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Als investigativen Journalismus (v. lat. investigare „genauestens untersuchen“) bezeichnet man die journalistische Recherche und Veröffentlichung von Skandalen. Im Englischen wird er als investigative journalism oder investigative reporting bezeichnet. Die investigativen Journalisten werden in den USA umgangssprachlich auch als "Muckraker" (engl. für Schmutzaufwühler, Nestbeschmutzer) bezeichnet. Im deutschen Sprachraum spricht man öfter abschätzig und abwertend von Enthüllungsjournalisten. Dabei erfüllen sie eine wichtige Funktion bei der checks and balances- Kontrolle der Staatsorgane und Wirtschaftskonzerne in modernen Demokratien.

Gegenstand dieser aufwendigsten und die höchsten Ansprüche an das Können und Durchhalten stellende Form der Berichterstattung sind meist skandalöse Vorfälle oder demokratiegefährdendes Fehlverhalten leitender Personen aus Politik und Wirtschaft. Eine Hochphase erlebte der investigative Journalismus in den 1970er Jahren in den USA, als Reporter großer Zeitungen eine Reihe von politischen Skandalen aufdeckten (siehe Beispiele).

Beispiele


Das bekannteste Beispiel ist die Aufdeckung der Watergate-Affäre durch die amerikanischen Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein in der Washington Post. Ein weiterer bedeutender Fall war der Bericht von Seymour Hersh über das Massaker von My Lai 1968, bei dem amerikanische Soldaten über 500 Bewohner eines vietnamesischen Dorfs umgebracht hatten. Im Jahr 2004 brachte Hersh den Folterskandal um das Abu-Ghuraib-Gefängnis im Irak in die US-amerikanischen Medien.

In Deutschland wurden die CDU-Schwarzgeldaffäre und die Flick-Affäre von Hans Leyendecker in der Süddeutschen Zeitung aufgedeckt. Weitere Beispiele sind die Kießling-Affäre (aufgedeckt von Udo Röbel) und die Barschel-Affäre (aufgedeckt vom Nachrichtenmagazin Spiegel). Zuletzt legten 2005 die beiden deutschen Journalisten Cerstin Gammelin und Götz Hamann mit Die Strippenzieher : Manager, Minister, Medien - wie Deutschland regiert wird ein über viele Monate aufwendig und exzellent recherchiertes 300 Seiten starkes Buch über den nachweisbaren Filz zwischen deutschen Ministerien, Wirtschaftskonzern-Lobbyismus und der interessegeleiteten Ausformulierung konkreter Gesetze vor. Der Frankfurter Publizist und Organisierte Kriminalität-Sachkundige Jürgen Roth ist zu nennen, der 2004 mit Ermitteln Verboten! ein Reportage-Buch über die Grenzen polizeilicher Ermittlungsbemühungen vorlegte. Im Jahr 2006 nimmt sein Der Deutschland-Clan die Abhängigkeiten zwischen hochrangigen Politikern, führenden Managern und Justizbeamten ins Visier.

Sonderformen des recherchierenden Under Cover-Journalismus sind die Veröffentlichungen von Günter Wallraff. Wallraff nahm unter Gefährdung seines Lebens pseudonyme Identitäten an, um Skandale aufzuklären. Ein schweizerischer Investigativjournalist war Niklaus Meienberg, der mit seinen Veröffentlichungen maßgeblich zur öffentlichen Diskussion nicht nur über die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg beitrug.

Weitere bekannte Muckraker in den USA:

Weitere deutschsprachige Recherche-Journalisten:

  • Jürgen Bertram: mit seinem politischem Buch "Mattscheibe - Das Ende der Fernsehkultur" über Schleichwerbung;
  • Ulrike Holler Frankfurter Hörfunk-Journalistin, die seit Jahrzehnten sehr viel Sozialberichterstattung, auch Sozialwissenschaftsjournalismus (Kinder, Arme, Asyl, Abschiebung) recherchiert und im Hessischen Rundfunk publiziert;
  • Cerstin Gammelin und Götz Hamann mit Die Strippenzieher : Manager, Minister, Medien - wie Deutschland regiert wird. 5. Aufl. Econ, Düsseldorf 2006. 303 S. ISBN 3-430-13011-5 ; 978-3-430-13011-0;
  • Jürgen Roth mit Die Gangster aus dem Osten 2003, Ermitteln Verboten! 2004 und Der Deutschland-Clan 2006;

Literatur


  • Johannes Ludwig: Investigativer Journalismus, Recherchestrategien - Quellen - Informanten. UVK 2002, ISBN 978-3-89669-348-8
  • Manfred Redelfs: Recherche mit Hindernissen: Investigativer Journalismus in Deutschland und den USA. in: Wolfgang R. Langenbucher (Hrsg.): Die Kommunikationsfreiheit der Gesellschaft (2003), S. * - 238
  • Wolfgang Janisch: Investigativer Journalismus und Pressefreiheit : ein Vergleich des deutschen und amerikanischen Rechts. Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1998. 167 S. (Zugl.: Dissertation Rechts- und Wirtschaftswiss. Univ. Mainz, 1997) ISBN 3-7890-5316-3
  • Klaus Stute: Investigativer Journalismus im öffentlich-rechtlichen Rundfunk : dargestellt am Selbstverständnis von Moderatoren des Bayerischen Rundfunks. Diplomarbeit der Universität Eichstätt 1987. 138 Bl.

Weblinks


Siehe auch


Investigativjournalist | Journalismus | Politischer Begriff | Journalismuspreis

Muckraking | Investigative journalism

 

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