Hyperventilation steht für die willentliche oder unwillentliche Beschleunigung und/oder Vertiefung der Atmung über den Körperbedarf hinaus.
Ursachen
Außer zugrundeliegenden inneren Krankheiten kann auch psychischer
Stress unbewusst zur Hyperventilation führen. Bei Pop-Konzerten geraten häufig aufgeregte Fans in die Hyperventilation.
Ein besonderer Fall der (willentlichen, aber nicht beabsichtigten) Hyperventilation kann auftreten bei der Zirkularatmung, wie sie Blasinstrumentenspieler, v. a. beim Didgeridoo verwenden. Eine Anwendung mit gewollter Hyperventilation stellt hingegen das holotrope Atmen, einer Spezialform einer Atemtherapie dar.
Symptome
Die Hyperventilation führt zu einer
respiratorischen Alkalose durch die es zu Krämpfen mit typischer Pfötchenstellung der Arme und Hände, zu Kribbeln und zu Taubheitsgefühl (besonders um den Mund herum) und zu Schwindel kommt. Mit den Krämpfen und dem Kribbeln steigt meist auch die
Panik.
Wirkungsweise
Die erhöhte Durchlüftung führt kaum zu einer Mehraufnahme von Sauerstoff im Körper, da die Aufnahmefähigkeit des Blutes für Sauerstoff schon bei normaler Atmung meist voll gedeckt wird. Allerdings kommt es zur vermehrten Abatmung des im Körper entstehenden Kohlendioxid, daraus folgt eine Verschiebung des Gleichgewichts zwischen Kohlensäure (der gelösten Form von Kohlendioxid) und Calcium im Blut.
Der so entstehende relative Calcium-Mangel kann zu Krämpfen und zu Kribbeln führen, besonders um den Mund herum. Zudem verschiebt sich der
Säure-Basen-Haushalt des Betroffenen in Richtung
basisch, der
pH-Wert des
Blutes steigt.
Diese Wirkungsweise macht man sich in Diagnostik von
Epilepsien zu Nutze, da hierdurch während einer
EEG-Ableitung epileptische Entladungen aktiviert bzw. provoziert werden können.
Bei unangenehmen Nebenwirkungen hilft auch hier die nachfolgend beschriebene Methode.
Komplikationen
Normalerweise kommt es bei Hyperventilation zu keinen schwerwiegenden Komplikationen.
Bewusst herbeigeführte Hyperventilation (Reinkarnationstherorie, Astralreise) kann einen Trancezustand bewirken. Diese Art der Hyperventilation kann im Extremfall zu tetanischen Anfällen, epileptischen Anfällen und sogar zu Hirnschädigungen führen und sollte daher nicht gewollt herbeigeführt werden.
Kontroverse Sichtweisen
Es gibt allerdings therapeutisch begleitete Formen, die die gewollte Hyperventilation unter fachmännischer Begleitung und unter bestimmten Voraussetzungen als ungefährlich ansehen und damit im Kontrast zur klassisch schulmedizinischen Sichtweise stehen. (mehr siehe:
Holotropes Atmen)
Behandlung
- Ausgleich des Säure-Basenhaushaltes über Infusion (wird nicht mehr praktiziert)
- Der teilweise Ausgleich des temporären Kalzium-Mangels wird von vielen Ärzten noch mit gutem Erfolg durchgeführt. Niemals darf jedoch zu viel Calcium substituiert werden, da nach dem Abklingen der Hyperventilation das freie Kalzium im Blut wieder ansteigt. Der Mechanismus ist folgender: Während der Alkalose werden Protonen aus der Bindung an Eiweisse freigesetzt, deren Position von Kalciumionen eingenommen wird. Diese "fehlen" dann im Blut. Nach Ausgleich der Alkalose binden wieder vermehrt Protonen an das Eiweiss, die Kalziumionen werden wieder frei.
- Bei Lungenembolie und Hyperventilation: Sauerstoffgabe und Krankenhauseinweisung
- Bei psychischer Hyperventilation: Beruhigung, Rückatmung (mehrmals in eine Plastik- oder Papiertüte bzw. eine Hyperventilationsmaske aus- und einatmen) und ggf. Sedierung z.B. mit Benzodiazepinen.
Durch das mehrmalige Ein- und Ausatmen in eine Tüte atmet der Patient die verbrauchte, sauerstoffarme Luft wieder ein. Damit kann der Körper das Kohlendioxyd wieder aufnehmen, die Symptome lassen nach und die Panik geht zurück.
Hyperventilation darf man nur auf Grund eines niedrigen CO2-Wertes in einer Blutgasanalyse definieren, nicht auf Grund einer erhöhten Atemfrequenz, die man Tachypnoe nennt.
Weblinks
Siehe auch
Atmung | Pulmologie
Hyperventilation | Hiperventolado | Hyperventilaatio | Hyperventilation | Hyperventilatie