Der Begriff Erster Golfkrieg bezeichnet den Grenzkrieg zwischen dem Iran und dem Irak, der vom 22. September 1980 bis zum 20. August 1988 andauerte (auch Iran-Irak-Krieg; im Unterschied zum Irak-Kuwait-Krieg, dem zweiten Golfkrieg).
Er endete ohne ein Ergebnis und mit hohen menschlichen und wirtschaftlichen Verlusten auf beiden Seiten.
Nachdem Abd al-Karim Qasim durch einen Staatsstreich die Herrschaft im Irak übernommen hatte, erklärte er am 18. Dezember 1959: „We do not wish to refer to the history of Arab tribes residing in Al-Ahwaz and Mohammareh The Ottomans handed over Mohammareh, which was part of Iraqi territory, to Iran.“ (Übers.: Wir möchten uns nicht auf die Geschichte der arabischen Stämme in Al-Ahwaz und Mohammerah
1969 erklärte der Vize-Premier des Irak: „Iraq's dispute with Iran is in connection with Arabistan (Chuzestan) which is part of Iraq's soil and was annexed to Iran during foreign rule.“ (Übers.: Iraks Auseinandersetzung mit dem Iran bezieht sich auf Arabistan *, das Teil des irakischen Bodens ist und während der Fremdherrschaft vom Iran annektiert wurde.) Bald darauf sendeten irakische Radiosender gezielt nach Chuzestan und ermunterten iranische Araber und sogar Belutschen, sich gegen die iranische Regierung zu erheben. Fernsehsender aus Basra zeigten die Provinz Chuzestan als Iraks neue Provinz namens „Nasiriyyah“ und benannten alle iranischen Städte in arabische Namen um.
1971 brach der Irak alle diplomatischen Beziehungen zum Iran ab, nachdem der Irak nach dem Abzug der Briten erfolglos die Vorherrschaft über die Inseln Abu Musa, Tunbe Bozorg und Tunbe Koochak gefordert hatte. Nachdem Beschwerden bei der Arabischen Liga und den Vereinten Nationen erfolglos blieben, verwies der Irak 70.000 Iraner des Landes.
Der Irak hatte ein Jahr zuvor eine militärische Auseinandersetzung mit dem Iran begonnen, die für beide Seiten mit hohen Verlusten endete. Der Iran versuchte, ähnlich wie der Irak im Chuzestan, seinen Gegner zu destabilisieren und ermutigte kurdische Nationalisten in ihren Unabhängigkeitsbestrebungen. Daraufhin wurde einige Monate vor Kriegsbeginn die iranische Botschaft in London durch vom Irak subventionierte Terroristen angegriffen. Das Ereignis wurde als die Belagerung der iranischen Botschaft bekannt, die durch das Eingreifen des britischen SAS am 5. Mai 1980 beendet wurde.
Saddam Hussein spielte häufig auf die islamische Expansion im Iran an und propagierte somit seine „anti-persische“ Haltung. Am 2. April 1980, ein halbes Jahr vor Kriegsausbruch, zog Saddam Hussein zum Beispiel während seines Besuchs in der al-Mustansiriyyah-Universität in Bagdad Parallelen zur persischen Niederlage im 7. Jahrhundert in der Schlacht von Kadesia (auch Al-Qadisiyah) und erklärte: „In your name, brothers, and on behalf of the Iraqis and Arabs everywhere we tell those cowards and dwarfs who try to avenge Al-Qadisiyah that the spirit of Al-Qadisiyah as well as the blood and honor of the people of Al-Qadisiyah who carried the message on their spearheads are greater than their attempts.“ (Übers.: In eurem Namen, Brüder, und im Namen der Iraker und aller Araber sagen wir diesen [iranischen Feiglingen und Zwergen, die sich für Al-Qadisiyah rächen wollen, dass der Geist von Al-Qadisiyah, sowie das Blut und die Ehre der Menschen von Al-Qadisiyah, die ihre Sendung auf ihren Speerspitzen trugen, größer ist als ihre Bemühungen.)
Die Nachwirkungen der islamischen Revolution von 1979 im Iran waren ausschlaggebend für die Auseinandersetzung. Ayatollah Chomeini drohte damit, die islamische Revolution auf den Rest des Nahen Ostens auszubreiten, obwohl der Iran militärisch nicht im geringsten dazu in der Lage gewesen wäre. Der Großteil der Armee des Shahs war bereits aufgelöst worden.
Das Lager Chomeinis verabscheute besonders den Säkularismus der irakischen Baath-Partei und hoffte, dass die Schiiten im Irak, sowie in Kuwait und Saudi-Arabien dem iranische Beispiel folgen und sich gegen ihre Regierungen auflehnen würden. Diese Hoffnung wurde durch eine gezielte Propaganda des Irans unterstützt, die die schiitische Mehrheit im Irak zum Putsch aufrief. Gleichzeitig stellte die aufgrund der Revolution im Iran erfolgte Destabilisierung des Landes und Abwendung von der westlichen Welt ein lohnendes Ziel für den Expansionsdrang Saddam Husseins dar. Er war außerdem davon überzeugt, dass die iranischen Sunniten eher einem starken und von Sunniten geführtem Irak folgen würden, als dem von Schiiten dominierten Iran.
So traten beide Seiten mit der Überzeugung in den Krieg ein, dass die Bevölkerung des südlichen Teils des jeweils gegnerischen Landes (Sunniten im Iran und Schiiten im Irak) sich ihnen anschließen würden. Keine der Bevölkerungsgruppen schien jedoch die nationalistischen Bewegungen oder den zentralistischen Staatsapparat den eigenen historischen clanbezogenen Verbindungen und Differenzen vorzuziehen. Letztlich waren beide Staaten überrascht, dass die jeweils erhofften Verbündeten sich gegen sie wandten.
Der Bericht des UN-Generalsekretärs vom 9. Dezember 1991 (S/23273) stellte ausdrücklich die „Aggression des Iraks gegen den Iran“ durch das Auslösen eines Krieges und die Störung der internationalen Sicherheit und des Friedens fest.
Unmittelbar zu Beginn des ersten Golfkrieges fand am 7. Juni 1981 ein israelischer Luftangriff mit zwei F-16-Kampfflugzeugen auf den im Bau befindlichen irakischen Atomreaktor in Osirak statt, bei dem ein französischer Techniker getötet wurde. Israel begründete diesen Militärschlag gegen den Irak damit, dass es sich um eine vorbeugende Maßnahme gegen das irakische Atomwaffenprogramm gehandelt habe, da Israel den Reaktor im Verdacht hatte, weniger der zivilen Stromgewinnung als vielmehr dem Bau einer irakischen Nuklearwaffe zu dienen. Bis heute ist unklar geblieben, ob der Reaktor zivilen oder auch militärischen Zwecken dienen sollte.
1984 begann im Persischen Golf der sogenannte Tankerkrieg, der im Jahr 1987 auf seinem Höhepunkt anlangte und in dessen Verlauf mindestens 500 Tanker beschädigt oder zerstört wurden. Nachdem Kuwait 1986 um Hilfe für seine Tanker gebeten hatte, flaggten die USA elf Tanker um und beschützen die nun amerikanischen Schiffe in der Operation Earnest Will.
1985 kam es zum so genannten Städtekrieg, dem systematischen Raketen- und Artillerie-Beschuss iranischer Städte durch den Irak, wodurch viele Zivilisten getötet wurden.
Der Krieg war durch extreme Brutalität seitens des Irak gekennzeichnet, einschließlich des Einsatzes chemischer Waffen (Tabun, Senfgas) (1984), die später auch gegen die eigene kurdische Zivilbevölkerung sowie Aufstände in grenznahen Gebieten zum Einsatz kommen sollten. Wegen der schlechten Beziehungen Irans zur internationalen Gemeinschaft kam es nur zu verhaltenen Protesten gegen das irakische Vorgehen.
Die Taktik des Krieges ähnelte der des 1. Weltkriegs, mit opferreichen Wellenangriffen und Grabensystemen auf beiden Seiten (siehe Grabenkrieg). Im Juni 1982 gewann ein erfolgreicher iranischer Gegenschlag die Gebiete zurück, die zuvor an den Irak verloren worden waren. Der Irak bot die Beendigung der Feindseligkeiten an, da ein vollständiger iranischer Sieg möglich erschien. Da der Iran darauf nicht einging, verlängerte sich der Krieg um weitere sechs Jahre.
Die anhaltenden Feindseligkeiten führten, wegen der Präsenz westlicher Marinekräfte zum Schutz der Golfküste, zum Tod von 37 US-Matrosen bei einem irakischen Raketenangriff am 17. Mai 1987 auf die US-Fregatte „Stark“ sowie zum Abschuss eines iranischen Passagierflugzeuges durch den US-Kreuzer „Vincennes“ am 3. Juli 1988, bei dem alle 290 Passagiere und die Besatzung getötet wurden.
Nachdem die USS Samuel B. Roberts (FFG-58) im April 1988 auf eine iranische Seemine lief, starteten die USA Operation Praying Mantis, die die Zerstörung zweier iranischer Ölplattformen sowie mehrerer Schiffe zur Folge hatte.
Für Empörung und Entsetzen vornehmlich in der westlichen Öffentlichkeit sorgte insbesondere auch der umfangreiche Einsatz von Minderjährigen in iranischen Freiwilligenverbänden (Basitschi), die u.a. bei der Panzerbekämpfung mit Haftminen eingesetzt wurden.
Am Ende des Krieges blieben die Grenzen unverändert. Zwei Jahre später, während des Zweiten Golfkrieges mit den USA, den Briten und anderen westlichen Mächten, unmittelbar nach der Eroberung Kuwaits, erkannte Saddam Hussein die iranischen Rechte über die östliche Hälfte des Schatt el Arab an, was eine Anerkennung des Status quo bedeutete, dem er zehn Jahre zuvor die Zustimmung verweigert hatte.
Der Krieg hatte die islamische Republik des Irans schwächen sollen. Im Rückblick lässt sich jedoch sagen, dass erst der Krieg die islamische Republik in ihrem Machtbereich gefestigt hat. Die Bevölkerung stellte sich im Kampf gegen den Irak hinter die neuen Machthaber, welche zuvor heftig umstritten waren. Durch die Verhängung des Kriegsrechts konnte zudem effektiver gegen die Opposition vorgegangen werden.
Siehe auch: Zweiter Golfkrieg, Irak-Krieg
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