Das Humankapital ist ein relativ neuer Begriff, der sowohl in der Volkswirtschafts- (VWL) als auch in der Betriebswirtschaftslehre (BWL) verwendet wird. Er ist jedoch umstritten und wird von vielen als Euphemismus aufgefasst.
Synonyme Begriffe sind das Humanvermögen, die Humanressourcen und das Humanpotenzial, wobei auch oft die englischen Begriffe human capital, human resources bzw. human assets verwendet werden. Eine absolut genaue inhaltliche Übereinstimmung der Begriffe liegt allerdings nicht vor: So assoziiert Humanressource den "Abbau" eines begrenzten Rohstoffs, Humanvermögen das bedingungslose Kontrollieren eines Vermögensgegenstands. Die euphemistische Dimension des Begriffs Humankapital ergibt sich insbesondere daraus, dass Kapital zur Sorgfalt verpflichtet.
In der Faktorenlehre (Erich Gutenberg) ist Humankapital ebenso ein Produktionsfaktor wie physisches Kapital. In der neueren Managementliteratur wird das Humankapital dem Intellektuellen Kapital (intellectual capital) zugeordnet.
Abzugrenzen ist dieser Begriff vom Sozialkapital.
Geprägt wurde der Begriff Humankapital (bzw. „human capital“) maßgeblich im Rahmen der (modernen) makroökonomischen Humankapitaltheorie. Ende der 1950er Jahre - als Reaktion auf den "Sputnik-Schock" - haben die späteren Nobelpreisträger Gary Becker (1964) und Theodore Schultz (1978) die Grundlagen zur Humankapitaltheorie gelegt. Diese volkswirtschaftlich ausgerichtete, ökonomische Theorie konzentriert sich auf unterschiedliche Qualitäten der Arbeit und stellt die Einkommenswirkungen während des menschlichen Lebens in den Vordergrund.
Der Begriff betriebliches Humankapital umschreibt die große Bedeutung qualifizierter und motivierter Mitarbeiter für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und soll eine wesentliche Grundlage moderner Unternehmens- und Personalpolitik verdeutlichen: Mitarbeiter sind mehr als nur reine Produktions- und Kostenfaktoren. Damit werden Leistungsbereitschaft und Know-how der Mitarbeiter sowie alle Mittel und Bemühungen, diese zu erhalten und zu stärken, mehr als bisher in den Mittelpunkt unternehmens- und personalpolitischer Zielsetzungen gerückt.
Bisher existiert allerdings noch keine einheitliche Definition des Begriffs. So hat sich dessen Begriffsinhalt im Zeitablauf - in Abhängigkeit von den wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen - verändert.
In der sozialen Bewegung von etwa 1850 bis zur Jahrhundertwende galt es teilweise als revolutionär, die Humanpotenziale in der Wirtschaft zu betonen. Erst die Sozialenzykliken der Päpste und das Erstarken von Sozialdemokratie bzw. Christlichsozialen änderte diese Einschätzung deutlich.
In den 1970er Jahren wurde primär auf die in den Mitarbeitern verkörperten Potenziale, die dem Unternehmen durch einen Arbeitsvertrag zur Verfügung gestellt werden, fokussiert. Hintergrund war eine durch Gesellschaft und Politik vorangetriebene "Humanisierung der Arbeitswelt", die für die Mitarbeiter eine bedeutendere Rolle in Wirtschaft und Arbeitswelt forderte. In den 1980er Jahren standen vor dem Hintergrund einer zunehmenden Bedeutung der Kapitalmärkte Fragen der Wirtschaftlichkeit des Betriebsgeschehens im Vordergrund. Im Zuge der Entwicklung und Etablierung des Personalcontrollings wurde auf Effektivitäts- und Effizienzfragen der betrieblichen Personalprozesse und Mitarbeiter fokussiert.
Ab den 1990er Jahren etablierte sich - ausgehend von der Ressourcentheorie (resource based view of the firm) - das Konzept des Intellectual Capital. Die sog. "immateriellen Werte" wurden als Haupttreiber des betrieblichen Erfolgs identifiziert und zunehmend anerkannt. In diesem Konzept ist das Humankapital der zentrale Faktor (so wird das Humankapital in allen Kategorisierungen des Intellectual Capital als einzige Kategorie explizit genannt!) Die emotionalen Komponenten des Wirtschaftslebens werden u. a. durch das Coaching und verschiedene Bestrebungen gegen das Mobbing gefördert. Auch einige Aspekte der Frauenpolitik und die Förderung der Familienfreundlichkeit von Betrieben wirken hier positiv.
Werden diese neuen Entwicklungen berücksichtigt, kann eine Definition des betrieblichen Humankapitals heute lauten:
Die Planung, Steuerung und Kontrolle des betrieblichen Humankapitals ist Gegenstand des sog. Humankapital-Managements (Human Capital Management (HCM) oder auch Human Asset Management). Es stellt eine Erweiterung des betrieblichen Personalmanagements (Human Resource Management) dar mit dem Ziel einen positiven Beitrag zur Wertschöpfung bzw. zum Unternehmenswert zu leisten und diesen Wertbeitrag zu planen, zu steuern, zu kontrollieren und zu kommunizieren (Humankapital-Reporting). Ein Schwerpunkt dieses Konzepts ist die Messung und Bewertung des betrieblichen Humankapitals. Bei den vorhandenen Beiträgen zum Humankapital-Management wird beinahe unisono betont, dass durch Entlassungen und die Reduktion von Personalentwicklung (= die zwei Hauptmaßnahmen im Personalbereich zur Steigerung des Shareholder Values) mitunter kurzfristig ein positiver Wertbeitrag erzielt werden kann, langfristig aber Wert vernichtet wird und damit die Existenz des Unternehmens gefährdet ist.
Leider kommt es oftmals zu Diskrepanzen zwischen (theoretischer) Erkenntnis und (praktischem) Handeln, weshalb der Begriff Humankapital häufig negativ belegt wird (siehe unten). Gesellschaftlich bewegt sich die Deutung und Berücksichtigung des Begriffs von reiner Ökonometrie (Vermögen, Investition, versunkene Kosten) bis zu Fragen des Wertesystems und der Sozialpolitik.
Ein weiterer Kritikpunkt, der häufig vorgetragen wird (und auch zur Wahl als Unwort beigetragen haben mag) sind ethische und moralische Bedenken bei der Begriffsverwendung. Die Beschäftigten lassen sich ungern auf eine Rolle als "Potenzial und zu steuerndes und kontrollierendes (damit materialartiges) Humankapital" reduzieren.
Auch die Bewertung des Menschen in monetären Größen wird als unmoralisch angesehen. In dem Zusammenhang wird oftmals der Vergleich mit der Sklavenwirtschaft angeführt, als Menschen tatsächlich "Kapital" waren, d.h. einen Preis hatten und wie Sachgüter gehandelt wurden.
Viele Ökonomen zeigen sich entsetzt über diese Argumentation und halten sie für falsch, denn die Sprachwissenschafter hätten die ursprüngliche Bedeutung und Intention des Begriffs nicht verstanden. Wer sich mit der einschlägigen Literatur auseinandersetze, werde schnell feststellen, dass das Humankapital im ursprünglichen Sinn als Erfolgsfaktor, Ressource oder Potenzial angesehen wird, das maßgeblich die zukünftige Entwicklung und den künftigen Unternehmenserfolg determiniere, bzw. auf volkswirtschaftlicher Ebene den Wohlstand ganzer Nationen. Voraussetzung sei ein entsprechendes Humankapital-Management (d.h. Planung, Steuerung und Kontrolle von Humankapital). Es finde also durch die Begriffsverwendung keine Degradierung des Menschen, sondern vielmehr seine Aufwertung statt (vgl. hierzu auch Offener Brief des Human-Capital-Club e. V. an die Gesellschaft für Deutsche Sprache, Link siehe unten).
Auch weisen viele Humankapital-Verfechter explizit darauf hin, dass z.B. Entlassungen oder Kürzungen langfristig ein Sinken des Unternehmenswertes bewirken. Wird Personalentwicklung vor dem Hintergrund der kurzfristigen Ergebnisverbesserung betrieben, sehen sie in der Vernichtung von Humankapital auch volkswirtschaftlichen Schaden.
Der Begriff Humankapital kam offensichtlich - neben den oben skizzierten grundsätzlichen ethisch-moralischen Bedenken - durch die oben angesprochene Diskrepanz zwischen theoretischer Erkenntnis und praktischem Handeln in Verruf. Viele Unternehmen sprechen in Reden, Präsentationen, Führungsgrundsätzen und Hochglanzbroschüren vom Mitarbeiter als "ihrem wichtigsten Kapital" und "strategischen Erfolgsfaktor", beim Handeln werden die Mitarbeiter dann allerdings vornehmlich als Kostenfaktoren betrachtet. So kommt es im Zuge der Steigerung des Shareholder Value (also des Marktwerts des Eigenkapitals) regelmäßig zu (Massen-)Entlassungen und finanziellen Kürzungen beim Personal, d. h. die Mitarbeiter werden tatsächlich nur auf Kostengrößen reduziert. Als besonders unerfreulich empfunden wird auch die Tatsache, dass der Kapitalmarkt derartige Maßnahmen bzw. deren Ankündigung regelmäßig mit steigenden Kursen "honoriert".
Der Begriff Humanvermögen hat sich in Deutschland in den 1970er Jahren im Zuge der Diskussion um eine Humanvermögensrechnung etabliert. Ziel dieser Rechenmodelle war es, den Wert der Mitarbeiter offen zu legen und damit die betriebliche Rechnungelegung, die Mitarbeiter traditionell nur als Kostenfaktoren betrachtet, zu ergänzen. Im Endeffekt wurde eine Bilanzierung der in den Mitarbeitern verkörperten Potenziale angestrebt.
Vor diesem Hintergrund ist der Begriff Humanvermögen tatsächlich vorzuziehen. In der BWL kennzeichnen Kapital und Vermögen bilanziell betrachtet denselben wirtschaftlichen Tatbestand, je aus einer unterschiedlichen Perspektive heraus. Während das Vermögen alle im Unternehmen eingesetzten Güter und Geldmittel – die Aktiva – repräsentiert, wird das Kapital als Äquivalent des Vermögens auf der Passivseite der Bilanz erfasst und gibt Aufschluss über die Herkunft der eingesetzten Mittel. Orientiert an einer bilanziellen Erfassung der Mitarbeiterpotenziale wird deutlich, dass der Terminus Kapital hier unzutreffend ist. Neben anderen eingesetzten Größen macht es nur Sinn Mitarbeiterpotenziale als Aktiva zu begreifen, womit ausschließlich der Vermögensbegriff in Frage kommen kann.
Die mehrheitliche Verwendung des (Human-)Kapitalbegriffs in Literatur und Praxis – vor allem im englischsprachigen und skandinavischen Raum – resultiert daraus, dass der allgemeine Sprachgebrauch die bilanziell orientierte Begriffstrennung von Vermögen und Kapital nicht vornimmt und die Vorreiter und Promotoren des Humankapital-Konzepts häufig keine ausgewiesenen Rechnungswesenfachleuten waren (sind).
Vergleiche auch Homo oeconomicus, Menschenmaterial, Lohnsklave, Wohlstandsmüll
Die Vermehrung von Humankapital setzt an zwei Punkten an. Einerseits beim Mitarbeiter, dessen Wissen und Fähigkeiten, die für seine Tätigkeit wichtig sind, erhöht werden sollen. Andererseits beim Unternehmen, das angeregt werden soll, mehr Mitarbeiterwissen zu nutzen, um damit Erfolge zu erzielen. VIC (Vocational Intellectual Capital) zeigt in diesem Zusammenhang, dass nicht jede Art von Wissen für das Unternehmen brauchbar und als Wertsteigerung umsetzbar ist. Der Anteil an für den Betrieb werttreibendem Wissen kann aber aktiv beeinflusst und gesteigert werden.
Im VIC (Intellectual Capital Statement) wird das Hauptaugenmerk auf Mitarbeiter mit dem größten zukünftigen Erfolgspotenzial gelegt. Sollte dies noch nicht voll ausgeschöpft sein, würden Investitionen in diese Personen in Form von Schulungs- oder Weiterbildungsmaßnahmen evaluiert werden. Somit geht es einerseits um die optimale Nutzung der bestehenden Leistungsfähigkeit, andererseits um Investitionen in Entwicklungspotenziale, also zukünftige, langfristige Leistungsfähigkeit durch den Ausbau latent vorhandener, aber auch neuer Fähigkeiten. Die Rendite- bzw. Wertschöpfungsorientierung steht auch bei der Zieldefinition im VIC - im Vergleich zum ressourcen- und kostenorientierten VIC - im Vordergrund. Das bedeutet, dass alle unternehmerischen Entscheidungen im Hinblick auf Nutzen bzw. Wertschöpfungsbeitrag getroffen werden. Im Besonderen gilt das für Investitionsentscheidungen in das Humankapital. Die Möglichkeiten, die sich hier ergibt, ist, dass neben den Kosten für die Maßnahmen auch der Nutzen bewertet werden kann, und die Wertsteigerung gemessen werden kann, wobei die Quantifizierbarkeit der Defizite hier einen klaren Faktor für alle Beteiligte darstellt.
Beispiele:
Personalwesen | Volkswirtschaftslehre | Arbeits- und Organisationspsychologie | Unwort des Jahres | 2004
Lidský kapitál | Human capital | Inimkapital | Capital humain | הון אנושי | 人力资本
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