Hebaner Keramik1.jpg Die Hutterer sind eine täuferische Kirche, die in Gütergemeinschaft lebt und auf Jakob Hutter zurückgeht.
Die Mehrzahl der Hutterer lebt heute in Kanada (British Columbia, Alberta, Manitoba, Saskatchewan) und in den USA (Washington, Oregon, Montana, Nord-Dakota, Süd-Dakota und Minnesota). Trotz abnehmender hochdeutscher Sprachkompetenz sprechen alle Hutterer noch immer das Hutterische – ein dialektal gefärbtes Deutsch – als Muttersprache und verwenden ein altertümliches Hochdeutsch als Gottesdienstsprache.
Das besondere Merkmal der hutterischen Bewegung ist das Leben ihrer Anhänger in Gütergemeinschaft nach dem Bibelvers aus der Apostelgeschichte 2,44: „Und alle, die da gläubig geworden waren, taten ihren ganzen Besitz zusammen“.
Siehe auch: Urchristliche Gütergemeinschaft
Was den Ausgangspunkt ihrer Geschichte angeht, berufen sich die Hutterer gemeinsam mit den anderen Täufern auf die erste Gläubigentaufe in Zürich um 1525. Sie bilden einen eigenen Flügel innerhalb der reformatorischen und insbesondere auch innerhalb der taufgesinnten Bewegung. Kern der hutterischen Überzeugungen ist, dass der Mensch frei über seine Taufe entscheidet. Die Taufe von unmündigen Kindern wird strikt abgelehnt und führte schon im 16. Jahrhundert zur Verfolgung der Täuferbewegung durch die lutheranischen, reformierte und katholische Kirche. 1529 wurde die Erwachsenentaufe bei Todesstrafe durch Kaiser Karl V. (HRR) verboten.
Durch die Verfolgung bildeten sich Glaubensinseln von Gleichgesinnten, besonders in Böhmen und Mähren, wo die Hutterer wegen ihres Fleißes willkommen waren und zunächst nicht verfolgt wurden. 1533 wurde Jakob Hutter zum Oberhaupt einer Gemeinschaft gewählt und verwirklichte dort seine Vorstellungen einer gottgefälligen Gemeinschaft. Neben einem arbeitsamen, keuschen und bibelgetreuen Leben gehörte dazu vor allem die Idee des gemeinsamen Eigentums. Die entstehenden Gemeinden würde man aus heutiger Sicht als kommunistische Gruppen einordnen.
Bis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges blühte das hutterische Gemeindeleben, die Chroniken sprechen von den „guten Jahren“. Rund 100 Kolonien bestanden damals mit mindestens 20.000 Bewohnern. Während des Krieges wurden die friedfertigen Hutterer immer wieder Ziel marodierender Landsknechte.
1622 befahl der Kaiser und böhmische König Ferdinand II. (HRR) den Hutterern, entweder zum katholischen Glauben überzutreten oder sein Land binnen vier Wochen zu verlassen. Damit begann die lange Wanderschaft der hutterischen Gemeinden, über den Balkan zogen sie nach Siebenbürgen, wo sie sich ansiedelten, das Land aber 1767 wieder verlassen mussten. In Siebenbürgen stieß eine Gruppe von österreichischen Transmigranten zu den Hutterern. Diese Transmigranten gaben der übrig gebliebenen, kleinen Gemeinschaft neue Impulse. Sie nahmen das Angebot eines russischen Adligen an, sich auf seinem Land in der Ukraine anzusiedeln. Sie folgten damit dem Ruf der jungen russischen Zarin Katharina der Großen, die weite unbewohnte Landstriche besiedeln wollte und Neusiedlern und deren Nachkommen Land und freie Religionsausübung versprach. 1874 sollte auch für die Hutterer die allgemeine Wehrpflicht eingeführt werden, woraufhin die Gemeinschafter beschlossen, nach Nordamerika auszuwandern.
Über Hamburg und New York kamen die Hutterer nach South Dakota, wo sie sich wiederum ansiedelten. Im Verlauf des Ersten Weltkrieges kam es zu Ausschreitungen gegen die deutsch sprechenden Hutterer. Sie wurden als den Deutschen zugehörig empfunden, außerdem weigerten sie sich, den Militärdienst auszuüben. Zwei junge Hutterer starben, weil sie sich weigerten, Uniformen anzuziehen, und deshalb im Winter viele Stunden nackt im Freien verbringen mussten. Darauf beschlossen die Hutterer, geschlossen nach Kanada auszuwandern, doch zog sich der Prozess der Auswanderung (Verkauf all ihrer Ländereien, Kauf neuer in Kanada) so lange hin, dass zum Ende des Krieges noch nicht aller Besitz in den USA verkauft war.
Heute (2005) gibt es etwa 465 Hutterer-Kolonien mit etwa 60 bis 150 Hutterern pro Kolonie. Die Hutterer leben fast ausschließlich in Kanada und den USA. Fast alle dieser Hutterer stammen von den 400 Hutterern ab, die nicht den Homestead Act von 1862 in Anspruch genommenen haben.
Die damals in die USA einwandernden Hutterer hatten nur 15 Familiennamen: Decker, Entz, Glanzer, Gross, Hofer, Kleinsasser, Knels, Mändel, Stahl, Tschetter, Waldner, Walther, Wipf, Wollmann, Wurz. Seitdem sind nur wenige Menschen dauerhaft zu ihnen gestoßen.
Die Althutterer teilen sich in Schmiedeleit (schon immer etwas aufgeschlossener) unter Michael Waldner entstanden aus der Kolonie Bon Homme; Lehrerleut (früher liberaler, heute erstarrt) unter Jakopf Wipf entstanden aus der Kolonie Almspring; Dariusleut (relativ konservativ) unter Darius Walther entstanden aus der Kolonie Wolf Creek.
Darüber hinaus gab es die so genannten Prärieleut, ca. 800 der etwa 1.200 in den 1880er Jahren in die USA eingewanderten Hutterer. Die Prärieleut machten vom damaligen Homestead Act Gebrauch, der jeder Familie, die eine von der eigenen Familie bewirtschaftete Farm gründen wollte, kostenfrei ein Stück Land zuwies, das sie innerhalb einer gewissen Frist zu bebauen hatten. Die Prärieleut verloren aber relativ schnell ihre Hutterische Identität und dann auch ihren Hutterischen Glauben. Sie scheinen durch die repressiven Maßnahmen während des Zweiten Weltkrieges gegen alle deutschsprachigen in den USA endgültig als eigenständige Gruppe aufgehört zu haben zu existieren. Heute gehören viele mennonitischen Kirchen an.
Eine Sonderrolle innerhalb der hutterischen Bewegung nehmen die Bruderhöfer oder Arnoldleut ein. Sie waren zeitweilig den Hutterern angeschlossen, aber sind seit 1995 wieder von ihnen getrennt. Die Bruderhöfer sind vom Ursprung her keine Althutterer, sondern ihre Gemeinschaft wurde in Deutschland nach dem 1. Weltkrieg im Jahre 1920 von Eberhard Arnold und seiner Frau Emmy Arnold in Sannerz, Hessen gegründet, wo sie seit 2002 sich mit einer Gemeinschaft wieder angesiedelt haben.
Weitere Neuhutterer sind die Murphy-Leut in Arizona (USA), die Juliusleut in Ontario (Kanada), die Owa-Leut in Japan und die Nigerialeut.