Jürgen Klinsmann (* 30. Juli 1964 in Göppingen) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler. Er spielte längere Zeit in der deutschen Nationalmannschaft, u. a. als diese 1990 Weltmeister und 1996 Europameister wurde. Im Juli 2004 übernahm er das Amt des Trainers der deutschen Nationalmannschaft und führte sie bei der Weltmeisterschaft 2006 zum dritten Platz. Nach der WM hat er seinen Vertrag als Bundestrainer nicht verlängert.
Spielerkarriere
Bevor Jürgen Klinsmann Berufsfußballer wurde, arbeitete er als Bäckergeselle in der Bäckerei seines Vaters in
Stuttgart-Botnang. Die erste Station seiner Profilaufbahn waren die
Stuttgarter Kickers. Seine Karriere als Spieler endete
1998 bei der
Fußball-WM in Frankreich, als die
DFB-Elf gegen Kroatien aus dem Turnier ausschied. Jürgen Klinsmann war zehn Jahre lang A-
Nationalspieler und war zuvor auch in U21- und U16-Begegnungen eingesetzt worden. Bei den
Olympischen Sommerspielen 1988 in
Seoul erkämpfte der Stürmer mit dem deutschen Team die Bronzemedaille. Jürgen Klinsmann bestritt insgesamt 221
Bundesliga-Spiele (110
Tore). In der Nationalmannschaft machte er 108 Spiele und schoss 47 Tore. Außerdem schoss er bei den WM-Endrunden
1990,
1994 und
1998 insgesamt 11 Tore und ist damit nach Gerd Müller (14) der deutsche Spieler mit den meisten WM-Toren.
1995 war Klinsmann in
England „Fußballer des Jahres“. In Deutschland erhielt er diesen Titel in den Jahren
1988 und
1994. Unter dem Pseudonym Jay Goppingen gab Jürgen Klinsmann 2003 größtenteils unbemerkt sein Comeback für die Orange County Blue Stars in der amerikanischen Premier Development League. In acht Spielen erzielte der damals 39-Jährige fünf Treffer und verhalf seinem Team damit zum Einzug in die Playoffs. Das Pseudonym Jay Goppingen ist abgeleitet von Klinsmanns schwäbischem Geburtsort Göppingen.
Trainerkarriere
Am
26. Juli 2004 wurde Klinsmann
Fußballbundestrainer der DFB-Auswahl. Zusammen mit
Team-Manager Oliver Bierhoff und
Co-Trainer Joachim Löw setzte er sich das Ziel, die
deutsche Fußballnationalmannschaft zum Gewinn der
Fußballweltmeisterschaft 2006 in
Deutschland zu führen. Schon in seinem zweiten Länderspiel als Trainer verbuchte Klinsmann einen großen Erfolg mit einer relativ jungen Mannschaft und erreichte ein 1:1 gegen den amtierenden Weltmeister Brasilien, nachdem er sein erstes Spiel gegen die Nationalmannschaft aus Österreich gewonnen hatte. Auf der Asientour Ende Dezember 2004 verlor Klinsmann mit seiner Mannschaft, die nicht perfekt eingestellt war, gegen Südkorea mit 1:3. Der bisher größte Erfolg war der dritte Platz beim
Konföderationen-Pokal 2005 hinter Argentinien und dem erstplatzierten Brasilien nach einem 4:3 Sieg über Mexiko.
In die Kritik aus Reihen von Sport, Medien und sogar Politik geriet Jürgen Klinsmann wenige Monate vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft 2006. Insbesondere nach einer 1:4-Niederlage gegen Italien am
1. März 2006 wurde eben jene Turnierstrategie des Bundestrainers, die DFB-Auswahl mit jüngeren Spielern offensiver aufzustellen, kontrovers und mehr oder weniger sachlich diskutiert. So schlugen im März Abgeordnete des
Sportausschusses im
Deutschen Bundestag vor, Jürgen Klinsmann vor das Gremium zu zitieren, um sein spiel- und turnierstrategisches Konzept darzulegen. Jegliche Kritik an Klinsmann verstummte rasch nach den überzeugenden Spielen der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2006, die problemlos die Vorrunde überstand und im Achtelfinale sowie Viertelfinale die Gegner Schweden und Argentinien bezwingen konnte, bevor sie im Halbfinale knapp an Italien scheiterte. Im „Kleinen Finale“ schlug seine DFB-Auswahl in einem der stimmungsvollsten und besten Spiele um den dritten Platz der WM-Geschichte
Portugal mit 3:1 und erreichte damit einen schlussendlich versöhnlichen guten Turnierabschluss. Von der
Sunday Times wurde er zum besten Trainer der WM gekürt. Für seine Verdienste soll Klinsmann nun sogar das
Bundesverdienstkreuz erhalten. Während des Turniers avancierte Klinsmann derart zum Sympathieträger, dass seine Zukunft als Bundestrainer in der Öffentlichkeit tagelang diskutiert wurde, Klinsmann selbst erbat sich aber Bedenkzeit. 2 Tage nach dem
Finale der FIFA-WM 2006, am
11. Juli 2006, erklärte er gegenüber
DFB-Präsident
Gerhard Mayer-Vorfelder seinen Rücktritt vom Amt des Bundestrainers. Nachfolger Klinsmanns ist sein ehemaliger Co-Trainer
Joachim Löw. Klinsmann begründete diese Entscheidung mitunter, er wolle sich wieder stärker um seine Familie kümmern.
Franz Beckenbauer hat Jürgen Klinsmann für dessen Fehlen beim Fifa-Medienworkshop kritisiert, obwohl dieser Workshop am ersten Todestag des Vaters von Jürgen Klinsmann stattfand. [Spiegel Online 12. Juli 2006: Klinsmanns Abschied][Spiegel Online 12. Juli 2006: "Das ist ein Pflichttermin"]
Privates
Jürgen Klinsmann absolvierte neben seiner beginnenden Fußballkarriere eine Lehre in der elterlichen Bäckerei in
Stuttgart-Botnang.
1995 heiratete er das Model Debbie Chin aus San José, lebt seit 1998 mit ihr in einer Villa am Strand von Newport Beach bei Los Angeles (Kalifornien, USA) und hat zwei Kinder (Jonathan und Leila). Bis zum Antritt seines neuen Postens arbeitete er als Manager eines Sportmanagementunternehmens. Zuvor war er als Co-Trainer des Vereins Los Angeles Galaxy tätig. Auch setzte er sich viel für gemeinnützige Projekte ein. So startete er zusammen mit den Absolventen eines Trainer-Lehrgangs das Projekt „Fußball d21“ zur Förderung junger Fußball-Talente, auch im Hinblick auf die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Außerdem engagiert er sich für das von ihm gegründete Hilfswerk Agapedia zur Unterstützung hilfsbedürftiger Kinder.
Jürgen Klinsmann gehört dem Präsidium der Stiftung Jugendfußball an. Die Stiftung Jugendfußball wurde im Jahr 2000 von Klinsmann, weiteren erfolgreichen Nationalspielern sowie den Dozenten des Fußball-Lehrer-Sonderlehrgangs gegründet.
Seine Stationen
Während seiner Spielerkarriere lief Jürgen Klinsmann für folgende Vereine auf:
Seine größten Erfolge
Der größte Erfolg Klinsmanns war der Sieg mit der Nationalmannschaft bei der
Fußballweltmeisterschaft 1990 in Italien.
Erfolge als Trainer für Deutschland:
Trivia
- Klinsmann machte bei der Fußball-Europameisterschaft 1988 die Rückennummer „18“ zu seinem Markenzeichen.
- Er war sieben Mal Torschütze des Monats. Nur Lukas Podolski wurde öfter gewählt.
- Während seiner ersten Verpflichtung bei Tottenham Hotspur erhielt er von den englischen Fans die abfälligen Spitznamen Submarine Commander („U-Boot-Kommandant“) und Diver („Taucher“), wegen seiner von ihnen als theatralisch empfundenen Art nach Fouls zu fallen. Kurze Zeit später erfand er den Diver als neue Art des Torjubels (der Spieler nimmt Anlauf und lässt sich flach auf den Bauch fallen um Kopf voraus über den Rasen zu gleiten). In England wird dies als „Doing a Klinsmann (Dive)“ bezeichnet.
- Während seiner Zeit bei Bayern München bekam er den zweifelhaften Spitznamen „Flipper“, weil ihm bei der Ballannahme die Bälle des Öfteren unkontrolliert wegsprangen.
- In seiner Zeit beim FC Bayern München unter Giovanni Trapattoni sorgte Klinsmann für Schlagzeilen. Am 10. Mai 1997 wurde er beim Spiel gegen den damaligen Tabellenletzten SC Freiburg (0:0) nach 80 Minuten für den Vertragsamateur Carsten Lakies ausgewechselt, beschimpfte Trapattoni lauthals mit „vai a cacare“ (dt: „geh kacken“) und trat wutentbrannt auf eine Werbetonne der Firma Sanyo ein. Diese Szene sorgte bundesweit für große Heiterkeit und für ungeahnte Aufmerksamkeit für Sanyo. Bei seinem Abschiedsspiel bewies Klinsmann Humor und parodierte diese Szene, indem er das Abschiedsfeuerwerk mit einem sanften Tritt gegen eine Sanyo-Tonne auslöste.
Abneigung gegen Boulevardmedien
Jürgen Klinsmann wird eine extreme Abneigung gegen
Boulevardmedien nachgesagt
[Christian Gödecke Deutschland Weltmeister wird in Spiegel Online, Juni 2006]. So ist Klinsmann der erste
Bundestrainer, der der
BILD-Zeitung nicht exklusiv die Spielaufstellung bereits einen Tag vor Spielbeginn übermittelt
[ZAPP gegen Klinsmann in NDR3, 15. März 2006]. Es wird vermutet, dass diese Haltung auf Gegenseitigkeit beruht, da die
BILD mit
Antipathie über Klinsmann berichtet.
[mächtigste Mann des deutschen Sports in Bildblog, am 13.03.2006][hat er Bild das nicht vorher gesagt? in Bildblog, am 14.03.2006][zufrieden? in Bildblog, am 14.03.2006] Sie prägte zum Beispiel den Begriff „Grinsi-Klinsi“, als er nach einer Niederlage der deutschen Nationalmannschaft angeblich lächelte.
Die Ursachen für diese gegenseitige Abneigung liegen wohl länger zurück, da die BILD zur EM 1996 behauptete, Klinsmann sei homosexuell. Harald Schmidt bezeichnete ihn darauf öffentlich als „Schwabenschwuchtel“. Klinsmann ging gegen diese Behauptungen gerichtlich vor und ihm wurde Recht zugesprochen.[Roger Repplinger Bumm Bild in RUND Fussball-Magazin]
Während die Bildzeitung im März 2006 noch titelte „Klinsmanns Unverschämtheit“ [ALFRED DRAXLER Unverschämtheit in BILD am 7. März 2006] wandelte sich zum Ende der WM 2006 die Berichterstattung deutlich. Klinsmann wurde nun sehr positiv dargestellt und am 6. 7. 2006 hieß es auf der Titelseite: „Klinsi - Deutschland wünscht sich, dass er bleibt“[Klinsi - Deutschland wünscht sich, dass er bleibt in BILD am 6. Juli 2006].
Statistik
Länderspieleinsätze
Jürgen Klinsmann bestritt als Spieler 108 Länderspiele, 29 davon als er bei
Inter Mailand unter Vertrag stand, 24 für
AS Monaco, 23 für den
FC Bayern München, 17 während seiner Zeit bei
Tottenham Hotspur, 12 für den
VfB Stuttgart und drei für
Sampdoria Genua.
Vereinsligaspiele
Bundesligatore
Weblinks
Quellen
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