Als Instrumentation (auch Instrumentierung) bezeichnet man die Verteilung der Stimmen einer musikalischen Komposition auf die einzelnen Instrumente. Bei einem Orchesterwerk kann man auch von Orchestration oder Orchestrierung sprechen. Die Theorie der Instrumentation wird Instrumentationslehre genannt.
Streng genommen kann man bei jedem Musikstück, an dem mehr als ein Instrument beteiligt ist, über die Instrumentation sprechen: Auch in einer Violinsonate ist die Entscheidung, ob das Klavier die Hauptstimme spielt und von der Violine begleitet wird, oder umgekehrt, eine Instrumentationsfrage. Richard Strauss hat auf die Wichtigkeit der Kenntnis von Satztechnik und Stimm
Heute wird unter Instrumentation auch die Bearbeitung eines Werkes für eine andere Besetzung (zum Beispiel „die Orchestrierung einer Klaviersonate“) verstanden und auch die (Orchester-)Besetzung eines Werks kann als Instrumentation bezeichnet werden. („Gustav Mahlers Symphonien sind größer instrumentiert als jene von Mozart.“)
Dagegen steht andererseits die Praxis der Orchestrierung eines Particells, die mit der wachsenden Orchestergröße des 19. Jahrhunderts immer beliebter wurde. Richard Wagner brauchte für die Komposition seines Parsifal knapp zwei Jahre, die ausgefeilte Instrumentation des Particells nahm aber noch drei Jahre in Anspruch.
Die Neukomposition eines Orchesterwerks setzt sich in der Regel aus diesen beiden Komponenten zusammen. Eine Ausnahme bildet die Teamarbeit, die besonders bei der Entstehung von Filmmusik stattfindet: Hier erhält der Arrangeur vom Komponisten ein Particell, in dem mehr oder weniger genau Instrumentationswünsche festgehalten sind und hat allein die Aufgabe, es möglichst korrekt und effektvoll zu orchestrieren.
Für das Erlernen der Instrumentation ist es neben genauer Kenntnis der Instrumentenkunde wichtig, ein gutes Gehör für die einzelnen Klangfarben und ihrer Kombinationen zu entwickeln. Als beste Schulung gilt hierbei das genaue Studium der Partituren von Werken, deren Klangbild dem Lernenden gut vertraut ist. Gute Instrumentierer nehmen auch auf die Ausführenden ihrer Werke Rücksicht: So sollten zum Beispiel Bläser immer wieder Pausen haben, um nicht zu schnell zu ermüden, solistische Passagen andererseits sollten nicht nach zu langem Schweigen erfolgen, damit der Musiker gut eingespielt ist, und für den Wechsel zu Nebeninstrumenten sollte dem Musiker genug Zeit gegeben werden.
In den Partituren der frühen italienischen Opern (wie Claudio Monteverdis L’Orfeo) finden sich nur sporadische Hinweise zur Instrumentation, deutlich ist aber, dass auch hier den Verschiedenen Sphären der Handlung bestimmte Klangfarben zugeordnet werden. Spätere Barockopern, wie jene von Alessandro Scarlatti, haben schon genauere Partituren und eine abwechslungsreiche Orchesterbehandlung. Hier finden sich auch vermehrt typische Effekte wie Tremolo oder Pizzicato in den Streichinstrumenten, um bestimmte Affekte auszudrücken.
In Frankreich führte Jean-Baptiste Lully kurzzeitig den fünfstimmigen Streichersatz mit obligaten Bläsern ein und in Deutschland experimentierten Opernkomponisten wie Reinhard Keiser mit außergewöhnlichen Bläserbesetzungen (wie einer Arie mit fünf Fagotten als Begleitung).
Johann Sebastian Bach benutzte in seinen Orchesterwerken eine chörige Schreibweise, die wohl von der Registrier-Praxis bei der Orgel beeinflusst ist: Streicher bilden eine Gruppe, Holzbläser die zweite und Trompeten und Pauken die dritte. Diese Chöre werden einander gegenübergestellt und im Tutti auch kombiniert, einzelne Instrumente werden aber (abgesehen von dezidiert solistischen Aufgaben wie dem Oboensolo in der Kreuzstab-Kantate) selten aus ihrem Gruppenklang herausgelöst.
In den Symphonien von Joseph Haydn finden sich viele Stellen, deren besonderer Gehalt in erster Linie aus der Instrumentation resultiert: Der berühmte Paukenschlag in der gleichnamigen Symphonie ist auch deshalb eine Überraschung, weil Pauken und Trompeten in einem klassischen langsamen Satz kaum verwendet wurden. Haydn schrieb in seinen Memoiren, der kleine und dichte Betrieb in Eszterháza habe ihm ermöglicht, verschiedene musikalische Dinge auszuprobieren, und diese Äußerung ist bestimmt auch auf die Kunst der Instrumentation zu beziehen, deren meisterhafte Beherrschung er in den Londoner Symphonien beweist.
Auch Wolfgang Amadeus Mozarts persönliche Art der Instrumentation, besonders seine charakteristische Behandlung der Blasinstrumente macht einen großen Teil des Reizes seiner Musik aus. Sie hatte nicht nur auf Ludwig van Beethoven großen Einfluss, einige Details seiner Kunst, wie die Parallelführung der Holzbläser in Terzen wurden noch von Johannes Brahms imitiert.
In der Tradition der klassischen Instrumentation entstanden auch einige Kammermusik-Werke, namentlich Werke für gemischte Besetzung wie das Septett von Beethoven oder Franz Schuberts Oktett.
Was die Größe des Klangkörpers betrifft, so kehrten Strauss in Ariadne auf Naxos oder Igor Strawinski in Histoire du soldat zu kleineren Besetzungen zurück, die aber durchaus orchestermäßig instrumentiert waren. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden Musikstücke einerseits für konventionell besetzte Orchester oder Kammermusikgattungen komponiert, andererseits existieren unzählige Werke, die für ganz eine bestimmte, ansonsten selten verwendete, Besetzung konzipiert und ausgeführt sind.
Als erstes Lehrwerk for Instrumentation wird bei Ludwig K. Mayer (siehe Lit.) der 1764 von Valentin Roeser in Paris veröffentlichte Essai de l'instruction à l'usage de ceux, qui composent pour la clarinette et le cor (Versuch einer Anleitung für jene, die für Klarinette und Horn komponieren), ein dünnes Büchlein, in dem auf die klanglichen Kombinationsmöglichkeiten in der Bläserkammermusik und die Verwendung der relativ jungen Klarinette eingegangen wird.
Die ausführliche theoretische Behandlung der Instrumentationslehre begann erst in der Mitte des 19. Jahrhundert: 1844 veröffentlichte Hector Berlioz seine Grande Traité d'instrumentation et d'orchestration moderne (Große Abhandlung über die moderne Instrumentation und Orchestration), die das erste Schulwerk dieser Art darstellt und 1904 von Richard Strauss überarbeitet wurde. Sie enthält vor allem eine ausführliche Instrumentenkunde, die Tonumfang, Klang und Charakter der Orchesterinstrumente und ihrer einzelnen Register abhandeln, und behandelt die Problematik unterschiedlicher Besetzungen und der Anzahl der Spieler in den einzelnen Gruppen, die für eine gute dynamische Balance geeignet sind.
Einen Schritt weiter ging Nikolai Rimski-Korsakow 1913 in seinen Grundlagen der Instrumentation: Er befasste sich auch mit den Kombinationsmöglichkeiten verschiedener Instrumente und der effizienten Verteilung der Einzelstimmen in einem Orchesterakkord, die Berlioz für „nicht lehrbar“ hielt.
Unter neueren Werken der Instrumentationslehre ist besonders die 13bändige Reihe "Die Instrumentation" von Hans Kunitz (Breitkopf & Härtel, Leipzig, 1956ff) zu nennen, die für alle Orchesterinstrumente Geschichte, Tonerzeugung, Klangcharakter, Klangkombinationen und spieltechnische Möglichkeiten mit zahlreichen Beispielen auch aus der Literatur des 20. Jahrhunderts (Orff, Schostakowitsch) beschreibt.
Orchestration | سازبندی | Soitinnus | Orchestration | תזמור | Orkestratie | Orkestrering | Instrumentation
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Instrumentation".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world