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Ipa-chart-all-1000px.png Das Internationale Phonetische Alphabet (IPA) ist ein phonetisches Alphabet, das heißt eine Sammlung von Zeichen, mit deren Hilfe die Laute aller menschlichen Sprachen genau beschrieben und notiert werden können. Es wurde von der International Phonetic Association entwickelt und ist das älteste, heute verbreitetste Lautschriftsystem.

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Zeichenzuordnungen der Laute und Lautzeichenerweiterungen


Die IPA-Zeichentabelle nutzt unter anderem Buchstaben des lateinischen und griechischen Alphabets, teilweise in abgewandelter Form. Jedes Zeichen bezeichnet dabei einen Laut oder beschreibt einen bereits angegeben Laut näher, der in einer Sprache der Welt ein Wort von einem anderen unterscheidet.

Das Internationale Phonetische Alphabet ist sprachenübergreifend; dies führt dazu, dass die Zuordnung eines Zeichens zu einem Laut in einer bestimmten Sprache nicht zwangsläufig identisch ist mit der Lautzuordnung desselben Zeichens im IPA. So steht beispielsweise das Zeichen * im IPA für die Aussprache der Buchstabenfolge ch im deutschen Wort „ich“, obwohl es der deutschen Orthographie fremd ist; für die Hochlautung des Französischen, dessen Orthografie „ç“ als stimmloses „s“ kennt, benötigt man das Zeichen dagegen nicht.

Die Sonderzeichen des Alphabets wurden in Unicode im Bereich von U+0250 bis U+02AF aufgenommen.

Vokale

  vorne fast
vorne
zentral fast
hinten
hinten
ung. ger. ung. ger. ung. ger. ung. ger. ung. ger.
geschlossen        
fast geschlossen              
halbgeschlossen        
mittel                
halboffen        
fast offen              
offen            
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Konsonanten

Bei den Konsonanten sind verschiedene Luftstrommechanismen zu unterscheiden.

Die pulmonalen Konsonanten werden mit ausströmender Atemluft (d. h. Luft aus der Lunge) erzeugt (pulmonal-egressiv). Zu dieser Gruppe zählen die allermeisten Konsonanten. Bei den Ejektiven und Implosiven wird der Luftstrom dagegen durch Bewegungen des Kehlkopfs erzeugt. Bei den Ejektiven bewegt sich der Kehlkopf nach oben, sodass Luft ausströmt (glottal-egressiv); bei den Implosiven bewegt er sich nach unten, sodass Luft einströmt (glottal-ingressiv). Schnalzlaute (manchmal auch als „Avulsive“ oder im Englischen als “clicks” bezeichnet) entstehen dadurch, dass Zunge und Gaumensegel einen abgeschlossenen Hohlraum bilden, der durch eine Zurück- und Abwärtsbewegung der Zunge vergrößert wird. Beim Öffnen des Hohlraums findet ein Druckausgleich statt (Luft strömt hinein, daher velar-ingressiv), sodass ein Laut erzeugt wird.

Pulmonale Konsonanten
  bilabial labio-
dental
dental alveolar post-
alveolar
retroflex palatal velar uvular pha-
ryngal
glottal
stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth.
Plosive                  
Nasale                              
Vibranten                                      
Taps/Flaps                                      
Frikative
laterale Frikative                                        
Approximanten                                  
laterale Approximanten                                    
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Die Abkürzung »stl.« steht hier für »stimmlos« und »sth.« für »stimmhaft«.

Dunkel hinterlegte Felder bezeichnen physiologisch unmögliche Artikulationen. Beispielsweise ist ein glottaler Nasal unmöglich, weil bei einem Verschluss der Stimmlippen keine Luft durch die Nase ausströmen kann usw.

Nicht-pulmonale Konsonanten
{| |+ Klicks |- style="background-color:#FFDEAD" ! Zeichen ! Unicode-Code ! Bedeutung |- | | U+0298 | bilabialer Klick |- | | U+01C0 | dentaler Klick |- | | U+01C3 | (post)alveolarer Klick |- | | U+01C2 | palatoalveolarer Klick |- | | U+01C1 | lateraler alveolarer Klick |} {| |+ Implosive |- style="background-color:#FFDEAD" ! Zeichen ! Unicode-Code ! Bedeutung |- | | U+0253 | stimmhafter bilabialer Implosiv |- | | U+0257 | stimmhafter dentaler/alveolarer Implosiv |- | | U+0284 | stimmhafter palataler Implosiv |- | | U+0260 | stimmhafter velarer Implosiv |- | | U+029B | stimmhafter uvularer Implosiv |} {| |+ Ejektive |- style="background-color:#FFDEAD" ! Zeichen ! Unicode-Code ! Bedeutung |- | | U+2019 | Diakritikum, Beispiele: |- | | U+0070 (p), U+2019 | bilabialer Ejektiv |- | | U+0074 (t), U+2019 | dentaler/alveolarer Ejektiv |- | | U+006B (k), U+2019 | velarer Ejektiv |- | | U+0073 (s), U+2019 | alveolarer ejektiver Frikativ |}

Andere Symbole

Zeichen Unicode-Code Bedeutung
U+028D stimmloser labiovelarer Frikativ
U+0077 (w) stimmhafter labiovelarer Approximant
U+0265 stimmhafter labiopalataler Approximant
U+029C stimmloser epiglottaler Frikativ
U+02A2 stimmhafter epiglottaler Frikativ
U+02A1 stimmloser epiglottaler Plosiv
U+0255, U+0291 stimmloser und stimmhafter alveolopalataler Frikativ
U+027A lateraler alveolarer Flap
U+0267 stimmloser velopalataler Frikativ (und [ zugleich)

Suprasegmentalia

Von den Suprasegmentalen Zeichen stehen die Betonungszeichen vor der Silbe, auf die sie sich beziehen, die Längezeichen danach.
Zeichen Unicode-Code Bedeutung Beispiele
(kein Apostroph) U+02C8 Hauptbetonung April //, Backe //
(kein Komma) U+02CC Nebenbetonung Wasserpfeife //, Ringelblume //
(kein Doppelpunkt) U+02D0 lang Lack lag [
U+02D1 halblang
U+0306 extrakurz
U+002E (.) Silbengrenze Bo-te Mu-se-um [
U+007C (|) untergeordnete Intonationsgruppe (Sprechtaktgrenze) Sie haben Glück, nicht wahr? *
U+2016 übergeordnete Intonationsgruppe
U+203F Lautverbindung (Liaison) les enfants * (frz. 'die Kinder')

Töne und Intonation

Zeichen Unicode-Code Bedeutung Beispiele
(Doppelakut) oder U+030B oder U+02E5 besonders hoch *
(Akut) oder U+0301 oder U+02E6 hoch *
(Makron) oder U+0304 oder U+02E7 mittel *
(Gravis) oder U+0300 oder U+02E8 niedrig *
(Doppelgravis) oder U+030F oder U+02E9 besonders niedrig *
(Hatschek) U+030C steigend *
(Zirkumflex) U+0302 fallend *
U+2193 Downstep  
U+2191 Upstep  
U+2197 Global rise  
U+2198 Global fall  

Bemerkung:

  • Unicode hat keine eigenen Zeichen für die meisten Konturtöne. Stattdessen werden Folgen aus Zeichen für Registertöne verwendet und die genaue Darstellung wird der jeweiligen Schriftart überlassen, üblicherweise durch OpenType-Regeln: oder 53" target="_blank" >e312. Deren Verwendung hängt allerdings von lokalen Linguistiktraditionen ab; bei asiatischen Sprachen wird „5“ für den höchsten Ton verwendet und „1“ für den tiefsten, bei den afrikanischen Sprachen umgekehrt. Gelegentlich ist noch eine alte IPA-Tradition anzutreffen, nach der die Konturtöne durch untergesetzte Diakritika bezeichnet werden: [" target="_blank" >* für tief-fallend bzw. tief-steigend.
  • Die Diakritika für Upstep und Downstep wären eigentlich übergeschriebene Pfeile, doch stellt Unicode zurzeit keine eigenen Zeichen dafür zur Verfügung.

Diakritika

stimmlos, bzw. entstimmt
Stimmloses Sprechen eines normalerweise stimmhaften Lautes, z. B. weil er von zwei stimmlosen umschlossen ist. stimmhaft
Stimmhaftes Sprechen eines normalerweise stimmlosen Lautes.

kombinierte Zeichen: (U+025A), (U+025D)
kombinierte Zeichen: (U+026B)
Zeichen Unicode-Code Bedeutung Beispiele
Phonation  (Siehe auch Anmerkung am Ende der Tabelle)
untergestellt:
U+0325
See * (südliches Deutsch)
übergestellt:
U+030A
gut * (südliches Deutsch)
untergestellt:
U+032C
[
übergestellt:
U+030C
*
übergestellt:
U+02B0
aspiriert Tasse [
Genauere Beschreibung der Artikulation eines Vokals
untergestellt:
U+0339
stärker gerundet *
übergestellt:
U+0357
untergestellt:
U+031C
weniger gerundet *
übergestellt:
U+0351
U+031F
weiter vorne *
U+0320
weiter hinten *
U+0308
zentralisiert *
U+033D
zur Mitte zentralisiert *
U+031D
angehoben *
* = Stimmhafter alveolarer Frikativ
U+031E
gesenkt *
* = Stimmhafter bilabialer Approximant
U+0318
vorverlagerte Zungenwurzel *
U+0319
zurückverlagerte Zungenwurzel *
U+02DE
rhotisch *
Genauere Beschreibung des artikulierenden Organs bei Konsonanten
untergestellt:
U+032A
dental [
übergestellt:
U+0346
U+033C
linguolabial [
U+033A
apikal [
U+033B
laminal [
U+0303
nasaliert Chance *
Zusätzliche Engebildung
U+02B7
labialisiert Glück *
U+02B2
palatalisiert [
U+02E0
velarisiert [
U+02C1
pharyngalisiert [
U+0334
velarisiert oder pharyngalisiert *
U+02C0
glottalisiert  
Art der Verschlusslösung für Plosive
U+207F
nasale Verschlusslösung Redner *
U+02E1
laterale Verschlusslösung Handlung *
U+031A
keine hörbare Verschlusslösung stimmt *
Silbizität
untergestellt:
U+0329
silbisch reden *
übergestellt:
U+030D
Regen *
untergestellt:
U+032F
nichtsilbisch Stein *
übergestellt:
U+0311
Stimmqualität
untergestellt:
U+0324
behaucht [
übergestellt:
U+0308
untergestellt:
U+0330
knarrig [
übergestellt:
U+0303

Anmerkung: Ob mit Diakritika versehene Zeichen Äquivalente zu dem jeweils anderen Zeichen der Artikulationsart und des Artikulationsortes sind, ist von der IPA nicht vollständig festgelegt worden. Im „Handbuch der International Phonetic Association“ heißt es dazu: „Es ist strittig, ob und *" target="_blank" >und *" target="_blank" >und *" target="_blank" >und *.“

Zeichen mit Unterlänge können durch ein übergestelltes Diakritikum ausgezeichnet werden. Standardmäßig sollte jedoch mit untergestellten Diakritika ausgezeichnet werden, wenn beide Möglichkeiten bestehen.

Alternative Notationen


Ältere Notationen

Das IPA ist nicht das einzige System zur Notation von Sprachlauten. Im Laufe der Zeit hat es einige Versuche gegeben, die Einteilung der Laute exakter zu gestalten. Ein Beispiel stellt die ikonische Notation dar, wie die Visible Speech von Alexander Melville Bell, bei der einzelne Merkmale eines Lautes (z. B. die Rundung der Lippen und dergleichen) im Zeichen selbst abgebildet werden. Andere Versuche in Richtung einer analphabetischen Notation wurden von den Linguisten Otto Jespersen (1889) oder Kenneth L. Pike (1943) unternommen. Dadurch, dass in diesen Systemen die einzelnen Stellungen der Sprechwerkzeuge unabhängig voneinander angegeben werden können, lassen sich Lautnuancen viel feiner kodieren.

Neuere Notationen

SAMPA, X-SAMPA und Kirshenbaum
Mit den Notationen SAMPA, X-SAMPA und Kirshenbaum wurden Alphabete entwickelt, mittels derer Lautschrift im ASCII-Code geschrieben werden konnte. Diese Systeme wurden vom IPA abgeleitet. Da Unicode-Zeichensätze für die Darstellung des IPA immer breitere Verwendung finden, tritt die Bedeutung dieser Systeme jedoch immer mehr in den Hintergrund.

Siehe auch


Literatur


  • M. Duckworth, G. Allen, W. Hardcastle, M. J. Ball: Extensions to the International Phonetic Alphabet for the transcription of atypical speech. In: Clinical Linguistics and Phonetics. Taylor & Francis, London 4.1990, S. 273–280.

Weblinks


Phonetisches Alphabet

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