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Initiation bezeichnet die Einführung eines Außenstehenden (eines Anwärters) in den engeren Kreis einer Gruppe oder Gemeinschaft, bzw. seinen Aufstieg in einen anderen personellen Seinszustand, z.B. vom Kind zum Mann, vom Novizen zum Priester oder vom Laien zum Schamanen. Die Initiation ist gewöhnlich in einen vorgegebenen rituellen Rahmen eingebunden. Der Initiationsritus gestaltet die Initiation.

Das Ritual zur Aufnahme in einen geistlichen Orden wird auch Ordination genannt. Übergangsriten wurden in den Sozialwissenschaften grundlegend zuerst von Arnold van Gennep untersucht.

Ritus


Im Rahmen eines spezifischen sozio-kulturellen Kontextes folgt der entsprechende Ritus in Ablauf und Gestaltung meist einer gleich bleibend festgelegten Form. Die soziologisch-anthropologische Untersuchung verschiedener Initiationspraktiken zeigte verallgemeinernd den folgenden Ablauf:
  1. séparation: die Trennung vom früheren Zustand (z. B. Leben)
  2. marge: den (kritischen) Übergang
  3. agrégation: die Aufnahme in den neuen Zustand oder Status (oft mit Belehrungen und Riten der „Besiegelung“)

Der Initiand wird durch die Initiation verändert, gegebenenfalls „stirbt“ sein altes Ich symbolisch. Danach tritt der Initiand in eine "neue Welt", weshalb bei vielen Initiationsriten eine symbolische Geburt vollzogen wird.

Spirituelle Beispiele


  • Die christliche Taufe, Konfirmation und Firmung der Kirchen haben aufgrund ihres Symbolcharakters initiierenden Charakter. Hierbei tritt der spirituelle Charakter in den Mittelpukt der Zeremonie. Der Errettung der Seele durch die Aufnahme in den Kreis der Gläubigen ist für viele Religionen das zentrale Element einer Initiation.

  • Im Judentum die Bar Mizwa für 12-jährige Jungen bzw. die Bat Mizwa für Mädchen. Sie müssen öffentlich aus der Tora vorsingen.

  • Junge Männer in den höheren Kasten der Hindus werden dem sog. Upanayana (Initiationsritus für Knaben) unterzogen. Es ist diese kultische Handlung, die einen Menschen nach Auffassung der Hindi zum "Dvijati" werden lässt, zum "Zweimalgeborenen".

  • Im Buddhismus werden Knaben, die in ein Kloster eintreten, zunächst fürstlich bewirtet, kleiden sich feierlich und dürfen ausgiebig spielen, bevor Sie dann zur Initiation in das Klosterleben rituell kahl geschoren werden, ihre bürgerliche Kleidung ablegen und die Mönchskutte umlegen, mit der sie in Zukunft symbolisieren, dass sie den weltlichen Freuden absagen.

  • Im Shintō gibt es den Brauch, Neugeborene an einem bestimmten Tag zu ihrem ersten Schreinbesuch, dem Hatsumiyamairi zu bringen. Das Neugeborene wird dadurch Mitglied der Gemeinde.

  • Viele Neue Religiöse Bewegungen kennen ebenfalls Initiationsrituale. Diese haben oft kontemplativen Charakter, so wie z.B. bei Eckankar, die die ersten beiden von bis zu 12 Initiationen durch die Übergabe eines persönlichen Mantras vollziehen. Die späteren Initiationen werden dann in gemeinsamer Kontemplation mit einem Geistlichen in Stille erteilt.

  • Bei der Männer-Initiation bei Papuas und Melanesiern werden (wurden) die Initianden in eine Erdhöhle gesteckt. Oft werden die Initianden mit greulichen Masken erschreckt. Zum Ende der Zeremonie werden sie von den Mitgliedern des neuen Bundes, zu dem sie nun gehören, aus der Höhle gezogen.

Säkuläre Beispiele


  • Auch manche Studentenverbindungen und Geheimbünde kennen Initiationsriten. Innerhalb von Studentenverbindungen werden Neumitglieder nach einer Probezeit von ein bis zwei Semestern vom Status des „Fux“ oder „Fuchs“ mittles einer „Burschung“ genannten Initiation (in manchen Dachverbänden: „Rezeption“/„Reception“) zum Vollmitglied ernannt.

  • Initiationsrituale sind auch bei Jugendbanden üblich, wobei der Anwärter gewöhnlich eine „Mutprobe“ (z.B. Diebstahl) bestehen muss. Auch werden Neuankömmlinge vor Ekel- und Gewaltproben gestellt, um ihre Unterwerfung zu erzwingen. In Frankreich heißen diese Erniedrigungsrituale „Bizutage“, in Brasilien „Trote“.

Moderne Initiationspraxis


Eine moderne Bewegung versucht die Begründung einer erneuerten, ernstzunehmenden und kulturübergreifenden Initiationsritualpraxis. Diese wird von Pädagogen, Psychotherapeuten, Ärzten und engagierten Eltern mit Blick auf die heutigen Herausforderungen der Gesellschaft ausgeübt und z.B. in der Visionssuche oder dem sog. "Vision Quest" geprägt. Daneben gibt es scherzhafte Initiationsrituale in Anlehnung an religiöse oder sekuläre Formen.

Siehe auch


Literatur


  • Les rites de passage (deutsch: Übergangsriten, übersetzt v. S. Schomburg-Scherff, Frankfurt a. M. 1986), 1909
  • Steven Foster/Meredith Little, Visionssuche, Sinnsuche und Selbstfindung in der Wildnis, 1989, Arun Verlag, ISBN 3-935581-09-2
  • Gisela Bleibtreu-Ehrenberg: Mannbarkeitsriten: Zur institutionellen Päderastie bei Papuas und Melanesiern. Ullstein 1980
  • Mircea Eliade: Rites and Symbols of Initiation, Spring Press, ISBN 0-88214-358-1
  • Thomas Mann: Der Zauberberg. 1924
  • Robert Bly: Eisenhans. Ein Buch über Männer. Knauer, München 1993, ISBN 3-426-84017-0
  • Michael Meade: Die Männer und das Wasser des Lebens. Wege zur wahren Männlichkeit. San Francisco, Verlag Harper 1993, Deutsche Übersetzung Paul List Verlag in der Südwest Verlag GmbH & CoKG München 1994
  • Shanti E. Petschel: Reifeprüfung Wildnis, endlich erwachsen werden. Arun Verlag, ISBN 3-935581-64-5g
  • Geseko von Lüpke und Sylvia Koch-Weser: Vision Quest, Ariston 2000, ISBN 3-7205-2164-8
  • Kris Kershaw: Odin Der einäugige Gott und die indogermanischen Männerbünde, Arun-Verlag 2003, ISBN 3-935581-38-6

Weblinks


  • http://www.coburger-convent.de/faq/mitgliedschaft.html#akzeption_admission_rezeption Aufnahmeritual bei Studentenverbindungen
  • http://www.santmat-diewahrheit.de/index.php?option=com_content&task=view&id=21 Alles über eine Initiation - Surat Shabd Yoga

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