Die Infrarotastronomie ist ein experimenteller Teilbereich der Astronomie, der die von astronomischen Objekten ausgesandte Infrarotstrahlung nutzt. Diese Strahlung liegt in einem Teil des elektromagnetischen Spektrums, der vom menschlichen Auge nicht wahrgenommen werden kann.
M51Klein.jpg M 51 im infraroten Licht bei 2 μm]]
Der infrarote Strahlungsbereich, auch Wärmestrahlung genannt, liegt zwischen dem optischen (Wellenlänge < 700 nm) und dem Submillimeter-Bereich (> 300 μm) und wird in drei Bereiche unterteilt, das
Da mit zunehmender Höhe die Absorption stark zurückgeht wurden schon seit den 1960ern Infrarotteleskope in hochfliegenden Ballons und ballistischen Forschungsraketen verwendet. Seit den 1960ern werden auch hochfliegende Flugzeuge (Lear Jet Observatory, KAO, SOFIA) eingesetzt. Im Weltraum verschwindet nicht nur die atmosphärische Absorption, es wird auch möglich kleinere Teleskope im Ganzen auf sehr tiefe Temperaturen zu kühlen und damit ihre störende Wärmestrahlung zu unterdrücken. Seit den 1980ern werden deshalb vermehrt Weltraumteleskope für das Infrarot eingesetzt, von besonderer Bedeutung sind IRAS, ISO, Spitzer und in naher Zukunft auch das JWST.
Seit den 1990ern ist für Beobachtungen im nahen Infrarot adaptive Optik zur Korrektur der Luftunruhe (Seeing) möglich. Damit erreichen große erdgebundene Teleskope ihre volle beugungsbegrenzte Auflösung und können in dieser Hinsicht mit dem Hubble Space Telescope konkurrieren.
Nach dem zweiten Weltkrieg begann mit Detektoren aus Bleisulfid (PbS) der Aufstieg der Infrarotastronomie. Heute werden besonders für das nahe Infrarot nach dem Prinzip der Photodiode funktioniernde Detektoren benutzt, aus Halbleitermaterialien wie Indiumantimonid InSb und Quecksilbercadmiumtellurid HgCdTe. Nach dem Prinzip des Photowiderstands arbeitende Detektoren aus dotiertem Silizium (z.B. Si:Ga) und Germanium (z.B. Ge:Ga) finden bei längeren Wellenlängen Verwendung. Daneben werden, heute besonders bei den längsten Wellenlängen, thermische Detektoren (Bolometer) eingesetzt. Diese weisen die durch die Strahlung erzeugte Wärmeenergie im Detektor nach. Bis in die 1980er Jahre waren Infrarotdetektoren fast stets Einzeldetektoren, die für größere Aufnahmen über den Himmel geführt werden mussten. Seither sind Detektoranordungen bis zu 2048*2048 Elementen bei den kurzen Wellenlängen und bis zu wenigen tausend Elementen bei langen Wellenlängen verfügbar geworden.
Infrarotspektroskopie dient zur Untersuchung des Zustands und der chemischen Zusammensetzung des interstellaren Mediums. Von IRAS wurde auch eine diffuse Infrarotstrahlung und filamentartige Staubwolken entdeckt, die sich bis in hohe galaktische Breiten ausdehnen.
Die Entwicklung von Galaxien im frühen Universum wird immer intensiver im Infrarot studiert. Im nahen Infrarot wird das rotverschobene Licht der Sterne dieser Galaxien beobachtet, im fernen Infrarot und Submillimeterbereich der von Staub verschluckte und wieder abgestrahlte Anteil.
Nachdem William Herschel 1800 die Infrarotstrahlung der Sonne entdeckt hat, konnte Charles Piazzi Smyth 1856 erstmals eine infrarote Komponente im Spektrum des Mondlichts nachweisen. William Coblentz konnte ab 1915 Infrarotstrahlung von 110 Sternen nachweisen und gilt als einer der Begründer der IR-Spektroskopie. Diese frühen Messungen wurden meist mit Bolometern oder Thermoelementen gewonnen.
In den 1950ern brachten die Bleisulfid (PbS)-Detektoren einen Empfindlichkeitssprung im nahen Infrarot. Wie auch bei vielen späteren Detektorentwicklungen für das nahe und mittlere Infrarot profitierte die Astronomie hier vom militärischen Interesse an empfindlichen Detektorsystemen z.B. zur Verfolgung von Flugzeugen und Raketen. Um 1960 entwickelten Harold L. Johnson und Mitarbeiter das erste photometrische System für das Infrarot. 1963 wurden mit den ersten Ballonmissionen Infrarotbeobachtungen des Mars durchgeführt und bereits 1967 wurde mit einer Serie von Raketenflügen die erste Kartierung des gesamten Himmels im mittleren Infrarot durchgeführt, hierbei wurden bei einer Gesamtbeobachtungszeit von nur 30 Minuten mehr als 2000 Infrarotquellen entdeckt. Im gleichen Jahr wurde auch das Mauna-Kea-Observatorium gegründet, das auch heute noch die größten Infrarotteleskope beherbergt. Anfang der 70er Jahre wurde ein militärischer C-141A Transportjet zu einem Infrarotteleskop umgebaut, das ab 1974 als Kuiper Airborne Observatory (KAO) Beobachtungen in 14 km Höhe durchführte.
Der Durchbruch der Infrarotastronomie kam jedoch in den 1980ern mit den ersten Satellitenmissionen. 1983 durchmusterte IRAS den Himmel. 1989 wurde COBE gestartet und entdeckte Anisotropien der kosmischen Hintergrundstrahlung. 1995 folgte mit dem Infrared Space Observatory (ISO) das erste echte Weltraumobservatorium für das Infrarot mit Kamera, Photometer und Spektrometern. 1997 folgte die Aufrüstung des Hubble-Teleskops mit dem Infrarotinstrument NICMOS, 2003 wurde das derzeit leistungsfähigste Infrarotteleskop Spitzer Space Telescope gestartet.
Die Entwicklung der Infrarotastronomie geht zur Zeit hauptsächlich in zwei Richtungen:
| Bezeichnung | Jahr | Wellenlänge | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
| AFGRL Infrared Sky Survey | 1967 | 4-20µm | Katalog mit 2363 Quellen |
| Two Micron Sky Survey (TMSS) | 1968 | 2.2µm | 70% des Himmels, über 5500 Quellen |
| Infrared Astronomical Satellite (IRAS) | 1983 | 12-100µm | 96% des Himmels, über 300000 Quellen |
| Cosmic Background Explorer COBE | 1989 | 1.25-240µm | geringe Auflösung aber sehr präzise |
| Two Micron All Sky Survey (2MASS) | 1997-2001 | 1.25-2.17µm | gesamter Himmel, ca. 500 Millionen Quellen |
| Bezeichnung | Jahr |
|---|---|
| Infrared Astronomical Satellite (IRAS) | 1983 |
| Spacelab 2 Infrared Telescope | 1985 |
| Infrared Space Observatory (ISO) | 1995-1998 |
| Infrared Telescope in Space (IRTS) | 1995 |
| Midcourse Space Experiment (MSX) | 1996 |
| Wide Field Infrared Explorer (WIRE) | 1999 |
| Spitzer Space Telescope (SST) | seit 2003 |
| Akari (ASTRO-F) | seit 2006 |
Siehe auch: Astronomie
Beobachtungsmethode der Astronomie
Infrared astronomy | Astronomía infrarroja | Infrapunatähtitiede | Astronomia dell'infrarosso
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