ISDN ist auch die Abkürzung für den Medikamentwirkstoff Iso-Sorbit-Dinitrat.
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Integrated Services Digital Network (ISDN) ist ein internationaler Standard für ein digitales Telekommunikationsnetz.
Die englische Bezeichnung ist ein Backronym, da sie werbewirksamer als die ursprüngliche Bedeutung Integriertes Sprach- und Datennetz ist. Sie lässt sich sinngemäß als diensteintegrierendes digitales Netz übersetzen.
Über dieses Netz werden verschiedene Dienste wie Fernschreiben (Telex), Teletex, Datex-L (leitungsvermittelte Datenübertragung), Datex-P (paketvermittelte Datenübertragung) und Telefon übertragen und vermittelt. Vor der Einführung des ISDN gab es für die genannten Dienste jeweils eigene Netze, zwischen denen es Übergänge (Gateways) gab, z. B. zwischen Fernschreibnetz und Teletex oder vom Telefonnetz zu den Datex-Netzen. Da das Telefonnetz das bekannteste der genannten Netze ist, wird die Bezeichnung ISDN oft mit Telefon gleichgesetzt.
Durch Ablösung des analogen Telefonanschlusses durch Digitaltechnik konnte die Leistungsfähigkeit der Teilnehmeranschlussleitung verdoppelt werden (gleichzeitig zwei Gespräche), dabei blieb die Bedienung der Endgeräte für den Benutzer gleich. Der Zugang zum Internet ist mit ISDN etwas schneller als mit einem Modem. Noch schnelleren Zugang zum Internet bietet die DSL-Technik, die sich mit einem digitalen oder analogen Anschluss die Teilnehmeranschlussleitung teilen kann.
Inzwischen gibt es weitere Technologien zum Telefonieren wie GSM, UMTS und IP-Telefonie, die beim Teilnehmer im Wettbewerb stehen. Zur Zeit (2005) bildet ISDN die Basis für alle anderen Telefonnetze. Netztechnisch wurden alle Vermittlungsstellen in Deutschland auf ISDN umgestellt, wobei aber die Teilnehmeranschlüsse nicht digitalisiert werden mussten. Die Kanäle von analog angeschalteten Teilnehmern werden von den Vermittlungsstellen in ein digitales Signal gewandelt und weiter vermittelt.
Anfang der 2000er besitzt jedes Mitgliedsland der Europäischen Union ISDN-Telekommunikationsstrukturen. In der Bundesrepublik Deutschland ist ISDN flächendeckend verfügbar.
Geschichtliche Entwicklung
Weltweit
In den
1970er Jahren erreichte die Digitaltechnik das
Telefonnetz und sollte die mechanischen Vermittlungsstellen ersetzen. Damit sollte eine bessere Auslastung der Leitungen und mehr Komfort für die Benutzer erreicht werden. Die zuständige Organisation, das
Comité Consultatif International Téléphonique et Télégraphique (CCITT, heute
International Telecommunication Union (ITU)), erarbeitete dazu technische Spezifikationen (Recommendations) für ein digitales Telefonnetz, die unter dem Namen
ISDN 1980 erstmals verabschiedet wurden.
In Europa
Mitte der
1980er Jahre befürchteten zahlreiche
Strategen in der europäischen Elektroindustrie und der
EG-Kommission, dass Europa auf dem Gebiet der Telekommunikation gegenüber USA und Japan deutlich ins Hintertreffen geraten würde, wenn es nicht gelingen würde, die staatsmonopolistischen
Anachronismen abzuschaffen und den Wettbewerb nationaler
Eitelkeiten zu beenden.
Um dieses „Horrorszenario“ zu verhindern, sollten einheitliche Normen und gemeinsame Märkte geschaffen werden. 1988 wurde dazu von der EG-Kommission das European Telecommunications Standards Institute (ETSI) gegründet, das Standards für ein gemeinsames digitales Telefonnetz erarbeiten sollte. Am 6. April 1989 wurde unter ihrer Leitung von 26 Netzbetreibern aus 20 europäischen Ländern der Euro-ISDN-Standard ins Leben gerufen, der die nationalen ISDN-Systeme vereinheitlichen sollte und einige technische Verbesserungen brachte. Im Dezember 1993 erfolgte die Einführung von Euro-ISDN auf der Basis des Memorandum of Understanding on the Implementation of a European ISDN.
In Deutschland
In
Deutschland entschied die
Deutsche Bundespost 1979, alle
Ortsvermittlungsstellen zu digitalisieren. Bei Feldversuchen in Berlin (unter dem Namen DIGON =
Digitales
Orts
netz) hatte sich gezeigt, dass durch den Einsatz digitaler Technik zwei unabhängige Duplex-Kanäle simultan übertragen werden konnten.
1982 entschied sie sich für die ISDN-Technik und konkretisierte die Pläne. Darauf folgten
1987 zwei
Pilotprojekte in
Mannheim und
Stuttgart.
1989 begann der offizielle Betrieb des nationalen ISDN nach dem
1TR6-Standard (damals durch die Deutsche Bundespost einfach als
ISDN, heute zur besseren Unterscheidbarkeit als
Nationales ISDN bezeichnet). Die Deutsche Bundespost war damit der Vorreiter für ISDN in Europa; Ursache dafür waren gewaltige staatliche Subventionen, die vom damaligen Postminister
Christian Schwarz-Schilling durchgesetzt wurden. Die Digitalisierung des seit 100 Jahren analogen Telefonnetzes galt als gigantisches Investitionsprojekt, mit dem die Bundesrepublik und ihre Telekommunikationskonzerne an die Spitze im zukunftsträchtigen Telekommunikationsmarkt katapultiert werden sollten. Gleichzeitig wurde vor angeblichen Risiken von ISDN gewarnt. Beispielsweise argumentierten Datenschutzexperten der
Grünen, dass ISDN ein „qualitativer Sprung“ bei der totalen Erfassung sei, da es die Erfassung und Speicherung sämtlicher Verbindungsdaten ermögliche.
Nachdem bis zum Mai 1994 notwendige Softwareänderungen in den Vermittlungsstellen abgeschlossen waren, war Euro-ISDN in Deutschland kommerziell verfügbar. Seit 1995 ist das gesamte Telefonnetz digitalisiert und ISDN flächendeckend verfügbar. Bis Mitte 1996 wurde die Umstellung auf ISDN-Technik durch die Telekom mit einer großen Fördermaßnahme unterstützt – für einen neuen Anschluss wurden bis zu 300 DM und bei Anschaffung einer Telefonanlage bis zu 700 DM bezahlt. Anfang 2003 existierten 10,63 Mio. ISDN-Basisanschlüsse (ca. 1/3 der Telefonanschlüsse insgesamt) und 122.500 ISDN-Primärmultiplexanschlüsse.
In Österreich
In
Österreich begann die Digitalisierung
1978 mit der Einführung des
OES (Österreichisches Einheitssystems) durch die Post- und Telegraphenverwaltung (PTV). Ab
1986 wurde die OES-Technik flächendeckend umgesetzt. Im Februar
1992 wurde im Bereich der Wiener Ortsvermittlungsstelle „Dreihufeisengasse“ ein ISDN-Pilotversuch gestartet, an dem bis zum Jahresende bereits 200 Basisanschlüsse angeschlossen wurden. Bis
1999 wurde das gesamte österreichische Telefonnetz digitalisiert, in diesem Jahr gab es insgesamt 247.000 ISDN-Anschlüsse.
2002 stieg die Zahl auf insgesamt 438.000.
In der Schweiz
In der
Schweiz wurde
1988 mit
Swissnet 1 das erste digitale ISDN-Netz in Betrieb genommen. Bis
1996 konnten insgesamt 250.000 Kunden gewonnen werden, im Jahr
2004 gab es über 900.000 Anschlüsse.
In den USA
In den
USA wurde
1992 unter dem Namen NI-1 (US National ISDN Phase 1) ein ISDN-System eingeführt, das sich von
DSS1 stark unterschied. Später wurde als NI-2 eine verbesserte Version dieses Systems eingeführt. Parallel bietet
AT&T unter dem Namen 5ESS ein eigenes ISDN-System an. Aufgrund der fehlenden Förderung und der preislichen Gestaltung ist ISDN in den USA nur ein Nischenprodukt geblieben.
Unterschiede zum analogen Anschluss
Der Hauptunterschied zum
analogen Anschluss besteht in der
digitalen Übertragung bis zum Endgerät. Dadurch ist es möglich, über einen Anschluss mehrere Kanäle gleichzeitig zu übertragen. Beim ISDN-
Basisanschluss stehen zwei Kanäle zur Verfügung, die völlig unabhängig voneinander für
Telefongespräche,
Fax oder
Datenübertragungen genutzt werden können; man kann also zum Beispiel gleichzeitig telefonieren und im Internet surfen.
Für einen Anschluss können bis zu 10
Rufnummern (genannt Multiple Subscriber Number,
Mehrfachrufnummern (MSN)) vergeben werden, die beliebig auf die ISDN-Endgeräte verteilt werden können. Durch die
Dienstkennungen unterschieden, kann eine
Mehrfachrufnummern (MSN) für verschiedene Anwendungen (Dienste), zum Beispiel für
Telefonie und ISDN-
Datenübertragung, genutzt werden, ohne dass diese sich gegenseitig stören. Zusätzlich stellt das ISDN-Netz zahlreiche
vermittlungstechnische Leistungsmerkmale bereit.
Die digitale Übertragung ermöglicht gegenüber der analogen Technik zahlreiche Qualitätsverbesserungen: Die Signale können bei durchgehend digitaler Übertragung verlustfrei übertragen werden. Bei der analogen Übertragung wird das Signal nur verstärkt, nicht regeneriert. Dabei wird nicht nur das Nutzsignal verstärkt, sondern auch Rauschen und Fremdspannungen. Je länger die Verbindungsstrecke ist, desto kleiner wird bei analoger Übertragung das Signal-Rausch-Verhältnis und somit die Qualität der Übertragung. Die Sprachqualität digitaler Übertragungen ist deshalb deutlich besser. Außerdem sind Datenübertragungen schneller, da kein Modem zwischengeschaltet werden muss, sondern die Daten direkt übers Netz übermittelt werden. Prinzipiell kann die Übertragung über eine Anschlussleitung viel schneller als die ISDN-Geschwindigkeit von 2 × 64 kBd sein (etwa bei DSL), die Begrenzung auf den für Sprache typischen Frequenzbereich bis 3400 Hz in den Übertragungs- und Vermittlungssystemen schränkt die Geschwindigkeit jedoch ein.
Um analoge Endgeräte wie Telefon, Fax, Anrufbeantworter oder Modem an einen ISDN-Anschluss anzuschließen, benötigt man einen a/b-Wandler, der auch als Terminaladapter (abgekürzt TA) bezeichnet wird, oder eine ISDN-Telefonanlage.
Öffentlich verfügbare Anschlusstypen
Ein ISDN-Anschluss ist in zwei Varianten verfügbar: Als
Basisanschluss an einer
Uk0 oder als
Primärmultiplexanschluss an einer
Uk2- oder
UG2-Schnittstelle.
Ein Basisanschluss hat zwei Nutzkanäle und einen Kanal für Steuerinformationen (D-Kanal). Ein Nutzkanal (auch B-Kanal genannt) bietet eine Datenübertragungsrate von 64 kbit/s, der Steuerkanal 16 kbit/s.
Basisanschlüsse sind verfügbar als
- Mehrgeräteanschluss (Point-to-Multipoint) zum Anschluss von bis zu 8 ISDN-Endgeräten
- Anlagenanschluss (Point-to-Point) zum Anschluss einer einzigen Telekommunikationseinrichtung, zum Beispiel einer Telefonanlage
Ein Primärmultiplexanschluss hat 30 Nutzkanäle mit je 64 kbit/s und einen Steuerkanal mit 64 kbit/s, sowie einem weiteren Kanal für Synchronisation und Wartung mit weiteren 64 kbit/s. Er ist nur als Anlagenanschluss verfügbar und wird zum Anschluss von Telefonanlagen oder für 2-Mbit/s-Festverbindungen genutzt.
Anbieter in Deutschland
In Deutschland können seit dem Inkrafttreten der 3. Stufe der
Postreform 1998 neben der
Telekom auch andere Netzbetreiber Telefonanschlüsse anbieten. Da die Ortsnetze größtenteils im Besitz der Telekom sind, müssen andere Betreiber größtenteils die sogenannte
letzte Meile, also die Leitung von der Ortsvermittlungsstelle bis in die Wohnung des Teilnehmers, von der Telekom mieten. Sie bieten meistens nur ISDN-Anschlüsse an.
Physikalische Spezifikationen
Verkabelung beim Mehrgeräteanschluss (Point-to-Multipoint)
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Bei einem Mehrgeräteanschluss erfolgt die Verbindung zur Ortsvermittlungsstelle ebenso wie bei einem analogen Anschluss über eine Kupfer-Doppelader. Die alte TAE-Dose ist eigentlich überflüssig geworden, bleibt meist jedoch aus Kostengründen (zum Anschluss eines NTBA durch den Kunden; NTBA mit Selbstmontage) bestehen. In der Regel wird der NTBA mit einem mitgelieferten Spezialkabel an die TAE-Dose angeschlossen. Der NTBA setzt das digitale Signal von der ankommenden zweiadrigen UK0 auf die vieradrige S0-Schnittstelle um.
Alternativ sind in nebenstehendem Anschlussplan bei Verwendung von UAE-Dosen auch folgende Klemmenbezeichnungen möglich: 1a = 4; 1b = 5; 2a = 3; 2b = 6
Reichen die am NTBA vorhandenen Steckmöglichkeiten nicht aus oder sollen die Endgeräte räumlich getrennt aufgestellt werden, kann bei Bedarf ein bis zu 150 m langer passiver S0-Bus angeklemmt werden. Hierzu sollten Kabel mit mindestens 0,6 mm Aderndurchmesser verwendet werden, eine spezielle Abschirmung ist in der Regel nicht erforderlich; Leitungen der Kategorie 3 reichen aus. An maximal 12 IAE-Dosen können gleichzeitig insgesamt bis zu 8 Endgeräte angeschlossen werden, maximal 4 Geräte können dabei über den NTBA mit Strom versorgt werden (12:8:4-Regel). Das Ende des S0-Bus sollte über zwei 110-Ω-Abschlusswiderstände terminiert werden, in der Praxis werden allerdings meist Abschlusswiderstände mit 100 Ω eingesetzt. Diese Abschlusswiderstände verhindern eine Reflexion des Signals am offenen Ende des Bussystems. Bei einem genügend langen Bus (elektrisch lange Leitung) kann die Terminierung jedoch in der Regel vernachlässigt werden. Eine Bauform mit dem NTBA in der Busmitte verlangt an beiden Bus-Enden Widerstände, die Widerstände im NTBA sind in diesem Fall abzuschalten.
Der NTBA ist kein Endgerät, sondern eine Netzkomponente: Den Übergang vom öffentlichen Telefonnetz in das teilnehmereigene Hausnetz (mit allen Rechten und Pflichten) bildet nicht wie beim analogen Anschluss die so genannte 1. TAE, sondern der NTBA. Sind im Haus (schaltungstechnisch) vor dem NTBA noch analoge Zusatzgeräte (zum Beispiel Zusatzwecker oder Wechselschalter) vorhanden, müssen diese vor Inbetriebnahme des ISDN-Anschlusses abgebaut werden.
Verkabelung beim Anlagenanschluss (Point-to-Point)
Bei einem Anlagenanschluss wird an den
NTBA beziehungsweise
NTPM nur ein Endgerät angeschlossen. Dies ist in der Regel eine
Telefonanlage.
- Bei einem Basisanschluss ist die Verkabelung prinzipiell wie unter Mehrgeräteanschluss beschrieben, mit dem Unterschied, dass maximal eine Dose verwendet wird. Der Anschluss des NTBA an die Hausstromversorgung ist dabei nicht erforderlich (siehe Stromversorgung bei S0).
- Bei einem Primärmultiplexanschluss erfolgt die Verkabelung meist sechsadrig; zwei Doppeladern für die S2M-Schnittstelle plus eine Doppelader für die Stromversorgung des NTPM, da dieser in der Regel durch die Telefonanlage mit Strom versorgt wird.
Stromversorgung
Regelstromversorgung
T-ISDN NTBA.jpg
Um angeschlossene Geräte mit Strom versorgen zu können, erzeugt der an die Hausstromversorgung angeschlossene NTBA eine Speisespannung von 40
V. Diese wird über den
S0-Bus zu den Endgeräten geleitet und darf mit maximal 4,5
W belastet werden. Die Speisung erfolgt dabei durch das Einkoppeln in die Signaladern. Um die Sende- und Empfangselektronik nicht zu behindern, wird die Spannung zwischen den Adernpaaren für Sende- und Empfangsrichtung aufgebaut. Innerhalb eines Adernpaares ist also keine Spannung messbar. Dieses Konzept wird auch als
Phantomspeisung bezeichnet.
Der Anschluss des NTBA an die 230-V-Hausstromversorgung ist nur dann notwendig, wenn direkt am NTBA oder an einem angeklemmten
S0-Bus Endgeräte ohne eigene Stromversorgung (zum Beispiel ein ISDN-Telefon) angeschlossen werden sollen. Haben alle angeschlossenen Geräte eine eigene Stromversorgung (zum Beispiel ein schnurloses Telefon oder eine
Telefonanlage), muss der NTBA nicht an die 230-V-Steckdose, die Energie für seinen eigenen Betrieb erhält der NTBA über die
ISDN-Anschlussleitung. Letztere Installationsform kann sich positiv auf die Lebensdauer des NTBA auswirken, da das integrierte Netzteil dann nicht in Betrieb ist und weniger Wärme entsteht.
Notstromversorgung
Damit auch bei Stromausfall im Haus noch ein
Notruf zu Polizei oder Feuerwehr abgesetzt werden kann, werden ISDN-Telefone auch unabhängig von der lokalen Stromversorgung von der Ortsvermittlungsstelle mit Strom versorgt (Notstrombetrieb). Die Leistung, die der NTBA bei Stromausfall liefert, ist jedoch auf 400 mW begrenzt. Bei Notstrombetrieb kann nur ein einziges (notspeisefähiges und -berechtigtes) ISDN-Telefon versorgt werden. Diese Option, den Notbetrieb bei einem Telefon zu aktivieren, ist in der Regel als mechanischer Schalter ausgeführt; dies ermöglicht es auch im Falle eines vorliegenden Notbetriebs noch diese Einstellung zu ändern, da ja oft nur Grundfunktionen des ISDN-Telefons zur Verfügung stehen: Telefoniert werden kann ganz normal, aber apparateseitige Komfortmerkmale mit hohem Stromverbrauch, wie zum Beispiel Freisprechen und das Display, funktionieren im Notstrombetrieb in der Regel nicht.
Im Unterschied zur normalen Speisung wird die Notspeisespannung mit umgekehrter Polarität in die Leitungen des Busses angelegt; dadurch
erkennen ISDN-Endgeräte den Notstrombetrieb.
Logische Spezifikationen
Implementierungen
In Deutschland wurde ursprünglich ISDN nach dem nationalen Standard
1TR6 angeboten, seit
1991 existiert jedoch ein europaweit einheitlicher ISDN-Standard (
DSS1); ISDN mit DSS1-Protokoll wird auch als
Euro-ISDN bezeichnet. Außerhalb Europas und in
Telefonanlagen kommen andere Implementierungen zum Einsatz.
In den USA gibt es ISDN unter dem Namen NI-1 (US National ISDN Phase 1) und NI-2. Im Gegensatz zum DSS1-Standard gibt es dabei keinen eigenen Kanal für die Signalisierung (bei DSS1 der D-Kanal), stattdessen werden die Signalisierungsdaten über die Nutzkanäle (B-Kanäle) übertragen, deren Kapazität dafür auf 56 kbit/s reduziert wurde.
In Japan und Hongkong gibt es ISDN-Systeme mit dem Namen INS-Net 64, in Australien TPH 1962.
Sprachübertragung
Sprachdaten werden für die Übertragung per Euro-ISDN mit einer
Abtastrate von 8
kHz digitalisiert (
Pulse Code Modulation) und mit einer
logarithmischen Kennlinie (
ITU-T-Standard
G.711,
µ-law-Verfahren/
A-law-Verfahren) von 14 beziehungsweise 13 auf 8 Bit pro Abtastwert komprimiert, um die Besonderheiten der menschlichen Wahrnehmung zu berücksichtigen. Übertragen wird der Frequenzbereich von 300 bis 3400
Hz.
Datenübertragung
Die
B-Kanäle sind bit
transparent und
synchron, sodass beliebige
Leitungscodes verwendet werden können. Um eine Verdoppelung der
Datenübertragungsrate zu erreichen, können die beiden B-Kanäle eines
Basisanschlusses auch
gebündelt werden. Um diese Möglichkeit zu nutzen, sind
Endgeräte erforderlich, die in der Lage sind, die beiden B-Kanäle zu synchronisieren (beispielsweise ISDN-PC-Karten oder
Videokonferenzsysteme).
Mit Hilfe geeigneter Router können mehrere oder alle Nutzkanäle eines Primärmultiplexanschlusses gebündelt werden. Dadurch können Datenübertragungsraten bis zu 2048 kbit/s erzielt werden. Diese Möglichkeit wird insbesondere für die Vernetzung von entfernten Standorten innerhalb eines Firmennetzwerks oder für Standleitungen ins Internet genutzt.
V.110
V.110 ist ein Standardprotokoll der
ITU zur Datenübertragung in diensteintegrierenden Netzen und beschreibt die Unterstützung von Endgeräten mit Schnittstellen der V-Serie (zum Beispiel
V.24-Schnittstelle). V.110 sieht eine
Bitratenadaption (Anpassung der Datenübertragungsrate von langsamen Endgeräten an ISDN) vor. Die Datenübertragungsraten sind bis 19,2 kbit/s standardisiert; bei den meisten
Terminaladaptern sind jedoch Datenübertragungsraten bis 38,4 kbit/s verfügbar. Jedes
Bit der V-Schnittstelle wird in ein Bit des 64 kbit/s-Stromes des
B-Kanals abgebildet, die Restkapazität wird mit Füllbits gefüllt. Bei einigen Implementierungen können langsamere Geschwindigkeiten gemultiplext werden; das heißt es gibt mehrere gültige Abbildungen. Die in V.110 beschriebene Bitratenadaption wird oft auch außerhalb des ISDN verwendet.
V.120
V.120 ist eine Weiterentwicklung des Protokolls
V.110. Die standardisierte Datenübertragungsrate beträgt hier bis 56 kbit/s. V.120 sieht Möglichkeiten für statistisches Multiplexen vor.
Signalisierung
Die
Signalisierung funktioniert bei ISDN
Out-of-Band – sie wird auf einem eigenen Kanal übertragen und nicht wie im analogen Netz beim
Mehrfrequenzwahlverfahren im Sprachkanal. Dadurch funktioniert der
Verbindungsaufbau sicherer und schneller.
Technisch wird für die
Signalisierung der
D-Kanal genutzt, der bei Basisanschlüssen eine Datenrate von 16 kbit/s und bei Primärmultiplexanschlüssen von 64 kbit/s hat.
Im Kernnetz wird für die Signalisierung zwischen den Vermittlungsstellen auf den sogenannten Zentralen Zeichengabekanälen das Protokoll Signalling System No 7 verwendet.
Referenzpunkte und Schnittstellen
Ein ISDN-Anschluss besteht aus zwei Teilen: aus der
Teilnehmeranschlussleitung (beim
Basisanschluss die
UK0-Schnittstelle; beim
Primärmultiplexanschluss die
UK2-Schnittstelle) und der hausinternen Verkabelung (beim Basisanschluss der
S0-Bus; beim
Primärmultiplexanschluss die
S2M-Schnittstelle). Die Teilnehmeranschlussleitung wird durch einen
Netzabschluss abgeschlossen (beim Basisanschluss
NTBA; beim
Primärmultiplexanschluss NTPM).
Isdn-referenzpunkte.png
Funktionseinheiten:
- ET: Exchange Termination (Vermittlungsabschluss) (Ortsvermittlungsstelle)
- Vermittlungsstelle (Schichten 1 bis 3)
- LT: Line Termination (Leitungsabschluss) (Ortsvermittlungsstelle)
- Leitungsübertragungseinrichtung
- Umsetzung zwischen relativ niedrigratigem Teilnehmeranschluss und hochratigem Multiplexanschuss auf der Vermittlungsseite
- NT1: Network Termination 1 (NTBA)
- NT2: Network Termination 2 (NTBA)
- TA: Terminal Adaptor (Terminaladapter, ab-Wandler)
- passt TE2 an die Anforderungen von NT2 an
- TE1: Terminal Equipment Type 1 (ISDN-Endgerät)
- Gerät, das allen ISDN-Interface-Empfehlungen genügt
- TE2: Terminal Equipment Type 2 (nicht ISDN-fähiges Endgerät)
- Gerät, das die ISDN-Interface-Empfehlungen nicht erfüllt
Die Schnittstelle zu Computersoftware wird meistens durch die CAPI hergestellt. Unter Linux wurden früher auch die Hisax-Treiber verwendet.
Adressierung bei ISDN
ISDN-Adressierung.png
ISDN-Adressen sind nach der
ITU-T-Richtlinie
E.164 festgelegt. Die ISDN-Adresse besteht aus der ISDN-Rufnummer und -Subadresse. Die ISDN-Rufnummer adressiert zum Beispiel einen
Teilnehmer an einem
Basisanschluss. Die Subadresse ist maximal 32 Zeichen lang und dient zum Beispiel zur Adressierung eines
Hosts in einem
LAN (dieses muss dazu über ein geeignetes
Gateway am ISDN-Netz angeschlossen sein). Die Subadresse ist für das ISDN-Netz transparent und nur den nutzenden
Teilnehmern bekannt.
Siehe auch
Literatur
- Andreas Kanbach; Andreas Körber: ISDN – Die Technik. Hüthig Verlag, 1999, ISBN 3-7785-2288-4
- Torsten Schulz: ISDN am Computer. Berlin, Heidelberg 1998, ISBN 35-4062-783-9
- Wolf-Dieter Haaß: Handbuch der Kommunikationsnetze. Einführung in die Grundlagen und Methoden der Kommunikationsnetze. Berlin, Heidelberg 1997, ISBN 35-4061-837-6
- Peter Bocker: ISDN – Digitale Netze für Sprach-, Text-, Daten-, Video- und Multimediakommunikation. Berlin, Heidelberg 1997, ISBN 35-4057-431-X
Weblinks
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