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20ec gre.png Ioannis Antonios Graf Kapodistrias (griechisch Ιωάννης Καποδίστριας) (* 11. Februar 1776 auf Korfu; † 9. Oktober 1831) war das erste Staatsoberhaupt des durch den griechischen Unabhängigkeitskrieg vom Osmanischen Reich befreiten Griechenlands.

Kapodistrias hatte zuvor seit 1815 im russischen Zarenreich die Funktion eines Staatssekretärs im Außenamt inne. Als Freund des griechischen Freiheitskampfes musste er von dieser Funktion allerdings im Jahre 1821 zurücktreten. Er floh in die Schweiz. Am 18. April 1828 wurde er durch die griechische Nationalversammlung für sieben Jahre zum ersten Gouverneur Griechenlands gewählt. Da er als Außenseiter galt, setzten die in Klans zerstrittenen Parteien Hoffnung in seine vermittelnde Kraft. Das arme und verwüstete Griechenland führte aber Kapodistrias zum unerwarteten Einsatz diverser harter Maßnahmen: Die Ordnungsmaßnahmen wie eine sehr zügige Reorganisation des Landes überforderten viele Griechen und zogen den Hass der Klan-Familien auf sich. Am 9. Oktober 1831 wurde Kapodistrias von Angehörigen des Klans der Mavromichalis vor der Kirche St. Spyridon in Nafplion auf der Peloponnes ermordet.

Kapodistrias' Konterfei kann man heute auf der griechischen 20-Cent-Münze finden.

Das Meyers-Lexikon von 1888 schrieb:


Kapodistrias (eigentlich Kapo d'Istras nach seinem Heimatort Capo d'Istria ) widmete sich in Padua und Venedig dem Studium der Philosophie und Heilkunde, betrat aber nach der Rückkehr in seine Heimat, die inzwischen (1797) unter Frankreichs Zepter gekommen war, die diplomatische Laufbahn.

Als am 20. März 1800 die Ionischen Inseln als Republik unter türkische Oberherrschaft gestellt wurden, erhielt er den Auftrag, die Verwaltung der Inseln Kefalonia, Santa Maura und Ithaka zu ordnen, wurde sodann Senatssekretär, arbeitete mit Theotokis und Mocenigo die neue Verfassung aus und übernahm 1803 das Ministerium des Innern, dann das des Auswärtigen.

Bei der Rebellion Ali Paschas von Janina gegen die Hohe Pforte 1807 wurde K. zum Oberbefehlshaber sämtlicher Milizen der Ionischen Inseln ernannt und focht mit dem glücklichsten Erfolg, bis ihn der Friede von Tilsit (1807), nach welchem die Ionischen Inseln an Frankreich kamen, veranlaßte, sich auf seine Güter zurückzuziehen.

Schon 1809 erhielt er jedoch einen Ruf in das Departement der auswärtigen Angelegenheiten in Petersburg, wurde 1811 der russischen Gesandtschaft in Wien beigegeben und 1812 nach dem Hauptquartier der russischen Donauarmee berufen, wo er die diplomatischen Geschäfte verwaltete.

1813 begleitete er den Kaiser Alexander als Chef der Kanzlei in den Krieg gegen Napoleon I. und gewann das Zutrauen desselben in dem Grade, daß ihm fortan die wichtigsten Staatsverhandlungen übertragen wurden. Noch im November 1813 begab er sich als Gesandter nach der Schweiz und bewirkte den Beitritt der Schweizer zur Allianz gegen Napoleon I.

Auf dem Wiener Kongreß, dem er als russischer Bevollmächtigter beiwohnte, bewirkte er durch seinen Einfluß die Wiederherstellung der Siebeninselrepublik unter Englands ausschließlichem Schutz und unterzeichnete darauf den zweiten Pariser Frieden vom 20. Nov. 1815. 1816 wurde er zum Staatssekretär ernannt und verwaltete mit Nesselrode die auswärtigen Angelegenheiten, außerdem die neue Provinz Bessarabien.

Seit 1814 Präsident der Hetärie der Philomusen, lehnte er zwar 1819 den Antrag, sich an die Spitze der Hetärie der Philiker zu stellen, ab und billigte auch Ypsilantis Unternehmung nicht, hoffte aber dennoch Alexander für die Unterstützung der Griechen zu gewinnen. Als indes Russland sich gegen den Aufstand der Griechen erklärte, nahm er 1822 seine Entlassung aus dem russischen Staatsdienst und begab sich nach Lausanne und Genf, von wo aus er durch Wort und Tat (er ließ z. B. viele junge Griechen auf seine Kosten erziehen) die Sache der Hellenen unterstützte. Auch eine Reise durch Frankreich, die Niederlande und Deutschland (1826) diente diesem Zweck.

Am 14. April 1827 von der Volksversammlung in Damala zum Präsidenten (Kybernetes) von Griechenland berufen, begab er sich Ende Januar 1828 dahin. Seine Aufgabe, in dem verwirrten, von Parteiungen zerrissenen Land eine geordnete Regierung herzustellen, war schwierig, und trotz seines guten Willens und seiner unermüdlichen Tätigkeil erreichte er sein Ziel nur teilweise; das Volk mißtraute ihm und nannte ihn den "russischen Präfekten". Auch von der englischen Partei wurde er heftig angefeindet. Der Widerspenstigkeit seiner Gegner setzte K. ein immer strafferes autokratisches Regiment entgegen und reizte überdies die Griechen durch allzu große Begünstigung seiner korsiotischen Landsleute. Man beschuldigte ihn, die Ablehnung der griechischen Krone durch Prinz Leopold von Koburg absichtlich herbeigeführt zu haben, um selbst König zu werden. Auf Hydra und in der Mani brachen Aufstände aus, und als K. den Fürsten der letztern, Petros Mavromichalis, verhaften ließ, wurde er von dem Bruder und dem Sohn desselben, Konstantinos u. Georgios Mavromichalis, 9. Okt. 1831 in Nauplia auf dem Weg zur Kirche ermordet. In Korfu wurde ihm 1887 ein Denkmal errichtet. Sein Bruder war Augustinos Kapodistrias.


Literatur


Weblinks


Politiker (Griechenland) | Grieche | Mann | Geboren 1776 | Gestorben 1831

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