In der Mathematik ist eine positive Infinitesimalzahl ein Objekt, welches bezüglich der Ordnung der reellen Zahlen größer ist als Null, aber kleiner als jede noch so kleine positive reelle Zahl ist.
Ein Infinitesimal x ungleich 0 hat die Eigenschaft, dass jede beliebige Summe von endlich vielen (in der NSA: standard-endlich vielen) Gliedern des Betrages dieser Zahl kleiner als 1 ist:
Newton und Leibniz nutzen die Infinitesimalzahlen, um ihr Kalkül der Infinitesimalrechnung (Differential- und Integralrechnung) zu entwickeln.
Typischerweise argumentierten sie (eigentlich nur Newton, Leibniz benutzt Monaden, heute in etwa: abgebrochene bzw. formale Potenzreihen) so:
Um die Ableitung f' (x) der Funktion f(x) = x², nehmen wir an, dx sei infinitesimal. Dann ist
Obwohl dieses Argument intuitiv einleuchtet und richtige Ergebnisse liefert, ist es mathematisch nicht exakt: Das grundlegende Problem ist, dass dx zunächst als ungleich Null betrachtet wird (wir teilen durch dx) und später wird es betrachtet, als sei es gleich Null. Die Nutzung von Infinitesimalzahlen wurde von Bischof George Berkeley kritisiert in seinem Werk: The analyst: or a discourse addressed to an infidel mathematician (1734).
Trotzdem wurde die Nutzung der Infinitesimalzahlen weiterhin als nützlich für die Vereinfachung von Darstellungen und Berechnungen betrachtet. So kann, wenn die Eigenschaft bezeichnet, infinitesimal zu sein, und entsprechend die Eigenschaft, infinit zu sein, definiert werden:
Im 20. Jh. wurden Zahlbereichserweiterungen der reellen Zahlen gefunden, die infinitesimale Zahlen in formal korrekter Form enthalten. Die bekanntesten sind die hyperreellen Zahlen und die surrealen Zahlen.
In der Nichtstandardanalysis von Abraham Robinson (1960), welche die hyperreellen Zahlen als Spezialfall enthält, sind Infinitesimalzahlen legitime Größen. In dieser Analysis kann die oben erwähnte Ableitung von f(x) = x² durch eine geringfügige Modifikation gerechtfertigt werden: Wir sprechen über den Standardteil des Differentialquotienten und der Standardteil von 2x + dx ist 2x (sofern x eine Standard-Zahl ist, genaueres im verlinkten Artikel).
Außerdem kann eine „synthetische Differentialgeometrie“ aufgestellt werden.
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