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Der Mythos von Inkarri (auch: Inkarrí mit Endbetonung) ist in verschiedenen Versionen bei der quechuasprachigen Bevölkerung im südlichen Andenhochland von Peru verbreitet. Der Name hat sich durch Umformung der spanischen Bezeichnung "Inca Rey" (Inka König) durch Anpassung an die Quechua-Aussprache entwickelt.

Der Mythos geht wahrscheinlich auf die dreimalige traumatische Erfahrung der Indianer auf Grund der Hinrichtung eines Inka durch die Spanier zurück: 1533 wurde Inka Atawallpa auf Befehl von Francisco Pizarro in Cajamarca durch den Garrote getötet. Der letzte Inka-König Túpac Amaru I. starb 1572 in Cuzco auf Geheiß von Francisco de Toledo durch Vierteilung. Nach einem gescheiterten Aufstand wurde der Führer der Aufständischen José Gabriel Condorcanqui (auch bekannt als Túpac Amaru II.) 1781 ebenfalls in Cuzco gevierteilt.

Der Kern des Mythos beinhaltet die Prophezeiung des Inka vor seiner Ermordung durch die Spanier, dass er wiederkehren und die Ordnung des Inka-Reiches wieder herstellen werde. Generell wird der Tod des Inka als Enthauptung dargestellt, so wie es auch Waman Puma de Ayala zeichnerisch wiedergegeben hat. Die Körperteile des Inka sollen an verschiedenen Orten begraben sein, wobei sich die Ortsangaben unterscheiden. Meist heißt es, der Kopf sei in Lima oder Spanien, der Rumpf in Cuzco begraben. Die Q'ero-Indianer erzählen dagegen, Inkarrí sei in den sagenhaften Ort Paytiti entrückt. Die Körperteile, so heißt es, werden wieder zusammenwachsen und der Inka wieder auferstehen. Es handelt sich somit um eine messianischen Mythos.

Meist erscheint Inkarri als Gründer der Inka-Hauptstadt Cuzco, oft im Rahmen eines Wettbewerbs mit einem Gegenspieler. So treffen sich in der Version von Q'ero Inkarri und Qollarri auf dem Pass Raya zwischen den Regionen von Cuzco und Puno. Inkarri wirft einen goldenen Stab dorthin, wo er danach die Stadt Cuzco gründet. Qollarri wirft seinen Stab in die andere Richtung, an den Titicaca-See, wo er die Stadt Puno gründet. Der goldene Stab taucht in vielen Inkarri-Versionen auf und stammt bereits aus der Zeit vor der Conquista: So kommt er schon in den Ursprungsmythen der Inkas (z. B. bei den Ayar-Brüdern, siehe auch Manco Cápac) sowie im Huarochirí-Manuskript aus dem Ende des 16. Jahrhunderts vor.

Über den Inkarrí-Mythos war den Weißen Jahrhunderte lang nichts bekannt. Dr. Oscar Nuñez del Prado von der Universität San Antonio Abad in Cuzco veröffentlichte als erster im Jahre 1955 die Geschichte, die er in der Quechua-Dorfgemeinschaft Q'ero (Provinz Paucartambo, Departement Cuzco, Peru) im Rahmen einer ethnologischen Expedition aufgezeichnet hatte. Eine weitere bekannte Version, veröffentlicht 1956, stammt aus Puquio (Provinz Lucanas, Departement Ayacucho, Peru), aufgezeichnet vom Schriftsteller und Sozialwissenschaftler José María Arguedas.

Literatur


  • Thomas Müller und Helga Müller-Herbon: Die Kinder der Mitte. Die Q'ero-Indianer. Lamuv Verlag, Göttingen 1993. ISBN 3889770495

  • Juliane Bambula Diaz und Mario Razzeto: Ketschua-Lyrik. Reclam, Leipzig 1976. 259 S.

Weblinks


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