Die
Isel ist ein Fluss in
Österreich (
Osttirol). Die Isel entspringt am Umbalkees im
Umbaltal in 2400 Meter Höhe und durchfließt anschließend das
Virgental, wo der Fluss auch den Namen
Kleine Isel trägt. Bei
Matrei mündet der etwa gleich mächtige Tauernbach in die Isel, weshalb die Isel ab hier auch als
Große Isel bezeichnet wird. Die Isel durchfließt daraufhin das
Iseltal, bis sie bei
Lienz in 670 Metern Höhe in die
Drau mündet. Die Isel überwindet somit vom Ursprung bis zur Mündung eine Höhe von 1730 Metern und hat eine Gesamtlänge von 57,26 Kilometer. Auf ihrem Weg entwässert die Isel ein Einzugsgebiet von 1.200,86 km² und nimmt über Zuflüsse und deren Nebenflüsse insgesamt 48 Gewässer auf. Wichtigste Nebenflüsse sind der
Tauernbach, der
Kalserbach und die
Schwarzach.
Geografie
Geologie
Die Isel durchfließt auf ihrer gesamten Länge durchwegs einheitliche Formationen aus kristallinen
Schiefern. Nur im unteren Teil des Virgentales von
Virgen bis
Matrei fließt sie durch sehr heterogene Schichten aus metamorphen
Kalk- und
Dolomitgesteinen. Südlich von Matrei bestimmen hingegen
Schotter und
Sande den Aufbau des Talbodens. Zwischen
Huben und
Lienz fließt die Isel durch ein ebenes, relativ breites
Trogtal, bis sie vor Lienz Oberlienzer
Schwemmkegel an die rechte Talseite gedrängt wird und teilweise Felsufer aufweist.
Verlauf
Die Isel entspringt im Talschluss des
Umbaltals in einem Gletschertor des Umbalkees, der mit etwa 5 km² den Hauptgletscher des Umbaltals in der
Venedigergruppe der
Hohen Tauern bildet. Nach dem
Gletschertor bildet der Fluss einen kleinen See und fließt dann zunächst einige Kilometer in südöstlicher Richtung durch das als
Kerbtal scharf eingeschnittene Umbaltal. Nach Osten führend überwindet die Isel anschließend mehrere Gefällstufen mit kleinräumigen Verebnungen, von denen die mehrstufigen
Umbalfälle („Isel-Katarakte“) ein bekanntes und beliebtes touristisches Ziel in den
hohen Tauern sind. Danach durchströmt die Isel das
Virgental, das von West nach Ost bis in das Matreier Becken verläuft. Ausgehend von Ströden nimmt die Isel nun einen bogigen Verlauf, der durch die eingetiefte Bachsohle und Ausschotterungskegel bestimmt wird (Zwangsmäander). Eine weitere Steilstufe überwindet der Fluss beim Weiler
Bobojach in der Iselschlucht in deren Folge die Isel durch den Virgener Schwemmkegel an die rechte Talseite gedrängt wird. Nach einer kurzen Gefällstrecke erreicht die Isel schließlich das
Matreier Becken, wo von Norden her der
Tauernbach einmündet. Bis hierhin hat der Fluss über 1400 m Höhe überwunden.
Nun nach Süden verlaufend fließt die Isel der Ortschaft Huben zu, die nach einer flachen Kaskadenstrecke (Steilstufe) erreicht wird. Danach setzt die Isel ihren Weg durch eine von Schwemmkegeln und Verbauungen geprägte Landschaft fort und fließt durch die Gemeinden St. Johann im Walde und Ainet vorbei durch das so genannte untere Iseltal bis nach Lienz. Dort mündet der Fluss in die an dieser Stelle kleinere Drau.
Gemeinden an der Isel
Geschichte
Etymologie
Nach der geläufigsten Deutung geht der Name
Isel auf das
keltische Wort
ys (schnell, reißend) zurück. Nach einer anderen Interpretation steht allerdings
ys gleichzeitig für
hoch und
tief und bezeichnet damit die Vertikale. Eine neuere Deutung bezieht sich auf eine
hypothetische indogermanische Wurzel
es oder
is und leitet daraus eine generische Bezeichnung für „(fließendes) Wasser“ ab. Neben der Isel gehen in ganz Europa mehr als 200 Gewässernamen auf diesen Wortstamm zurück, weitere Beispiele sind die
Isar (
Deutschland) oder die
Iser (
Tschechien).
Siedlungsgeschichte
Das von der Isel durchflossene
Virgental und das
Iseltal zählten bereits früh zu den wichtigsten Siedlungsgebieten in Osttirol. Neben dem Hauptsiedlungsbereich
Lienz bzw.
Aguntum entwickelte sich im heutigen Gemeindegebiet von
Virgen am Oberlauf der Isel ebenfalls ein Siedlungsschwerpunkt. Keramikfunde belegen hier die dauerhafte Anwesenheit von Menschen schon in der
Jungsteinzeit. Danach entwickelte sich das obere Iseltal mit Schwerpunkt Virgen in der Bronzezeit zum Hauptlieferanten von
Erzen. Ein bei
Welzelach ausgegrabenes Gräberfeld aus des späteren
Hallstattzeit belegt die Bedeutung des Raumes Virgens auch in späterer Zeit. Lagen die Siedlungen im heutigen Bereich von Lienz noch auf Anhöhen, so wurde die
antike Stadt Aguntum am Beginn der
Römerzeit am durch Isel und
Drau hochwassergefährdeten Talgrund des Lienzer Beckens errichtet. Die Römer nutzten so die verkehrsgeographische Lage am Kreuzungspunkt der Drautalstraße mit der Straße durch das Iseltal. Nach dem Untergang des Römischen Reiches besiedelten die
Slawen das Iseltal, wurden jedoch ab dem
8. Jh. immer mehr von den bairischen Kolonisten verdrängt.
siehe auch: Geschichte Osttirols
Umwelt
Fauna und Flora
Der Oberlauf (Umbaltal) der Isel ist bis zur einer Höhe von etwa 2.100 Metern großteils von
Zwergstrauchheiden und alpinen Rasengesellschaften geprägt. Darunter finden sich oft
almwirtschaftlich genutzte Flächen. Im Virgental wird unterhalb des Dauersiedlungsraumes fast ausschließlich das
orografisch linksseitig Ufer landwirtschaftlich genutzt. Das rechte Ufer und der Bereich über dem Dauersiedlungsraum sind hingegen von
Nadelwäldern bestimmt. Da das unter dem Virgental befindliche Matreier Becken intensiv landwirtschaftlich genutzt wird, sind die ursprünglichen
Auwälder in diesem Bereich verschwunden. Am Unterlauf der Isel zwischen Huben und Lienz findet man wiederum, insbesondere an den weiten Schotterflächen der Ausschotterungsbecken, verschiedene Stadien der
Auensukzession.
Im gesamten Verlauf der Isel gibt es keine künstlichen Hindernisse, weshalb die Fischpassierbarkeit nur durch natürliche Gegebenheiten behindert wird. Diese sind etwa der Taleingang ins Virgental, die Schluchtstrecke vor Prägraten (Iselschlucht) und die Umbalfälle. Der Oberlauf im Umbaltal weist zwar keine größeren Hindernisse mehr auf, jedoch ist hier ein Fischvorkommen sehr unwahrscheinlich. Im Oberlauf bis Matrei leben in der Isel insbesondere Regenbogenforellen, im Unterlauf sind es Forellen, Äschen und Huchen.
Naturschutz
Der Oberlauf der Isel liegt teilweise im
Nationalpark Hohe Tauern, wobei die Umbalfälle im hinteren Virgental und der Oberlauf der Isel ab der Daberbachmündung in der Außenzone des Nationalparks liegen. Der letzte Teil des Umbaltals befindet sich schließlich in der Kernzone des Nationalparks. Unterhalb von Huben durchfließt die Isel weiters mehrere Gewässerschutzzonen. Oftmals wurde bereits die Forderung aufgestellt die Isel ins Schutzprogramm
Natura 2000 aufzunehmen, zuletzt im November
2005 vom
Österreichischen Umweltdachverband, dem
Alpenverein und dem
Kuratorium Wald. Begründet wird dieser Schritt insbesondere mit dem schützenswerten Vorkommen der
Deutschen Tamariske. Da das Land Tirol bisher auf derartige Forderungen nicht reagiert hatte, urgierten Umweltschützer nun ein Mahnschreiben der
EU an das Land Tirol.
Aus der Sicht des Naturschutzes stellt die Isel auf Grund ihres, für Osttirol, einzigartigen Einzugsgebietes einen sehr seltenen Fließgewässerraumtyp dar. 80 % der Isel wurden vom Land Tirol eine hohe bis sehr hohe naturschutzfachliche Wertigkeit attestiert. Nur in jenen Bereich, wo die Isel größere Siedlungen durchfließt, ist ihre Wertigkeit geringer eingestuft worden.
Uferzustand und Verbauungsmaßnahmen
Der Lauf der Isel wird über weite Strecken ihres Verlaufes von Längsbauwerken (Blocksteinsicherungen) und Querbauwerken (
Buhnen) begleitet. Ausnahme sind der Oberlaufe und der Ursprungsbereich mit den Umballfällen. Beginnend bei Ströden (Hinterbichel) ist die Isel weitgehend verbaut, d.h. die Ufer durch Blocksteinsicherungen gesichert. Naturstrecken finden sich danach insbesondere innerhalb der Iselschlucht und unterhalb des Virgener Schotterkegels bis zum Taleingang am Matreier Becken. Blocksteinsicherungen sind auch für den Verlauf der Isel zwischen Matrei und Huben bestimmend. Zwischen Matrei und Lienz liegen aber auch Streckenabschnitte mit großzügig aufgeweiteter Sohle. Unverbaute Uferabschnitte finden sich hier vorwiegend rechtsufrig, teilweise findet man hier auch noch Auwäldern. Das linksseitige Ufer ist jedoch Großteils durch Blocksteine gesichert, zudem begleitet ein asphaltierter Dammweg (Radweg) die Isel. Der Verlauf der Isel im Stadtgebiet von Lienz ist hingegen hart durch Ufermauerwerke verbaut, die die Isel kanalartig einengen. Unverbaute Ufer sind in diesem Abschnitt kaum noch vorhanden, der linksufrige Bereich ist weitgehend durch Blocksteine und Buhnen gesichert.
Gewässergüte
Die Isel verfügt im Oberlauf bis Virgen über eine ausgezeichnete Wasserqualität. Erst durch die Einleitung von Schmutzwasser im Bereich von Virgen, fällt die
Gewässergüteklasse auf die II. Stufe.Zwischen Matrei und Huben erreicht die Isel wieder die höchste Wassergüte. Durch Tourismusschwankungen und den damit verbundenen teilweisen Überlastungen der Kläranlagen, verschlechtert sich die Güteklasse II-III im folgenden Flussbereich. Im Mündungsbereich erreicht der Fluss schließlich wieder die biologische Güteklasse I. Da derzeit für den Bereich Hinterbichl, Prägraten und Virgen ein neuer Ortskanal errichtet wird, sollte sich die Wasserqualität im Oberlauf deutlich verbessern.
Wirtschaftliche Nutzung
Die Isel wird derzeit nicht energiewirtschaftlich genutzt, lediglich an der Einmündung des
Kalserbachs befindet sich ein Kraftwerk, das jedoch nur den Kalser Bach beftrifft. Die weitere energiewirtschaftliche Nutzung des Flusses bzw. seiner Zuflüsse ist aktuell (Stand
2005) politisch umstritten, da die geplante Errichtung des Pumpspeicherkraftwerks Matrei-Raneburg auch eine Nutzung der Isel nahelegt.
Die Isel ist auf weiten Strecken ein beliebter Anlaufpunkt für Wassersportarten wie Kanufahren, Wildwasserpaddeln und Rafting. Außerdem kann der Fluss auf Grund seines Fischreichtums an vielen Stellen von Anglern genutzt werden.
Weblinks
Fluss in Tirol |
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