Ismail Pascha (* 31. Dezember 1830 in Kairo, † 2. März 1895 in Konstantinopel) war von 1863–1879 Vizekönig von Ägypten. Er ist auch unter dem Beinamen „Ismail der Prächtige“ bekannt. Als Machthaber modernisierte er Ägypten enorm, stürzte das Land aber auch in schwere Schulden. Unter seiner Herrschaft erreichte Ägypten die größte Ausdehnung, bis ins Gebiet des heute ugandischen Gondokoro.
Nach dem Tode seines Onkels Muhammad Said am 18. Januar 1863 wurde er ohne Widerspruch zu dessen Nachfolger proklamiert. Er bekam, gegen die Verdoppelung des Tributs, vom Sultan Abdülaziz den Titel „Khedive“ verliehen (1867).
Ismail führte die Staatsgeschäfte sowohl mit Geschick als auch verschwenderisch. Nach seiner erzwungenen Abdankung verließ der Khedive Ägypten. Ein Aufenthalt in Konstantinopel wurde ihm anfangs verwehrt. Am 30. Juni 1879 reiste Ismail mit einem Zug voller Güter in Kairo ab. Er schiffte sich am 1. Juli 1879 von Alexandria mit seinem Harem nach Neapel ein und bemühte sich vergeblich, durch Rundreisen zu den europäischen Mächten die Wiederherstellung seiner Herrschaft zu erlangen. Der Sultan Abdülhamid II. gestattete Ismail Pascha schließlich, sich auf seinen Palast Emirgan am Bosporus zurückzuziehen. Dort blieb er, mehr oder weniger ein Staatsgefangener, bis an sein Lebensende. Der ehemalige Vizekönig starb 1895 in Konstantinopel. Nachfolger als Khedive wurde sein Sohn Tawfiq (1879 – 1892).
Hauptsächlich war Ismails Augenmerk darauf gerichtet, die Herrschaft seiner Dynastie zu festigen und sich vom türkischen Sultan unabhängig zu machen. Im Mai 1866 erhielt er die Zustimmung der Pforte zur Regelung der Erbfolge in direkter Linie. Ein Jahr später, als das osmanische Reich wegen eines Aufstandes auf Kreta seiner Hilfe bedurfte, gewährte ihm der Sultan Abdülaziz den Titel „Khedive“ ("Vizekönig") und einige Zugeständnisse für die Selbstständigkeit der Verwaltung Ägyptens.
Ismail ging dann daran, sich ein starkes Heer nach europäischem Muster und eine Flotte von Panzerschiffen anzuschaffen. Als er 1869 eine Reise an die europäischen Höfe antrat, über die Neutralisierung des Sueskanals und die Aufhebung der Konsulargerichtsbarkeit selbstständige Verhandlungen mit den Mächten anknüpfte und so sein Streben nach Unabhängigkeit kundtat, schritt die Pforte ein. Ismail, welcher für einen Krieg auf keine fremde Hilfe hoffen konnte, musste sich im Dezember 1869 dem türkischen Sultan unterwerfen, eine Begrenzung des Heeres auf 30.000 Mann zusichern und der Pforte im März 1870 seine Panzerschiffe ausliefern. Im Juli 1870 und den Jahren 1872 und 1873 besuchte Ismail Konstantinopel. Mit einer Bakschisch-Politik versuchte er seine Position zu verbessern. Durch reichliche Geldgeschenke an Sultan Abdülaziz und dessen vornehmste Beamte erlangte er einen neuen Ferman vom 8. Juni 1873, der ihm zwar einen Tribut von 1 Million Taler (= 3 Millionen Goldmark) auferlegte, ihm jedoch einen höheren Rang und eine sehr weit reichende Unabhängigkeit dem Vizekönigreich garantierte.
Dieser - frühere ersetzende - neue Ferman bestätigte dem Kairoer Khediven die direkte Erbfolge für männliche Nachkommen (Erstgeburtsrecht). Außerdem wurde in dem Sultanserlass
Ismails kriegerische Unternehmungen führten zur Eroberung von Darfur. Das Sultanat wurde am 9. Dezember 1874 annektiert. Ein Feldzug ins nördliche Abessinien brachte hingegen keinen Erfolg. 1877 schlossen Ägypten und Abessinien einen Friedensvertrag.
Die gesamten Entwicklungen ließen Ägypten tief in die Schuld der europäischen Großmächte geraten und das nutzten jene, um Konzessionen von Ismail herauszupressen. In Alexandria wurde 1875 ein internationaler Gerichtshof gegründet, welcher die bisheriger Konsulargerichtsbarkeit europäischer Mächte im Lande ablöste. Er entschied über Rechtsstreitigkeiten von Ägyptern mit Ausländern und Rechtsstreite der Ausländer untereinander. Das Gremium war mit europäischen und einheimischen Richtern besetzt. Dieses Mischsystem war bei den Einheimischen eine der unpopulärsten Maßnahmen.
Durch die Verwaltungsreformen, eine starke Bautätigkeit sowie eine verfehlte Finanzpolitik stieg die Staatsverschuldung kräftig an. Zum finanziellen Ruin Ägyptens führte vor allem die Beteiligung an den Baukosten des Sueskanals. Schließlich expandierten die Schulden unter Ismail Paschas so, dass der Staat 1878 nicht mehr im Stande war, seinen Gläubigern die Zinsen zu bezahlen. Aus Staatsschulden von 3 Millionen Pfund Sterling bei seinem Amtsantritt als Vizekönig waren inzwischen 100 Millionen Pfund Sterling geworden. Schon 1875 war Ägypten faktisch bankrott. Die Besitzer der Anleihen wurden unruhig. Ismail musste unter anderem seinen Bestand an Sueskanalaktien an Großbritannien verkaufen. Am 24. November 1875 wechselten 176.602 Aktien für 3.976.582 Pfund Sterling den Besitzer. Im Folgejahr richteten Frankreich und Großbritannien eine Kontrollkommission für die zerrütteten ägyptischen Finanzen ein.
Der Staat geriet 1878 vollends unter internationale Finanzaufsicht. In das ägyptische Regierungskabinett unter Premierminister Nubar Pascha wurden auf ausländischen Druck hin der Brite Charles Rivers Wilson als Finanzminister und der Franzose Marquis de Blignières als Arbeitsminister berufen. Das mochten viele Ägypter nicht hinnehmen und scharten sich um den unzufriedenen Obersten Ahmad Urabi. Die Urabi-Bewegung verbrauchte Ägypten in den folgenden Jahren. Ismail Pascha tat wenig, der Revolte entgegenzutreten, weil er hoffte, die europäischen Mächte dadurch loszuwerden. Er löste die Regierung auf. Großbritannien und Frankreich bestanden aber auf der Wiedereinsetzung ihrer Minister. Als sich der Khedive angesichts der in weiten Landesteilen herrschenden Verdrossenheit dazu nicht bereit fand, wurde er auf Betreiben der europäischen Mächte am 26. Juni 1879 vom türkischen Sultan wegen Verschwendung zur Abdankung gezwungen. Sein Amt übernahm sein Sohn Tawfiq (auch „Tewfik“ geschrieben), der sich den Wünschen der Mächte gegenüber willfähriger zeigte.
Mann | Ägypter | Khedive (Ägypten) | Pascha | Osmanisches Reich | Geboren 1830 | Gestorben 1895
إسماعيل (خديوي) | Isma'il Pasha | אסמעאל המצרי | Ismail Pasha | Ismail Pasza | Ізмаїл Паша
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