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Die Medizin des Mittelalters beinhaltet das medizinische Wissen der Christenheit und die gewonnenen Erkenntnisse während der Renaissance. Außerdem kann die Arabische Medizin dazugezählt werden.

Medizin der Christenheit und Klostermedizin


Nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches und durch die Unsicherheiten der sich neu bildenden christlichen Kultur in Europa kam es zu Umbrüchen in der Zivilisation und damit auch in der Medizin, die auf der Medizin des Altertums aufbaute.

Im Christentum des Mittelalters wurde Medizin nur teilweise als Wissenschaft betrachtet. Sie galt als Handwerk und als angewandte Theologie. Krankheiten waren von Gott gesandt, und auch die zerstörerischen Epidemien, wie zum Beispiel die Pest, erfüllten das Volk mit einem Gefühl der Abhängigkeit zur Kirche.

Leiden war ein elementarer Bestandteil des christlichen Lebens, und den Menschen war eine fromme und "gesunde" Seele wichtiger als ein gesunder Körper. Jesus Christus war der "ultimative" Heiler, der einzige Erlöser. Das Medikament wurde von Theologen als gottgegeben betrachtet, die Verweigerung eines Medikamentes war eine Sünde.

Das erste Krankenhaus wurde von Fabiola im vierten Jahrhundert gegründet. Bis zum dreizehnten Jahrhundert waren es 19000 in ganz Europa.

527 gründete Benedikt von Nursia das erste Kloster, dessen erklärtes Ziel es von Anfang an war, Kranken und Verwundeten zu helfen. Die von den Benedektinern betreute Schule von Salerno war eine der ersten medizinischen Hochschulen Europas und integrierte Fachwissen aus dem arabischen, dem griechischen, dem jüdischen und dem westlich-lateinischen Kulturkreis. Damit übernahmen die Klöster zu Beginn ihres Auftretens eine soziale Aufgabe für die Allgemeinheit. Weitere Klöster und Ordensgemeinschaften folgten dem Beispiel mit ähnlichem Konzept. Die Orden des Heiligen Lazarus, des Orden des Johannes und andere gründeten zahlreiche Spitäler wo Kranke ebenso wie Arme und Alte Zuflucht fanden.

Zur Zeit Karls des Großen wurde Medizin noch nicht an Universitäten gelehrt. Die Klostermedizin fand ihren Höhepunkt im Werk Hildegards von Bingen im zwölften Jahrhundert, die fest an Gott als endgültige Heilung aller Krankheit glaubte.

Von den Klöstern Spaniens, wo das breite Wissen der arabischen Medizin auf die christliche Kultur traf, ging langsam eine Akademisierung der Medizin aus. In Bologna wurde 1111 eine der ersten medizinischen Universitäten gegründet, 1187 folgte Montpellier, dann Paris. Die Universitäten lösten die Klostermedizin langsam ab, die vom Konzil von Clermont im Jahre 1130 verboten wurde.

Medizin während der Renaissance


Mit dem Aufstieg des Humanismus begann die Theologie-basierte Medizin an Bedeutung zu verlieren. Mit der Erfindung der Druckpresse konnte wiedergefundenes antikes Wissen einer breiten Masse zugeführt werden.

Man begann wieder Sektionen durchzuführen. Mondino dei Luzzi, ein Professor in Bologna, war der erste der Sektionen durchführte, und sein Buch Anathomia war die erste moderne Arbeit zu diesem Thema. Leonardo da Vinci erschuf 750 anatomische Zeichnungen, die auf selbst durchgeführte Sektionen basierten, und von sehr großer Detailtreue waren. Diese Zeichnungen gingen aber unglücklicherweise verloren und wurden erst 300 Jahre später wiederentdeckt, so dass andere diese Entdeckungen erneut machen mussten.

Das Werk De Humanis Corpori Fabrica des Autoren Vesalius, entstanden 1543 war ein Meilenstein im Fortschritt der Medizin, da es korrekt die Lage der Organe im Bauch, die Struktur des Gehirns, die Innervation der Muskeln und die Blutgefäße die die verschiedenen Knochen versorgen beschrieb. Gabriel Fallopo beschrieb das Innenohr, die Aufgaben der Knochen und Muskeln und die Sexualorgane. Bartolomeo Eustachi untersuchte den Kopf und die Nieren, beschrieb die Anatomie der Zähne und erkannte die Verbindung zwischen Pharynx und Mittelohr.

Servetus beschrieb den Lungenkreislauf in einem Theologiebuch. Andrea Cesalpino, bekannt für seine botanischen Werke, beschrieb beide Kreisläufe des Herz-Kreislauf-Systems. Unglücklicherweise ging auch diese Arbeit verloren.

Während Kriegen gemachte Erfahrungen bereicherte das Wissen der Chirurgen. Die meisten Verwundeten starben an Infektionen. Um die Wunden vor Entzündungen zu schützen, wurde heißes Öl verwendet. Der Chirurg und Barbier Ambroise Paré (1510-1590) war der erste der Blutgefäße abband, um Amputationen weniger schwerwiegend zu machen.

Die Ärzte des fünfzehnten Jahrhunderts verwarfen zahlreiche Ideen der Antike, unter anderem auch Ansichten des Hippokrates oder die Viersäftelehre Galens.

Paracelsus01.jpg Eine der kontroversesten Figuren der mittelalterlichen Medizin an der Schwelle zur Neuzeit ist Paracelsus. Von den einen wird er als Schwindler und Scharlatan angesehen, aber andere sehen in ihm den Begründer der modernen Medizin, Vater der Chirurgie, der Erforschung von Kreislaufkrankheiten und industrieller Medizin. Auf Grund seiner Rastlosigkeit bereiste er ganz Europa, sammelte Erfahrungen und sah die Unbegründetheit antiker Medizin. Auf der anderen Seite räumte er der Astrologie große Bedeutung in der Medizin ein. Er sah Gesundheit als Reflexion der Balance der Planeten und die Aufgabe der Ärzte in der Wiederherstellung dieser Balance.

Paracelsus war ein ausgezeichneter Chemiker. Er befasste sich mit Metamorphose von Materie und mit Pharmakologie. Er forschte über die Heilkraft verschiedener Pflanzen und Kräuter und legte den Grundstein für die Homöopathie.

Trotz einiger seiner heute überholten Thesen hatte seine Forschung und seine Lehren Einfluss auf die Medizin bis ins zwanzigste Jahrhundert.

Arabische Medizin


Die arabische Medizin beruhte zum großen Teil auf Galens Lehre der vier Temperamente. Die klassische Medizin kam von Alexandria nach Bagdad, wo Galens Lehren ins Arabische übersetzt wurden. Johannitus erwähnt ein Werk namens Summaria Alexandrinorum, das die Werke Galens und Hippokrates enthielt, und in den medizinischen Zentren der Zeit verwendet wurde.

Arabische Ärzte durften ihren Beruf erst nach Ablegen des Hippokratischen Eids ausüben.

Doch die Ärzte Arabiens kopierten nicht nur das Wissen der Griechen, sondern bereicherten die Medizin auch, zum Beispiel im Bereich der Augenheilkunde. Rhazes und Avicenna beschrieben zahlreiche Krankeitsbilder wie z. B. über Masern und Pocken, ihre Werke galten auch im gesamten westlichen Mittelalter neben denen von Galenus, Celsus und Hippokrates als Standardwerke der Medizin.

Außerdem verfügten sie über ein großes pharmazeutisches Wissen. Ihre Medikamente wurden aus Kräutern, Mineralien und Tieren hergestellt. Das Dispensorium enthielt Rezepte für die Herstellung von Medikamenten und wurde in der gesamten arabischen Welt verwendet.

In Gondisapur nahe Bagdad befand sich die erste Schule, in der Theorie und Praxis gleichzeitig gelehrt wurden. Dies kann als erste Universität betrachtet werden. Im Gegensatz zu Christen war es Juden und Moslems nicht verboten, Sektionen durchzuführen.

Über Nordafrika erreichte der Islam das heutige Spanien. Dort, in Córdoba, befand sich ein kulturelles Zentrum, in dem die angesehensten Universitäten des zehnten Jahrhunderts bestanden, außerdem 70 öffentliche Bibliotheken und 50 Krankenhäuser. Hier fand der erste friedliche Zusammenschluss islamischer, jüdischer und christlicher Tradition zum Nutzen der Medizin statt.

Literatur


  • Kay Peter Jankrift: Mit Gott und schwarzer Magie. Medizin im Mittelalter. Wissenschaftliche Buchgesellschaft (u.a.), Darmstadt 2005, ISBN 3-534-16511-X
  • Kay Peter Jankrift: Krankheit und Heilkunde im Mittelalter. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2003, ISBN 3-534-07659-1
  • Eckart, Wolfgang U.: "Geschichte der Medizin". Springer-Lehrbuch. 4., überarb. u. erg. Aufl. 2001. XII, 438 S. ISBN 3-540-67405-5 SPRINGER, BERLIN
  • Stefan Winkle: "Kulturgeschichte der Seuchen". ISBN 3-933366-54-2
  • Bernt Karger - Decker: "Die Geschichte der Medizin". ISBN 3-491-96029-0
  • Werner Bartens: "Lexikon der Medizin-Irrtümer. Vorurteile, Halbwahrheiten, fragwürdige Behandlungen." Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2004 ISBN 3-821-83922-8
  • Hermann Josef Roth: Missverstandene Klostermedizin. Spektrum der Wissenschaft, März 2006, S. 84 - 91 (2006), ISSN 0170-2971

Siehe auch


Medizingeschichte | Mittelalter

 

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