Jülich ist eine mittlere kreisangehörige Stadt im
Kreis Düren,
Nordrhein-Westfalen,
Deutschland.
Geographie
Jülich liegt im Rurtal an der
Rur. Jülich und sein Umland liegen im Norden der Jülich-
Zülpicher-
Börde. Begrenzt wird das Stadtgebiet im Norden von der Stadt
Linnich, im Nordosten von der Gemeinde
Titz, im Südosten von der Gemeinde
Niederzier, im Süden von der Gemeinde
Inden und im Westen von der Gemeinde
Aldenhoven. Die größte Ausdehnung von Ost nach West beträgt 13,3 km und von Nord nach Süd 10,9 km. Der höchste Punkt von Jülich liegt in Bourheim bei 110 m (außer
Sophienhöhe), der tiefste bei 70 m in Barmen. Jülich besteht neben der Kernstadt aus 15 weiteren Stadtteilen.
Stadtbezirke
Die Stadt Jülich gliedert sich in 16
Stadtbezirke:
Geschichte
Juelich-Franzosen-MaxAusPlan-1805.jpg
Jülich entstand in römischer Zeit als Straßenstation entlang der Römerstraße von
Boulogne nach
Köln. Der
vicus erlangte eine gewisse Bedeutung wegen seiner strategischen Position an einer Furt der Rur und wurde im 4. Jahrhundert mit einem Kastell befestigt. Im 5. Jahrhundert fiel der Ort in fränkische Hand und entwickelte sich zum Zentrum eines Gaues, des sogenannten Jülichgaues, aus dem später die Grafschaft und dann ab 1328 das
Herzogtum Jülich hervorgingen. 1234 wird Jülich angeblich zur Stadt erhoben, im Rahmen eines Krieges gegen den
Erzbischof von Köln wird die Stadt 1239 zerstört. Am 14. Oktober 1279 schließen die Grafen von Jülich mit dem Kölner Erzbischof
Siegfried von Westerburg den
Pingsheimer Frieden. Im 14. Jahrhundert erhält die Stadt eine neue Befestigung, von der mit dem
Hexenturm und einem Mauerrest in der Stiftsherrenstraße noch Relikte erhalten sind. 1416 erhält die Stadt von Herzog Rainald von Jülich-Geldern das finanzielle Selbstbestimmungsrecht. Die Macht der Jülicher Herzöge wächst mit dem Zusammenschluß der Herzogtümer Jülich. Kleve und Berg zu den
Vereinigten Herzogtümern. Die Herrschaft Herzog
Wilhelm V., genannt
der Reiche, bedeutet einen Höhepunkt – zwar wird Jülich 1543 kampflos an kaiserliche Truppen übergeben, und 1547 fällt fast die ganze Stadt einer Feuersbrunst zum Opfer, aber sie wird durch den Herzog mit Hilfe des italienischen Architekten
Alessandro Pasqualini zur glanzvollen Residenzstadt und
Idealstadtanlage der
Renaissance ausgebaut. Im Zuge dieser Arbeiten entstehen die
Zitadelle und die Stadtbefestigung sowie die Grundzüge des Stadplanes, der bis heute erhalten ist. Damit entsteht die damals modernste Befestigung Europas. Nachdem die Herzogliche Linie 1609 ausstirbt, werden die Vereinigten Herzogtümer aufgeteilt. Die Stadt gehört danach mit dem Herzogtum zu Pfalz-Neuburg, dann Kurpfalz (1685) und Bayern (1685). 1610 wird Jülich im Zuge des
Jülich-Klevischen Erbfolgestreits zum ersten Mal belagert, 1621/1622 ein zweites Mal. 1794 bis 1814 gehört Jülich als Juliers im Departement Roer zum französischen Staatsgebiet. Die Franzosen erweitern die Festungsanlagen um den napoleonischen
Brückenkopf an der Rur und zahlreiche Außenwerke. 1815 wird Jülich preußische Festungs- und Kreisstadt. Die Festungswerke werden 1860 nach einer großen Belagerungsübung der preußischen Armee geschleift, aber die Stadt bleibt Garnison und Sitz einer Unteroffiziersschule. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts ist Jülich von französischen und belgischen Truppen besetzt, ein Reichsbahnausbesserungswerk (heute Heeresinstandsetzungswerk 800 / SysInstZentr 800) sorgt für einen Zustrom an Neubürgern, die im Südviertel angesiedelt werden, das planmäßig ausgebaut wird.
Juelich-zerstoert-1944.jpg
Am 16. November 1944 (Zweiter Weltkrieg) wird Jülich bei einem heftigen Luftangriff britischer Bomber zu 97 % zerstört, da es – obwohl die Stadtanlage, der Brückenkopf und die Zitadelle längst nicht mehr als Festung genutzt werden – als ein Haupthindernis bei der Einnahme des Rheinlandes gilt. Nach dem Ende der Kämpfe Anfang 1945 ist die Stadt praktisch unbewohnt und total zerstört, ihr Wiederaufbau scheint unsicher. In den Jahren 1949 bis 1956 erfolgt dann doch der Wiederaufbau des Stadtkerns, bei dem es gelingt, den überlieferten Renaissance-Grundriss zu erhalten. In den 50er und 60er Jahren bringt der Aufbau des Kernforschungszentrums (heute Forschungszentrum Jülich) wiederum zahlreiche Neubürger, hauptsächlich Akademiker, die sich hauptsächlich im Nordviertel ansiedeln. Durch Eingemeindungen steigt die Einwohnerzahl noch weiter auf über 30.000 an, allerdings wird der Kreis Jülich im Zuge der Kommunalreform aufgehoben. Die nach dem Krieg lange verwaiste Zitadelle wird instand gesetzt und Sitz des Städtischen Gymnasiums, in den 90er Jahren entwickelt sie sich immer mehr zum kulturellen und touristischen Mittelpunkt der Stadt. 1998 findet die Landesgartenschau in Jülich statt. Durch diese Entscheidung wurde die umfangreiche Restaurierung der Festungsanlagen des Brückenkopfes und die Anlage eines großen Naherholungsgebietes – des Brückenkopfparks – ermöglicht.
In der heutigen Zeit erhält Jülich vor allem durch das weltweit bekannte Forschungszentrum (seit 1956), das Kurzwellensendezentrum der Deutschen Telekom AG und die Fachhochschule (seit 1970) Bedeutung. Wahrzeichen von Jülich ist der Hexenturm.
Bevölkerungsentwicklung
Hauptartikel: Bevölkerungsentwicklung von Jülich
Population_Statistics_Jülich_1800.png
| Bevölkerungsentwicklung
|
| Jahr
| Einwohnerzahl
|
| Jahr
| Einwohnerzahl
|
| Jahr
| Einwohnerzahl
|
| 300
| 1.500
|
| 1900
| 4.964
|
| 31.12.1960
| 14.339
|
| 1533
| 1.300
|
| 1920
| 7.688
|
| 31.12.1970
| 20.778
|
| 1647
| 1.300
|
| 1931
| 10.051
|
| 31.12.1980
| 30.433
|
| 1735
| 1.520
|
| 1939
| 12.000
|
| 31.12.1990
| 31.285
|
| 1795
| 2.025
|
| 30.04.1945
| 100
|
| 31.12.2000
| 33.434
|
| 1802
| 2.429
|
| 31.12.1948
| 8.120
|
| 31.12.2005
| 33.900
|
| 1860
| 3.119
|
| 31.12.1951
| 10.182
|
|
|
|
Klima
Die folgenden Daten wurden erhoben von der meteorologischen Station des Forschungszentrums Jülich.
| Jahresmittelwerte von 1961-2004
|
|
| Jahresmittel
| Minimum
| Maximum
|
| Temperatur in °C
| 9,8
| -21,1 (1979)
| 37,6 (2003)
|
| Sonnenscheindauer in h
| 1528
| 1224 (1981)
| 2168 (2003)
|
| Niederschlag in mm
| 693
| 441 (1976)
| 1042 (1966)
|
| Windgeschwindigkeit in m/s
| 3,1
| 2,6 (89/92)
| 3,8 (1970)
|
Bildung und Forschung
Das
Forschungszentrum Jülich ist eine der größten Forschungseinrichtungen
Europas. Ein weiterer Studienstandort ist der Standort Jülich der
Fachhochschule Aachen. Das
Technologiezentrum Jülich beherbergt Existenzgründer und innovative Unternehmen, um
Technologietransfer aus den Hochschulen und Forschungseinrichtungen der Region zu erleichtern. Am 6. März 2006 wurde der Blue-Gene-Supercomputer von IBM (Jülicher Blue Gene L), dem in Europa schnellsten
Supercomputer, mit einer maximale Rechenleistung von 45,8
Teraflops/sec in Betrieb genommen.
In Jülich gibt es fünf Grundschulen (GGS Nord, GGS Ost, GGS Süd, GGS West und Katholische Grundschule), zwei Sonderschulen (Schirmerschule für Lernbehinderte und Stephanus-Schule für geistig Behinderte), sowie fünf weiterführende Schulen (Gemeinschaftshauptschule, Realschule, Mädchengymnasium, Gymnasium Haus Overbach, Gymnasium Zitadelle).
Zudem ist Jülich Sitz einer Berufsschule.
Freizeit und Sport
Im ganzen Stadt- und Umlandbereich finden sich vielfältige Möglichkeiten für Freizeit- und Sportaktivitäten. So existiert ein gut ausgebautes Netz von Rad- und Wanderwegen entlang der Rur mit einer Vielzahl Routen durch Natur- und Landschaftsschutzgebiete. Besonders hervorzuheben ist die nahe
Sophienhöhe – ein durch den
Tagebau Hambach entstandener künstlicher Berg: Neben Wander-, Reit- und Radwegen bieten sich hier günstige Verhältnisse für Drachenflieger und Wintersportler.
Jülich besitzt mehr als 60 Sportvereine mit mehreren Fußball- und Tennisplätzen, sowie Reit- und Turnhallen. Bekannt ist vor allem der mehrfache Europapokalsieger und Tischtennis-Bundesligist TTC Jülich.
Der SC Jülich 1910 war von 1969 bis 1971 dreimal in Folge deutscher Fußball-Amateurmeister und ist somit Deutschlands erfolgreichster Amateurverein. Außerdem nahm der Verein mehrfach am DFB-Pokal teil und spielte dort gegen namhafte Gegner wie Werder Bremen, Borussia Mönchengladbach, Bayern München und Arminia Hannover. Der Verein wurde 1997 nach Neugründung in SC Jülich 1910/97 umbenannt.
Städtepartnerschaft
Jülich hat seit 1964 eine
Städtepartnerschaft mit der
nordfranzösischen Stadt
Haubourdin.
Verkehr
Autobahnanschlüsse
- (Abfahrt Jülich Ost / Mersch aus Richtung Düsseldorf)
- (Abfahrt Jülich West / Koslar aus Richtung Aachen)
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen
- Stadtgeschichtliches Museum
Siehe auch: ''Liste deutscher Museen nach Orten, Liste deutscher Museen nach Themen
Bauwerke
Hexenturm_Jülich.jpg
Besonders hervorzuheben sind:
Kurzwellenzentrum Jülich
1956 errichtete der
Westdeutsche Rundfunk auf der Merscher Höhe den ersten
Kurzwellensender. In den Folgejahren wurde diese Anlage stark ausgebaut. Am 1. September 1961 wurde diese Anlage im Zuge der Gründung der
Deutschen Welle an die damalige
Deutsche Bundespost übergeben. Im Laufe der Zeit wurden 10 Sender mit Leistungen von 100 Kilowatt installiert, wobei als Sendeantennen riesige
Dipolwände zwischen freistehenden Stahlfachwerktürmen gespannt wurden. Heute werden diese Sender zum überwiegenden Teil an ausländische Anbieter vermietet. In den 1990er Jahren wurde auf dem Areal des Kurzwellenzentrums Jülich auch eine Sendeanlage für
Mittelwelle, bestehend aus an einer an einem Turm der Sendestation abgespannten Langdrahtantenne installiert. Sie sollte zur Verbreitung des Programms von Radio Viva auf 702 kHz genutzt werden, allerdings wurde diese Anlage nie für die reguläre Ausstrahlung des Programms von Radio Viva benutzt.
Seit 6. Dezember 2004 sendet der kommerzielle deutsche Rundfunksender TruckRadio über diesen Sender sein Programm auf 702 kHz.
Sonstiges
- Aufgrund ihrer einmaligen demographischen Struktur mit einer rheinisch-katholischen Stammbevölkerung und sehr vielen Zuzüglern durch das Forschungszentrum und das Reichsbahnausbesserungswerk wurde Jülich im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts Gegenstand einer bedeutenden soziologischen Studie durch amerikanische Wissenschaftler. Auch wenn die Stadt darin nicht mit Namen genannt wird, ist durch die Beschreibung unverkennbar, das nur sie gemeint sein kann.
- Das kulturelle und soziale Klima in der Stadt ist durch den extrem hohen Anteil an Akademikern geprägt, es gibt für eine Stadt dieser Größe sehr ernstzunehmende Kulturveranstaltungen sowie nicht weniger als drei Gymnasien für etwas über 30.000 Einwohner, gleichzeitig aber nur eine Haupt- und eine Realschule.
- Die Stadt beherbergt die Reliquien der Christina von Stommeln.
Lokale Bräuche
Muttkrate
In Jülich Geborene nennt man
Muttkrat (Mehrzahl:
Muttkrate). Diese Bezeichnung wird von den Jülichern mit Stolz verwendet, auch wenn die Herkunft des Wortes wenig schmeichelhaft ist: Die Bezeichnung leitet sich aus den Worten Mutt (Schlamm) und Krat (Kröte) ab. Die Kröten verkrochen sich bei Gefahr im Schlamm der Festungsgräben.
In Erinnerung an dieses Jülicher "Original" wurde außerdem passend zu der in jenem Jahre in Jülich stattfindenden Landesgartenschau – eine "Muttkrat" als Orgel"pfeife" an der neuen Hauptorgel der katholischen Propsteikirche installiert, die ein für Kirchenorgeln einmaliges Quaken von sich gibt.
Lazarus Strohmanus
Zum Jülicher Karneval gehört seit mehr als dreihundert Jahren der Brauch des
Lazarus Strohmanus. Lazarus, eine blau-weiß bekleidete Strohpuppe, wird am Veilchendienstag durch die Stadt getragen und an zentralen Orten mit einem Sprungtuch in die Luft geworfen ("gepreckt"). Nach Einbruch der Dunkelheit wird der Lazarus bei einem großen Hochfeuerwerk von der Stadionbrücke aus in der Rur versenkt.
Siehe auch: die verwandte Nubbelverbrennung
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
Literatur
- Eva Behrens-Hommel: Sagen und Überlieferungen des Jülicher Landes, 1996, ISBN 3-87227-061-3
- Eva Behrens-Hommel: Mundartsammlung des Jülicher Landes, 1997, ISBN 3-87227-062-1
- Günter Bers: Jülich - Geschichte einer rheinischen Stadt, Jülich 2004, ISBN 3-932903-26-9
- Guido von Büren (Hrsg.): Jülich Stadt – Territorium – Geschichte, Kleve 2000, ISBN 3-933969-10-7
- Ulrich Coenen: Von Juliacum bis Jülich. Die Baugeschichte der Stadt und ihrer Vororte von der Antike bis zu Gegenwart, 2. Aufl., Aachen 1989. ISBN 3-925714-17-0
- Ulrich Coenen: Stadt Jülich = Rheinische Kunststätten, Heft 368, Neuss 1991. ISBN 3-88094-696-5
- Conrad Doose/Siegfried Peters: Renaissancefestung Jülich, 1998, ISBN 3-87227-058-3
- Ulrich Eckardt/Wolfgang Hommel/Werner Katscher: Flug über Jülich, 2003, ISBN 3-87227-076-1
- Erwin Fuchs/Wolfgang Hommel: Die Jülicher und ihre Wurzeln, 1997, ISBN 3-87227-063-X
- Wolfgang Hommel: Stadtführer Jülich, 1998, ISBN 3-87227-065-6
- Wolfgang Hommel: Jülich im Aufbruch – Landesgartenschau und Stadtentwicklungsprogramm Jülich '98, 1998, ISBN 3-87227-098-2
- Hartwig Neumann: Stadt und Festung Jülich auf bildlichen Darstellungen, Bonn 1991. ISBN 3-7637-5863-1
- Gabriele Spelthahn: An der Synagoge – Jülich und der Holocaust, 1997, ISBN 3-930808-08-0
- Dietz-Rüdiger Moser: Lazarus Strohmanus Jülich – Ein christlicher Volksbrauch, 2000, ISBN 3-980-4213-7-6
Weblinks
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