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Einwanderung, Immigration oder auch Zuwanderung bedeutet, dass eine Person dauerhaft ihren Wohnsitz in ein anderes Land verlegt. Ein Einwanderer ist vorher aus einem anderen Land ausgewandert.

Gründe für Einwanderung


Einwanderung gibt es in nahezu allen Ländern der Erde, aus verschiedenen Gründen:

Einwanderung in verschiedene Länder


Es gibt klassische Einwanderungsländer, vor allem die USA, Kanada, die Länder Südamerikas und Australien, die Einwanderer zur Besiedelung und Kultivierung menschenleerer und wenig entwickelter Gebiete brauchen. Außer den indigenen Völkern dieser Länder leiten alle Einwohner dieser Gebiete ihre Herkunft von neuzeitlichen Einwanderern her. Auch dicht besiedelte Länder Europas wie Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Deutschland und die Schweiz wurden im vergangenen Jahrhundert faktisch zu Einwanderungsländern, wobei die Ursache vor allem in der Anwerbung billiger Arbeitskräfte lag. Neben diesem nicht quantifizierbaren Nutzen erfolgt die Einwanderung auch aus altruistischen Gründen, etwa durch Aufnahme von Asylanten. Die Zahl der Einwanderer dürfte im zweistelligen Millionenbereich liegen, ist allerdings schwer zu quantifizieren. Da diese Länder kaum unbesiedelte Gebiete aufweisen und zunehmend unter strukturellen Problemen wie Arbeitslosigkeit leiden, ist ihr Status als Einwanderungsland umstritten. Politisch bezeichnend ist es, dass in diesen Ländern das Thema Immigration oftmals nur in Wahlkämpfen thematisiert wird. Die demographische Entwicklung wird oftmals als Argument für Einwanderung angeführt.

Andere globale Einwanderungsgebiete (vor allem Binnenmigration) sind die Ostregion Chinas um Shanghai, verschiedene Teile Indonesiens (Transmigrasi), die Kapregion Südafrikas, Israel (Zuwanderung v.a. russischer Juden), Saudi-Arabien und Russland (Rückwanderung ethnischer Russen aus GUS Staaten).

Und letztendlich gibt es Länder, die Immigration nicht begrenzen müssen, da sich aufgrund der wirtschaftlichen Schwäche keine oder nur wenige Menschen ein Interesse an der Einwanderung dorthin haben.

Siehe auch: Einwanderung in die USA, Einwanderung nach Brasilien

Rechtlicher Status in Deutschland


In Deutschland lassen sich Einwanderer in folgende Gruppen unterteilen:

  • Spätaussiedler (Einwanderungsregelung gemäß Bundesvertriebenen- und -flüchtlingsgesetz (BVFG) von 1953 sowie Aussiedleraufnahmegesetz (AAG) von 1990),
  • Unionsbürger EU-Angehörige genießen ein weitgehendes Recht auf Freizügigkeit nach dem Freizügigkeitsgesetz,
  • Arbeitsmigranten aus Drittstaaten (Nicht-EU-Ländern) können ggf. nach dem Aufenthaltsgesetz als Arbeitnehmer oder Selbständige einreisen und sich hier aufhalten,
  • Familienangehörige Deutscher und hier lebender Ausländer, insbesondere Ehepartner und minderjährige Kinder, können ggf. nach dem Aufenthaltsgesetz ein Aufenthaltsrecht erhalten,
  • Studierende können ggf. nach dem nach dem Aufenthaltsgesetz ein Aufenthaltsrecht zu Studienzwecken erhalten,
  • Flüchtlinge können nach Artikel 16a Grundgesetz und dem Asylverfahrensgesetz einen Flüchtlingsstatus beantragen. Der aus humanitären, politischen oder völkerrechtlichen Gründen mögliche Aufenthalt für anerkannte Flüchtlinge und weitere Ausländer (z.B. jüdische Zuwanderer) richtet sich nach dem Aufenthaltsgesetz,
  • Illegale Einwanderer besitzen keinen regulären Status nach dem Ausländerrecht.

Die Einwanderung von Menschen nach Deutschland, und auch die transnationale Migration, betrifft nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Familien: im Zuwanderungsgesetz ist z.B. das Nachzugsalter von Familienangehörigen von Zuwanderern geregelt. Deshalb wird Immigration im 6. Familienbericht „Familien ausländischer Herkunft - Leistungen - Belastungen - Herausforderungen“ des BMFSFJ, 2000, als Familienprojekt bezeichnet, das generationsübergreifend stattfindet und nicht in einer Generation abgeschlossen ist. U.a. durch diesen Bericht des BMFSFJ aus dem Jahr 2000 ist klargestellt, dass die B.R. Deutschland ein Einwanderungsland ist und dass die Integration der Immigranten durch den zeitlich nahen Nachzug der Familienmitglieder gefördert und stabilisiert wird.

In die B.R. Deutschland Zuwandernde kommen aus über 180 Staaten, mit Zugehörigkeiten weiter variierender Ethnien und Religionen. Immigranten haben die unterschiedlichsten Migrations- oder Fluchtgründe, haben die Absicht, kurz oder länger in Deutschland zu bleiben oder nur durchzuwandern.

Seit 1996 gibt es eine Statistik zum Familiennachzug. Diese weist eine Größenordnung von 55.000 bis 63.000 Familienangehörige im Jahr aus. Zwei Drittel des Familiennachzugs sind Ehepartner und etwa ein Drittel sind Kinder (20.000). Verglichen mit der Zahl der primären Immigranten von 649.249 Personen addiert sich die Anzahl eines Zehntel dieser Anzahl durch Familiennachwanderung.

„Integrationspolitik muss verstärkt die ‚ganze Familie‛ in den Blick nehmen und diese Perspektive zumindest ergänzend und verstärkend neben die "Familienmitglieder-Zielgruppenorientierung" setzen, die heute vor allem in der Form von Kinder-, Jugend- und Mädchenprojekten umgesetzt wird,“ heißt es im von Wolfgang Erler und Monika Jaeckel erstellten Zwischenbericht zum dji-Projekt („Der soziale Nahraum in seiner Integrationsfunktion für Familien ausländischer Herkunft“), weil die Familien von Immigranten auch einen Lebensraum darstellen, der einer Integration entgegenwirken kann, da sich der Spracherwerb und die Überwindung der kulturellen Fremdheit verzögern können.

Vor- und Nachteile der geregelten Einwanderung für das aufnehmende Land


Einwanderung wird oft politisch gesteuert, wenn beispielsweise Fachkräftemangel herrscht oder wenn sich die Bevölkerungsstruktur ungünstig entwickelt (siehe Bevölkerungsrückgang).

Vorteile:

  • Man hat die Möglichkeit, gezielt Ausländer in bestimmten Altersgruppen und mit bevorzugten Qualifikationen ins Land zu lassen, während man potentielle Leistungsempfänger außen vor lassen kann.
  • Man kann direkt von der Arbeitsleistung und der Ausbildung der Zuwanderer profitieren, ohne selber die Kosten für die Ausbildung aufgebracht haben zu müssen.
  • Durch die höhere Auswahl an Arbeitskräften können die Löhne sinken, was nicht immer ein Nachteil für die Arbeitnehmer sein muss, wenn Betriebe dadurch konkurrenzfähiger produzieren können.
  • Zudem erspart man sich zunächst die Rentenempfänger, wenn man nur junge Menschen zuwandern lässt.
  • Außerdem können Zuwanderer generell die Gesellschaft durch ihre fremde Kultur, ihr neues Wissen und ihre Unkonventionalität bereichern.
  • Zudem exportiert man die eigene Kultur und Geschäftsbeziehungen indirekt über die bei den Zuwanderern zum eigenen Land bestehenden Kontakte.
  • Letztendlich bieten sich so auch Möglichkeiten, über die Einwanderer und deren finanziellen Transaktionen in ihre Heimatländer politischen und entwicklungspolitischen Einfluss auf diese Länder zu nehmen.

Nachteile:

  • Verschiebung der Machtverhältnisse in multi - ethnischen Staatsgebilden die zu Konflikten zwischen Bevölkerungsgruppen führen können (Bsp. Elfenbeinküste , Trinidad und Tobago)
  • Eine zu große Zuwanderung führt dazu, dass es schwer wird, bestimmte Bevölkerungsgruppen zu integrieren. Das führt dazu, dass diese Menschen ausschließlich in ihrer eigenen abgeschlossenen Kultur wie in einer gesellschaftlichen Insel leben. Dadurch stockt der Informationsaustausch, und die Ausbildung der Kinder wird erschwert. Teilweise kann Zuwanderung dazu führen, dass sich bereits teilintegrierte Ausländer wieder abkapseln und sich ausschließlich der Kultur ihres ehemaligen Heimatlandes zuwenden, indem z. B. Kinder von deutsch sprechenden Ausländern in der Schule nur noch mit anderen, nicht deutsch sprechenden Ausländerkindern verkehren.
  • Die entstehende kulturelle Vielfalt, so sehr sie auch positiv zu sehen ist, kann aber auch dazu führen, dass die eigentliche kulturelle Identität des Landes in den Hintergrund gedrängt wird. Dadurch kann die kulturelle Vielfalt innerhalb verschiedener Länder abnehmen, wenn überall die gleiche kulturelle Vielfalt auf engem Raum herrscht.
  • Die durch Immigration entstehende soziokulturelle Veränderung kann zu Sozialneid bei der angestammten Bevölkerung, als auch bei den bereits integrierten Immigranten führen.
  • Immigration führt zu Druck auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt, was zu Neid, sozialem Abstieg bestimmter Gruppen und sozialen Spannungen führen kann.
  • Die kulturellen Unterschiede können zu Missverständnissen und Verärgerungen sowohl bei der einheimischen Bevölkerung als auch bei den Immigranten selbst führen.
  • Wenn die Vorteile der Immigration der Bevölkerung nicht vermittelbar sind, kann sich latent vorhandener Ausländerhass, Chauvinismus und Nationalismus entwickeln.
  • Es ist wesentlich leichter, gering qualifizierte Immigranten ins Land zu holen als gut ausgebildete Spitzenkräfte. Dafür gibt es auf dem Arbeitsmarkt aber oft schon genügend einheimische Kräfte.
  • Andererseits kann durch die Migration, insbesondere die Arbeitsmigration, ein Abzug der im eigenen Land benötigten Intelligenz erfolgen ("Brain Drain"). Diese Kräfte fehlen dann möglicherweise dem Ursprungsland, selbst wenn die Qualifikation im Zielland nicht für eine entsprechende Tätigkeit ausreicht, weil beispielsweise ein akademischer Abschluss nicht anerkannt wird.
  • Irgendwann wird man aufgrund sozialer Notwendigkeiten um Familienzusammenführungen nicht herumkommen, so dass man eventuell später doch zusätzliche Leistungsempfänger ins Land holt - der rein wirtschaftliche Vorteil schrumpft so im Laufe der Zeit.
  • Deswegen, und weil sich gezeigt hat, dass Immigranten im Durchschnitt zumindest in der Anfangszeit eine höhere Geburtenrate aufweisen als Einheimische, lässt sich eine begonnene Zuwanderung nur mit deutlicher Verzögerung bremsen. Will man beispielsweise aufgrund der sozialen Situation (Wohnungs- und Arbeitsmarkt, Probleme mit der Integration) die Ausländerquote in einem Gebiet akut stabilisieren, so wird dies nicht unbedingt gelingen, selbst wenn man jegliche Immigration sofort stoppt, was aber oftmals ohnehin nicht möglich ist.

Als Folge dieser Gründe gibt es aufgrund der Einwanderung oft soziale Spannungen, während sie andererseits wirtschaftlich und politisch oft gewünscht wird. Diese sozialen Spannungen zeigen sich in klassischen Einwanderungsländern oft weniger stark als in Ländern mit starker nationaler Homogenität.

Literatur


  • Jörg Alt: Leben in der Schattenwelt – Problemkomplex illegale Migration. Neue Erkenntnisse zur Lebenssituation 'illegaler' Migranten in München und anderen Städten Deutschlands. Loeper Literaturverlag, Karlsruhe 2003, ISBN 3860594990
  • Madjiguène Cissé: Papiere für alle. Die Bewegung der Sans Papiers in Frankreich, ISBN 3-935936-14-1
  • Kien Nghi Ha: Ethnizität und Migration Reloaded. Kulturelle Identität, Differenz und Hybridität im postkolonialen Diskurs. Überarb. und erw. Neuauflage, Dampfboot/WVB 1999/2004, ISBN 3-86573-009-4
  • Ulrich Herbert, Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland. Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge, C. H. Beck Verlag, München 2001, ISBN 3406474772
  • Heike Herzog, Eva Wälde: Sie suchten das Leben ... Suizide als Folge deutscher Flüchtlingspolitik, ISBN 3-89771-810-3
  • jour fixe initiative berlin (Hg.): Fluchtlinien des Exils, ISBN 3-89771-431-0
  • Eva Kaewnetara / Hans Uske: Migration und Alter. Auf dem Weg zu einer kultur-kompetenten Altenarbeit, ISBN 3-927388-77-7
  • Jean Raspail: Das Heerlager der Heiligen. Tübingen 1985, ISBN 3-89180-004-5
  • Hito Steyerl, Encarnación Gutiérrez Rodríguez (Hg.): Spricht die Subalterne deutsch? Migration und postkoloniale Kritik, ISBN 3-89771-425-6
  • Hans Uske / Michael Heveling-Fischell / Waldemar Mathejczyk: Risiko Migration. Krankheit und Behinderung durch Arbeit. ISBN 3-927388-81-5

Siehe auch


Weblinks


  • Studien: Prof.Herwig Birg: "Auswirkung und Kosten der Zuwanderung nach Deutschland" Kurzstudie:http://www.stmi.bayern.de/imperia/md/content/stmi/buergerundstaat/auslaenderrecht/birg_kurz.pdf Studie:http://www.herwig-birg.de/downloads/dokumente/Gutachten-Muenchen.pdf

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