In England hatte die Reformation besonders gravierende Auswirkungen für die katholische Kirche gehabt. 1534 ließ Heinrich VIII. sich buchstäblich von Rom scheiden. Nach seiner Gründung der eigenen Anglikanischen Kirche war England offiziell protestantisch, bis auf den missglückten Versuch Heinrichs Nachfolgerin, Maria I., die Uhr zurückzudrehen und den Katholismus wieder in England herzustellen.
Viele Protestanten von damals betrachteten jedoch die Staatskirche als beinahe katholisch. Es gab immer noch einen Klerus und der Gottesdienst wurde in Latein gehalten. Die Anglikanische Kirche ist aus theologischer Sicht mehr oder weniger evangelisch. Sie behält jedoch viele Rituale der romanisch-katholischen Kirche. Die Protestanten, die die Anglikanische Kirche reformieren wollten, wurden als Puritaner bezeichnet. Sie wollten den Protestantismus in England "purify" d.h. reinigen. Sie erschienen erst 1560 und waren keine bestimmte Sekte, sondern eine allgemeine Bewegung - "a broad church".
1582 erschienen die "Brownists". Diese protestantische Sekte heißt heutzutage "Congregationalists". Die Bezeichnung "Independents" war erst 1653 (Protektorat) geläufig. Die "Independents" wandten sich gegen eine zentralisierte Kirche. Dementsprechend lehnten sie die Anglikanische Kirche und deren Klerus streng ab.
Die Blütezeit der "Independents" war 1640 bis 1660. Zur Zeit des Englischen Bürgerkriegs (1642-46) war Oliver Cromwell Führer dieser Glaubensrichtung. Im zweiten Bürgerkrieg (1648-49) kämpfte sein "Independent" Kriegsinstrument, die New Model Army, gegen die Kräfte des Presbyterianismus, nämlich die Schotten, die er zerschmetterte.
Man mag deshalb glauben, die Kriege seien von religiösem Charakter gewesen. Das ist aber nicht der Fall. Denn die Vorstellungen der "Independents" fanden Anklang bei den sich schnell entwickelnden kapitalistisch-gesinnten Schichten Englands, darunter "the yeomen" d.h. Kleinbauern, die ihr akkumiliertes Kapital investieren wollten. Cromwell gehörte dieser Gesellschaftsschicht an. Es war darum kein Zufall, dass seine Kriegspartei die meiste Unterstützung in Englands weiter entwickeltem Süden und reichen Hafenstädten fand, wo sich natürlich die Mehrheit der "Independents" aufhielten.
Es war der klassische Zusammenstoss der Kräfte des frühen Kapitalismus und des späten Feudalismus. Dieser gesellschaftliche Konflikt sollte sich 140 Jahre später in Frankreich wiederholen. Es ist wirklich nicht übertrieben zu behaupten, dass das heutige Regierungssystem Großbritanniens seine Wurzeln in den Lagefeuerbesprechungen der "New Model Army" hat. Aber dieses Heer war nur finanzierbar, weil alle wichtigen Hafenstädte Englands wie auch "The City of London" der Parlamentarischen Partei ihre beträchtliche finanzielle Unterstützung gaben.
Die Angehörigen der aus England hervorgehenden protestantischen Sekten werden nicht mehr als "Independents" oder "Puritans" bezeichnet. Sie sehen sich nicht als radikal oder gar als revolutionär. Es ist aber wenig überraschend, dass die Kultur und das Wirtschaftsleben der Vereinigten Staaten und Grossbritanniens von den Vorstellungen der Englischen Revolution stark geprägt ist. Ein gewisser George W. Bush ist "Methodist". Im 17. Jahrhundert hätte man ihn als radikalen Puritaner betrachtet.
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Independents".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world