Das Induktionsproblem (auch: Humesches Problem oder Hume-Problem) beinhaltet die Frage, ob und wann ein Induktionsschluss von Einzelfällen auf ein allgemeingültiges Gesetz zulässig ist. Es wurde erstmals um 1740 von David Hume angesprochen.
Obwohl das Induktionsproblem im Empirismus formuliert wurde, ist es ein Problem aller Philosophien oder Wissenschaften, welche die Induktion als Beweisverfahren zulassen. Es ist eine moderne Variante des Nominalismus, die den vernünftigen Ordnungen des Rationalismus, aber auch den auf Messungen beruhenden Verallgemeinerungen der Naturwissenschaften, eine beobachterunabhängige Realität abspricht.
Hume stieß erstmals auf dieses Problem bei Untersuchungen über die Kausalität: Nach seiner Auffassung ist die einzige Rechtfertigung für unseren Schluss von der Ursache auf die Wirkung der Glaube an die Gleichförmigkeit der Natur. Wir halten Ereignisse für Ursachen und Wirkungen, weil wir sie wiederholt aufeinander folgen sehen und glauben, dies sei auch in Zukunft so zu erwarten. Dieser Glaube kann jedoch nicht zum sicheren Wissen werden. Hume argumentiert wie folgt:
Die menschliche Erkenntnis ist entweder intuitiv (dass ein Junggeselle unverheiratet ist, folgt aus dem Wortgebrauch), demonstrativ (durch Schlussfolgerungen, z. B.: Alle Menschen sind sterblich. Sokrates ist ein Mensch. Also ist Sokrates sterblich) oder empirisch (durch Wahrnehmung von Wiederholungen, z. B. dass die Sonne jeden Morgen aufgeht).
Dass sich etwas in der Zukunft so verhalten wird wie in der Vergangenheit, ist nicht intuitiv ersichtlich. Die Annahme, dass die Zukunft der Vergangenheit nicht gleich sei, birgt keinen Widerspruch in sich. Da jede menschliche Erkenntnis, die sich auf „relations of ideas“ bezieht, sich auf den Satz vom Widerspruch zurückführen lassen muss, kann die Annahme, die Natur sei gleichförmig, nicht bewiesen werden.
Die Erkenntnisart des „moral reasoning“ bezieht sich auf Tatsachen und Erfahrung. Jede Erkenntnis dieser Art beruht auf dem Prinzip von Ursache und Wirkung. Doch die Verbindung von Ursache und Wirkung setzt voraus, dass dies auch in Zukunft gelten wird. Was bewiesen werden soll, wird vorausgesetzt, wodurch diese Erkenntnisart ausscheidet.
Somit hat Hume gezeigt, dass es in seinem Modell menschlicher Erkenntnis keine logische Rechtfertigung für Induktion gibt. Er kommt zu dem Ergebnis, der Mensch sei von Natur aus mit der Eigenschaft versehen, aus wiederholten Erfahrungen eine Erwartung für die Zukunft zu entwickeln.
Das Induktionsproblem entwickelt Hume in seinem Erstlingswerk A Treatise of Human Nature (Teil 3, 6. Abschnitt) und in dessen Überarbeitung An Enquiry Concerning Human Understanding.
In der Praxis behelfen sich die empirischen Wissenschaften damit, dass der Induktionsschluss als a priori gültig zugelassen wird. Dies ist insofern kein Problem, als alle Menschen den Induktionsschluss im täglichen Leben intuitiv ähnlich verwenden und damit ein Mindestmaß an Intersubjektivität – als Voraussetzung für wissenschaftliches Arbeiten – gegeben ist.
Unterstützt durch den großen Erfolg der empirischen Wissenschaften wird oft argumentiert, dass das Nicht-begründen-Können des Induktionsschlusses eher ein grundlegendes Problem der Philosophie sei als ein methodisches Problem der empirischen Wissenschaften. Dessen ungeachtet ist oft nicht unterscheidbar, ob sich eine Information wiederholt, weil alle derselben (Lehr-)Meinung sind oder weil etwas „wirklich“ so ist. Obwohl diese Unterscheidung grundsätzlich nicht möglich ist, kann es doch sinnvoll sein, sie in manchen Fällen zu treffen, z. B. zur Entlarvung von ideologischen Geschichtsfälschungen.
Verallgemeinert wurde Humes Aussage durch den kritischen Rationalismus (Hans Albert), gemäß welchem Letztbegründungen wegen des Münchhausen-Trilemmas prinzipiell nicht möglich sind. Jeder Beweis beruht auf rational nicht begründbaren Vorannahmen.
Es gibt zwei elegante Lösungsvorschläge zum Induktionsproblem, die allerdings nicht unproblematisch sind:
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Induktionsproblem".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world