Injektivität (injektiv, linkseindeutig) ist eine Eigenschaft einer mathematischen Funktion.
Sie bedeutet, dass jedes Element der Zielmenge höchstens einmal als Funktionswert angenommen wird. Es werden also keine zwei verschiedenen Elemente der Definitionsmenge auf dasselbe Element der Zielmenge abgebildet. Eine injektive Funktion ist daher (als Relation gesehen) linkseindeutig.
Im Unterschied zu einer bijektiven Abbildung entspricht dabei nicht unbedingt jedem Element der Zielmenge ein Element der Definitionsmenge. Die Bildmenge kann also kleiner als die Zielmenge sein, so dass injektive Funktionen im Allgemeinen keine Umkehrfunktion haben.
Eine injektive Funktion wird auch als Injektion bezeichnet.
Seien und Mengen, sowie eine Abbildung von nach .
heißt injektiv, wenn für alle aus höchstens ein aus mit existiert.
(höchstens ein bedeutet auch keines)
Äquivalente Formulierung:
heißt injektiv, wenn für alle , aus und aus gilt: Wenn und , dann .
Formal:
Injektivität_Mengenkasten_01.pngInjektivität_Mengenkasten_02.pngInjektivität_Mengenwolke.png
Für eine endliche Menge A ist die Mächtigkeit |A| einfach die Anzahl der Elemente von A. Ist nun f : A → B eine injektive Funktion zwischen endlichen Mengen, dann muss B mindestens genauso viele Elemente wie A haben, es gilt also |B| ≥ |A|.
Man kann dies äquivalent auch so formulieren: Ist f : A → B eine Funktion zwischen endlichen Mengen und gilt |B| < |A|, dann ist f nicht injektiv. Es gibt also (mindestens) zwei verschiedene Elemente x und y von A mit f(x) = f(y). Diese Aussage wird auch als Schubfachprinzip bezeichnet.
Für unendliche Mengen werden Injektionen verwendet, um Mächtigkeiten der Größe nach zu vergleichen.
Für die Injektivität einer Funktion f : X → Y sieht man oft auch die folgende Definition, die zu der oben angegebenen äquivalent ist:
Verwendet man sie zum Nachweis der Injektivität, führt dies oft zu einem Widerspruchsbeweis. Der direkte Beweis mit der obigen Definition ist aber meist eleganter und kürzer, und daher vorzuziehen.
Nachdem man generationenlang mit Formulierungen wie "eineindeutig" (heute Bijektivität) ausgekommen war, kam erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts mit der durchgehend mengentheoretischen Darstellung aller mathematischen Teilgebiete das Bedürfnis nach einer prägnanteren Bezeichnung auf. Wahrscheinlich wurde das Wort "injektiv" ebenso wie "bijektiv" und "surjektiv" in den 1930ern von N. Bourbaki geprägt. Als frühester Gebrauch im Englischen wird genannt *: Das Substantiv "Injektion" wurde 1950 von S. MacLane, das Adjektiv "injektiv" 1952 in den Foundations of algebraic topology von Eilenberg und Steenrod eingeführt.
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