Unter dem Begriff Anreicherung fasst man physikalische und chemische Methoden zusammen, die den Anteil eines bestimmten Isotopes in einem Isotopengemisch erhöhen. Die Anreicherung findet vor allem im Zusammenhang mit Kernspaltung und Kernfusion Anwendung, also für Kernreaktoren und Kernwaffen.
Die chemischen Eigenschaften von Isotopen sind fast identisch, so dass bei der Anreicherung praktisch ausschließlich physikalische Methoden zum Einsatz kommen.
Das wichtigste und wahrscheinlich einzige schwere Element, für das Isotopentrennung im industriellen Maßstab durchgeführt wird, ist das Uran. Natururan besteht zu etwa 99,3% aus 238U und zu 0,7% aus 235U. Für die Spaltung in Kernreaktoren und Kernwaffen wird 235U benötigt. Kernreaktoren werden meistens mit Uran beschickt, das eine Anreicherung von 3 bis 5% 235U hat. In Schwerwasser- und Graphit-moderierten Reaktoren kann auch Natururan zum Einsatz kommen. Für Kernwaffen ist eine sehr hohe Anreicherung erforderlich (typischerweise mindestens 90%), dieses Urangemisch wird auch als HEU (Highly Enriched Uranium) bezeichnet. Die von einer Trenneinrichtung produzierte Arbeit wird in kg Urantrennarbeit (kg UTA) ausgedrückt. In der englischen Fachliteratur wird statt kg UTA die Einheit SWU (Separation Work Unit) verwendet. Eine große Anlage besitzt eine Jahreskapazität in der Größenordnung einiger Millionen kg UTA.
Als Abfallprodukt der Urananreicherung entsteht abgereichertes Uran ("Tails") mit einem 235U-Gehalt von ca. 0,3%, das unter anderem in Ausgleichsgewichten für Flugzeugtragflächen und Uranmunition verwendet wird.
Um das Uran zur Energiegewinnung einsetzen zu können, muss bei den gängigsten Reaktortypen, den Druckwasserreaktoren und Siedewasserreaktoren, der Anteil des 235U erhöht werden. In einer Urananreicherungsanlage wird das eingespeiste (Natur-)Uran in zwei Fraktionen getrennt, von denen die eine einen gegenüber dem Ausgangsstoff höheren, die andere einen niedrigeren Anteil an 235U besitzt.
Den größten Anteil an der weltweit installierten Gesamtanreicherungskapazität haben immer noch die Diffusionsanlagen. Der Produktionsanteil der Zentrifugenanlagen steigt jedoch in zunehmendem Maße aufgrund der technischen Dominanz der fortschrittlichen Gaszentrifugen. In Frankreich soll demnächst die bestehende Gasdiffusionsanlage durch eine moderne Zentrifugenanlage (George Besse II) ersetzt werden. Zwei neue Zentrifugenanlagen sind in den USA geplant. Die Laseranreicherung, in deren Entwicklung erhebliche Mittel investiert wurden, konnte die in sie gesteckten Erwartungen nicht erfüllen. Die meisten Länder haben sich aus dieser Technologie inzwischen zurückgezogen oder den Forschungsaufwand zumindest deutlich reduziert.
Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten bestehenden Anlagen (mit Kapazitäten über 100 t UTA/a):
| Land | Anlage | Betreiber | Verfahren | t UTA/Jahr |
| China | Lanchow | CNNC | Diffusion | ca. 700 |
| China | Hanchong | CNNC | Zentrifuge | 200 |
| Deutschland | Gronau (Westf.) | Urenco | Zentrifuge | 1.720 |
| Frankreich | Tricastin | Eurodif | Diffusion | 10.800 |
| Großbritannien | Capenhurst | Urenco | Zentrifuge | 2.750 |
| Japan | Rokkasho-mura | JNFL | Zentrifuge | 1.050 |
| Niederlande | Almelo | Urenco | Zentrifuge | 2.150 |
| Russland | Ekaterinburg | Technabsexport | Zentrifuge | 10.000 |
| Russland | Krasnojarsk | Andrej Rosenskow | Zentrifuge | 2.500 |
| Russland | Rostow am Don | Technabsexport | Zentrifuge | 1.400 |
| Russland | Angarsk | Technabsexport | Zentrifuge | 1.400 |
| Russland | Tomsk | Technabsexport | Zentrifuge | 5.700 |
| USA | Paducah | USEC | Gasdiffusion | 11.300 |
Beim Zentrifugenverfahren wird die Tatsache ausgenutzt, dass die Dichte eines Gases bei sonst gleichen phys. Bedingungen nur vom Molekulargewicht abhängt.
Dazu wird gasförmiges Uranhexafluorid (UF6) in das Innere eines schnell rotierenden Zylinders geleitet. Der Rotor läuft auf einer Stahlnadel in einem abgedichteten Gehäuse im Vakuum. Unter dem Einfluss der hohen Geschwindigkeit und der dadurch bedingten massenabhängigen Zentrifugalkräfte sammeln sich die schwereren 238UF6-Moleküle im äußeren Bereich des zylindrischen Rotors und die leichteren 235UF6-Moleküle weiter innen. Dadurch kommt es zu einer Entmischung der Isotope. Uranhexafluorid ist auch deshalb so gut für den Anreicherungsprozess geeignet, weil Fluor selbst nur aus einem Isotop besteht; alle Fluor-Atome haben also genau die gleiche Masse, sodass die Masse der UF6-Moleküle einzig durch die unterschiedliche Masse des jeweiligen Uran-Atoms variieren kann. Darüber hinaus ist das Fluoratom klein, was für den rel. Dichteunterschied vorteilhaft ist:
Dieser Effekt wird noch verstärkt, indem man (z. B. durch Anlegen einer Temperaturdifferenz zwischen Boden und Deckel) im Innern der Zentrifuge eine axiale Umlaufströmung anregt. Der größte Konzentrationsunterschied besteht dann nicht mehr zwischen Achse und Rotorwand, sondern zwischen den Enden der Zentrifuge. Dort werden folglich auch die angereicherte Fraktion („Product“) und die abgereicherte Fraktion („Tails“) entnommen. Auch beim Zentrifugenverfahren erfolgt der Trennprozess im Vakuum, daher müssen "Produkt" und "Tails" mit Hilfe von Kompressoren oder Sublimatoren/Desublimatoren auf Normaldruck erhöht werden bevor sie in die Transport- oder Lagerbehälter abgefüllt werden können.
Die Effektivität der Zentrifugen kann durch Vergrößerung der Rohrlänge und insbesondere der Umlaufgeschwindigkeit gesteigert werden. Daher besitzen die Zentrifugen eine längliche, walzenartige Form. Mit Aluminiumlegierungen werden 400 m/s, mit hochfesten Stählen 500 m/s und mit faserverstärkten Werkstoffen über 700 m/s erreicht. Die Trennleistung wird durch die Materialeigenschaften des schnell umlaufenden Rotors sowie durch technisch bedingte Einschränkungen der Rotorlänge (Auftreten von unerwünschten Eigenschwingungen) praktisch begrenzt.
Anstelle des Druckunterschiedes kann auch ein Temperaturgefälle zur Isotopentrennung mittels Diffusion ausgenutzt werden. Bei der thermischen Diffusionsmethode (Thermodiffusion) wird ein Gas oder eine Flüssigkeit in einem engen Raumbereich zwischen zwei vertikalen Platten von einer dieser Platten erhitzt und von der anderen gekühlt. Moleküle, die das leichtere Isotop enthalten, diffundieren bevorzugt zur wärmeren Platte, die anderen zur kälteren Platte. Darüber hinaus bildet sich an der wärmeren Platte eine leichte aufwärtsgerichtete Konvektion, so dass sich im oberen Bereich der Zelle die Moleküle mit den leichteren Isotopen konzentrieren, und im unteren Bereich die schwerereren. Praktisch verwendet man statt Platten eher konzentrische Rohre (Trennrohr nach Clusius und Dickel).
siehe auch: Gasdiffusionsverfahren
Dieses Verfahren ist aber keine Anreicherung im Sinne der Definition, da man nur einzelne Atome gewinnt. Eine Anreicherung im Gramm- oder sogar Kilogramm-Bereich kann man aber nicht erzielen. Es wird daher hauptsächlich in der Forschung eingesetzt, da sich im Idealfall bereits ein gewonnenes Atom eines Isotops detektieren lässt.
Grundsätzlich lassen sich zwei Konzepte unterscheiden: die Photoionisation von Urandampf (atomares Verfahren; AVLIS) und die Photodissoziation von UF6 (molekulares Verfahren; MLIS). Theoretisch erlaubt das Laserverfahren eine Isotopentrennung in einem einzigen Schritt. Praktisch hängt die Zahl der erforderlichen Stufen davon ab, inwieweit sich die idealen Verhältnisse realisieren lassen.
Beim atomaren Verfahren werden die Atome eines Isotopengemisches selektiv ionisiert. Nach der Ionisation eines Isotops (235U) kann es leicht von den nicht ionisierten Atomen des anderen Isotops (238U) durch Beschleunigung in einem elektrischen Feld getrennt werden.
Beim molekularen Verfahren wird das 235U enthaltende Molekül zunächst durch einen ersten Laser angeregt, bevor durch einen zweiten Laser ein Fluor-Atom abgespalten wird. Das entstehende feste 235UF5 kann leicht aus dem Gas gefiltert werden.
Nach anfänglicher Euphorie über die Vorteile dieser Verfahren gegenüber herkömmlichen, etablierten Anreicherungsverfahren ist man inzwischen wieder skeptischer geworden hinsichtlich der industriellen Realisierbarkeit. Viele Forschungs- und Entwicklungsprogramme wurden bereits wieder eingestellt, da es sich zeigte, dass die technischen Probleme (Korrosion an den Apparaturen) so unüberwindbar sind, dass auch Hochtechnologie-Länder daran scheiterten.
Jedoch verlangt der Bau und der Betrieb einer Anreicherungsanlage ein wesentlich höheres technologisches Niveau als der Bau eines einfachen Kernreaktors. Kernreaktoren, die hauptsächlich das waffenfähige 239Pu erzeugen, besitzen ein sehr einfaches Design, eignen sich deswegen schlechter zur Stromerzeugung, sind unsicher und daher für jeden Fachmann klar als für diesen Zweck gebaut erkennbar. Das in einem solchen Reaktor gewonnene Plutonium kann dann auf rein chemischem Wege von den übrigen Spaltstoffen abgetrennt werden, siehe dazu auch Plutoniumbombe.
Uraanverryking | تخصيب اليورانيوم | Isotope separation | Enriquecimiento de uranio | غنیسازی اورانیوم | Enrichissement de l'uranium | Dúsított urán | Auðgað úran | 濃縮ウラン | Verrijkt uranium | Anrikning
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Uran-Anreicherung".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world