Ilse Aichinger (* 1. November 1921 in Wien) ist eine österreichische Schriftstellerin und bedeutende Repräsentantin der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur.
Ilse Aichinger wurde mit ihrer Zwillingsschwester Helga am 1. November 1921 als Tochter einer (jüdischen) Ärztin und eines (nicht-jüdischen) Lehrers in Wien geboren. Nach der Scheidung der Eltern (1927) wurden die Schwestern von der Großmutter miterzogen. Seit dem Anschluss Österreichs wurde die Familie verfolgt, Helga konnte im Juli 1939 nach England fliehen, die anderen konnten nicht mehr nachkommen. Die Mutter verlor ihre Stellung, wurde als Erziehungsberechtigte eines "Mischlings 1. Grades" zunächst nicht deportiert und überlebte den Krieg in einem Zimmer in der Nähe des Gestapo-Hauptquartiers, während die Großmutter und die jüngeren Geschwister der Mutter verschleppt und ermordet wurden.
Von 1945 bis 1947 studierte Ilse Aichinger Medizin, schrieb ihren (zum Teil autobiographischen) Roman "Die größere Hoffnung", arbeitete als Lektorin für den S. Fischer Verlag und war Assistentin von Inge Aicher-Scholl an der Hochschule für Gestaltung in Ulm.
1951 wurde sie erstmals zur Gruppe 47 eingeladen, 1952 gewann sie mit ihrer "Spiegelgeschichte" den Preis der Gruppe.
1953 heiratete sie den Schriftstellerkollegen Günter Eich (1907 - 1972). Das Ehepaar lebte mit den Kindern Clemens (1954 - 1998) und Miriam (geb. 1957) zuerst in Lenggries, dann in Breitbrunn am Chiemsee und seit 1963 in Großgmain bei Salzburg. Nach dem Tod der Mutter (1983) siedelte sie nach Frankfurt am Main und 1988 nach Wien über, wo sie mit Richard Reichensperger (1961 - 2004) befreundet war und nach einer längeren Schaffenspause Ende der 1990er Jahre wieder zu schreiben begann.
Ilse Aichinger, Mitglied mehrerer Akademien, Mitunterzeichnerin der Frankfurter Erklärung zur Rechtschreibreform (1996).
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