Die Bezeichnung Intarsie stammt von den italienischen Begriffen tarsia bzw. intarsia ab, welche ihrerseits auf das Verb intarsiare (dt.= "einlegen") zurückgehen. Es handelt sich dabei um eine Dekorationstechnik, bei der auf einer planen Oberfläche verschiedene Hölzer so in- oder aneinander gelegt werden, dass wieder eine ebene Fläche entsteht, die aber nun verschiedenfarbige und unterschiedlich strukturierte Einschlüsse enthält. Das Trägermaterial erfährt dabei keine plastische Ausformung (Ausnahme: Reliefintarsie im 16. Jh.), da die eingelegten Holzstückchen bündig mit der Oberfläche abschließen. Nach strenger Definition - im täglichen Sprachgebrauch jedoch nicht durchsetzbar - dürfen nur Einlegearbeiten aus Holz, nicht aber Metall, Schildpatt, Perlmutt oder Stein als Intarsien bezeichnet werden. Letztere zählen zu den Inkrustationen, von denen (Holz-)Intarsien ebenfalls nur eine Untergruppe darstellen. Wenn auch bei (Holz-)Intarsien andere Materialien, wie z.B. Metallnägel, Leim oder Firnis hinzukommen können, so ist die Holzsichtigkeit des Materials entscheidend (vgl. Fleming/Honour 1980, Eintrag: Intarsia).
Im sogenannten Mittelalter kam die Intarsienherstellung in Europa wahrscheinlich vollständig zum Erliegen. Zwar wurden Einlegearbeiten in Stein, besonders berühmt sind die Werke der Cosmaten, in Goldschmiedearbeiten oder bei Mosaiken weiter ausgeführt. Holz blieb jedoch unverziert oder wurde ausschließlich mit Schnitzereien versehen. Es brauchte den Anstoß von außen, damit erst in Spanien, dann in Italien, die Intarsia zu einer einzigartigen Blüte gelangte. In anderen Ländern, wie beispielsweise Japan, war diese Dekorationstechnik ohne Unterbrechung ausgeübt und weiterentwickelt worden (Die in Japan und China beliebte Technik, Perlmutt, Korallen, Schmucksteine und (Edel-)Metall in gelacktes Holz oder Elfenbein einzulegen, heißt übrigens Shibayama). Für Europa sollte aber der vom Islam geprägte Raum in dieser Hinsicht besonders wichtig werden. Mit der Eroberung Spaniens brachten die Mauren auch ihre Kunst und Kultur mit auf die iberische Halbinsel, von wo sie über Handelsverbindungen in andere Gebiete gelangen konnte. Der in Cordoba gefertigter Sitz für eine Moschee im heutigen Marokko ist genau in der selben Technik gefertigt, wie das Lesepult im Dom von Orvieto in Italien und zeigt deutlich diese Verbindung. Mit den entsprechenden Techniken wurde vermutlich auch der Begriff tarsi aus dem Arabischen übernommen.
Frankreich zeigte in der Folgezeit eine besonders eigenständige Entwicklung. Bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde das Amt eines Marqueteur du Roi geschaffen, welches anfangs italienische und deutsche Meister einnahmen. Die Techniken für die Einlegearbeiten wurden nun jedoch beispielsweise durch neue Färbemethoden abermals verfeinert. Im 17. Jahrhundert kamen Schildplatt und Zinn als Einlegematerial in Mode. Als unerreicht in dieser Technik gilt André Charles Boulle (1642-1732) dessen Möbel durch eine besonders rafinierte Kombination von Metall, Schildplatt und Bronzeapplikationen eine einzigartige Wirkung erzielen. Andere Kunsttischler machten sich die neu verfügbaren Hölzer, wie Mahagoni, Satin- oder Zitronenholz, zu nutze und schufen so Variationen der Intarsie, welche in Frankreich "Marquetrie" genannt wurde (daher auch die häufige Verwechslung der Begriffe). Aus Neuwied bei Koblenz stammte David Roentgen (1743-1807), dessen Ruhm ebenfalls bis in unsere Zeit hinüberreicht. Er schaffte es, nachdem er 1780 in Paris die Meisterwürde erlangt hatte, als Außenstehender auf dem hochentwickelten französischen Markt Fuß zu fassen.
Im 20. Jahrhundert begann zusammen mit der "Arts-and-Crafts-Bewegung" eine weitere Blüte der Intarsienkunst. Im Elsass entdeckte Charles Spindler (1865-1938) durch, wie er sagte, Zufall die Möglichkeiten der Intarsien neu. Jugendstilmöbel, mit Einlegearbeiten verziert, fanden ihren Platz in den großen Kunstgewerbeausstellungen und wurden von den führenden Architekten entworfen. In heutiger Zeit gibt es einen wachsenden Kreis von Interessierten, welche zum Teil die Fertigung von Intarsien nur als Hobby betreiben. Die wissenschaftliche Erforschung dieses künstlerischen Mediums steckt dagegen immer noch in den Kinderschuhen, und auch die Sammlungen und Eigentümer von alten Intarsienarbeiten beginnen erst langsam, den historischen Wert von Intarsien als Zeugnisse einer alten Handwerkskunst anzuerkennen.
Ferretti, Massimo: "I maestri della prospettiva", in: Storia dell’arte italiana, Bd. 11, Turin 1982, S. 459-580.
Flade, Helmut: Intarsia. Europäische Einlegekunst aus sechs Jahrhunderten, Dresden 1986.
Fleming, John/Honour, Hugh: Dizionario delle arti minori e decorative, Mailand 1980.
Raggio, Olga: The Gubbio studiolo and its conservation, Bd. 1: Raggio, Olga: "Federico da Montefeltro’s palace at Gubbio and its studiolo", Bd. 2: "Wilmering, Antoine M.: Italian Renaissance intarsia and the conservation of the Gubbio studiolo", New York 1999.
siehe auch: Bernsteinzimmer | Furnierader | Furnierleim | Marketerie
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