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Die Haudenosaunee sind ein Völkerbund aus zuerst fünf und später sechs sprachverwandter Völker nordamerikanischer Ureinwohner (siehe auch Irokesische Sprachen). Das Wort Haudenosaunee bedeutet "Menschen, die ein Langes Haus bauen" und es wird erzählt, dass der Große Friedensstifter den Namen zur Zeit des Zusammenschlusses des Völkerbundes einführte. Es impliziert, dass die Nationen des Bundes wie Familien in den selben Langhäusern zusammenleben sollen. Die Seneca waren die Wächter der westlichen Tür des symbolischen Stammeslanghauses, die Mohawk waren die Wächter der östlichen Tür. Ihr Siedlungsgebiet erstreckte sich vom Nordufer des Sankt-Lorenz-Strom bis zum Hudson und westlich über den Eriesee hinaus. Das auch verwendete Wort Irokesen (engl. Iroquois) wird auf eine Französische Abart eines Wyandotschimpfnamens zurückgeführt, der "Schwarze Schlangen" bedeutet. Wegen der Rivalitäten im Pelzhandel waren die Haudenosaunee Feinde der Wyandot und der Algonquin, die mit den Franzosen verbündet waren.

Geschichte


Überlieferungen zufolge sind die Haudenosaunee aus dem unteren Mississippi entlang des Ohio eingewandert. Erstmals sind die Haudenosaunee um das Jahr 1000 nachweisbar.

Der Haudenosauneebund (auch: Haudenosauneeliga) war und ist noch heute ein Völkerbund aus den sechs Nationen der Mohawk, Onondaga, Oneida, Cayuga, Onodowohgah (Seneca) und Tuscarora. In der englischen Literatur werden sie als Haudenosaunee proper ("eigentliche Haudenosaunee") bezeichnet. Die Bezeichnung "Five Nations" stammt aus der Zeit, als der Bund aus fünf Völkern bestand.

Zwischen 1350 und 1600 waren die Stämme der Haudenosaunee untereinander verfeindet, wurden aber im 16. Jahrhundert, vermutlich um 1570, durch den Propheten Deganawidah und Häuptling Hiawatha vereint. Die Onondaga sträubten sich lange gegen den Beitritt zur Haudenosauneeliga und rangen ihr dabei bedeutende Privilegien ab. Der Rat der Liga, bestehend aus 50 Häuptlingen, war das Vorbild des amerikanischen und schweizerischen Regierungssystemes.

1623 wurde der niederländische Handelsposten Fort Orange auf dem Territorium der Mohawk gegründet. Im 17. Jahrhundert vernichtete der Bund im Zuge der Biberkriege die Wyandot, Tionontati und Erie. Die Tuscarora stießen erst 1722 zu den five nations (danach six nations) hinzu, nachdem sie von europäischen Siedlern aus North Carolina vertrieben worden waren.

Im Französisch-Indianischen Krieg (1756-1763) zwischen Engländern und Franzosen standen die Haudenosaunee auf Seiten der Engländer. Im amerikanischen Unabhängigkeitskriege spalteten sich die Haudenosaunee in Oneida und Tuscarora (die sich auf die Seite der Amerikaner stellten) und den restlichen Bund (der für die Engländer kämpfte). Eine amerikanische Strafexpedition zerstörte 1779 eine wichtige Siedlung der Haudenosaunee und brach ihren Widerstand.

Im zweiten Vertrag von Fort Stanwix löste sich die Liga 1784 auf. Die Onondaga, Seneca und Tuscarora blieben in New York, während die Mohawk und Cayuga nach Kanada gingen. Die Oneida ließen sich in Wisconsin nieder.

Noch im zweiten Weltkrieg sahen sich die Haudenosaunee als eigenes Volk, das dann auch alleine Adolf Hitler und dem 3. Reich den Krieg erklärte, aber nicht mit den USA kooperieren wollte.

Kultur und Bedeutung der Haudenosaunee


Ihre freiheitliche Verfassung soll der der USA Pate gestanden haben. Auch auf das europäische Denken der Aufklärung hatte sie Einfluss (Johann Gottfried Herder, "Die große Friedensfrau der Irokesen") und auch bei Friedrich Engels nimmt sie in dessen Schrift vom Ursprung der Familie eine wichtige Stellung ein (beeinflusst wiederum von Bachofens "Mutterrecht") .

Traditionell besteht jede Nation aus mehreren Klans, denen jeweils eine gewählte Klanmutter vorsteht. Jeder Klan konnte bis zu drei Abgeordnete in die Ratsversammlung der Irokesen schicken. Die Gesellschaft war demokratisch organisiert, das Individuum genoss erstaunliche Freiheiten. Das Verwandtschaftssystem ist matrilinear, die Lebensweise ist matrilokal.

Die Haudenosaunee haben eine starke, für Einzelpersonen kaum durchbrechbare geschlechtliche Arbeitsteilung. So sind die Frauen für die Häuser und die Landwirtschaft zuständig, während die Männer der Jagd und anderen Aufgaben nachgehen, die ein Verlassen des Clanlandes erforderlich machen.

Die Haudenosaunee lebten hauptsächlich von Mais. Sie kannten Dutzende verschiedener Maisarten. Dies machte sie unabhängig vom Jagdglück und erlaubte eine relativ sesshafte Lebensweise. Es war aber auch eine ständige Gefahr, denn gelang es den Feinden, die Maisfelder zu zerstören, brach das Wirtschaftssystem der Haudenosaunee zusammen. Neben dem Mais verpflegten sie sich mit Kürbis, Bohnen und Wildfrüchten. Die Jäger vervollständigten die Speisekarte mit Fleisch.

Die Haudenosaunee lebten in mit Palisadenzäunen befestigten Dörfern, die aus bis zu hundert Langhäusern bestanden. Nach etwa zehn bis fünfzehn Jahren, wenn der Boden und der Wald nicht mehr die gewünschten Ernte- und Jagderträge brachten, zogen die Bewohner zu einem neuen Gelände.

Ein besonderes kulturelles Merkmal der Haudenosaunee sind die Medizinbünde.

Haudenosaunee heute


Von den heute etwa 75.000 Haudenosaunee sprechen noch etwa 5% eine der alten Sprachen.

Nation Population Sprache Sprecher Anteil
Cayuga 10.000 nǫ’ 62 0,62%
Mohawk 35.000 Kanien'keha 3.433 9,81%
Oneida 14.000 ka 160 1,14%
Onondaga 1.200 Onǫda’géga’ 17 1,42%
Seneca 15.000 Onödowága 25 0,17%
Tuscarora 1.000 Skarù∙rę’ 12 1,20%
alle Haudenosaunee 76.200 ni (ohne Tsalagi) 3.709 4,86%
die siebte Irokesensprache ist Cherokee 308.132 Tsalagi 22.500 7,30%

Siehe auch


Liste nordamerikanischer Indianerstämme

Literatur


  • Lippuner, Heinz: Demokratie aus indianischer Hand? Unsere Bundesverfassung und das Great Law of Peace der Irokesen-Konföderation, in: Kleine Schriften des Museumsvereins Schaffhausen 99/5.
  • Lips, Eva: Nicht nur in der Prärie, Leipzig: Edition Leipzig 1974
  • Schumacher, Irene: Gesellschaftsstruktur und Rolle der Frau. Das Beispiel der Irokesen. (Soziologische Schriften; 10). Berlin: Duncker & Humblot 1972.
  • Fenton, Willam N.: The Great Law and the Longhouse: a political history of the Iroquois Confederacy. (The civilization of the American Indian series, 223). Norman: Univ. of Oklahoma Press 1998
  • Thomas Wagner: Irokesen und Demokratie. Ein Beitrag zur Soziologie interkultureller Kommunikation, Münster, Lit-Verlag 2004

Weblinks


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