Das Humangenomprojekt (HGP, engl. Human Genome Project) wurde im Herbst 1990 mit dem Ziel gegründet, das Genom des Menschen vollständig zu entschlüsseln, d. h. die Abfolge der Basenpaare in der menschlichen DNA auf ihren einzelnen Chromosomen durch Sequenzieren zu identifizieren.
Das menschliche Genom enthält alle Informationen, die die für einen Menschen notwendigen Proteine mit den Basenpaaren in seiner DNA kodieren. Die vollständige Sequenzierung dieses Genoms bildet unter anderem die Grundlage für die Möglichkeit, Erbkrankheiten zu erforschen und molekulare Mechanismen der Krebsentstehung besser zu verstehen.
Durch Vergleich des menschlichen Erbguts mit dem anderer Lebewesen erhoffen sich die Genetiker weitere Erkenntnisse über den Ursprung bestimmter Krankheiten und neuer Therapiemöglichkeiten. Schimpansen, deren Erbgut dem des Menschen zu 96 Prozent gleicht, sind immun gegen Krankheiten wie Aids und Malaria. Die Wissenschaftler gehen davon aus, mit der Entdeckung jener Erbanlagen, die Affen vor diesen Infektionen schützen, entsprechende Schutzmaßnahmen entwickeln zu können. Die Ergebnisse können auch helfen, für einzelne Patienten maßgeschneiderte Arzneimittel zu erzeugen, welche keine Nebenwirkungen haben.
Im Juni 1995 schloss sich auch Deutschland dem internationalen Humangenomprojekt der Human Genome Organisation an und nahm seine Arbeit ein Jahr darauf auf. Das Deutsche Humangenomprojekt (DHGP) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert.
Die Human Genome Organisation bekam 1998 durch die neu gegründete US-Firma Celera private Konkurrenz.
Bis 1999 erfolgte die Sequenzierung des Chromosoms 22. 2000 wird das Chromosom 21 vollständig sequenziert, wodurch die Möglichkeiten zur Erforschung der Auswirkungen einer Trisomie 21 wachsen.
Das HGP fand in der Öffentlichkeit seinen vorläufigen Höhepunkt, als 2001 unabhängig von beiden Forschungsunternehmungen die vollständige Sequenzierung des menschlichen Genoms verkündet wurde, die in den Medien häufig als "Entschlüsselung" tituliert wurde.
2003 wurde endgültig die Fertigstellung im Rahmen der angelegten Maßstäbe verkündet. Das Deutsche Humangenomprojekt beendete seine Aktivitäten im Juni 2004.
Auf die Arbeiten des Deutschen Humangenomprojekts aufbauend, fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung seit 2001 das Nationale Genomforschungsnetz (NGFN). Im Mittelpunkt der Arbeiten steht die Erforschung der genetischen Ursachen von häufigen Krankheiten.
Mit dem Chromosom 1 wurde 2005/06 das letzte der 24 menschlichen Chromosomen sehr genau analysiert. Durch über 160 Wissenschaftler um Simon Gregory vom Wellcome Trust Sanger Institute in Großbritannien (Cambridgeshire) und den USA wurden die Sequenzdaten in der Ausgabe 441 (S. 315) des Fachblatts "Nature" publiziert. Sie geben die Genauigkeit der Sequenz nun mit mehr als 99,99 Prozent an. (Frankfurter Rundschau u. Deutsche Presseagentur vom 17.05.2006 )
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