Die akademische Disziplin Humanökologie behandelt die Beziehungen zwischen Menschen und ihrer (natürlichen) Umwelt. Die zentrale Frage dabei ist, wie Menschen und menschliche Gesellschaften mit der Natur bzw. mit ihrer Umwelt interagieren.
In den USA wurde das Feld der Humanökologie -- nach Vorarbeiten in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts durch den Geographen J. Paul Goode -- in den 1920er Jahren von dem Soziologen Robert E. Park/Chicago School weiter entwickelt. In den späten 1970er Jahren wurden humanökologische Themen in der Soziologie insbesondere von William R. Catton and Riley E. Dunlap wieder aufgegriffen. Die Kernidee von Catton und Dunlap war es, sich von dem Durkheimschen Paradigma wegzubewegen, soziale Tatsachen nur durch soziale Tatsachen zu erklären. Stattdessen wollten sie physikalische und biologische Faktoren als unabhängige, die Sozialstruktur und andere soziale Phänomene beeinflussende Variablen in die Soziologie einbringen. Dieser Paradigmenwechsel kann als Wechsel weg vom klassisch-soziologischen human exemptionalism paradigm (HEP) hin zu einem new ecological paradigm (NEP) beschrieben werden. Gemeint ist damit, dass Menschen nicht länger als Ausnahmespezies betrachtet werden, die kulturfähig und damit auch außerhalb genetischer Evolution anpassungsfähig ist, und die stärker durch soziale als durch biologische Vorgaben beeinflusst wird. Stattdessen werden Menschen im Rahmen der Humanökologie als eine von vielen Spezies betrachtet, die mit der begrenzten natürlichen Umgebung interagiert.
Eine Konfliktlinie zwischen diesem neuen Paradigma und dem klassischen soziologischen Ansatz liegt darin, dass damit Gesellschaft und Kultur abgewertet werden. Wenn menschliche Gemeinschaften und die Bevölkerung vorrangig als Teil des irdischen Ökosystems betrachtet werden, wird Soziologie zu einer Sub-Disziplin der Ökologie herabgestuft -- der speziellen Ökologie der Spezies homo sapiens sapiens. Dies wird von den meisten Soziologen als Affront betrachtet.
Auch im deutschsprachigen Raum wird Humanökologie oft naturwissenschaftlich interpretiert, als Gegenströmung zu einer soziologischen Interpretation. Dies basiert unter anderem auf dem Einfluss von Odum, der in den USA mit einem der ersten umfassenden Lehrbücher für (naturwissenschaftliche) Ökologie (Fundamentals of Ecology, 1959) auch den Menschen ausdrücklich einbezog. Zwar kommt dem Menschen auf Grund seiner grossen Anzahl und seiner besonderen Möglichkeiten eine spezielle Rolle für das Ökosystem Erde zu. Informations-, Energie- und Stoffflüsse gehen jedoch durch die menschliche Gesellschaft in durchaus vergleichbarer Weise wir durch die Populationen anderer Arten, so dass eine naturwissenschaftliche Sichtweise berechtigt ist. Ein modernes Lehrbuch der Humanökologie ist beispielsweise Nentwig (2005).
Dementsprechend ist es umstritten, ob Humanökologie als eine Subdisziplin der Soziologie oder der Ökologie (und damit der Biologie) gelten soll. Für die letztere Position spricht der methodische Ansatz der Humanökologie, der sich stärker an naturwissenschaftlichen Idealen orientiert als dies gemeinhin in den Sozialwissenschaften der Fall ist. Ob Humanökologie der Soziologie zugerechnet wird oder nicht, unterscheidet sich von Land zu Land; vielfach gibt es auch die Umweltsoziologie als eine soziologische Subdisziplin, die sich mit genuin soziologischen Methoden den Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt widmet.
Das Wechselverhältnis zwischen Humanökologie, Umweltsoziologie und Politischer Ökologie ist also ein komplexes.
Die Deutsche Gesellschaft für Humanökologie definiert die Humanökologie wie folgt:
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