article

Hypnotherapie, begrifflich zusammengesetzt aus "Hypnose" und "Therapie", ist eine Richtung der humanistischen Psychotherapie (Deutschland) bzw. der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie (Österreich).

In der Regel wird im therapeutischen Kontext zwischen der Hypnose und der eigentlichen therapeutischen Arbeit unterschieden. So kann die Hypnose durch verschiedene Verfahren induziert werden; im therapeutischen Teil können Elemente aus Verhaltens- oder kongitiver Therapie mit einfließen.

Die Hypnotherapie wird einerseits als eigenes Verfahren eingesetzt, andererseits in Verbindung mit anderen Verfahren bzw. Methoden kombiniert. Siehe z. B. hypnosystemische Therapie nach Gunther Schmidt.

Charakteristisch ist in den meisten Fällen der Einsatz von Suggestion und die Einleitung und Nutzung eines veränderten Bewusstseinszustandes. Dieser Bewusstseinszustand wird Trance genannt, der für Hypnose genutzt werden kann. Offen ist immer noch die Frage, ob es sich dabei um einen das gesamte Individuum umfassenden Bewusstseinszustand handelt oder ob "veränderter Bewusstseinszustand" nicht einfach ein Teil des immateriellen Kerns des Klienten ist, zu dem mit der Methodik der Hypnose einfach ein leichterer Zugang besteht.

Hypnotherapie nach Erickson


Die moderne Hypnotherapie wurde stark durch Milton H. Erickson geprägt. Bei der Hypnose nach Erickson handelt sich um eine kommunikative Kooperation von Therapeut und Klient, wobei der Hypnotherapeut dem Klienten hilft, in eine hypnotische Trance zu gehen und diesen Zustand für die Veränderungsarbeit zu nutzen. In diesem Zustand ist die Kontrolle des Bewusstseins des Klienten mehr im Hintergrund, unbewusste Prozesse kommen dann stärker in den Vordergrund. Milton Erickson hatte dabei ein anderes Verständnis vom Unbewußten überhaupt, als es bis dahin in der Psychotherapie üblich war. Er glaubte, dass das Unbewußte ein Quell an Ressourcen und Kreativität birgt, und nicht im freudschen Sinn der Sitz des abgelehnten und Verdrängten sei. Er sah eher im Bewußtsein einen Störfaktor für Persönlichkeitsveränderungen. Er versuchte mit Tranceinduktionen den analytischen Verstand abzulenken, um dem Unbewußten Raum zu geben für kreative Veränderungen des Klienten. Der Hypnotherapeut nutzt hierfür Metaphern, Sprachbilder, Analogien und Wortspiele, um bei dem Klienten in Trance neue Ideen und Lösungsmöglichkeiten für seine Probleme anzuregen. Die Kontrolle darüber, welche dieser Ideen er annimmt und wie er sie nutzt, bleibt dabei vollkommen beim Klienten. In den späten Lebensjahren von Milton Erickson hat dieser keine klassischen Tranceinduktionen mehr angewendet. Er war ein Meister der Sprache, der durch Geschichten und Metaphern natürliche Trancezustände anregte und nutzte. Ericksons sprachliche Fähigkeiten haben viele seiner Schüler fasziniert. Ernest Rossi sowie R.Bandler und J.Grinder haben versucht die hypnotischen Sprachmuster in ihren Büchern explizit lehrbar zu machen.* Die Wirksamkeit der "Erickson'schen Hypnotherapie" ist seit vielen Jahrzehnten erprobt und erwiesen. Bedeutende amerikanische Vertreter der Erickson'schen Hypnotherapie sind Jeff Zeig, Ernest Rossi, Jay Haley und Stephen Gilligan (siehe Milton Erickson Foundation).

Andere Meditations-Techniken wie z. B. Mantra-Meditation oder Vocal Meditation führen ebenfalls zu Trance und können von einem geschulten Therapeuten im Sinne von Erickson hynotherapeutisch genutzt werden = therapeutische Meditation. Auch uralte Rituale wie der Tempelschlaf dienten letztlich gemeinsamen spirituellen und therapeutischen Zwecken.

Indikation


Die Wirksamkeit der Hypnotherapie konnte in vielen Studien belegt werden. Die folgende Tabelle Revenstorf et al.: Expertise zur wissenschaftlichen Evidenz der Hypnotherapie 2003. Expertise für den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie. S. 31, Publikation downloaden orientiert sich an den im ICD-10 gelisteten Störungen. Bei den in der mittleren Spalte genannten Störungen ist die Anwendung empirisch gut bewährt. In der rechten Spalte ist die Anwendung vielversprechend, aber ohne aussreichenden empirischen Beleg.

Kategorien nach ICD-10 Störungsbereiche mit empirisch belegter Wirksamkeit Weitere indizierte Störungsbereiche
Affektive Störungen (F3) Depression, Hypomanie -
Angststörungen (F40, 41, 42) Phobien Panikattacken, Zwang
Belastungsstörungen (F43) akute Belastung, posttraumatische Belastung, Anpassungsstörung -
Dissoziative, Konversions-, Somatoforme Störungen (F44, 45, 48) somatoforme Schmerzen, Reizdarm, Fibromyalgie, u.a. autonome Funktionstörungen, Konversionen, Hypnochondrie, Dissoziative Identitätsstörung, Amnesie, Fugue, Stupor
Esstörungen (F50) Essattacken, Körperbild bei Essstörungen Bulimie, Anorexie
Andere Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen (F51,52 ,21) Schlafstörungen, sexuelle Störungen -
Psychische und soziale Faktoren bei somatischen Krankheiten (F54) Operationschmerz, Geburtsschmerz, Krebsschmerz, Migräne, u.a. Tinnitus
Persönlichkeitsstörungen (F60) Verhaltensstörungen (F63-69) Abnorme Gewohnheiten, Störung der sexuellen Identität und der sexuellen Präferenz , strukturelle Frühstörungen -
Abhängigkeit und Substanzmissbrauch (F1, 55) Tabakabusus Alkoholismus, Missbrauch von psychotropen Drogen
Schizophrenie und wahnhafte Störungen (F29) Schizophrenie ohne Intelligenzminderung -
Hirnorganische Störungen Lähmung nach Insult, Infarkt, bei MS -
Zusätzlich Adipositas -
Kinder und Jugendliche Schmerzkontrolle, Enuresis, Übelkeit und Erbrechen bei Krebs Tics, Aufmerksamkeitsstörungen, Störungen des Sozialverhaltens

Kontraindikation


Absolute Kontraindikation besteht meist bei einer akuten Psychose, psychotischen Zuständen (Manie, schizophrener Schub) und bei paranoiden Vorstellungen. Da eine grundsätzliche Therapiemotivation notwendig ist, können antisoziale Persönlichkeitsstörung durch Hypnose kaum beeinflusst werden.

Relative Kontraindikation liegt meist dann vor, wenn Rapportverlust während der Hypnose droht, wie bei schweren Borderline- und narzistischen Störungen. Ursächlich ist die veränderte Realitätsorientierung in der hypnotischen Trance, die nur dann genutzt werden kann, wenn der Rapport aufrecht erhalten bleibt.

Die Anwendung bei histrionischer Persönlichkeitsstörung ist umstritten. Einerseits ist zwar meist eine hohe Suggestibilität bei den Patienten vorhanden, andererseits jedoch wird jedoch die Gefahr des Ausagierens vermutet.

Keine direkte Kontraindikation, jedoch ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen ist bei traumatisierten Personen angezeigt. Insbesondere bei Missbrauchsopfern kann die Situation der Hypnose mit der meist stark asymmetrischen Rollenverteilung das Gefühl der Ohnmacht des Patienten wecken, das gerade bearbeitet wird. Aufgrund der Problematik von Fehlerinnerungen (False Memory Syndrom) ist eine Wahrheitsfindung bei amnestische Kindheitserlebnisse kaum möglich.

Siehe auch


Weblinks


Quellen


Literatur


  • Schmidt G.: Einführung in die hypnosystemische Therapie und Beratung. Carl-Auer-Verlag, Heidelberg 2005, ISBN 3-896-70470-2
  • Revenstorf D., Peter B.:Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin. Springer-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-540-67480-2
  • Revenstorf et al.: Expertise zur wissenschaftlichen Evidenz der Hypnotherapie 2003. Expertise für den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie. Online verfügbar
  • Bongartz W., Bongartz B.: Hypnosetherapie. Hogrefe-Verlag, Göttingen 2000, ISBN 3-801-71321-0
  • Gilligan S.G.: Therapeutische Trance. Carl-Auer-Verlag, Heidelberg 2005, ISBN 3-927-80905-5

Therapie


Hypnotherapy | Ipnoterapia | 催眠療法 | Hypnotherapie

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Hypnotherapie".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld