 91 cm, seine Scheitel-Steiß-Länge betrug 130 cm, die Kopflänge 32 cm und er wog 110 KilogrammWar „Bruno“ doch nicht sofort tot? in der Passauer Neuen Presse am 29. Juni 2006.

Verhalten


Normalerweise sucht ein Bär den Platz der zurückgelassenen Beute wieder auf, um diese vollends aufzufressen, sollte dies nicht bereits beim ersten Mal geschehen sein. Die Bärin Jurka machte jedoch die Erfahrung, dass beim zweiten Mal oft Menschen anwesend waren, die sie mit Gummigeschossen vertrieben, so dass sie lernte, das Zurückkehren zu einer Beute zu unterlassen. Bären sind lernfähig und übernehmen die Verhaltensweisen der Mutter. Als sich JJ1 als Jungbär noch bei seiner Mutter aufhielt, lernte er von seiner Mutter, nicht an eine Stelle zurückzukehren, an der er ein Beutetier gerissen hat. Dies machte es auch so schwer, den Bären in Tirol in eine Falle zu locken und einzufangen.

Nach Meinung von Verhaltensforschern wäre es möglich gewesen, den halbwüchsigen Bären umzuerziehen, d. h. ihn durch gezielte Vertreibungsmethoden das Halten von Abstand zu menschlichen Siedlungen beizubringen. Die Erfahrung mit den in Österreich eingesetzten speziellen Verhaltenstrainern zeigt, dass diese Methoden in der Regel auch bei so genannten „Problembären“ greifen.

JJ1 zeigte zu keinem Zeitpunkt Aggressionen gegenüber Menschen und ergriff bei Annäherung eines Menschen die Flucht.

Bärenmutter Jurka hat inzwischen drei weitere Jungbären. Seit mehreren Wochen wird im Trentino versucht, sie zu fangen, weil man befürchtet, dass sie ihr problematisches Verhalten, ebenso wie im Fall JJ1', an ihre Jungen weitergibt*in portale.web.de, 25.06.06

Beute und Sichtungen


Die hier wiedergegebene Route und die geschilderten Ereignisse beruhen fast ausnahmslos auf Pressemeldungen, die häufig auf Augenzeugenberichten basieren. In vielen Fällen können diese Meldungen, insbesondere wenn es sich um reine Sichtbeoabchtungen handelt, nicht als gesichert gelten und sind daher mit Vorsicht zu interpretieren.

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Anfang Mai 2006 verließ JJ1 Südtirol. 1 der Karte

4. Mai: Er betrat zum ersten Mal Nordtiroler Boden. Kurz darauf wanderte er nach Vorarlberg.

10. Mai: Er riss im Montafon zwei Schafe. Das erste Mal wurde er nachts beim Wechsel von Vorarlberg übers Zeinisjoch in Tirol von Jägern gesichtet. Danach durchstreifte er das Tiroler Oberland, wo er im Paznauntal Außerfern [4" target="_blank" >*.

17. Mai: Er wurde kurz vor der deutschen Grenze Im Tiroler Lechtal gesichtet.

18. Mai: „Der Bär ist in Bayern willkommen“, so der bayerische Umweltminister Werner Schnappauf.

19. Mai: JJ1 plünderte dort einen Bienenstock. Anschließend wanderte er Richtung Oberbayern und tötete vier Schafe.

20.–22. Mai: Er erreichte Grainau * bei Garmisch-Partenkirchen, wo auch ein Foto entstand. Dort fiel er über Geflügel her und riss zwei weitere Schafe. Kurz darauf führte seine Spur wieder zurück nach Österreich. "Der Bär ist zu einem Problembären geworden.", so das Bayerische Umweltministerium.

25. Mai: JJ1 wurde im Rofangebirge, in der Nähe vom Achensee *, von einem Jäger gesichtet.

27. Mai: Der Bär zog ins Zillertal * weiter und plünderte einen Bienenstock.

29. Mai: Er wurde bei der Überquerung der Inntalautobahn bei Jenbach * gesichtet und zog weiter zum Achensee.

Anfang Juni 2006 überquerte er wieder die deutsche Grenze.

2. Juni: JJ1 tötete zwei weitere Schafe.

4. Juni: Der Bär riss in der oberbayerischen Gemeinde Klais * abermals drei Schafe und verletzte vier weitere sowie ein Ziegenkitz.

5. Juni: Am Pfingstmontag fiel er am Lautersee bei Mittenwald wieder über drei Schafe her und tötete sie. Dabei lief er mitten durch eine kleine Siedlung am Seeufer, wie Tatzenspuren belegen. Am Tag sichtete eine Autofahrerin den Bären beim Tiroler Grenzort Ehrwald[11. In der Nacht plünderte JJ1 einen Hasenstall im österreichischen Weidach, Gemeinde Leutasch.

6. Juni: Mehrere Jugendliche sahen JJ1 auf einer Straße von Scharnitz nach Leutasch *.

8. Juni: Abends soll das Tier in der Nähe des Solsteinhauses im Gemeindegebiet von Zirl * gesichtet worden sein.

9. Juni: Bei einer nächtlichen Suchaktion, die von einem Tross Jäger durchgeführt wurde, konnten in dieser Gegend einige Bärenspuren, sowie ein totes und ein verletztes Schaf gefunden werden. Ob die Schafe von einem Bären angegriffen wurden, ist noch nicht gesichert. Am selben Tag wurde noch ein Wildhase ohne Kopf zwischen den Gemeinden Roppen und Sautens * im Bezirk Imst gefunden.

10. Juni: JJ1 brach nord-östlich von Innsbruck einen Kaninchenstall auf. Am selben Tag traf die extra aus Finnland angereise Bärenhundestaffel in Tirol ein.

11. Juni: Es wurden Spuren des Tieres im Gemeindegebiet von Terfens * im Bezirk Schwaz gefunden. Die Suche der darauf angesetzten Bärenhundestaffel brachte keinen Erfolg. Mitschuld an der Erfolglosigkeit dieser Aktion hatte ein Jäger, der die Hundestaffel nicht in sein Jagdgebiet lassen wollte, weil sie keine Genehmigung vorweisen konnten.

12. Juni: Der Bär, der in kurzer Zeit sehr große Distanzen zurücklegte, wurde wieder im Achental * gesichtet. Der wiederum angesetzte Suchtrupp gab jedoch nach stundenlanger Suche auf. Kurz vor der Suchaktion wurde auf Initiative des Tiroler Landesrates Anton Steixner eine schriftliche Genehmigung für die Bärensuche ausgestellt.

14. Juni: JJ1 wurde um 12.50 Uhr von einem Mountainbiker im Bereich der Gan-Alm im Vomper Loch gesichtet. Einem Studenten gelang es, ein weiteres Foto des Tieres zu machen.

15. Juni: Nachts wurde der Bär im Bereich des Sylvensteinspeichers (südlich von Bad Tölz) * in Oberbayern von einem österreichischen Autofahrer angefahren. Da der Bär nur gestreift wurde und am Unfallort weder Fell- noch Blutspuren zu finden waren, ging man davon aus, dass er unverletzt blieb. Der Bär flüchtete über eine Böschung hinab in Richtung eines Sees. Noch in der Nacht setzten die Bärenfänger die Hunde auf die Fährte des vierbeinigen Räubers, doch verlor sich seine Spur bis zum Vormittag wieder. Die Seilbahn am 1556m hohen Brauneck wurde kurzzeitig angehalten, nachdem der Bär dort tagsüber gesichtet wurde.

16. Juni: Gegen 01:00 Uhr früh wurde der Bär bei Lenggries in Bayern erstmals „gestellt“ und die Bärenfänger konnten sich ihm auf 600 Meter nähern, das Brauneck-Gebiet wurde vorher gesperrt und die Seilbahn angehalten. Die Dunkelheit, das unübersichtliche Gelände sowie ein starkes Gewitter verhinderten aber einen Abschuss oder eine Betäubung. Als die Fänger gegen 04:30 Uhr erneut zur Stelle der letzten Sichtung aufbrachen, fand man nur mehr ein gerissenes und zum größten Teil bereits vom Bären gefressenes Schaf vor. Die sodann aufgenommene Verfolgung musste gegen 08:00 Uhr abgebrochen werden, weil die Hunde keine Spur mehr hatten aufnehmen können Frankfurter Rundschau: [http://www.fr-aktuell.de/in_und_ausland/panorama/panorama/?em_cnt=907192 "Bruno" narrt Jäger erneut, 22. Juni 2006.

17. Juni: Der Bär wurde in Kochel am See gesichtet. In der Nacht brach das Tier dann inmitten des Orts einen Hasenstall auf und tötete Kaninchen sowie ein Meerschweinchen. Gäste eines Cafés wollen ihn direkt gegenüber einer Polizeistation gesehen haben www.lycos.de: [http://www.lycos.de/nachrichten/deutschland/show_story.html,,43548/baer-bruno-in-kochel-gesichtet.html «bruno» taucht am Tegernsee auf, 19. Juni 2006.

18. Juni: JJ1 wurde auf einer Alm im Gemeindegebiet der Tiroler Gemeinde Achenkirch * im Bezirk Schwaz vermutet. Es wurde ein Zaun zerstört und es wurde vom Almhirten beobachtet, dass die Kühe brüllend herumliefen, der Bär wurde nicht gesichtet keine Spuren von ihm gefunden.

19. Juni: Frühmorgens wurde er in Wildbad Kreuth gesehen. Erneut sind zwei Schafe gerissen worden Südwest Presse: [http://www.suedwest-aktiv.de/landundwelt/topthemen/2265030/artikel.php?SWAID=c029b31272bd1c784695154ab4a33fa6 «Bruno» taucht am Tegernsee auf, 16. Juni 2006. Nach behördlichen Angaben waren die fünf finnischen Bärenjäger mit ihren sechs speziell ausgebildeten Jagdhunden bereits auf der Fährte des Braunbären Bruno.

20. Juni: Der Bär traf nachts gegen 01:00 Uhr in Maurach auf einen Fußgänger und wurde an der dortigen Polizeiwache beobachtet.

21. Juni: Der Bär konnte zwar von den finnischen Spezialisten und ihren Hunden an einer Klamm bei Brandenberg * in der Nähe des Achensees im Bezirk Kufstein gestellt werden, ihm gelang jedoch wieder die Flucht.

22. Juni: Am Nachmittag sah ein Wanderer den Bären im Rofangebirge *.

23. Juni: JJ1 riss bei Thiersee (nahe Kufstein) ein Schaf. Die finnischen Bärenjäger gaben die Jagd auf JJ1 ist Bärenjägern neuerlich entwischt.

24. Juni: Weitere Beobachtungen erfolgten nahe dem Spitzingsee und der Bär wurde gesichtet, als er den Soinsee Miesbach durchschwamm. Am selben Abend wurde er in der Nähe einer Bergwachthütte im Rotwandgebiet [25" target="_blank" >* beim Aufstieg beobachtet.

25. Juni: Einer der letzten, der JJ1 noch lebend sah, war der Koch der Berghütte Rotwandhaus, Thomas Krapichler: „Der Bär hatte mehr Angst vor mir als ich vor ihm.“ Der Bär riss am Abend noch ein Schaf auf einer in der Nähe liegenden Weide, wurde dort jedoch von Kühen vertrieben. „Der ist sogar vor den Kühen davongelaufen.“ so der Angestellte der Berghütte, dessen Chef dann die Polizei verständigte, woraufhin sich Jäger auf JJ1' Spur heftetenUm 4.50 Uhr streckten sie ihn nieder ... im abendblatt.de am 29. Juni 2006.

26. Juni 2006: JJ1 wurde um 04:50 Uhr auf der Kümpflalm () in der Nähe der Rotwand * im Spitzingseegebiet bei Bayrischzell im Landkreis Miesbach erschossen.

Reaktionen auf JJ1


Die Abschussgenehmigung

Wegen seines Verhaltens, sich menschlichen Siedlungen zu nähern, und der darin gesehenen potentiellen Gefährdung, erließ die Bayerische Staatsregierung Ende Mai eine Abschussgenehmigung, an der sich ein öffentlicher Streit entzündete. Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz stufte das Verhalten des Bären als „abnormal“ ein, Umweltminister Werner Schnappauf verkündete darüber hinaus, der Bär sei ganz offensichtlich außer Rand und Band. Angaben des Sprechers des bayerischen Umweltministeriums Roland Eichhorn zufolge, ist bereits die Bärenmutter Jurka bei sogenannten Vergrämungs-Versuchen, bei denen sie mittels Gummigeschossen von menschlichen Ansiedlungen ferngehalten werden sollte, versehentlich „falsch gepolt“ worden und habe somit auch ihre Jungen JJ1 und JJ2 entsprechend konditioniert Mitteldeutsche Zeitung: Streunender Braunbär ist kein Unbekannter mehr, 19. Juni 2006, siehe auch Debattierter Hintergrund des Problemverhaltens.

JJ1 habe es offensichtlich auf Schafe abgesehen, denn allein vom 2. bis 5. Juni tötete er mindestens acht, ließ sie aber meist liegen. Durchschnittlich reißt ein Bär nur zwei bis drei Schafe pro Jahr. Solche Schäden sind typisch und normalerweise durch Versicherungen gedeckt. Problematisch sei jedenfalls die offenkundige Nähe der menschlichen Siedlungen zum Bärenrevier.

Vertreter von Naturschutzverbänden stimmten dem zwar prinzipiell zu, wandten jedoch ein, dass es noch zu keiner direkten Konfrontation mit Menschen gekommen sei und Bären außerdem derartige Zusammentreffen üblicherweise mieden. Sie erklärten den Bären als ungefährlich für den Menschen und kritisierten ausdrücklich die heftige Reaktion.

Auch im Land Tirol wurde Ende Mai eine Schießgenehmigung für den Bezirk Außerfern erteilt und eine Ausweitung auf das ganze Bundesland diskutiert. Aufgrund der oben angeführten Diskussion wurde sie jedoch am 2. Juni sowohl in Bayern als auch in Österreich widerrufen, was von den Vertretern vieler internationaler Tierschutzorganisationen begrüßt wurde www.nachrichten.ch: Finnische Bärenfänger suchen «Bruno», 9. Juni 2006.

Reaktionen der Öffentlichkeit

In der Folgezeit entwickelte sich eine öffentliche Diskussion über die Behandlung freilebender Bären und deren Bedrohungspotenzial für den Menschen.

  • Der WWF forderte die Erarbeitung von Verhaltensregeln, um die Öffentlichkeit in Zukunft an das Zusammenleben mit Wildtieren zu gewöhnen. Er bekräftigte die Notwendigkeit, gerade JJ1 als Wildtier des Jahres 2005, einzufangen.

  • Der Landesjagdpräsident kritisierte, der Bär würde zu sehr vermenschlicht.

  • In Bayern wurde ein Bärenbeauftragter eingesetzt. Dieser unterstrich ebenfalls die Gefahr für den Menschen.

  • Es gab unzählige bedruckte T-Shirts, Anstecker und Tassen zum Zeichen der Solidarisierung mit Bruno.

  • Bruno wurde u. a. von Waldemar Hartmann in seiner zeitgleich zur Fußball-WM stattfindenden Sendung, inoffiziell zum Maskottchen der deutschen Nationalelf erklärt. Am Rande der Sendung wurde über Bruno berichtet und nach dessen Abschuss ausdrücklich um ihn getrauert.

Fangversuche

Ziel der Fangaktion
Um den Bären umsiedeln und so vor dem Abschuss bewahren zu können, versuchten Naturschützer, ihn rechtzeitig einzufangen. Nach seinem Einfangen sollte, Experten zufolge, JJ1 mit einem Sender versehen werden, der es jederzeit ermöglicht, ihn bereits bei erstmaliger Annäherung an menschliche Siedlungen mit Gummigeschossen oder Ähnlichem zu vergrämen. Daraufhin hätte er sich dauerhaft in die Natur zurückziehen können, um auch in den Bergwäldern Bayerns ungestört zu leben.

Die Bärenfalle
In Zusammenarbeit mit dem WWF wurde zunächst versucht, ihn mittels einer speziellen Röhren-Falle einzufangen. Bei der in Montana hergestellten knapp € 3200,- teuren Falle handelte es sich um einen sogenannte Culvert-Trap, wie sie auch in Nordamerika zur Umsiedlung von Bären verwendet wird, die in der Nähe von Siedlungen auftauchen. Die Versuche blieben jedoch allesamt erfolglos. Eine eigens durchgeführte Suchaktion, die in der Nacht auf den 9. Juni 2006 im Gemeindegebiet von Zirl durchgeführt wurde, verlief ebenfalls erfolglos. Man konnte nur ein paar Bärenspuren sowie ein totes und ein verletztes Schaf finden.

Die Bärenjäger
Norwegian Elkhound 600.jpg Um das Tier systematisch aufzuspüren, wurde daraufhin ein finnisches Team von vier Bärenjägern mit der Suche beauftragt. Unterstützt wurden sie von schwedischen und norwegischen Elchhunden. Dabei handelt es sich um spezielle Hunde, die überwiegend gegen wehrhaftes Wild eingesetzt werden und speziell ausgebildet sind, um Bären und Elche zu stellen und diese von Menschen abzulenken. Außerdem sind sie mit leuchtend orangefarbenen Westen ausgestattet, die GPS-Ortungssender enthalten, um sie jederzeit wieder finden zu können Fünf finnische Elchhunde sollen Braunbär aufspüren in de.news.yahoo.com am 12.06.2006. Vor ihrem Einsatz in den Alpen wurde ihnen das Fell kürzer geschoren, um sie vor der sommerlichen Hitze zu schützen. Am Sonntag den 19. Juni traf ein weiterer Bärenjäger mit dem laut bayerischen Umweltministerium besten finnischen Bärenhund ein sueddeutsche.de: Spur in Österreich: Neue Rätsel um Bär Bruno. 19. Juni 2006.

Das Team wurde auch von einem österreichischen Betäubungsexperten, dem Wiener Professor für Wildtiermedizin und Artenschutz Chris Walzer, begleitet. Da man mit Blasrohren oder normalen Betäubungsgewehren zu nah an den Bären heran gemusst hätte, war ein Spezialgewehr erforderlich, das auf eine Entfernung von 80 Metern Betäubungspfeile verschießen konnte. Bären haben eine außerordentlich dicke Fettschicht, darum versagen konventionelle Betäubungsmethoden.

Der sofortige Einsatz der Jäger scheiterte zunächst an bürokratischen Hürden, da geprüft werden musste, ob finnische Jäger grenzüberschreitend in Deutschland und Österreich bewaffnet eingreifen dürfen. Nach einer Einigung der Länder Tirol und Bayern gab es dann für die finnischen Sucher grünes Licht, am darauf folgenden Wochenende mit der Suche zu beginnen. Den Bärenfängern wurde zwei Wochen Zeit eingeräumt, den Bären aufzuspüren.

Am Sonntag, dem 11. Juni, begann die inzwischen eingetroffene Bärenhundestaffel im Bezirk Schwaz mit der organisierten Suche. Diese musste jedoch unterbrochen werden, weil ein Pächter sich weigerte, den Suchtrupp auf sein Jagdgebiet zu lassen, was wiederum darin begründet lag, dass die Bärenfänger keine Genehmigung vorweisen konnten. Erst ein Machtwort des zuständigen Landesrates konnte diesbezüglich Klarheit schaffen. Weil jedoch schon wieder ein Tag vergangen war, musste man auf die nächste Spur des Bären warten.

Als dieser tags darauf im Karwendelgebirge beim Achensee gesichtet wurde, nahm die Hundestaffel erstmals am 13. Juni morgens die Fährte des Bären auf. Sie musste jedoch die Jagd nach achtstündiger Suche abbrechen. Die Hunde waren erschöpft und den finnischen Jägern waren die Berge zu steil. Sowohl die Hunde als auch die Jäger hatten offenbar auch Probleme mit der ungewohnten Hitze. Aufgrund der ständig warmen Witterung blieben zudem die Duftspuren des Bären nicht lange erhalten, weshalb die Hundestaffel diese immer wieder verlor.

Am 21. Juni 2006 konnte der Bär zwar erneut gestellt, aber wieder nicht betäubt werden. Als ihm die Flucht gelang, konnte einer der Hunde ihn zwar verfolgen, aber nicht mehr stellen. Da die Hunde erschöpft waren, wurde auch kein weiterer Fangversuch mehr gestartet.

Am 23. Juni wurde der Einsatz der fünf finnischen Spezialisten endgültig abgebrochen.

Kosten der Fangaktion
Die Kosten der Versuche, JJ1 einzufangen, wurden mit ca. 100.000 Euro beziffert. Zwei Drittel davon entfielen auf den österreichischen WWF, der ein Projekt zur Wiederansiedlung und zum Schutz von Braunbären in Österreich unterhält und einen eigenen Spurensucher beauftragt hat. Der vergebliche Versuch, JJ1 von fünf finnischen Bärenspezialisten und ihren Hunden stellen zu lassen, kostete 30.000 Euro, die sich Bayern und Tirol teilten.Abendblatt: Mountainbiker verfolgten "Bruno" – von heute an zum Abschuß frei, 26. Juni 2006 Die Bärenröhrenfalle kostete 4000 Dollar und wurde vom WWF finanziert.Süddeutsche Zeitung: Bruno, der ABM-Bär, 8. Juni 2006

Alternative Vorschläge
  • Alternativ schlug der Bärenexperte und Bärenpfleger, Dieter Kraml, vor, JJ1 mit seiner eigenen Bärin Nora anzulocken, um ihn in die Nähe des Betäubungsspezialisten zu bringen. Der Erfolg war zwar fraglich, da JJ1 noch nicht geschlechtsreif war, es hätte aber immerhin noch die Möglichkeit bestanden, dass JJ1 sie als eine Art Mutterersatz akzeptiert hätte.
  • Dieser Vorschlag wurde von verschiedenen Seiten aufgriffen und vermutet, dass sich JJ1 von fremden Bären durchaus würde anlocken lassen, da dieser offenkundig Kontakt zu anderen Bären suche. Das weite Umherstreifen sei ein klares Indiz für Kontaktsuche, so Tierschützer.
  • Zuletzt zeigte JJ1 auffallend wenig Scheu vor Menschen und näherte sich derart an, dass sogar Videoaufnahmen gelangen. Die Flucht ergriff er zuvor lediglich als Reaktion auf das Auftauchen der Jagdhunde. Dies legt die Vermutung nahe, dass es bei einer erneuten Annäherung möglich gewesen wäre, ihm auch für einen Betäubungsschuss nahe genug zu kommen.

Die erneute Abschussgenehmigung

Nachdem mehrere Versuche der finnischen Bärenjäger, JJ1 zu stellen und zu betäuben, fehlschlugen und deren Einsatz bis Montagabend, den 26. Juni 2006 befristet war, sollte nach Angaben des Sprechers des bayerischen Umweltministeriums, Roland Eichhorn, die Abschussgenehmigung wieder in Kraft gesetzt werdenBerliner Zeitung: Schonfrist für Braunbär JJ1 läuft am Montag ab, 23. Juni 2006. Auch der Landeshauptmann von Tirol, ist für den Abschuss.

Während man in Tirol die gesetzlichen Grundlagen für einen Abschuss des Bären schufKurier: Jagd auf JJ1 beendet, 23. Juni 2006, entbrannte in Bayern ein Streit darüber, wer dafür zuständig sein könnte: Der Landesjagdverband wollte sich keinesfalls aktiv an einer Hatz auf JJ1 beteiligen. So sollte die Polizei diese Aufgabe übernehmen. Das Innenministerium verwies aber darauf, dass die Polizei lediglich unterstützend, z. B. mit Hubschraubern und Personal, tätig werden könne, für die Jagd auf Großwild fehle jedoch die Kompetenz.

Die Neuerteilung der Abschussgenehmigung stieß dabei immer noch auf vehementen Protest von Experten und TierschützernNetzeitung: Ab Montag droht Bruno der Abschuss, 23. Juni 2006. Ein Streitpunkt war, ab wann die neue Abschussgenehmigung ihre Gültigkeit erlangte. Hier kursierten sowohl der 26. Juni für Bayern als auch der 27. Juni für Tirol in den Medien, das bayerische Ministerium selbst nannte den 25. Juni, obwohl in einer Allgemeinverfügung des zuständigen Regierungsbezirks Oberbayern vom 23. Juni 2006 „der sofortige Vollzug der vorstehenden Ausnahmegenehmigung als Notstandsmaßnahme im öffentlichen Interesse“ angeordnet wurde. Zitat: „Die Allgemeinverfügung tritt mit sofortiger Wirkung in KraftAlgemeinverfügung Regierung Oberbayern am 23.Juni 2006.

Kritisiert wurde auch, u.a. seitens der Jägerschaft, dass Schnappauf eine Abschussgenehmigung gutheiße, obwohl der Bär ein geschützes Tier und entsprechend dem bayerischen Jagdgesetz kein jagbares Wild ist. Somit, hieß es, läge eine Kompetenzüberschreitung wenn nicht gar die Anstiftung zum Wildfrevel vor.

Die Tötung des Bären

Nach nunmehr insgesamt vier Wochen erfolgloser Versuche, „Bruno“ zu fangen, wurde er am 26. Juni 2006 um 4:50 Uhr morgens auf der 1500 m hoch gelegenen Kümpflalm, einer Almwiese in der Nähe der Rotwand im Spitzingseegebiet, im Gemeindebereich Bayrischzell im Landkreis Miesbach getötetBayerischer Rundfunk: Abschuss: Jäger töten Braunbär „JJ1“, 26. Juni 2006.

Die Jägerschaft distanzierte sich von Anschuldigungen und gab an, sich bereits frühzeitig gegen einen Abschuss des Braunbären ausgesprochen zu haben, da dieser in Deutschland geschützt sei und überhaupt nicht gejagt werden dürfe - der Abschuss sei vielmehr durch ein staatlich beauftragtes Sicherheitsteam erfolgt.

TV-Berichten zufolge soll es sich bei den Personen um zwei ortsansässige Jäger sowie einen Polizisten gehandelt haben, die das Tier aus 150 Metern Entfernung durch zwei Schüsse in Lunge und Leber töteten. Von Seiten des Bayerischen Umweltministeriums hieß es, der Abschuss sei von – so wörtlich – „jagdkundigen Personen“ vorgenommen wordenBayerischer Rundfunk: Online-Berichterstattung des Bayerischen Rundfunks. Weitere Details über den Schützen oder den Vorgang selbst wurden jedoch nicht genannt.

Er starb aufgrund innerer Verletzungen, wie die am 28. Juni 2006 veröffentlichte Obduktion ergab, in der Lunge befand sich 1 Liter Blut. *

Am 6. Juli 2006 gab Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf das Ergebnis der DNA-Analyse bekannt, welches bestätigte, dass der abgeschossene Bär tatsächlich auch JJ1 war.

Auf eine entsprechende Anfrage der SPD-Fraktion im bayerischen Landtag verweigerte Schnappauf detailiertere Angaben zum Abschuss: „Aussagen zum Gewehrtyp, zu Kaliber und Munition können nicht gemacht werden, um die Anonymität der Beteiligten zu wahren.“DNA-Analyse bestätigt: Der tote Bär war JJ1 in www.badische-zeitung.de am 7. Juli 2006

Reaktionen auf die Tötung

Verbände
  • Der Bund Naturschutz in Bayern e. V. (BN) bedauerte, dass 170 Jahre nach der Ausrottung des Bären in Bayern durch den Menschen das erste wiederkehrende Tier bereits nach wenigen Wochen getötet wurdeBund Naturschutz in Bayern e. V.: Pressemitteilung, 26. Juni 2006.

  • Der WWF bedauerte den Abschuss, wies jedoch darauf hin, dass es sich um ein verhaltensauffälliges Tier handelteWWF: Pressemitteilung, 26. Juni 2006.

  • Die Tierschutzstiftung Vier Pfoten, die sich in Rumänien um Tanzbären kümmert und derzeit in Mecklenburg-Vorpommern eine Auffangstation für Braunbären aus schlechten Haltungsbedingungen errichtet, kündigte an, die Rechtmäßigkeit des Abschusses von Bruno zu prüfen und ggf. weitere juristische Schritte zu unternehmen Stellungnahme von VIER PFOTEN, 27. Juni 2006.

Politik

  • Der Umweltstaatssekretär Bayerns, Otmar Bernhard, bezeichnete den Abschuss von JJ1 als äußerst bedauerlich, aber objektiv unvermeidbarBayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz: Pressemitteilung, 26. Juni 2006. Des Weiteren erklärte Bernhard, dass die Identität des Schützen nicht preisgegeben werden solle. Fragen nach Beteiligung eines Polizisten an der Abschussaktion ließ er unbeantwortet. „Es sind Jagdkundige, und dabei bleibt es“, sagte Ministeriumssprecher Roland Eichhorn zu den Fragen nach den Bärenjägernn-tv: Meldung, 26. Juni 2006. Bereits wenige Stunden nach der Tötung trafen Morddrohungen gegen den Todesschützen bei dem örtlichen Jagdverein ein.

  • Italien legte am 28. Juni 2006 Protest gegen die Tötung von JJ1 bei der EU-Kommission einFrankfurter Allgemeine Zeitung: Italien protestiert bei EU-Kommission gegen „Brunos“ Tod, 27. Juni 2006. Die italienische Regierung will damit erreichen, dass der Artenschutz auf EU-Ebene geregelt wird. JJ1 war Teil des von der EU finanzierten Projektes „Life Ursus“ gewesen, dessen Ziel ist es, im Grenzgebiet Italien-Österreich-Deutschland wieder Bären anzusiedeln. Ein Abschuss komme nur dann in Frage, wenn ein Tier eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstelle - das sei bei JJ1 nicht der Fall gewesen, äußerte sich der WWF-Veterinär Alessandro de Guelmi, der maßgeblich für die Tierwelt der italienischen Alpen verantwortlich ist.

  • Der Umweltminister Deutschlands, Sigmar Gabriel, hat im Zusammenhang mit den Vorfällen um Braunbär JJ1 einen europaweit einheitlich geregelten Schutz von Raub- und Wildtieren verlangt. „Auch diese Tiere haben ein Recht zu leben, nicht nur im Zoo, sondern in ihrer natürlichen Umgebung.“ Gabriel geht zwar davon aus, dass die bayerische Landesregierung ihre Vorgehensweise sicherlich gut begründen kann, fragt sich jedoch „ob es nicht auch möglich gewesen wäre, Bruno zu betäuben oder mit Hartgummigeschossen zu vergrämen statt ihn zu erschießenDeutscher Minister fordert EU-Großwildmanagement in www.derstandard.at, am 29. Juni 2006.

  • Am 4. Juli 2006 haben sich in Trient Bärenexperten aus Italien, Deutschland, Österreich und der Schweiz getroffen, wobei es vor allem um wildbiologische Fragen ging. Weitere Beratungen über das so genannte Bärenmanagement sollen im August 2006 in Chur stattfinden.

  • Der italienische Umweltminister Alfonso Pecoraro Scanio hat in einem Schreiben das bayerische Umweltministerium offiziell aufgefordert, den Kadaver von JJ1 an Italien zurückzugeben. „Der Braunbär war Teil eines auf italienischem Staatsgebiet durchgeführten Projekts zur Wiedereingliederung der Braunbären in der Adamello-Brenta-Gruppe und ist somit Eigentum des italienischen Staates“ Rom verlangt offiziell die "Rückgabe" des Kadavers von "Bruno" in www.tagesanzeiger.ch am 4. Juli 2006.

Institutionen
  • Bei den bayrischen Strafverfolgungsbehörden gingen 50 Anzeigen gegen die am Tod des Bären beteiligten Personen ein, wie unterschiedliche Medien berichten. Die Anzeigen richten sich unter anderem gegen Bayerns Umweltminister Schnappauf, gegen Ministeriumsmitarbeiter und gegen die Schützen.

  • Nach Prüfung des Sachverhalts gab die Münchner Staatsanwaltschaft am 7. Juli 2006 bekannt, dass das Ermittlungsverfahren eingestellt wurde, da „keine zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für eine Straftat vorliegen.“ „Die Begründung für die Abschussgenehmigung sei nachvollziehbar und ein vorsätzlicher oder sorgfaltswidriger Verstoß gegen Strafnormen scheidet daher aus.Frankfurter Rundschau Keine Ermittlung wegen Braunbär "Bruno" am 7. Juli 2006

  • Henning Wiesner, Direktor des Tierparks Hellabrunn, empörte sich darüber, dass der Bär nicht betäubt und mit einem GPS-Halsband versehen wurde. Das hätte die Ortung des Bären mit einer Genauigkeit von ca. 5 m möglich gemacht, so dass man jederzeit Gegenmaßnahmen bei Annäherungen an menschliche Wohngebiete hätte einleiten können. Am Wochenende noch habe sich gezeigt, wie leicht sich Menschen dem Bären hätten nähern können (auf ca. 10–15 m), so dass der Einsatz von Betäubungsgewehr (ca. 30 m Reichweite) oder Blasrohr (ca. 10 m Reichweite) möglich gewesen wäre.

  • Die staatliche italienische Waldpolizei Cfs kündigte an, einen Helikopter auf den Namen Orso Bruno (Bär Bruno) zu taufenTages-Anzeiger: Italiens Waldpolizei tauft Helikopter Orso Bruno, 27. Juni 2006. Sie kritisierte die Erschießung des Tieres, welches die Frucht eines schwierigen und gut funktionierenden Programmes zur Wiedereinführung der Bären in den Alpen gewesen sei.

Öffentlichkeit
  • In einer Umfrage der Süddeutschen Zeitung sprachen sich 86% der Befragten gegen das Vorgehen im Fall Bruno aus. In einem Kondolenz-Blog im Internet verliehen tausende Internetnutzer aus Deutschland und anderen Ländern ihrer Trauer und ihrem Ärger über den Abschuss Ausdruck.

  • Einige erboste Reisende stornierten aus Verärgerung über den Abschuss ihren geplanten Urlaubsaufenthalt in Schliersee.

  • Nach dem Abschuss des Bären kam eine große Marketingkampagne in Gang. Es wurden Lieder gesungen, Gedichte veröffentlicht und Bilder gemalt. Zudem gab es speziell angefertigte Kondolenz-T-Shirts.

  • Ein bekannter Spielwarenhersteller legte als eine limitierte Sonderausgabe einen Plüschbären mit Trauerflor auf.Steiff will "Bruno"-Edition herausbringenin www.tagesspiegel.de am 27. Juni 2006 5 % des Kauferlöses sollen, so der Hersteller, dem vom WWF geleiteten Projekt zur Wiederansiedlung des Braunbären in Europa zugute kommen. Man wolle mit der Sonderauflage helfen, das WWF-Projekt in Europa publik zu machen und es nebst einer Spende mit dem Teilerlös unterstützen.

  • Im Internet tauchen Kondolenzbücher und Diskussionsseiten rund um die Tötung Brunos auf, auf denen öffentlich um den Täter spekuliert wird

  • Am Abschussort von "Bruno" im Rotwandgebiet, haben Unbekannte Kreuze aufgestellt, Blumen und Teddybären niedergelegt.

  • In der Nachbargemeinde Schliersee wurden Ortstafeln beschmiert.

Der Begriff „Problembär“


Im Zusammenhang mit dem Auftreten des Braunbären hatte sich schnell ein Begriff etabliert, der bisher in Deutschland fast unbekannt war: „Problembär“. Schnell wurde der Begriff zum Synonym für JJ1 und es bildeten sich erste Abwandlungen.

Herkunft des Begriffs

Aufgrund ähnlicher Zwischenfälle mit Bären in Niederösterreich und der Steiermark wurde dieser Begriff in der österreichischen Medienberichterstattung schon in den 90er Jahren geprägt. Der ehemalige Moderator der ORF-Fernsehsendung „Inlandsreport“, Helmut Brandstätter, erklärte im Jahre 1994 das Wort „Problembär“ scherzhaft sogar zum „Wort des Jahres“.

In Deutschland populär und zu einem das Tagesgeschehen mitbestimmenden Wort wurde dieser Ausdruck jedoch erst durch eine Rede des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber Ende Mai 2006, der im Rahmen einer Pressekonferenz die Abschussgenehmigung rechtfertigte. Stoiber erkannte zwar die Bedeutung des Bären als Zeichen gelungenen Naturschutzes an, verwies aber auf die bestehende Problematik der mangelnden Scheu dieses Bären vor dem Menschen. Hierbei unterschied Stoiber in wissenschaftlich fragwürdiger Weise zwischen „Normalbären“ mit erwartungsgemäßem Verhalten, weiter sogenannten „Schadbären“ (einem Begriff, der in der Staatskanzlei breite Verwendung fand) sowie schließlich den „Problembären“, zu denen er auch JJ1 zählte. In den deutschen Medien und der deutschen Öffentlichkeit etablierte sich dann überwiegend der Begriff Problembär.

Aufgrund der ständig fehlgeschlagenen Fangversuche und der sich anhäufenden Schäden wurde JJ1 später auch als sogenannter "Risikobär" bezeichnet.

Verselbständigung des Begriffes

Die als unreflektiert empfundene Einteilung des Bären durch den bayerischen Ministerpräsidenten sorgte in der Öffentlichkeit für Aufsehen und gab Anlass für heitere wie kritische Kommentare in den Medien. Sie wurde in Radiospots sowie im Internet in Form von Parodien mehrfach kabarettistisch aufbereitet. So wurde Stoiber z. B. als „Stoibär“ oder „Schlaubär“ bezeichnet, ferner war spöttisch von der „Stoiber'schen Bärenkunde“ die Rede. Der Fernsehmoderator Stefan Raab titulierte Stoiber als „Problembär der Staatsregierung“.

Inzwischen finden die mit der Rechtfertigung der Verfolgung des Bären in Zusammenhang gebrachten Komposita „Problem-“, „Schad-“ und „Risikobär“ vielfältige Verwendung. Oft tauchen sie in den Medien im Hinblick auf Personen oder Personengruppen auf, die gerade für ein negatives Presse-Echo sorgen. So sprachen Medien am 27. Juni in einem Artikel im Bezug auf den bayrischen Umweltminister, der die Abschussgenehmigung erteilt hatte, von einem „Problemminister“.Stern: "Schnappauf wird zum Problem-Minister", 27. Juni 2006 In anderen Medien war in ähnlichen Zusammenhängen die Rede von einem „Risikominister“ und von „Schadpolitikern“.

Auch das gesamte Wortgebilde „Problembär“ hat sich als Metapher für unliebsame Personen etabliert. Der stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP, Rainer Brüderle im Bezug auf Bundeswirtschaftsminister Michael Glos: „Manche sehen in Michael Glos ja schon den Problembären der Regierung, so eine Art Bruno der deutschen Volkswirtschaft.“ Spiegel Online:Kanzlerin rettet „Problembär“ Glos Auch in privaten Kreisen ist die Verwendung des Begriffes inzwischen ein Trend. Es ist daher nicht auszuschließen, dass mit dem Begriff „Problembär“ eine stehende Redewendung Einzug in die Alltagssprache erhält (vgl. die ähnliche Entwicklung bei der Figur Erklärbär aus der Sat.1-Wochenshow).

Sonstiges


23. Mai: „Der Papst hat mit der Aufnahme des Bären in sein Wappen das Heimatrecht des Bären in Bayern neu bekräftigt.“ so der Münchner Ordinariatssprecher Winfried Röhmel.

Im Zusammenhang mit der Sichtung des Bären am 24. Juni 2006 hatte der anlässlich Brunos Auftauchen eigens ernannte bayerische Bärenbeauftragte, Manfred Wölfl, die Bevölkerung darauf hingewiesen, den Bären nicht zu verfolgen. Man solle sich im Falle einer Begegnung ruhig verhalten, dem Bären den Weg freigeben und ihm durch Sprechen signalisieren, dass er Menschen vor sich habe. Anschließend seien die Behörden zu informieren. Berliner Morgenpost: "Bruno" trifft Mountainbiker, 26. Juni 2006

In einem Internet-Wettbüro wurde die Frage gestellt: „Fliegt Deutschland bei der WM hinaus oder wird Bruno gefangen?“ Nach den damaligen Quoten war Deutschlands Ausscheiden leichter Favorit gamebookers Sportwetten-Portal.

Unter dem Namen „Bruno der Bär“ wird ein im Stil des Moorhuhn gehaltenes Online-Flash-Spiel kostenlos angeboten.

Wegen der erneuten Freigabe zum Abschuss wollten ab Dienstag, den 27. Juni Aktivisten der Jugendorganisation JBN des „Bund Naturschutz“ in „täuschend realistischen“ Bärenkostümen durch den Wald streifen, um die Jäger zu verunsichern und den Abschuss zu verhindern. Einen Tag vorher wurde JJ1 jedoch bereits erlegt.

Der tote Bär soll nach seiner Obduktion präpariert werden und dem Naturkundemuseum „Mensch und Natur“ im Schloss Nymphenburg in München übereignet werden Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz: Mitteilung, 26. Juni 2006, 13.00 Uhr. Hier ist bereits der letzte freilebende Bär ausgestellt, der vor 170 Jahren erlegt wurde. Zugleich gibt es Forderungen, „JJ1'“ Überreste in einem örtlichen Heimatmuseum auszustellen oder in seine italienische Heimat zu verbringen.

Weblinks


Wikinews

Bilder

Projekte

Quellen


Individuelles Tier | Gestorben 2006

Bear JJ1 | JJ1 | JJ1

 

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