Als Isochronismus bezeichnet man die Gleichförmigkeit von Schwingungen, also ihre von äußeren Störeinflüssen unabhängige Frequenzkonstanz.
Die Betrachtungen hier beziehen sich auf Räderuhren, die heute jedoch weitgehend von Quarz- und Funkgesteuerten Uhren abgelöst sind. Allerdings werden noch immer (tragbare) Räderuhren im Hochpreissektor gefertigt (z. B. Lange, Nomos, Rolex).
Behandelt werden Mechanismen zur Reduzierung von Einflüssen auf die Schwingungskonstanz der Taktgeber von Räderuhren. Diese Taktgeber sind entweder Pendel oder Unruhe (Drehschwinger). Dieser Artikel bezieht sich auf Uhren, wie sie als Gebrauchsuhren (wenn auch in früheren Zeiten zuweilen als Prunkuhren) Verwendung fanden und teilweise noch heute in Gebrauch sind. Unberücksichtigt bleiben frühe Uhren mit der „Waag“ als Schwinger und Sonderkonstruktionen für Chronometer und wissenschaftliche Präzisionsuhren.
Der „Gang“ ist die Änderung des Standes in Abhängigkeit von der Zeit; die Uhr geht ggf. vor oder nach. Der Gang lässt sich korrigieren (z. B. durch Veränderung der Pendellänge oder durch Veränderung der freien Spiralfederlänge mittels des Rückers an Uhren mit Unruhe); er ist ebenfalls kein Qualitätskriterium.
Problematisch ist erst die Änderung des Ganges in Abhängigkeit von der Zeit. Ursachen sind entweder äußere Einflüsse (Temperatur) oder werksinterne (bevorzugt die sich ändernde Zugkraft der Antriebsfeder).
Bemühungen, den optimalen Querschnitt der Schnecke zu berechnen (erste Versuche Varignon, 1702) schlugen wegen falscher Randbedingungen fehl, erst vor wenigen Jahrzehnten konnte das Problem schlüssig gelöst werden (Peter S. Honig). In der Praxis versuchten die Uhrmacher die günstigste Form (deshalb früher auch häufig Holzschnecken) empirisch zu finden.
Die Kettenglieder waren äußerst fein (Kinderarbeit), es gingen bis zu 800 Glieder auf 12 cm Kettenlänge!
Eine weitere Quelle des Gangfehlers war die Amplitudenabhängigkeit der Schwingungsfrequenz. Chr. Huygens (1629 - 1695) zeigte, dass dieser Fehler vermieden wird, wenn das Pendelgewicht sich auf der Bahn einer Zykloide bewegt. Für ein physikalisches (Faden-) Pendel erreicht man das, wenn der Faden sich an der oberen Pendelaufhängung an zykloidenartige seitlichen Begrenzungen anschmiegt. Technische Probleme bei der Realisierung der Kurvenformen verhinderten jedoch zufrieden stellende Ergebnisse.
Seit Anfang des 20. Jahrhunderts verbreiteten sich vor allem im Bereich der Präzisionspendeluhren Werkstoffe mit möglichst geringen Wärmeausdehnungskoeffizienten. Hier hat sich das Standard-Invar FeNi36, die zuerst entdeckte Invar-Legierung aus ca. 36% Nickel und 64% Eisen, gegenüber dem noch ausdehnungsärmeren Quarzglas durchgesetzt. Neben der bestehenden Sprödigkeit erweist sich bei Glas-Stangen auch die Verbindung mit Pendelaufhängung und Pendelmasse kritischer.
Invar-Stangen werden vor ihrem Einsatz in Präzisionsuhren einer künstlichen Alterung in Form von wechselnder mechanischer und thermischer Beanspruchung unterzogen. Dies dient dem Abbau innerer Spannungen, die zu unvorhersehbaren Längenänderungen führen würden.
Heute wäre auch ausdehnungsfreie Glaskeramik als Material für Pendelstangen denkbar.
Andere Störgrößen:
Der Einfluss der bei der Unruhschwingung sich exzentrisch verlagernden Spiralfeder wurde reduziert durch Aufbiegen der Spiralenden aus der Ebene („Bréguet-Spirale“, A. L. Bréguet, 1747 – 1823).
Weitere Störungen treten bei tragbaren Uhren durch Stöße und durch Veränderungen der Uhrenposition (Lage) auf. Stöße werden durch elastische Aufhängung der Zapfenlagerung, besonders der hoch beanspruchten Unruhewelle, abgefangen („Inca-bloc“, „Shock-resist“ ). Die Lageempfindlichkeit lässt sich durch Auswuchten der Unruhe mittels kleiner Schrauben auf dem Reif und durch erhöhte Fertigungsgenauigkeit reduzieren (bei Chronometern ein Prüfmerkmal). Eine Konstruktion für höchste Ansprüche ist der Tourbillon, eine bewegte Vorrichtung der Unruh-Anordnung (Bréguet).
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