Die Ingelheimer Kaiserpfalz entstand gegen Ende des 8. Jahrhunderts und diente den Kaisern und Königen der folgenden Jahrhunderte als Aufenthaltsort und Regierungssitz.
In Ingelheim gab es seit der Merowingerzeit ein großes Königsgut auf halbem Wege zwischen Mainz und Bingen. Laut Einhard, dem Biographen Karls des Großen, ließ Karl "neben" dieser villa regia eine prächtige Pfalz (lat. palatium) errichten. In diesem Wortsinne bedeutet Pfalz mehr als nur ein Ensemble aus ländlichen Gutshäusern aus Holz, sondern dies waren nun palastähnliche Gebäude nach römischen Vorbildern, mit römischen Materialien, die oft aus ruinösen römischen Gebäuden in Zweitverwendung entnommen wurden, z.B. aus Ravenna: Steinbauten mit Säulen, Marmorverzierung, Wandbemalung. Zentraler Bau der Kaiserpfalz war die Aula regia, eine große Versammlungshalle nach Art einer Basilika.
Wann Karl den Auftrag zum Bau der Ingelheimer Pfalz gab, ist unklar - vielleicht geschah dies 787/788, als er sich zum einzigen Mal mehrere Monate lang in Ingelheim aufhielt. Unsicher ist auch, ob die neuen Bauten schon zu Lebzeiten Karls oder erst in der Regierungszeit seines Sohnes Ludwigs des Frommen fertig gestellt wurden, der sich viel häufiger als sein Vater in Ingelheim aufhielt, nämlich mindestens zehnmal. Die Pracht dieser Pfalz wird von dem aquitanischen Mönch Ermoldus Nigellus, der von Ludwig zur Strafe nach Straßburg verbannt worden war, in den höchsten Tönen gelobt.
Während Aufenthalte der späten Karolinger in Ingelheim nur noch sporadisch nachzuweisen sind, stieg die Ingelheimer Pfalz im 10. Jahrhundert unter Otto I. und seinen Nachfolgern zu großer Bedeutung auf, bis sie ihren Rang unter den Staufern im 12. Jahrhundert allmählich verlor.
In den drei Jahrhunderten ihrer Blütezeit diente sie als Stätte für Reichstage, Gerichtstage (z.B. unter Karl I. 788 gegen Herzog Tassilo von Bayern), für Hoftage, kirchliche Synoden, Festkrönungen, Hochzeiten (z.B. Heinrichs III. mit Agnes von Poitou 1043), für Pfingstfeste, Repräsentationsaufenthalte und Gesandtschaftsempfänge. Der 1105 von seinem Sohn abgesetzte Kaiser Heinrich IV. wurde in Ingelheim bis zu seiner Flucht gefangen gehalten. Die Gebäude wurden mehrfach umgebaut und zu verschiedenen Zwecken genutzt; unter Kaiser Barbarossa schließlich wurde der engere Pfalzbereich mit einer hohen, starken Wehrmauer umgeben, so dass eine burgähnlich befestigte kleine Stadt entstand. Deren Einwohner durften seit ca. 1400 das zum Teil in desolatem Zustand befindliche Gelände überbauen und die Ruinen als Steinbruch benutzen. Der böhmische König und deutsche Kaiser Karl IV. stiftete im Pfalzbereich ein kleines Kloster mit vier Augustinermönchen, die Tschechen sein mussten, damit sie sich um die Pilger der damals alle sieben Jahre stattfindenden Karlswallfahrten nach Aachen kümmern konnten.
1375 verpfändete Karl IV. das gesamte Ingelheimer Reichsgebiet an den pfälzischen Kurfürsten, so dass die Reste der Ingelheimer Pfalz ebenso wie der gesamte "Ingelheimer Grund" bis zur französischen Revolution unter kurpfälzischer Herrschaft standen.
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