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Idealismus bezeichnet in der Philosophie unterschiedliche Strömungen, die (sehr grob zusammengefasst) gemein haben, dass sie in dem, was erkannt wird, die Idee des Erkennens voraussetzen. Umgangssprachlich ist ein Idealist ein tugendhafter Mensch, der selbstgesetzten Idealen folgt. Dies hat mit der Bedeutung des philosophischen Idealismus jedoch wenig gemein.

Von Platon bis Leibniz, von Fichte und Kant bis Hegel und Schelling, um nur wenige zu nennen, lässt sich in der Philosophiegeschichte ein Weg erkennen, Idealismus philosophisch zu denken.

Platons Ideenlehre bis zur Leibnizschen Harmonie


Der Beginn des Idealismus wird meist bei Platon festgemacht. In seiner Schrift Politeia entwickelt er eine Ideenlehre, die mit dem Höhlengleichnis und an die Mathematik anknüpfend, besondere Pläne (eben die Ideen) in den Dingen und Handlungen konzipiert. Wer diese Ideen verwirklicht, der könne auch das Gemeinwesen regieren.

Gottfried Wilhelm Leibniz greift etwa zwei Jahrtausende später darauf zurück, wenn er sagt, dass Platon (und er) die Seele nicht als Materie begreift. Leibniz ersetzt das mechanische Modell Newtons durch eine organische Dynamik der Monaden, die aufeinander in einer prästabilierten Harmonie abgestimmt sind.

Der subjektive Idealismus bei Fichte und Kant


Im Subjektiven Idealismus beruht die Realität auf unseren Ideen und unserer Vorstellungskraft (George Berkeley). Die transzendentalen Erkenntnisformen ordnen a priori allererst unser Erkennen (Kant) und ohne sie ist objektive Erkenntnis nicht möglich. Der Subjektive Idealismus wird gelegentlich für einen Vorläufer des philosophischen Konstruktivismus' gehalten.

Der ästhetische Idealismus bei Schiller und Winckelmann


In den Werken Friedrich Schillers und Johann Joachim Winckelmanns wird das Strebens nach der idealen Form propagiert.

In seiner klassischen Periode setzte Schiller das Programm der ästhetischen Erziehung des Menschen durch den Ausgleich von Verstand und Gefühl um. Er sah im ästhetischen Menschen und im vernünftigen Staat ein Gegenprogramm zur Französischen Revolution wie auch zur zeitgenössischen Politik, in der er nur rohe Kräfte am Werk sah. Ebenso prägte Winckelmann durch seine Schriften über die Nachahmung der Griechischen Werke ein Streben nach idealen Formen. Das Ziel dieses Strebens ist die ästhetische Bildung der Menschen. "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!" sagt Goethe in der Hymne Das Göttliche.

Der Schriftsteller Bertolt Brecht persifliert diesen Idealismus in dem Gedicht "Erinnerungen an Marie A." (erste Strophe):

An jenem Tag im blauen Mond September / Still unter einem jungen Pflaumenbaum
Da hielt ich sie, die stille bleiche Liebe / In meinem Arm wie einen holden Traum.
Und über uns im schönen Sommerhimmel / War eine Wolke, die ich lange sah
Sie war sehr weiß und ungeheuer oben / Und als ich aufsah, war sie nimmer da.

Der absolute Idealismus bei Hegel und Schelling


Wohl schon im Tübinger Stift entstand das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus. Es stammt von dem Dichter Hölderlin, von Schelling oder von Hegel selbst, dessen Handschrift es trägt.

In einem absoluten (von Schelling sogar gegen Kant als Objektiver Idealismus bezeichneten) Idealismus wurde in der deutschen Philosophie des 19. Jahrhunderts versucht den subjektiven Idealismus, der eine Subjekt-Objekt-Spaltung beinhaltet zu überwinden. Hegel hebt in seiner Dialektik diesen Dualismus an und für sich auf. Die geistige Welt der Ideen und die materielle objektive Welt der Fakten und Gegenstände werden zu einer Einheit durch den geschichtlichen Begriff der Vernunft. Der Idealismus hebt dadurch quasi sich selbst in die Realität auf.

Kritik am Idealismus


Einsetzend bei Sören Kierkegaard wird im Existentialismus der Idealismus insofern kritisiert, als der objektive Geltungsanspruch der Ideen abgelehnt wird. Die eigenständige Lebensführung wird dem gegenüber besonders betont. Teilweise im Anschluss an Ludwig Feuerbach wird bei Karl Marx die Hegelsche Dialektik zwar aufgenommen, aber umgedreht. Marx lehnt den Idealismus ab und kehrt ihn in einen Materialismus um. "Hegel wird vom Kopf auf die Füße gestellt" heißt es. Im dialektischen Materialismus sind die ökonomischen Bedingungen Grundlage für die (gesellschaftliche) Wirklichkeit und nicht der Geist oder die Ideen. In der "Dreigroschenoper" von Bertolt Brecht heißt es dazu:
Wir wären gut / anstatt so roh
Doch die Verhältnisse, / sie sind nicht so."

Max Stirner kritisiert wiederum an Feuerbach, dass er "nur den Materialismus seiner »neuen Philosophie« mit dem bisherigen Eigentum des Idealismus, der »absoluten Philosophie«, zu bekleiden" wußte.

Literatur


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