Irenäus von Lyon (ca. 135 - 202), ein Kirchenvater, war Bischof in Lugdunum in Gallien (heute Lyon/Frankreich). Er wird als Heiliger verehrt und gilt als erster systematischer Theologe, seine Schriften waren in der frühen Entwicklung der christlichen Theologie wegweisend. Er prägte den Begriff Regula fidei.
Gedenktag: 28. Juni
Irenäus zitiert aus den meisten Büchern, die im Kanon des Neuen Testaments enthalten sind, und zählt zudem den 1. Clemensbrief und den Hirt des Hermas dazu. Seine Schriften zitieren nicht Philemon, 2. Petrus, 3. Johannes und Judas. Irenäus hob als erster christlicher Autor alle vier auch heute gültigen kanonischen Evangelien als göttlich inspiriert hervor, vielleicht in Reaktion auf Marcions redigierte Version des Lukasevangeliums, das dieser als das einzige gültige Evangelium propagierte.
Irenäus verfasste zahlreiche Bücher, von denen viele leider verloren sind; das wichtigste erhaltene ist die fünfbändige Ausgabe der Entlarvung und Widerlegung der so genannten Erkenntnis, auf Lateinisch Adversus haereses genannt. Es sind nur Fragmente in der griechischen Originalsprache erhalten, aber eine vollständige Kopie existiert in einer relativ freien lateinischen Übersetzung, die bereits kurz nach der griechischen Veröffentlichung geschaffen wurde; die Bücher IV und V sind zudem in einer wörtlichen armenischen Übersetzung erhalten.
Der Zweck von Adversus haereses ist, die Lehre der verschiedenen gnostischen Gruppen zu widerlegen. Bis zur Entdeckung der Bibliothek von Nag Hammadi im Jahre 1945 galt Adversus haereses als beste zeitgenössische Darstellung der Gnosis.
Seiner Betonung der Einheit Gottes entspricht eine Betonung der Einheit der Heilsgeschichte. Irenäus besteht darauf, dass Gott die Welt erschaffen habe und sie seitdem beherrsche. Alles, was geschehen ist, ist ein Teil seines Planes für die Menschheit. Das Wesentliche dieses Planes ist die gesellschaftliche Entwicklung: Irenäus glaubt, dass die Menschheit unreif erschaffen worden sei und Gott beabsichtige, seinen Geschöpfen eine festgelegte Zeit zu gewähren, um zur Gottähnlichkeit heranzuwachsen. So wurden Adam und Eva als Kinder erschaffen. Ihr Fall war folglich kein Aufstand von erwachsenen Menschen (wie Augustinus von Hippo es später deuten sollte), sondern kindisches Gezänk, ein Wunsch, schon vor ihrer Zeit aufzuwachsen und bereits jetzt in den Besitz aller Dinge zu kommen, für die sie erst viel später reif gewesen seien.
Alles, was geschieht, ist folglich von Gott geplant, der Menschheit zu helfen, ihre Unreife zu überwinden und aufzuwachsen. Diese Welt ist von Gott entworfen worden als eine Problemzone, wo die Menschen gezwungen sind, moralische Entscheidungen zwischen Gut und Böse zu treffen - nur auf diese Art können sie reifen. (siehe: Willensfreiheit). Irenäus vergleicht den Tod mit dem Walfisch, der laut Bibel den Jona verschluckte: dieser fand sich nur dazu in der Tiefe des Walfischbauches wieder, damit er sich Gott zuwenden und dessen Willen tun konnte. Tod und Leiden sind offenkundig das Böse, aber ohne dieses ist der Weg zur Erkenntnis Gottes nicht gangbar.
Höchster Punkt der Heilsgeschichte ist Christus. Irenäus glaubt, Christus wäre jederzeit gesandt worden, auch wenn die Menschheit nicht gesündigt hätte; aber die Tatsache, dass sie sündigten, legt seine Rolle als Erlöser fest. Er sieht Christus als den neuen Adam, der das ungeschehen machte, was Adam durchkreuzte: wo Adam wegen der Frucht eines Baums ungehorsam war, war Christus sogar bis zum Tod auf dem Holz eines Baums gehorsam. Irenäus zieht als erster den bei späteren Christen immens populären Vergleich zwischen Eva und Maria und kontrastiert die Pflichtvergessenheit der ersteren mit dem Pflichtgefühl der letzteren: "Eva mußte notwendigerweise in Maria wiederhergestellt werden, damit eine Jungfrau, indem sie zur Anwältin einer Jungfrau werde, durch ihren jungfräulichen Gehorsam den jungfräulichen Ungehorsam rückgängig mache." (Zum Erweis der apostolischen Verkündigung *, 33)
Weiterhin sieht Irenäus an Christus die Rekapitulierung des menschlichen Lebens. Dies heißt, Christus durchläuft jedes Stadium des menschlichen Lebens, von der Kindheit zum Alter, und heiligt es durch sein Leben mit seiner Göttlichkeit. Irenäus muss folglich argumentieren, dass Christus nicht starb, bevor er recht alt war!
Nach Irenäus kommt das Heil im Wesentlichen durch die Inkarnation Gottes als Mensch. Tod und Vergänglichkeit sieht er als Strafe für die Sünden an. Gott aber ist unsterblich und unvergänglich; zur menschlichen Natur in Christus vereinigt, übermittelt er uns diese Qualitäten: sie verbreiten sich wie eine gutartige Infektion. Irenäus versteht die Versöhnung von Christus als durch seine Inkarnation geschehen, nicht durch seine Kreuzigung, wenn er auch letztere als wesentlichen Bestandteil der ersteren ansieht. Die Ansichten des Irenäus haben besonders die Theologie der Orthodoxen Kirche bis heute maßgeblich geprägt, während im Westen (bei Katholiken wie Protestanten) die Ansichten des Augustinus sich als die wirkmächtigeren erweisen sollten.
Irenäus' wird als Märtyrers gedacht, obgleich es keinen Beweis dafür gibt, wie er starb, vermutlich kurz nach der Wende zum 3. Jahrhundert. Er wurde unter der Kirche des Heiligen Johannes in Lyon begraben, die später in St. Irenäus umbenannt wurde. Sein Grab und seine Reliquien wurden 1562 von Hugenotten zerstört.
Mann | Heiliger | Bischof (2. Jh.) | Kirchenvater | Dogmatiker | Theologe (2. Jh.) | Geboren 135 | Gestorben 202 | Christlicher Orient
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