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Der Irische Freistaat (irisch: Saorstát Éireann) war von 1922 bis 1937 der Name des Staates, der 26 der 32 irischen Grafschaften unfasste, die durch den Anglo-Irischen Vertrag von 1921 vom Vereinigten Königreich von Großbritannien und Irland abgespalten wurden. Der Irische Freistaat entstand im Dezember 1922 und war damit quasi der Nachfolger zweier koexistierender Staaten: dem durch die Home Rule geschaffenen Südirland, der seit Januar 1922 von einer provisorischen Regierung unter Michael Collins geführt wurde, sowie der de facto Irischen Republik unter Arthur Griffith, die vom Dáil Éireann (House of Assembly) 1919 ausgerufen wurde.
Der Anglo-Irische Vertrag führte - trotz intensiver Verhandlungen - nicht zu einer eigenständigen Irischen Republik sondern lediglich zu einem irischen Freistaat mit dem Status eines Dominions innerhalb des britischen Reichs. Weiterhin gehörten dem neuen Freistaat lediglich 26 der 32 irischen Grafschaften an, da die sechs Grafschaften im Nordosten der Insel (die das heutige Nordirland bilden) von der Möglichkeit Gebrauch machten, nicht dem Freistaat beizutreten.
Die Strukturen des neuen Freistaates waren durch den Anglo-Irischen Vertrag vorgegeben. Der Freistaat erhielt eine Konstitutionelle Monarchie mit einem dreischichtigen Parlament (dem sog. Oireachtas), das aus dem König sowie zwei Kammern bestand. Dáil Éireann bildete das Unterhaus, Seanad Éireann das Oberhaus des Parlaments. Die Exekutivkraft des Königs wurde durch ein Kabinett, das sogenannte Executive Council of the Irish Free State, ausgeführt, dessen Vorsitz ein Premierminister (President of the Executive Council of the Irish Free State) hatte.
Michael Collins beschrieb den Anglo-Irischen Vertrag einst als "Freiheit, um die Freiheit zu erreichen". Der Vertrag brachte die meisten Symbole, Machtbefugnisse und Funktionen der Unabhängigkeit, einschließlich einem funktionierenden demokratischen Parlament, einer Exekutive und Judikative sowie einer schriftlichen Verfassung, die durch den Freistaat geändert werden konnte. Es bestanden lediglich folgende Einschränkungen:
All dies änderte sich in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts durch diverse Reformen. 1927 veränderte der Royal and Parliamentary Titles Act die Rolle des Königs in den Dominions. Er war nicht mehr König in Irland (usw.), sondern König von Irland. Dadurch spielte der britische König keine Rolle mehr in den einzelnen Dominions - jedes Dominion hatte quasi einen eigenen König. Dadurch verlor die britische Regierung sämtliche Einflussmöglichkeiten bezüglich der Ernennung oder der Beeinflussung der Generalgouverneuere und somit quasi den Einfluss in dominion-internen Angelegenheiten.
Doch der irische Freistaat ging noch weiter. Man akzeptierte die Entsendung fremder Botschafter nach Irland (dies hatte noch kein Dominion zuvor getan) und "registriete" den Vertrag, der auf britischer Seite als internes Dokument zwischen Großbritannien und dem Dominion galt, als internationales Dokument beim Völkerbund. Durch die Statuten von Westminster (1931) wurde weiterhin ein Entscheidung der Commonwealth-Konferenz bestätigt, die die Dominions in die Lage versetzte, sämtliche Gesetze und Verfassungen zu ändern, auch wenn diese ursprünglich durch die britische Regierung bestimmt worden sind.
Dies führte in Irland zu zwei grundlegenden Bewegungen:
Als Eamon de Valera im Februar 1932 Präsident des Exekutivrates wurde und nachdem er diverse Dokumente gelesen hatte, sagte er über die Errungenschaften seines Vorgängers W.T. Cosgrave zu seinem Sohn Vivion: "Sie waren großartig!". Aufgrund der nahezu vollkommnen Handlungsfreiheiten konnte de Valera noch einige Schritte weitergehen.
Nachdem der Vorsitzende des Exekutivrates bestimmt war, nominierte dieser seinen Vizepräsidenten. Die verbleibenden Kabinettsmitglieder wurden ebenfalls durch den Vorsitzenden nominiert - diese mussten aber durch das Unterhaus bestätigt werden. Ursprünglich sah die Verfassung vor, dass der Exekutivrat aus 5 bis 7 Ministern (plus Vorsitzender) besteht, durch eine Verfassungsänderung 1927 wurde die Maximalgröße aber auf 12 angehoben. Weiterhin wurde ursprünglich gefordert, dass jeder Minister einen Sitz im Unterhaus hat - durch eine Änderung 1929 wurde es ermöglicht, dass ein Mitglied seinen Sitz im Senat haben kann.
Für den Fall, dass die Mehrheit des Unterhauses das Vertrauen in den Exekutivrat verloren hat, mussten das gesamte Kabinett zurücktreten; es war jedoch erlaubt, bis zur Wahl der Nachfolger das Amt auszuüben. Die Tatsache, dass ein Exekutivrat, der das Vertrauen des Dáil verloren hat, keine Auflösung des Parlaments beantragen konnte, schaffte die Möglichkeit einer politischen Patt-Situation. Falls nach einem erfolgreichen Misstrauensvotum der Exekutivrat zurücktritt und das Dáil sich nicht auf einen neuen Rat einigen kann, entsteht eine Situation, die nicht durch eine neue Wahl aufgelöst werden kann, da dafür der Dáil durch den Exekutivrat aufgelöst werden müsste. Im Gegensatz zum modernen Taoiseach der heutigen irischen Republik hatte der Vorsitzende des Exekutivrates nicht die Möglichkeit, einzelne Minister zu entlassen.
Unter der Verfassungsänderung Nr. 27 im Jahr 1936 wurde der Posten des Generalgouverneurs abgeschafft. In den verbleibenden Monates des Freistaates übernahm der Exekutivrat einen Großteil von dessen Aufgaben. Der Exekutivrat wurde 1937 aufgrund der neuen irischen Verfassung durch ein neues Kabinett ersetzt.
Obwohl der Präsident des Exekutivrates theoretisch durch den Generalgouverneur ernannt werden musste, war dieser durch die Verfassung an die Nominierung durch das Dáil gebunden (aus dem gleichen Grund war der Generalgouverneur (eigentlicher Inhaber der Exekutivmacht) nur ausführende Gewalt des Präsidenten des Exekutivrates. Nach dessen Aufstellung nominierte der Präsident die verbleibenden Mitglieder des Rates, die der Generalgouverneur daraufhin offiziell ernannte. Der Präsident hatte die Möglichkeit aus sämtlichen Unterhausabgeordneten seinen Vize-Präsidenten zu wählen, der allerdings vom Dáil angenommen werden musste. Für den Fall, dass der Präsident das Vetrauen des Dáil verlor, musste er, zusammen mit seinem Kabinett, zurücktreten; er konnte sein Amt bis zur Wahl seines Nachfolgers aber weiterhin ausüben.
Die Machtbefugnisse des Präsidenten waren geringer als die des heutigen Taoiseach oder vergleichbarer heutiger Premierminister. Folgende zwei gravierende Unterschiede gibt es:
Das Ergebnis dieser Einschränkungen war (nach Brian Farrell), dass der Präsident des Exekutivrates eher als Vorsitzender galt als dessen Anführer. Die schwache Position entstammte aus der Tatsache, dass sein Amt nach dem Vorbild des britischen Premierministers vor 1918 geschaffen wurde, als dessen Machtbefugnisse im Gegensatz zu der Zeit danach noch eingeschränkt waren; er galt als "Erster unter Gleichen".
Laut Artikel 53 der Freistaatenverfassung hatte der Vizepräsident die Rolle, den Präsidenten in allen Dingen zu vertreten, falls dieser stirbt, zurücktritt oder anderweitig nicht mehr in der Lage ist, sein Amt auszuüben (sowohl permanent als auch temporär). Dies gilt bis ein Nachfolger gewählt wurde oder (bei temporärer Abwesenheit) bis zur Rückkehr des Präsidenten. Der Vizepräsident konnte vom Präsidenten nachträglich nicht mehr entlassen werden - es gab lediglich die Möglichkeit das gesamte Kabinett abzusetzen. Mit der neuen irischen Verfassung im Jahr 1937 endete auch das Amt des Vizepräsidenten. Es wurden durch den Tánaiste ersetzt.
| Dáil | Zeitraum | Präsident | Vizepräsident | Partei |
| 3. | 6. Dezember 1922 - 18. September 1923 | W.T. Cosgrave | Kevin O'Higgins | Sinn Féin (Vertragsbefürworter) |
| 4. | 19. September 1923 - 22. Juni 1927 | W.T. Cosgrave | Kevin O'Higgins | Cumann na nGaedhael |
| 5. | 23. Juni 1927 - 13. Juli 1927 | W.T. Cosgrave | Kevin O'Higgins | Cumann na nGaedhael |
| 14. Juli 1927 - 10. Oktober 1927 | W.T. Cosgrave | Ernest Blythe | Cumann na nGaedhael | |
| 6. | 11. Oktober 1927 - 8. März 1932 | W.T. Cosgrave | Ernest Blythe | Cumann na nGaedhael |
| 7. | 9. März 1932 - 23. Januar 1933 | Eamon de Valera | Seán T. O'Kelly | Fianna Fáil |
| 8. | 24. Januar 1933 - 20. Juli 1937 | Eamon de Valera | Seán T. O'Kelly | Fianna Fáil |
| 9. | 21. Juli 1937 - 28. Dezember 1937 | Eamon de Valera | Seán T. O'Kelly | Fianna Fáil |
Der Generalgouverneur ersetzte die Position des Lord-Lieutenant, der seit dem Mittelalter bis 1922 die britische Regierung in Irland vertrat.
Bis 1927 war der Generalgouverneur außerdem Bevollmächtigter der britischen Regierung in Irland. Obwohl per Verfassung dessen Rolle hauptsächlich aus zeremoniellen Tätigkeiten bestand, war seine Person umstritten, da viele Nationalisten in ihm einen Angriff auf republikanische Prinzipien und ein Symbol der irischen Abhängigkeit von Großbritannien sahen. Nach und nach wurde seine Rolle in der irischen Politik immer geringer bis sie 1936 komplett abgeschafft wurde.
Die ersten beiden Generalgouverneure hatten in Dublin eine eigene Residenz, die Viceregal Lodge, heute die Residenz des irischen Präsidenten. Der dritte (und letzte) Generalgouverneur lebte in einem Privathaus in Booterstown (Grafschaft Dublin).
Bis 1927 hatte der Generalgouverneur weiterhin die Rolle des Vertreters der britischen Regierung im irischen Freistaat. Dies bedeutete, dass die offizielle Korrespondenz zwischen britischer und irischer Regierung über den Generalgouverneur lief, der auch Zugang zu britischen Regierungsdokumenten hatte. Er konnte so auch geheime Instruktionen der britischen Regierung erhalten und zum Beispiel bestimmte Gesetze wie die zur Abschaffung des Treue-Eids blockieren.
Bei der Wahl des Nachfolgers für Healy im Jahre 1928, wählte die irische Regierung, die dies nun eigenständig entscheiden konnte, James McNeill, einem ehemaligen Mitglied von Michael Collins' Verfassungskomitee und ehemaliger Vorsitzender des Stadtrates von Dublin. Da er, im Gegensatz zu seinem Vorgänger, nicht mehr Repräsentant des United Kingdom sondern lediglich persönlicher Abgesanndter des Königs war, hatte McNeill weniger Einflussmöglichkeiten als Healy.
Ua Buachalla und de Valera, einst enge Freunde, zerstritten sich wegen Ua Buachalla's Behandlung nach der Auflösung seines Amtes und dessen folgenden gerichtlichen Klagen gegen de Valera. Doch letztenendes versöhnten sich beide wieder und Ua Buachalla wurde 1959, unter dem späteren Präsidenten de Valera, Mitglied des Staatsrates. Ua Buachalla war der letzte lebende Generalgouverneur und starb am 30. Oktober 1963 im Alter von 97 Jahren.
Ironischerweise stammte ein Großteil des Textes aus einem Vorschlag des Eid-Gegners Eamon de Valera, den dieser für den Präsidenten der irischen Republik einst vorschlug. Vergleicht man den Eid mit denen der anderen Dominions, ist der irische Eid zurückhaltend; es gibt keinen direkten Treueeid auf den britischen König.
Als de Valera 1926 die Partei Fianna Fáil gründete, nahmen er und seine Partei zwar an Wahlen teil, verweigerten aber die Ablegung des Eids. Die Ermordung des Vize-Präsidenten des Exekutivrats Kevin O'Higgins veranlasste die Regierung unter W.T. Cosgrave dazu, ein Gesetz einzuführen, welches den Eid zwingend vorschrieb. De Valera legte den Eid daraufhin widerwillig ab. Als er 1932 an die Macht kam, änderte er zuerst die Verfassung so ab, dass er jegliche Änderungen durchführen konnte, auch wenn diese im Gegensatz zum Anglo-Irischen Vertrag standen. In einem zweiten Schritt entfernte er den Artikel 17 der Verfassung, der den Eid betraf, vollständig.
Irische Geschichte | 1920er | 1930er
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