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Gróf István Széchenyi, auch Graf Stephan Széchenyi, (* 21. September 1791 in Wien; † 8. April 1860 in Döbling) war ein ungarischer Staatsreformer und Unternehmer. Beeinflusst durch Jeremy Bentham und Adam Smith stellte er sich ab 1825 vollkommen in den Dienst seiner Nation, um deren wirtschaftlichen Zurückgebliebenheit gegenüber dem Westen zu verbessern.

Leben


Széchenyi wurde in eine reiche ungarische Aristokratenfamilie in Wien geboren. Sein Vater Franz Széchenyi schenkte 1802 seine eigenen Sammlungen der ungarischen Nation und gründete damit das Ungarische Nationalmuseum und die Nationalbibliothek. Seine Mutter Julianna Széchenyi war die Schwester von Georg Festetich, der sich für die Förderung der ungarischen Literatur einsetzte.

Als junger Mann begann Széchenyi eine Karriere beim Militär. Er kämpfte in Kriegen gegen Napoleon und zeichnete sich als Rittmeister aus. Als ihm jedoch der Majorstitel verwehrt blieb, wandte er sich seiner neuen Lebensaufgabe zu: die Erneuerung seiner Nation. Széchenyi war in der ersten Hälfte des "Reformzeitalters" die Leitfigur der liberalen Bewegung Ungarns. In der zweiten Hälfte verlor er seine führende Position an den Radikalen Lajos Kossuth, der Ungarn schlussendlich in die Revolution von 1848/49 führte. Der feinnervige Graf Széchenyi - psychisch und physisch stark angeschlagen - brach in der Revolutionszeit seelisch zusammen. Die letzten elf Jahre seines Lebens verbrachte er in einer Nervenheilanstalt in Döbling bei Wien. Dem Griff der Behörde, die ihm die Überführung in eine öffentliche Irrenanstalt androhten, entzog er sich, indem er sich das Leben nahm.

Werke


Kritik am Feudalsystem

Széchenyis Werk "Kredit", das im Jahr 1830 erschien und einen für diese Zeit ungewohnt hohen Anklang fand, erörterte die Gründe für die wirtschaftliche Zurückgebliebenheit Ungarns. Er kritisierte darin die Zollpolitik Österreichs, den Kreditmangel und die Aufrechthaltung der Adelsprivilegien zu Lasten des Volkes. Der Kreditmangel lasse eine Industrialisation nicht zu und sei eine Folge des Feudalsystems sowie eines alten Verfassungsgesetzes namens "Avitizität". Sein Wirken galt der Schaffung neuer öffentlich-rechtlicher Rahmenbedingungen für die Erstarkung der Wirtschaft. In seinen Büchern "Licht" und "Stadium" stellte er ein konkretes Reformprogramm zusammen, welches auf eine strengere Gesetzesumsetzung und die Abschaffung der Steuerfreiheit von Adligen abzielte.

Förderung der Wirtschaft

Széchenyi besaß nie politische Macht. Als Privatunternehmer initiierte er viele Projekte für die Verbesserung der Transportwege und die Verschönerung der Stadt Budapest, damit sie der gesellschaftliche Mittelpunkt Ungarns wird. Er ließ die erste feste Brücke zwischen Buda und Pest, die Kettenbrücke, mittels einer Aktiengesellschaft bauen. Alle Passanten, auch Adlige, mussten für die Überquerung eine Maut bezahlen. Weiter förderte er die Dampfschifffahrt, leitete die Arbeiten zur Donau- und Theissregulierung, errichtete in Pest ein Kasino, wo sich Intellektuelle trafen, um Meinungen auszutauschen, und bot für die Gründung der Akademie der Wissenschaften sein Jahreseinkommen an.

Im Andenken an seine Leistungen für das ungarische Transportwesen wurde nach ihm die Széchenyi-Museumsbahn benannt, die das Anwesen der Adelsfamilie Széchenyi mit der nächsten normalspurigen Eisenbahnlinie verbindet.

In der Mitte


Kossuth

Lajos Kossuth war ein Revolutionär, mit dem Széchenyi in den vierziger Jahren in Konflikt geriet und in der Presse eine großangelegte politische Debatte führte. Die Debatte betraf hauptsächlich Fragen über die Eigenständigkeit Ungarns in der Gesamtmonarchie und über die Magyarisierung ethnischer Minderheiten. Széchenyi warnte seine Landsleute vor den Folgen einer Abtrennung von Österreich und vor denen des Sprachnationalismus'. Angesichts der Katastrophen im 20. Jahrhundert, die ganz Osteuropa voll erfasst haben, erwies er mit dieser Position einen bemerkenswerten Weitblick.

Metternich

Széchenyi versuchte immer wieder, die Wiener Regierung für seine Pläne zu gewinnen. Der maßgebende Staatsmann der Zeit, Fürst Metternich, hingegen hielt den Grafen für einen rebellischen Geist, der es auf die Aufspaltung des Kaiserreichs abgesehen habe. Der Staatskanzler deutete die Zeichen der Epoche richtig, aber er irrte sich in der Beurteilung der Persönlichkeit. Széchenyi war für ein erstarkendes ungarisches Nationalgefühl zu vorsichtig und zu regierungstreu.

Referenzen


OPLATKA ANDREAS, Graf Stephan Széchenyi, Zsolnay Verlag, Wien 2004

Politiker (Ungarn) | Literatur (Ungarisch) | Literatur (19. Jh.) | Ungar | Mann | Geboren 1791 | Gestorben 1860

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