Hypertext ist eine nicht-lineare Organisation von Objekten, deren netzartige Struktur durch logische Verbindungen (Verweise, Links) zwischen Wissenseinheiten (Knoten, z. B. Texten oder Textteilen) hergestellt wird (Verweis-Knoten-Konzept).
Die Begriffe Hypertext und Hypermedia werden meistens synonym benutzt; Hypertext betont dabei jedoch den textuellen Anteil, Hypermedia dagegen mehr den multimedialen. Dieser Artikel selbst ist wie alle anderen Wikipedia-Artikel auch ein Beispiel für Hypertext.
Die assoziative Struktur eines Hypertextes entspricht eher der Funktionsweise des menschlichen Denkens als lineare Texte. Dies hat seine Ursache in der Annahme, dass unser vernetztes Denken ähnlich abläuft wie die hypertextbasierten Strukturen eines Hypertextes. Schulmeister (1996) verwendet dafür in diesem Zusammenhang den Verweis auf die "kognitive Plausibilitätshypothese" (Schulmeister, 1996: Grundlagen hypermedialer Lernsysteme, S.257) siehe auch Mind Maps.
Ein weiteres Grundproblem ist das Navigieren in Hypertexten, da häufig eine vom Autor vorgegebene Lesestruktur (z. B. Guided Tour) fehlt; dadurch können sich als Folge einer Linkitis ein Information Overload, die Überflutung mit ungeordneten Informationen, und das Phänomen des Lost in Hyperspace, also die Desorientierung im Informationssystem einstellen.
Dies liegt aber auch an veränderten und neuen Lesegewohnheiten. Jüngere Generationen haben hier weitaus weniger Schwierigkeiten.
Problemlösungsansätze hierzu sind virtuelle Mindmaps und Web-Ontologien.
Erst in Ansätzen gelöst ist das Problem der Visualisierung von Hypertexten, also die grafisch aufbereitete Darstellung der typischerweise netzwerkförmigen und daher nicht hierarchisch präsentierbaren Struktur eines Hypertextes (siehe auch Hyperbolic Tree).
Auch viele Software-Dokumentationen, Hilfe-Texte und Nachschlagewerke wie die elektronischen Ausgaben des Brockhaus und der Encyclopædia Britannica sind als Hypertext konzipiert.
Das moderne Hypertext-Konzept wurde erstmals von Vannevar Bush im Jahr 1945 in einem Artikel As We May Think im Journal The Atlantic Monthly erwähnt. Er sprach darin über ein zukünftiges System Memex (für Memory Extender), das das Wissen eines bestimmten Gebietes elektronisch aufbereitet leicht zugänglich darstellen kann. Die Kernidee des Konzepts ist zum einen, dass das Verfolgen von Verweisen mit elektronischer Hilfe erleichtert wird und zum anderen, dass Bücher und Filme aus einer Bibliothek verfügbar gemacht und angezeigt werden können. Die Idee von Hypertext ist also von Anfang an mit alten Utopien von der "universellen Bibliothek" verbunden (siehe auch Bibliotheksutopie). Daher ist es kein Zufall, dass der Herausgeber der Universalklassifikation Paul Otlet als frühester Pionier des Hypertext gilt und diese Universalsprache völkerverbindend einsetzen wollte. Er gilt nicht von ungefähr als Mitbegründer des (Völkerbunds), aus dem die UNO hervorging.
Ein Beispiel für ein hypertext-artiges Gedicht sind die Cent mille milliards de poèmes von Raymond Queneau (1961).
Der Gesellschaftswissenschaftler Ted Nelson (Projekt Xanadu) prägte den Begriff "Hypertext" im Jahr 1965.
Eines der ersten Hypertextsysteme, das einer größeren Gruppe zugänglich war, war HyperCard der Firma Apple, das mit den Apple-Macintosh-Computern ausgeliefert wurde.
Das heute am weitesten verbreitete Hypertext-System ist der Internet-Dienst World Wide Web (WWW), obwohl ihm einige wichtige Funktionen früherer Hypertextsysteme fehlen. So ist zum Beispiel das Problem der so genannten toten Links (engl. dead links oder dangling links) im WWW ungelöst. Auch die Implementierung der Uniform Resource Identifiers (URIs) ist über die im Web gebräuchlichen URLs nur unvollständig erfüllt. Im Gegenzug erlaubt das WWW aber auch das Einbinden von nichtsprachlichen Datentypen. Dadurch ist es, obwohl auf Hypertext beruhend, streng genommen ein Hypermedia-System. Die Sprache, in der die Texte des World Wide Web beschrieben werden, heißt HTML; Web-Dokumente werden von Webtextern und Webdesignern konzipiert und erstellt.
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