Iodmangel entsteht, wenn der Körper über die Nahrung oder das Trinkwasser zu wenig des Spurenelements Iod aufnimmt. Iod wird nahezu ausschließlich zum Aufbau der Schilddrüsenhormone benötigt; ein Erwachsener benötigt täglich mindestens ca. 150 µg. Die Schilddrüse kann bei guter Versorgung 10 mg Iod bevorraten, das entspricht dem Iodbedarf für drei Monate. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt zur Sicherheit höhere Tagesdosen (Stand: 2005):
Die Schilddrüse kann etwa 40 % des verzehrten Iods aus dem Blut aufnehmen und anreichern. Der Rest wird über die Nieren ausgeschieden. Die Iodmenge, die täglich über den Urin ausgeschieden wird, ist ein gutes Maß für die Iodversorgung des Organismus. Der Messwert der täglichen Iodausscheidung wird auf Kreatinin bezogen, ein Stoffwechsel-Abfallprodukt, welches ebenfalls über den Urin ausgeschieden wird; so kann man einen altersunabhängigen Paramenter erhalten. Der Sollwert beträgt nach Empfehlung der DGE 150 µg/g Kreatinin.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilt den Iodmangel folgendermaßen ein:
Eine gesetzlich vorgeschriebene Iodprophylaxe gibt es in der Schweiz, in Österreich, den USA sowie bis zur Wiedervereinigung in der DDR. Im vereinigten Deutschland setzt der Gesetzgeber auf Freiwilligkeit. Durch die Aufklärung der Bevölkerung und die zunehmende Verwendung von Iod-angereichertem Speisesalz in Haushalten (80 %), Großküchen und Nahrungsmittelindustrie (50 %) hat sich die Iodausscheidung nach neueren Studien deutlich verbessert, vor allem bei Kindern. Flächendeckende Daten liegen noch nicht vor, doch ist wegen der Freiwilligkeit dieser Maßnahmen mit hohen regionalen und individuellen Schwankungen zu rechnen. Auch die neuesten Studien zeigen immer noch einen hohen Prozentsatz von unterversorgten Personen. Die Messungen von Hampel et al. 2001 an 3000 Schulkindern aus 128 Städten in Deutschland ergaben z.B. eine mittlere Iodausscheidung von 148 µg/g, jedoch hatten 27 % noch immer einen Iodmangel Grad I oder schlechter.
In Gebieten, in denen eine Salziodierung nicht möglich ist, kann im Ein- oder Zweijahresrythmus mit einer mit Iod angereicherten Ölkapsel supplementiert werden. Dies ist meist in Entwicklungsländern der Fall, wenn die Salzversorgung dezentralisiert ist, oder die Salzgewinnung privat erfolgt.
Nach Vorgabe der WHO sollten alle 3-5 Jahre flächendeckende Daten zur Iodversorgung der Schulkinder erhoben werden. Dies ist bislang in Deutschland kein einziges Mal erfolgt.
Ein weiteres Problem besteht darin, daß auf den ausgewaschenen Böden nicht nur Iod fehlt, sondern auch das Spurenelement Selen. Selen spielt aber in der Thyroxinsynthese eine wichtige Rolle, ebenso wirkt es sich günstig auf das Immunsystem und insbesondere auf Autoimmunreaktionenen aus. Eine ausreichende Selenzufuhr wäre daher für eine Vermeidung von Schilddrüsenerkrankungen ebenfalls wichtig und könnte negative Folgen der Iodierung vielleicht vermeiden.
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