Mit einer Hyposensibilisierung, auch Desensibilisierung oder Spezifische Immuntherapie genannt, soll die Wirkung von Allergenen herabgesetzt werden. Dabei verabreicht man einem Patienten, der unter einer Allergie leidet, anfangs sehr geringe und im Verlauf zunehmende Dosen der Allergene, die ihn beeinträchtigen, um eine Toleranz zu erzeugen. In der neueren Literatur wird zunehmend die Bezeichnung Spezifische ImmunTherapie (SIT) verwendet. (s.u.: SLIT)
Unter "hochgereinigt" ist zu verstehen, dass nicht der komplette - beispielsweise Graspollen - Extrakt verwendet wird, sondern nur die allergieauslösenden Anteile (besondere Proteine) verabreicht werden.
Der Goldstandard ist bisher (2006) die subkutane Hyposensibilisierung.
Es werden blockierende Antikörper des IgG Subtyps gebildet, auch die Induktion antiidiotypischer Antikörper tritt ein.
Die Folge ist eine Supprimierung der Produktion von spezifischen IgE Antikörpern, sowie verminderte Degranulationsbereitschaft der Mastzellen und basophilen Granulozyten.
Die Hyposensibilisierung birgt prinzipiell ein Behandlungsrisiko, da die Behandlung darin besteht, den Patienten bewusst der allergieauslösenden Substanz auszusetzen. Manchmal ist eine heftige Lokalreaktion möglich, die sich durch wenige Tage währendes (starkes) Anschwellen der weiteren Injektionsregion und die Bildung von Quaddeln äußert. Beide Reaktionen sind jedoch weniger gefährlich und können durch Gabe entzündungshemmender Substanzen oder Antihistaminika abgeschwächt werden. Selten ist der gefährliche allergische Schock. Bei einer falschen Dosierung, mangelhafter Injektionstechnik oder - selten - ohne erkennbaren Grund besteht die Gefahr dieses allergischen Schocks. Um dieser Gefahr begegnen zu können, erfolgt die ambulante Hyposensibilisierung in der Weise, dass der Patient nach der Injektion des Allergens für mindestens 30 Minuten unter ärztlicher Aufsicht verbleibt. Im Falle eines allergischen Schocks können dann vom speziell ausgebildeten Arzt rettende Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.
Bei der sublingualen Hyposensibilisierung hingegen sind bisher keine gefährlichen Komplikationen aufgetreten. Nebenwirkungen können z.B. brennende Lippe o.ä. sein. Leider ist auch die Erfolgsrate noch nicht gesichert.
Im Falle einer vorliegenden Histaminose darf eine Hyposensibilisierung nicht durchgeführt werden, da die Gefahr besteht, daß sich das Krankheitsbild verschlechtert, und die Erfolgsaussichten der Hyposensibilisierung gering sind! Die Einnahme mancher Medikamente zusätzlich kann gefährlich sein.
Da die Dosis des bei der Hyposensibilisierung verabreichten Allergens aus Sicherheitsgründen nur sehr langsam gesteigert werden darf, handelt es sich immer um eine Behandlung, die über einen längeren Zeitraum erfolgt. Bei Pollenallergien geht man in der Regel von drei Behandlungsjahren aus. Ist nach dieser Zeit keine Besserung eingetreten, wird die Behandlung normalerweise nicht mehr weitergeführt, da erfahrungsgemäß mit einem später einsetzenden Ansprechen auf die Therapie nicht gerechnet werden kann.
Eine Hyposensibilisierung wird begonnen, wenn die natürliche Belastung durch das Allergen möglichst niedrig ist. Im Falle von Pollenallergien bedeutet dies beispielsweise, dass die Behandlungszyklen der Hyposensibilisierung in den Sommer (bei Frühblüherallergien) bzw. Herbst und Winter (bei Gräserpollenallergien) gelegt werden, da in dieser Zeit kein Pollenflug stattfindet (= präsaisonaler Therapiebeginn). Heutzutage wird auch in der Zeit des Pollenfluges weiter hyposensibilisert (jedoch in dieser Zeit mit verringerter Dosis), da somit die Erfolgsraten deutlich gesteigert werden, ohne dass sich das Behandlungsrisiko erhöht.
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