Hyperparathyreoidismus (HPT) ist eine Regulationsstörung der Epithelkörperchen (Nebenschilddrüsen). Die Epithelkörperchen sind in etwa linsengroße Organe und liegen jeweils hinten am oberen und unteren Pol der Schilddrüse. Die meisten Menschen haben 4 Epithelkörperchen. Sie bilden das Parathormon, ein Hormon, welches den Kalziumspiegel im Körper erhöht.
Die Ursache ist eine zu hohe Sekretion von Parathormon, ausgelöst durch ein Adenom oder eine Hyperplasie der Nebenschilddrüsen (Epithelkörperchen). Der erhöhte Parathormonspiegel führt zu einem gesteigerten Knochenabbau und damit zu einem erhöhten Blut-Kalzium-Wert. Der Knochen wird demineralisiert und schmerzhaft. Der Körper scheidet das Kalziumüber die Niere aus, wodurch Nierensteine entstehen. Außerdem können neben Gallensteinen auch Entzündungen der Bauchspeicheldrüse auftreten.
Ursache hier ist eine verstärkte Hormonproduktion als Reaktion auf einen erhöhten Kalziumverlust des Körpers. Durch die vermehrte Hormonproduktion kann die Kalzium-Konzentration im Blut im unteren Normalbereich liegen.
Primär zugrunde liegende Erkrankungen:
Die Symptome lassen sich in der Trias Stein-Bein-Magen-Pein zusammenfassen: Durch den erhöhten Parathormonspiegel wird Calcium aus den Knochen abgebaut, es kommt zur Osteoporose und pathologischen Frakturen. Der erhöhte Calciumspiegel im Blut wiederum führt zum Ausfällen von Calciumsteinen in der Niere, Nierenkoliken und Weichteilverkalkungen. Als besonders gefährlich werden Ablagerungen von Calcium in Blutgefäßen und an den Herzklappen mit Anstieg des Risikos für kardiovaskuläre Erkrankungen angesehen. Außerdem wird die Gastrinproduktion angeregt, so dass es zu einer Gastritis (Magenschleimhautentzündung) kommen kann.
Neben diesen Beschwerden sind psychatrische Erkrankungen wie schwere Depressionen häufig erstes aber in der Regel der Fälle verkanntes Symptom.
Chirurgische Entfernung des (oder aller) vergrößerten Epithelkörperchens, da fast immer nur in einem eine Autonomie entsteht.
Beseitigung der Grunderkrankung. Falls das nicht möglich (z. B. bei chronischem Nierenversagen), müssen alle 4 (bis 8) Epithelkörperchen entfernt und anschließend ein Teil eines Epithelkörperchens in den Unterarm autotransplantiert werden, da sonst gar keine Parathormonbildung mehr stattfinden könnte. Der sekundäre Hyperparathyreoidismus wird außerdem mit Vitamin-D-Gabe und Phosphatbindern behandelt. Ohne Therapie ist ein Übergang in einen tertiären Hyperparathyreoidismus wahrscheinlich.
Seit 2004 sind Calcimimetika (z. B. Cinacalcet) verfügbar, die am kalziumsensitiven Rezeptor der Nebenschilddrüsenzelle angreifen und somit direkt die Parathormonausscheidung hemmen.
siehe auch: Hypoparathyreoidismus
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