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zur medizinischen Bedeutung siehe Arten und Definitionen


Unter Intoleranz (lateinisch) versteht man das Nicht-Dulden von Menschen, die (gemessen am allgemeinen Durchschnitt) anders sind, z.B. bezüglich ihrer Nationalität, Religion, Sexualität, Sprache, Meinung, Erscheinung (Aussehen) oder ähnlichem, insgesamt das Gegenteil von Toleranz.

Opfer von Intoleranz waren oder sind beispielsweise:

  • Juden wurden immer wieder Opfer der Intoleranz (Antisemitismus).
  • Muslime sind heute in nichtmuslimischen Staaten häufig Opfer von Intoleranz und Rassismus.
  • Christen sind heute in muslimischen Staaten häufig Opfer von Intoleranz.
  • Hindus sind heute in muslimischen Staaten häufig Opfer von Intoleranz.
  • Atheisten sind heute überall in der Welt häufig Opfer von Intoleranz.
  • Lesben, Schwule und Transgenders werden in vielen Ländern der Erde verfolgt und auch in Deutschland regelmäßig Opfer von, durch Intoleranz motivierten, Übergriffen.
  • Behinderte werden in vielen gesellschaftlichen Bereichen nicht oder nur eingeschränkt toleriert (oft z.B. im Bereich Bildung, Beruf, Teilhabe an Kultur und Gemeinschaftsleben). Als „Intoleranz“, die „bereits vorgeburtlich einsetzt“, sehen Vertreter bestimmter Auffassungen die Praxis an, dass Föten oftmals nach der Diagnose einer im Rahmen von Pränataldiagnostik festgestellten Beeinträchtigung abgetrieben werden.

Quellen der Intoleranz


Quellen der Intoleranz können sein:

  • Religiöse Überzeugungen. Insbesondere die Anhänger der drei großen Offenbarungsreligionen, die jede für sich im Besitz der alleinigen Wahrheit zu sein beansprucht, neigen zu Intoleranz gegenüber andersgläubigen Menschen.
  • Politiker greifen bereits vorhandene Intoleranz auf und setzen sie in intolerante Gesetze um mit dem Ziel, Wählerstimmen zu mehren.
  • Bestimmte Boulevard-Medien nutzen den Effekt, dass sich Intoleranz umsatzsteigernd einsetzen lässt. Über spektakuläre Verbrechen wird dergestalt berichtet, dass ein frei erfundener Zusammenhang zwischen dem Täter und einer verhassten Minderheit hergestellt wird, und im Anschluss daran finden Vorurteile gegen die Minderheit in Form gesteigerter Auflagen bzw. Einschaltquoten reißenden Absatz. Dies wiederum steigert die Werbeeinnahmen. Fakt ist beispielsweise, dass eine bekannte Zeitung Berlins um 1995 herum ihren Verkaufspreis um 10% senken konnte, nachdem sie monatelang täglich ihre gesamte Seite 3 für eine Hetzkampagne reserviert hatte.
  • Vereine, die sich als Erfüllungsgehilfen intoleranter Gesetze und Politik verdingen, haben ebenfalls einen materiellen Anreiz, da sie staatliche Fördermittel kassieren.
Gründe, Ursachen und Motive der Intoleranz:
  • Nach Meinung einiger Psychologen sind Neid und versteckte Minderwertigkeitsgefühle Gründe für Intoleranz.
  • Materielle Motive: Das Geschäft mit der Intoleranz durch Boulevard-Medien und der Stimmenfang durch Politiker sind oben beschrieben.
  • Eine dritte Ursache könnten Informationsdefizite sein, ein Indiz dafür liefert als Gegenbeispiel das Usenet. Dort lässt sich beobachten, wie zunächst sehr voreingenommene Menschen in Diskussionen mit der ihnen verhassten Minderheit geraten, mit der sie in der realen Welt nie sprechen würden, und je mehr sie über deren Gefühle und Situation lernen um so mehr ihre zunächst intolerante Haltung einer gewissen Nachdenklichkeit und Diskussionsbereitschaft weichen lassen.
  • Eine vierte Ursache könnten bewusstes Verhalten bedingt durch Anonymität sein. Prinzipiell gegen alles außerhalb der "Normen" Liegendes macht "Spaß", Angriffe erzeugen Lustgefühle, all das unabhängig von der Intelligenz. Beispiele finden sich in den Internetforen, Chats etc. zu Tausenden.
  • Eine fünfte Ursache könnte innere Frust sein, bei welchem der Betroffene sich von der Gesellschaft nicht akzeptiert oder von dem Gesellschaftssystem diskriminiert fühlt. Beispielsweise neigen manche religiöse Menschen, welche sich "angeeckt" fühlen, dazu, intolerantes - oft aggressives - Verhalten gegenüber "nichtreligiöse" Menschen zu zeigen, die gesellschaftlich "anerkannt" sind. Hier spricht man oft von der Intoleranz einer "Minderheit" gegenüber einer "Mehrheit".
  • Eine weitere Ursache von Intoleranz könnte in der Meinung liegen, dass eine gewisse Einheitlichkeit von Religion, Moral, Sexualverhalten und sonstigem Verhalten wichtig sei für das Zusammengehörigkeitsgefühl von Gemeinschaften. Hier kann es zu Self-fulfilling prophecy kommen: Intolerante Reaktionen auf nonkonformes Verhalten können die Konflikte herbeiführen, die das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gemeinschaft dann tatsächlich stören.

Dem Begriffspaar Toleranz/Intoleranz wohnt eine vielleicht überraschende Dialektik inne: Der Unterschied zwischen Toleranz und Gleichgültigkeit besteht darin, dass eine tolerante Gesellschaft, die Intoleranz toleriert, Gefahr läuft, entgegen der eigenen Absicht Intoleranz zu stärken. Intoleranz gegenüber antitoleranten Ideologien und Bewegungen steht also durchaus im Dienste der Toleranz.

Siehe auch


Diskriminierung | Wertvorstellung | Ethische Haltung | Persönlicher Charakter

Нетолерантност | Intolerance | Suvaitsevaisuus | 不耐

 

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