Das Buch Ijob (auch Hiob; Job; in der arabischen Überlieferung Aiyub oder Ayub) ist ein Buch des Alten Testaments der Bibel. Es wird mit den Bibelbüchern Kohelet (Prediger) und den Buch der Sprichwörter (Sprüche, Spruchweisheit) zur biblischen Weisheitsliteratur gerechnet.
Literarkritische Anmerkungen
Die moderne biblische Exegese hat das Buch Ijob traditionell als problematisch thematisiert und versucht, der Komplexität der Fragen über dessen Entstehung und redaktionelle Bearbeitung Rechnung zu tragen. Aufbau, Entstehungszeit, Modelle und Textkritik des Buchs sind nunmehr zu den Themen zu rechnen, mit denen jede exegetische Schule sich zu messen hat.
Aufbau des Buchs
- Die Rahmengeschichte umfasst die in Prosa geschriebene Teile des Buches, die einen erzählerischen Charakter vorweisen:
- Prolog (Ijob 1-2): Auf Betreiben Satans wird der vermögende und fromme Ijob ins Unglück gestürzt. Auf die Frage Gottes an Satan: „Hast du auf meinen Knecht Ijob geachtet? Seinesgleichen gibt es nicht auf der Erde, so untadelig und rechtschaffen, er fürchtet Gott und meidet das Böse.“ (Ijob 1,8) antwortet der Satan, Ijob sei nur solange fromm, wie er in angenehmen Verhältnissen lebe: „Geschieht es ohne Grund, dass Ijob Gott fürchtet?“ (Ijob 1,9-11) und schlägt vor, Ijobs Gottesfurcht auf die Probe zu stellen. Gott lässt den Verlust allen Besitzes Ijobs zu, Ijob nimmt die Schicksalsschläge an, ohne Gott zu verfluchen.
- Im Epilog (Ijob 42,7-17) belohnt Gott Ijobs Treue, indem er ihm zweimal so viel gibt, wie ihm vorher auf Verheiß Satans genommen wurde.
- Die dichterischen Teile, die fast den gesamten Inhalt des Buchs ausmachen, werden folgendermaßen gegliedert:
- Dialog (Ijob 3-31). In einem Streitdialog zwischen Ijob und drei weiteren Personen, Elifas, Bildad und Zofar, die im Prolog als Freunde Ijobs vorkommen, klagt Ijob über sein eigenes Leiden, beteuert, es nicht verdient zu haben, und fordert schließlich Gott selbst heraus. In dreimal drei Reden, denen jeweils Ijobs Entgegnung folgt, versuchen dagegen die Freunde, Ijob zum Geständnis seiner Schuld zu bewegen, indem sie behaupten, menschliches Leiden sei immer durch menschliche Schuld verursacht. Diesem Abschnitt werden auch Teile zugerechnet, die eigentlich Monologe sind (so Ijob 3 und Ijob 29-31) oder keinem Redner zugewiesen werden können (so das so genannte Lied von der Weisheit in Ijob 28).
- Elihureden (Ijob 32-37). Als vierter Redner betont Elihu in zwei Reden Gottes Allmacht und Größe und stellt das Recht des Menschen, göttliches Wirken zu beurteilen, grundsätzlich in Abrede. Darüber hinaus meint er, dass Gott aufgrund seiner Allmacht auch gütig sein müsse.
- Gottesreden (Ijob 38-41). Letztendlich wendet sich Gott selbst aus einem Gewitter heraus an Ijob. In zwei Reden betont Gott seine Macht und die Herrlichkeit seiner eigenen Schöpfungswerke, zum Beispiel den Wasserkreislauf. Lang redet er über die Großartigkeit der von ihm erschaffenen Tiere und Naturgewalten, über den Leviathan und den Behemoth, woraufhin Ijob in zwei kurzen Antworten (Ijob 40,4-5 und 42,2-6) seine Klagen einstellt.
Die dichterischen Teile weisen einen oft losen Zusammenhang miteinander und mit der Rahmenerzählung auf. So ist im Dialog von den Umständen, die in dem Prolog erzählt wurden, keine Rede. Hier klagt Ijob nicht über den Verlust seiner Reichtümer und seiner Söhne: Er klagt über die Verachtung seiner Mitmenschen, deren Objekt er geworden ist; auch von dem Beistand der drei Freunden, die im Prolog als Tröster zu Ijob kommen, ist im Dialog keine Spur. So besteht der Bezug der Elihureden mit dem vorhergehenden Dialog im wesentlichen aus einer Wiederholung der Argumente der Ankläger. So thematisieren die Gottesreden weder die Argumente der Freunde noch Ijobs Anschuldigungen. Anders die Rahmenerzählung: während der Prolog dafür geeignet ist, den Rahmen für eine theologische Deutung des nachfolgenden Dialogs zu schaffen, wird im Epilog eine Deutung explizit vollzogen, indem die Anklagereden der Freunde verurteilt werden. Über das hinaus, werden im Prolog und im Epilog die gleiche Umstände der Schicksalsschlägen angesprochen, die Ijob getroffen haben.
Altorientalische Modelle des Buchs Ijob
Wegen der thematischen oder strukturellen Analogien werden einige Texte aus Mesopotamien von Exegeten in Verbindung mit dem Buch Ijob gesetzt
[H.-P. Müller, Das Hiobproblem (1995), S. 49ff.]:
- Sumerischer Ijob (TUAT 102ff): Es handelt sich um einen Text, der aus sumerischen und sumerisch-akkadischen Fragmenten aus Nippur rekonstruiert worden ist. Das ältere Fragment wird um 2000 vor Chr. datiert. Die Analogie mit dem Buch Ijob ist in dem Umstand gesehen worden, dass in Teilen dieses Texts der Betende einem "persönlichen" Gott gegenüber steht, der Änlichkeiten mit dem "Fürsprecher" in Hi 16,19 oder dem "Erlöser" in Hi 19,25 haben soll.
- Ludlul bel nemeqi (TUAT 110ff): "Ich will den Herrn der Weisheit preisen" ist eine Dichtung in akkadischer Sprache, die auf 4 in Ninive gefundenen Tafeln mit jeweils 120 Zeilen geschrieben ist. Ihre Entstehungszeit wird meistens um 1200 vor Chr. fixiert. Die Dichtung ist ein monologischer Rückblick auf vergangenes Leiden: Von dem preisenden hatten sich alle Menschen -- von dem König bis zu den eigenen Sklaven -- abgewandt und jede Art von Übel sei ihm widerfahren, bis vier priesterliche oder göttliche Boten ihm das Ende seines Leidens ankündigten.
- Babylonische Theodizee (TUAT 143ff): (...)
- Ein Mann weint für seinen Freund (TUAT 135ff): (...)
Die Analogien sind aber meist schwach und direkte Entlehnungen können nicht nachvollzogen werden.
Das Buch Ijob in der christlichen Verkündung
Das Buch Ijob ist eine erzählerische, weisheitliche und klagende
Dichtung, welche eine menschlich all zu einfache
Gottesvorstellung tiefer hinterfragt.
Ausgangspunkt des Buches Ijob ist die Herausforderung Satans an
Gott, ob Ijob nur deswegen fromm sei, weil er ohnehin glücklich lebe. Das zur Klärung über Ijob verbreitete Unheil führt zur Diskussion der Fragen „Warum lässt ein gütiger
Gott überhaupt
Leid zu?“ und „Wie kann man Leid beenden?“. In der Antwort erweist sich das Leid Einzelner als Prüfstein in einem größeren Zusammenhang. Hierbei muss man menschliches Leben immer als leidendes Leben auf einer unvollkommenen Welt verstehen, das man nicht
verstehen kann sondern
bestehen muss.
Anmerkungen
Literatur
- Jürgen Ebach: Hiob/Hiobbuch. In: Theologische Realenzyklopädie 15 (1986), S. 360-380 (Einführung mit Forschungsliteratur)
- René Girard: Hiob - ein Weg aus der Gewalt. Benziger, Zürich 1990, ISBN 3545700119. weiter ISBN 3669841102
- Nancy Guthrie: An der Hoffnung festhalten. Im Leid unterwegs zum Herzen Gottes ISBN 3775139826
- Das Buch Hiob, in: J. F. MacArthur: MacArthur Studienbibel - Schlachter 2000 mit neuer deutscher Rechtschreibung, ISBN 3-89397-017-7(PDF-Download)
- Hans-Peter Müller: Das Hiobproblem, Wissenschaftliche Buchgesellschaft: Darmstadt 1995
- B. Peters: Das Buch Hiob. Warum müssen die Gerechten leiden?, Christlische Verlagsgesellschaft: Dillenburg
- Claus Westermann: Der Aufbau des Buches Hiob, Calwer Theologische Monographien Bd. 6, Calwer Verlag: Stuttgart 1977
Siehe auch
Weblinks
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