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In die Italienischen Kriege waren in der Zeit von 1494 bis 1559 alle größeren europäischen Staten verwickelt: Frankreich, Spanien, das Heilige Römische Reich, die Schweizerische Eidgenossenschaft, England, Schottland, die Republik Venedig, der Kirchenstaat und fast alle anderen italienischen Staaten. Die Kriege entflammten zunächst wegen eines dynastischen Machtkonflikts um das Königreich Neapel, später eskalierten sie im Rahmen eines europäischen Machtkampfes zwischen dem französischen Königshaus Valois und den vereinigten Habsburgern. In dieser Zeit verloren die italienischen Staaten ihre Unabhängigkeit und wurden zum Spielball der europäischen Großmächte. Der Krieg endete 1559 mit einem Sieg des habsburgischen Spanien.

Politische Hintergründe


Im Jahr 1519 starb der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, der Habsburger Maximilian I. Sein Enkel König Karl I. von Spanien erbte die Habsburgischen Lande des Heiligen Römischen Reiches (insbesondere Österreich) und konnte sich mit finanzieller Unterstützung der Fugger als Karl V. zum deutschen König wählen lassen. Es entstand eine Weltmacht, die Frankreich von den Niederlanden, Deutschland, Italien und Spanien aus einkreiste.

Von 1519 bis 1559 kam es daher zu einem vierzigjährigen europäischen Krieg, in dem sich Frankreich aus der Umklammerung der Habsburger zu befreien suchte, 1557 in der Schlacht von Saint-Quentin jedoch unterlag. Der Frieden von Cateau-Cambrésis besiegelte zunächst die spanisch-habsburgische Vormachtstellung in Europa und in der Welt. Da der habsburgisch-französische Gegensatz jedoch fortdauerte, versuchte Frankreich in den folgenden drei Jahrhunderten mit wechselndem Erfolg, sich von der habsburgischen Umklammerung zu befreien. Diese europäischen Kriege (u.a. auch Erbfolgekriege) wurden vor allem auch in Italien ausgetragen. Italien wurde bis zu seiner Einigung im Jahr 1861 zum Spielball europäischer Machtpolitik.

Lage in Italien


Das nach dem Ende des Karolingischen Reiches entstandene Königreich Italien geriet bereits im 10. Jahrhundert unter die Vorherrschaft des deutschen Kaisers Otto I.. In diesem deutsch-italienischen Großreich rangen Kaiser und Papst um die Vorherrschaft (v.a. Investiturstreit), was besonders in den italienischen Kommunen den Gegensatz zwischen Guelfen und Ghibellinen begründete. Nach und nach befreiten sich die im inneren zusehends demokratischen italienischen Stadtstaaten von der Vorherrschaft des Heiligen Römichen Reiches (vgl. Schlacht von Legnano), gerieten wegen der danach aufflammenden Kämpfe zwischen verschiedenen Adelsfamilien jedoch bald unter die Herrschaft einzelner Fürsten, die ihre Macht und ihren Einflussbereich durch Söldnerheere (Condottieri) zu erweitern suchten. Diese Entwicklung konsolidierte sich bis zum Frieden von Lodi im Jahr 1454, der ein (wenn auch labiles) Gleichgewicht zwischen den unabhängigen italienischen Staaten schuf.

Das in dieser Zeit in der Büte der Renaissance stehende Italien war (von Norden nach Süden) in folgende Staaten aufgeteilt:

Der französische Feldzug von 1494/1495


Dieses in dieser Zeit relativ friedliche Zusammenleben der italienischen Staaten wurde 1494 durch einen gravierenden Vorfall gestört. In Mailand regierte Ludovico Sforza für seinen verhinderten Neffen Gian Galeazzo Sforza. Um selbst Herzog zu werden, plante Ludovico, seinen Neffen aus dem Rennen zu werfen. Dagegen opponierte König Ferdinand I. von Neapel, der Gian Galeazzos Schwiegervater war und als solcher u.a. zusammen mit den Medici die Machtbalance in Italien zu seien Gunsten verschieben wollte. Nachdem Ferdinand I. 1494 gestorben war und König Karl VIII. von Frankreich Ansprüche auf den Thron von Neapel erhob (den man schon im 13. Jahrhundert gehabt hatte), verbündeten sich Frankreich und Mailand in gemeinsamem Machtinteresse gegen Neapel. Ludovico empfing Karl VIII. und sein Heer in Mailand mit allen Ehren. In Florenz öffnete Piero de Medici den Franzosen ebenfalls die Tore, die jedoch vom Volk unter Pier Capponi in einem Aufstand vertrieben wurden. Dieses Schicksal ereilte auch die Medici, die sich der neuen Bewegung des Bußpredigers Girolamo Savonarola beugen mussten. Karl VIII. zog plündernd nach Neapel weiter, das vom aragonesischen Hof verlassen worden war. Erst jetzt begannen die italienischen Staaten zu verstehen, dass sie einem fremden Heer den Durchmarsch durch ihr Land gestattet hatten, welches seinerseits die blühende italienische Renaissance zu schätzen begann. König Maximilian I. trat nun an der Seite des Kirchenstaates ebenfalls auf den Plan, in erster Linie, um auf dem Umweg über Italien wieder die Herrschaft über Burgund zu erlangen, das ihm durch Heirat mit Maria, der Erbtochter Karls des Kühnen zugefallen war. Am 31. März 1495 schlossen die Republik Venedig, Spanien, Mailand (unter dem neuen Herzog Ludovico Sforza), Papst Alexander VI. und Maximilian die Liga von Venedig gegen die Expansionspläne Frankreichs. Die Franzosen konnten sich nach der Schlacht bei Fornovo nur mit Glück über die Alpen retten.

Verlust der Unabhängigkeit (1499-1504)


Nach dem französischen Rückzug schien in Italien alles wieder zum Alten zurückgekehrt zu sein. Doch die ausländischen Herrscher hatten erkannt, dass man sich im politisch schwachen Renaissance-Italien ohne größeren Aufwand enorm bereichern konnte. Der Nachfolger des französischen Königs Karl VIII., Ludwig XII., entsandte kurz danach ein weiteres Heer nach Italien, das unter Gian Giacomo Trivulzio Mailand besetzte. Der unterlegene Ludovico Sforza kam im Jahr 1500 als Gefangener nach Frankreich. Franzosen und Spanier besetzten Neapel gemeinsam, doch entbrannte hier sofort ein Machtkampf, der sich in einem Krieg entlud. Unter Gonzalo Fernández de Córdoba y Aguilar vertrieben die Spanier mit Unterstützung italienischen Söldner (u.a. Disfida di Barletta) die Franzosen und blieben unter Ferdinand II. wiederum Herren im Königreich Neapel. Der Friede von Blois zementierte 1504 die spanische Herrschaft über Süditalien für die kommenden zweihundert Jahre. Die Franzosen durften Genua und Mailand behalten.

Krieg der Liga von Cambrai und der Heiligen Liga (1508-1516)


Um ihren Einfluss in Italien wieder herzustellen schlossen Papst Julius II., Maximilian I., König Ludwig XII., Heinrich VII. von England und Ferdinand am 10. Dezember 1508 die Liga von Cambrai gegen die Republik Venedig zur Rückeroberung der von Venedig auf dem Festland (“terra ferma“) besetzten Gebiete. Diese von Papst Julius betriebene Allianz gegen Venedig entpuppte sich bald als Fehler, weil sie nach dem Rückzug des von der Niederlage bei Agnadello geschwächten Venedig das Feld noch mehr Franzosen und habsburgischen Spaniern überließ. Die 1511 vom Papst, Maximilian, Ferdinand, dessen Schwiegersohn Heinrich VIII. von England, Venedig und den Schweizern gegen Frankreich geschlossene Heilige Liga bereinigte die Lage zunächst wieder, da sich die Franzosen aus dem Herzogtum Mailand zurückziehen mussten. Im März 1513 verbündete sich Venedig mit Frankreich, was die Lage weiter komplizierte.

Am 6. Juni 1513 besiegten die Schweizer Ludwig XII. bei Novara und setzten die Sforza wieder als Herren in Mailand ein. Am 13./14. September 1515 besiegte König Franz I. von Frankreich die im Sold der Sforza stehenden Schweizer bei Marignano und gewann Mailand zurück.

Valois gegen Habsburg (1521-1525)


1519 starb Maximilian I. Die Kaiserwürde kam an den ebenfalls aus dem Hause Habsburg stammenden König Karl I. von Spanien, was zur Vereinigung aller Habsburger Besitzungen in Europa und zur Einkreisung Frankreichs führte. Habsburger und Franzosen bekriegten sich jetzt nicht mehr nur um die Vorherrschaft in Italien, sondern auch um die Vorherrschaft in Europa und in der Welt. Einer der Hauptkriegsschauplätze war Italien, wo sich einzelne italienische Staaten mal mit der einen, mal mit der anderen Großmacht verbündeten, um in deren Windschatten ihren jeweiligen Machtbereich und ihre Territorien auszudehnen.

1521 verbündete sich Kaiser Karl V. mit Papst Leo X. (aus dem Hause der Medici) und Heinrich VIII. gegen König Franz I., der, im Bündnis mit Genua, Venedig und Ferrara, über Mailand Neapel angreifen wollte, um so die habsburgische Umklammerung zu lösen. Am 19. November 1521 eroberte der kaiserliche Feldherr Pescara Mailand wieder für das Heilige Römische Reich.

Nach 1522 wandten sich die italienischen Staaten wieder von Frankreich ab, der (flämische) Papst Hadrian VI. wegen Franz´ Bündnis mit den Osmanen. 1524 nahm Frankreich Mailand wieder ein, Venedig und der Medici-Papst Clemens VII. wechselten auf die Seite Franz I. über.

Am 24. Februar 1525 stürmte das kaiserliche Heer gegen die Pavia belagernden Franzosen an und nahm Franz I. gefangen. Am 14. Januar 1526 besiegelte man den Frieden von Madrid, der Frankreich zum Verzicht auf Mailand, Genua und Burgund zwang.

Krieg der Liga von Cognac (1526-1530)


Im gleichen Jahr wurde wegen der zunehmenden Machtfülle des Kaisers auf Betreiben des Papstes zwischen Frankreich, Mailand, Florenz, Venedig und dem Kirchenstaat die Liga von Cognac gebildet. Georg von Frundsberg erhielt den Auftrag, ein Heer (Landsknechte) zum Schutz der kaiserlichen Truppen in der Lombardei zusammenzustellen, Erzherzog Ferdinand blieb aber den Sold schuldig. Eine Folge davon war die Plünderung Roms (“Sacco di Roma“) ab dem 6. Mai 1527.

Frankreich versuchte dann zusammen mit Genua Neapel zu belagern. Genua hatte sich 1522 unter Andrea Doria mit Frankreich verbündet, um die kaiserlichen Truppen aus der Stadt zu werfen. Doria revanchierte sich mit der Befreiung Marseilles von der kaiserlichen Belagerung. Doch als der französische König den Sold nicht zahlte und auch Savona nicht zurückgeben wollte, trat Doria 1528 in die Dienste des Kaisers. Die Genuesen zogen ihren Truppen aus Neapel ab und beendeten so die Belagerung der Stadt. Die Franzosen mussten auch Genua verlassen.

Nachdem sich der Papst wieder mit dem Kaiser versöhnt hatte, krönte er Karl V. 1530 in Bologna zum König von Italien und zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Da auch das unterlegene Frankreich Frieden mit dem Kaiser geschlossen hatte, war Karl V. nun uneingeschränkter Herrscher Italiens. Dem Medici-Papst Clemens versprach er die Wiederherstellung der Herrschaft seiner Familie in Florenz, das sich dagegen jedoch erbittert wehrte. In der Schlacht von Gavinana unterlagen die Florentiner unter Francesco Ferrucci wegen eines Verrates den kaiserlichen Truppen unter Karl V. im August 1530. Das belagerte Florenz musste sich wegen Hungersnöten und Epidemien schließlich dem kaiserlichen Willen beugen. Alessandro de Medici wurde neuer Herzog.

Der Krieg von 1535 bis 1538


Dieser Krieg zwischen Kaiser Karl V. und König Franz I. brach nach dem Tod des Herzogs von Mailand, Francesco Sforza, und dem bedingten Erbfolgestreit aus. Als Kaiser Karls Sohn Philip Herzog wurde, griff Franz I. in Norditalien an. Es gelang ihm, Turin zu besetzen, die Einnahme von Mailand scheiterte jedoch. Der Kaiser antwortete mit einer Invasion der Provence. Der Krieg endete mit dem Waffenstillstand von Nizza. Die Franzosen behielten Turin, sonst blieb die politische Landkarte Italiens im Wesentlichen unverändert.

Der Krieg von 1542 bis 1545


Der unzufriedene Franz I. schmiedete 1542 ein Bündnis mit den Ottomanen, um einen erneuten Angriff auf Italien zu starten. Im August 1543 nahm eine französische-ottomanische Flotte Nizza ein. Bei Cresole besiegten die Franzosen ein kaiserliches Heer, konnten aber nicht weiter in die Lombardei vorstoßen. Der Kaiser und der englische König Heinrich VIII. griffen daraufhin in Nordfrankreich an und besetzten Boulogne und Soissons. Wegen mangelnder Kooperation zwischen der englischen und spanischen Armee und dem zunehmenden Druck der Ottomanen zog sich Karl V. jedoch wieder zurück.

Valois gegen Habsburg (1547-1559)


Da sich Frankreich unter seinem neuen König Heinrich II. der habsburgischen Vorherrschaft nicht beugen wollte, bildete es ein neues Bündnis gegen den Kaiser. Bündnipartner waren u.a. die Osmanen und die gegen den katholischen Kaiser rebellierenden protestantischen deutschen Fürsten (Reformation). Anfangserfolge gab es in Lothringen, eine Besetzung der Toskana scheiterte jedoch 1553 bei Marciano. Im Jahr 1556 dankte Kaiser Karl V. ab, wodurch sein Großreich zwischen Philipp II. von Spanien und Kaiser Ferdinand I. aufgeteilt wurden. Der Schwerpunkt des Krieges verschob sich dadurch in die spanischen Niederlande. 1557 unterlagen die Franzosen den spanischen Truppen unter Emanuel Philibert von Savoyen in der Schlacht von Saint-Quentin entscheidend. Emanuel Philibert erhielt vom Kaiser seine Gebiete in Savoyen und Piemont wieder zurück und schuf dort die Grundlagen für einen starken Staat, der sich im 17. un 18. Jahrhundert zu einer europäischen Mittelmacht entwickelte und Italien im 19. Jahrhundert im Risorgimento aus der Fremdherrschaft befreite.

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