Die Ingenieurschule Eisleben ist der direkte Nachfolger der Bergschule Eisleben. Der starke Rückgang des Bergbaus in Europa, der auch vor der ehemaligen DDR nicht Halt machte, zwang Ende der sechziger Jahre zu Überlegungen über das künftige Schicksal der traditionsreichen Bildungseinrichtung. Im Hinblick auf die stürmische Entwicklung der Mikroelektronik und Computertechnik und unter Berücksichtigung der stark erweiternden Fachrichtung Bergelektrotechnik der Schule faßte die Regierung 1968 den Beschluß, die Bergschule Eisleben zu einer Ingenieurschule für Elektrotechnik und Maschinenbau (Ingenieurschule Eisleben) umzuprofilieren und die bergmännische Ausbildung auslaufen zu lassen. 1971 verließen als letzte Absolventen Bergingenieure des Fernstudiums die Schule.
Mit großer Einsatzbereitschaft der an der Schule verbleibenden Lehrkräfte und mit vielen Neueinstellungen formierte Direktor Prof. Dr. Leithold einen fachlich hochqualifizierten und aus vielen promovierten Dozenten bestehenden Lehrkörper, der mit einer für DDR Verhältnisse hervorragenden technischen Ausrüstung Ingenieure für Elektrotechnik/Elektronik, Maschinenbau und Ingenieurökonomen sowie Materialwirtschaftler ausbildete, die von der Industrie des Landes wegen ihrer guten Ausbildung gern eingestellt wurden und einen beträchtlichen Anteil am sog. "Mikroelektronikprogramm der DDR" hatten. Hinzu kamen postgraduale Studiengänge auf den Gebieten der Mikroelektronik, des Arbeitsschutzes, der Arbeitsgestaltung und Arbeitssicherheit sowie der Informatik. Eine Fülle von Weiterbildungslehrgängen, von national beachteten Fachtagungen und die Mitwirkung im Ingenieurverband "Kammer der Technik" runden das fachliche Profil dieser Jahre ab. Die Kapazität der Schule betrug ca. 5000 Studenten (Direkt-, Fern- und Abendstudium).
Außenstellen wurden u.a. eingerichtet in den Betrieben Starkstromanlagenbau Berlin, Elektroprojekt Berlin, KWO Berlin, Funkwerk Köpenick, Robotron, Zentronik u.a.
Voraussetzungen zur Immatrikulation waren:
Trotz der strengen Auswahlkriterien lag die Exmatrikulationsrate bei ca. 20 %.
Eine zunächst im Rahmen der Kammer der Technik gegründete Beratungs- und Informationsstelle Mikroelektronik trug in den Jahren von 1973-1990 durch ihre industriebezogene Forschung wesentlich zum guten fachlichen Ruf der Schule bei, die einige tausend Absolventen für die elektrotechnisch-elektronische Industrie und für alle Bereiche der Datenverarbeitung ausbildete.
Nach der Wende lief diese Ausbildung im Juli 1993 mit der Exmatrikulation der letzten Ingenieure aus.
Bei der Neuordnung der Hochschullandschaft in Sachsen-Anhalt Anfang der 90er Jahre fand die älteste Ingenieurschule Deutschlands trotz anerkanntem sehr hohem Niveaus, vorhandener Räumlichkeiten und weiterer sehr guter Voraussetzungen keinerlei Berücksichtigung. Dafür wurde in nur ca. 80 Km Entfernung eine Fachhochschule ähnlichen Profiles neu gegründet. Diese liegt aber im Wahlkreis des damaligen Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt.
Entsprechend dem Schulgesetz des Landes Sachsen-Anhalt wurde die ehemalige Ingenieurschule zur Fachschule für Technik und Wirtschaft, die in einem zweijährigen Direktstudium staatlich geprüfte Techniker für Elektronik, Maschinenbau und Informatik sowie staatlich geprüfte Betriebswirte ausbildet. 1993 verlor die Schule, nach 195 Jahren, auch ihre juristische Selbstständigkeit.
Die Trauer und das Entsetzen über die Zerschlagung der traditionsreichen Einrichtung brachte der letzte Ingenieurjahrgang mit einer Anzeige am Tage der Exmatrikulation, der zufällig auf den Tag des 195. Geburtstages der Schule fiel, zum Ausdruck.
Hoffnungen auf den Aufbau einer Berufsakademie zerschlugen sich, da keinerlei Unterstützung für das Modell einer Berufsakademie noch für den Standort von Seiten der jeweiligen Landesregierungen vorhanden war.
Das Gebäude ist nun Teil der Berufsbildenden Schulen des Landkreises Mansfelder Land.
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