Die Vergiftung (als lateinisch-griechisches Kompositum auch die Intoxikation) ist ein pathophysiologischer Zustand, der als Folge der Einbringung von Toxinen (Giften) in den Körper auftritt.
Das Krankheitsbild wird Toxikose (griechisch τοξίκωση, toxíkosi - die Vergiftung) genannt. Vergiftungen mit mehreren Stoffen bezeichnet man als Misch- oder Polyintoxikationen. Toxine sind häufig bakterieller Herkunft (zum Beispiel bei vielen Lebensmittelvergiftungen).
In der „International Classification of Diseases“ (ICD-10) werden Vergiftungen und toxische Wirkungen unter den Schlüsseln T56.- bis T65.- angegeben.
Mehrere Formen von Vergiftung werden unterschieden:
Akute Vergiftung
Ursache
akuter Vergiftungen ist meist die versehentliche (akzidentelle) oder beabsichtigte (
Suizidversuch) Einnahme.
Bei der Behandlung ist in erster Linie auf den Selbstschutz zu achten. Die Lebensfunktionen des
Patienten müssen aufrecht erhalten werden. Eine einfache entgiftende Maßnahme ist das Erbrechenlassen durch
Brechmittel (
Ipecacuanha und andere), das jedoch bei bestimmten Toxinen
kontraindiziert ist (etwa bei Benzin oder schaumbildenden Substanzen). Weitergehende unspezifische Maßnahmen sind die
Magenspülung, die Aktivkohletherapie und die
Peritoneallavage. Manche Vergiftungen können mit spezifischen Gegengiften (
Antidot) behandelt werden.
Chronische Vergiftung
Von einer
chronischen Vergiftung spricht man bei langdauernder Einwirkung (
Exposition) eines Giftes. Dies ist ein wichtiges Problem der
Arbeitsmedizin. Auch langfristige Einnahme von
Medikamenten kann zu chronischen Vergiftungserscheinungen führen. Berühmte Beispiele sind die
Bleikinder und die
Gressenicher Krankheit, aber auch der
Alkoholismus.
Eine wichtige ärztliche Aufgabe in Vergiftungsfällen ist die Beweissicherung und Dokumentation. Es sollten Giftproben,
Urin-,
Blut- oder
Gewebeproben
sichergestellt werden.
Bei manchen Vergiftungen erlauben bereits äußerliche Zeichen eine Diagnose des Toxins. Beispielsweise werden handelsübliche Präparate des Pflanzenschutzmittels E 605 intensiv hellblau gefärbt. Vergiftungen damit sind manchmal an der blauen Farbe am Mund des Patienten zu erkennen.
Differenzialdiagnose
Die Möglichkeit einer Vergiftung sollte in Betracht gezogen werden bei
- unerwarteten Todesfällen bei jungen, bis dahin gesunden Menschen
- bei plötzlichen Erkrankungen von Kindern ohne bekannte Vorerkrankungen
- bei gleichzeitiger Erkrankung mehrerer Personen
- bei Rauschgiftabhängigen
- bei Personen mit erleichtertem Zugang zu Giften
Vergiftungsursachen
Vergiftungsursachen sind stark von Altersgruppe und Vergiftungsorten abhängig. Die häufigsten Vergiftungsfälle geschehen z. B. bei Kindern im Alter von 1-4 Jahren durch Arzneimittel, chemische Produkte und Pflanzen, und bei Säuglingen häufiger als bei über 70 Jahre alten Leuten. Unter anderen Vergiftungsursachen sind auch Kosmetika, Pestizide, Pilze, Nahrungs- und Genussmittel o. a. zu beachten. Unter Vergiftungsorten ist auf dem ersten Platz der Haushalt, als weitere Orte sind beispielsweise der Arbeitsplatz, Kindergärten und Krankenhäuser zu berücksichtigen.
Die Vergiftungsursachen sind anhand der Symptome möglichst frühzeitig aufzudecken und durch die entsprechende Therapie zu behandeln.
Epidemiologie
1995 wurden 2.944 Todesfälle durch Intoxikationen gezählt.
Häufigster Stoff bei Intoxikationen sind das
Kohlenstoffmonooxid (CO), die
Opioide (
Heroin,
Morphin usw.) gefolgt von den
Schlaf- und
Beruhigungsmitteln (Hypnotika). Danach folgen die
Alkoholvergiftungen (
Ethanol,
Methanol und
Ethylenglykol).
Laut der Kriminalstatistik des BKA 2004 http://www.bka.de/pks/pks2004/index.html
steht an erster Stelle Ethanol. Auch 1995 betrug laut BKA der Anteil der nicht verkehrsfähigen Medikamente und Gifte bei tödlichen Vergiftungen etwa ein Drittel. Alkohol und legale Genussmittel hätten laut dem Bundeskriminalamt dagegen eine 2/3-Valenz an Intoxikationen.
Giftinformation
Solche Informationen geben Vergiftungsberatungsstellen (beispielsweise in Deutschland, Schweiz, Österreich). Sie geben schnelle Hilfe in Vergiftungsverdachtsfällen für die Bevölkerung und für medizinisches Fachpersonal.
Giftnachweis
Erfolgt mit Hilfe mehrerer Methoden. Die sichersten und verbreitetsten sind
Ringversuche.
Rechtswissenschaften
Im
Strafgesetzbuch war die Vergiftung bis 1998 als eigenständiger
Tatbestand eines
Verbrechens in § 229 StGB aF geregelt. Durch das
6. Strafrechtsreformgesetz wurde er in den § 224 (gefährliche
Körperverletzung) überführt. Dadurch wurde der Tatbestand zu einem
Vergehen herabgestuft, dessen
Qualifikationen sich nunmehr nach den Regeln der Körperverletzung richten. Dabei umfasst die rechtliche Regelung auch das äußerliche Vergiften durch
Kontaktgifte.
Im Zusammenhang mit der Rechtsprechung ist die Vergiftung auch eine Hinrichtungsart bei der Vollstreckung von Todesstrafen. Durchgeführt wird sie durch Verabreichung von Nervengiften durch Applikation mittels Kanüle (Todesspritze) oder durch Vergasung (Gaskammer).
Rechtliche Grundlagen im Bereich der Toxikologie sind folgende Gesetze:
- Gesetz über den Verkehr mit Arzneimitteln (AMG von 18. Februar 2005)
- Gesetz über den Verkehr mit Betäubungsmitteln (BtMG von 10. März 2005)
- Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen (GefStoffV von 23. Dezember 2004)
- Verwendung über Verwertungs- und Beseitigungsnachweises (NachwV von 15. Februar 2002)
Weitere Informationen
Siehe auch
Weblinks
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