Die Imamiten oder Zwölfer-Schiiten (von arabisch Schi'at Ali = "Partei Alis") sind die größte Gruppe der Schiiten, die eine der drei ursprünglichen Glaubensrichtungen des Islams darstellen. (Siehe auch Sunniten und Charidschiten). Ihre Anhänger, die Imamiten, betrachten Ali ibn Abi Talib als rechtmäßigen Nachfolger (Kalifen) des Propheten Mohammed.
Die Schiiten haben ihr ursprüngliches Zentrum im Irak. Mehr als die Hälfte der Iraker (ca.60%), vor allem im Süden des Landes, sind Schiiten. Mit Gründung der arabischen Kolonie Qom im 8. Jahrhundert breitete die Schia sich auch in den Iran aus, der heute mit 91% seiner Bevölkerung den höchsten Anteil an Schiiten hat. Imamitische Schiiten gibt es u.a. auch in:
Weltweit sind es ca. 110 Millionen.
Kerngedanke der schiitischen Religion in ihrer imamitischen Form ist der Glaube an die Vierzehn Unfehlbaren: Der Prophet Mohammed, dessen Tochter Fatima, und die zwölf Imame. Die Schiiten beziehen sich dabei auf den Vers 30:33 des Korans, in dem es heißt: "...Siehe, Allah will euch von jedem Übel bewahren, o Leute des Hauses (Ahl-ul Bait), und euch völlig reinhalten." Mit der Ahl-ul Bait sind die Vierzehn Unfehlbaren gemeint. Die zwölf Imame der Imamiten sind:
Eine Besonderheit bei den Imamen ist ebenfalls ihre persische Abstammung. Islamischen Überlieferungen zufolge heiratete Hussein ibn Ali eine Tochter Yazdegards III., des letzten sassanidischen Königs. Aus dieser Ehe entstammte Ali Zain al-Abidin. Damit sind die Imame der Schiiten nicht nur Nachkommen des Propheten Mohammed, sondern auch der persischen Könige, die von sich behaupteten "Gottes Stellvertreter auf Erden ..." zu sein - etwas, was die heutigen Schiiten ihren Imamen zuschreiben. Dies mag ein Grund dafür sein, warum der schiitische Islam im persischen Sprach- und Kulturkreis so stark vertreten ist.
Charakteristisch für die Schia ist der Gedanke des Büßertums, der sich vor allem in den Aschura-Riten zum Gedenken an die Ermordung des dritten Imams Hussein ibn-Ali in der Schlacht von Kerbela ausdrückt. In den 10-tägigen Muharram-Passionsfeiern geißeln sich viele Gläubige und klagen über die unterlassene Hilfe, die Hussein ibn-Ali das Leben kostete. Die Passionsfeiern bilden den wichtigsten Teil des schiitischen Festtagskalenders und einen alle Schiiten im Gedenken an Hussein ibn-Ali.
Nach dem Tode des Propheten Mohammed wurde Ali, den nach Ansicht seiner Anhänger Mohammed persönlich als Nachfolger designiert hatte, übergangen und Abu Bakr wurde zum Kalifen gewählt, während Ali und seine Familie noch mit der Bestattung des Propheten beschäftigt waren. Kurz vor dem Tod Abu Bakrs wurde Omar nicht gewählt, sondern direkt zum Kalifen ernannt. Und schließlich, nach Omars Tod, wurde Uthman von einem Gremium von loyalen Anhängern Omars, die Omar selbst ernannt hatte, zum Kalifen gewählt. Nach der Ermordung des dritten Kalifen eskalierte schließlich der Konflikt. Alis Anhänger erhoben ihn 656 zum Kalifen, er wurde jedoch nicht allgemein anerkannt.
Ein Schiedsgericht im Ort Adhruh sollte zwischen Ali und seinem Gegenspieler Muawiya aus dem Klan der Omajaden entscheiden. Was das Gericht entschied, ist heute nicht mehr festzustellen, jedenfalls ließ sich Mu'awija 660 ebenfalls zum Kalifen proklamieren. Mu'awija verbündete sich mit Mohammeds Witwe Aischa und erklärte Ali den Krieg. Ali konnte zwar die Schlacht gewinnen, sich aber nicht gegen die Macht der reichen Omajaden durchsetzen.
Ein halbes Jahr später fiel Ali der Blutrache zum Opfer. Mu'awija überlebte durch Zufall. Damit war die Herrschaftsfrage zugunsten der Omajaden entschieden.
Hassan, einer von Alis Söhnen aus der Ehe mit Fatima, der Prophetentochter, der von den Schiiten als der zweite Imam angesehen wird, verzichtete auf eine Konfrontation mit Mu'awija. 680 wollte hingegen sein Bruder Hussein sich der Tyrannei, die Mu'awija verbreitete nicht mehr gefallen lassen und kämpfte gegen Mu'awijas Sohn Jesid um den wahren Glauben des Islams wieder einzuführen. In Kerbela, einem kleinen Flecken in der Nähe des Euphrat, kam es am 10. Muharram 680 zu der von den Schiiten und Sunniten als Massaker angesehenen Schlacht von Kerbela, in der die Truppen Jesids, mit 24000 gegen insgesamt 72 mann einschließlich hussein, Hussein und seine kleine Truppe - hauptsächlich Frauen und Kinder, unter anderem Husseins eigene Familie - mit fast allen seinen Begleitern töteten. Husseins Kopf wurde aufgespießt und als Warnung an andere Rebellen nach Damaskus gebracht. Dieses Ereignisses gedenken die Zwölfer-Schiiten an Aschura.
(Fortsetzung folgt)
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