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Die Industrialisierung begann zunächst in England während des 18. Jahrhunderts. Hier waren der Absolutismus und die Grundherrschaft früher als in anderen Ländern Europas gelockert, Zunftzwang gab es im Gegensatz zu deutschen Ländern gar nicht. Somit waren die Voraussetzungen für die freiere Ausbreitung des Handels, der Kapitalbildung und der technischen Erneuerung gelegt. Meilensteine waren die Erfindung der Dampfmaschine 1712 durch Thomas Newcomen, sowie von Spinnmaschinen, mechanischem Webstuhl und des Puddelverfahrens bei der Eisengewinnung. Bedeutsam war auch die Erfindung der Dampflokomotive und der ersten öffentlichen Eisenbahnen. England wurde daher zum Mutterland der Industrialisierung unter privatwirtschaftlichen, kapitalistischen Bedingungen. Später verbreitete sie sich schrittweise in die anderen Länder Europas und Nordamerikas.

Voraussetzungen: - England war eine bedeutende See-, Handels- und Kolonialmacht - Gute Verkehrslage, d.h. kurze Wege zum Meer - Gute Rohstoffvorkommen, vor allem Erz, Kohle und Wolle aus Kolonien - Agrarrevolution -> freiwerdende Arbeitskräfte - Verbesserung der Bewirtschaftung durch Fruchtwechsel -> Ertragssteigerung / Landflucht - Bevölkerungszunahme -> wachsende Nachfrage nach Textilien - Verbesserung der medizinischen Versorgung

--> Folge: - wachsende Nachfrage von Bekleidung - großes Angebot an Arbeitskräften -> Mechanisierung des Textilgewerbes

Der Begriff Industrielle Revolution steht dabei besonders für die erste Phase der Industrialisierung. Arnold Gehlen hat sie für die bedeutendste Revolution der Produktivkräfte seit der "neolithischen Revolution" erklärt, seit also dem Übergang vom Jagen, Sammeln und Fischen zu Landwirtschaft und Viehzucht in der Jungsteinzeit vor rd. 10.000 Jahren.

Folgt man der Sektoreneinteilung von Jean Fourastié (siehe Drei-Sektoren-Hypothese, Wirtschaftssektor) - "Primärer Sektor" der Rohstoffgewinnung (Ackerbau, Viehzucht, Förderung von Bodenschätzen), "Sekundärer Sektor" der Verarbeitung, "Tertiärer Sektor" der Dienstleistungen, auch schon: "Quartärer Sektor" der Freizeitwirtschaft, "Quintärer Sektor" der Abfallwirtschaft - so sind in allen Sektoren Industrialisierungsprozesse aufgetreten, historisch ausgehend vom Sekundären Sektor.

Rückgang


Seit die Anzahl der Industriearbeiter in vielen im 20. Jahrhundert industrialisierten Gesellschaften ("Dienstleistungsgesellschaften") relativ auffällig sinkt, wird in der Soziologie auch von De-Industrialisierung gesprochen. Ehemalige Industrieanlagen und Gebäude werden oft als Industriedenkmäler erhalten.
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Heutige Bedeutung


Die Industrialisierung wird heutzutage auch als Sinnbild für die Standardisierung / Automatisierung von Verfahren / Prozessen verwendet. Man möchte damit den Wechsel von einer individuellen handwerklichen Tätigkeit hin zu einer standardisierten industrialisierten Tätigkeit kennzeichnen. Als Beispiel sei hier die Softwareentwicklung genannt: Bei der Programmierung wird kein Gegenstand im herkömmlichen Sinne hergestellt. Die Herstellung des Produktes Software kann in vielen Firmen als handwerkliche Tätigkeit aufgefasst werden, da sie jedes mal anders und individuell vorgenommen wird. Ziel der Industrialisierung ist es, gemeinsame Herstellungselemente zu standardisieren, so dass sie effektiver, produktiver und gleichförmig eingesetzt werden können. Nur wenn die einzelnen Phasen charakterisiert sind, können z.B. Teile als Offshoring Tätigkeit abgegeben werden. Auch sieht man im Begriff Industrialisierung häufig ein Umweltproblem.

Sozialgeschichte | Sozialer Prozess | Industrielle Revolution

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