Ulrich_Zwingli.jpg Ulrich Zwingli (* 1. Januar 1484 in Wildhaus; gefallen im Zweiten Kappelerkrieg 11. Oktober 1531 in Kappel am Albis) ist der Zürcher Reformator. Aus der Zürcher Reformation und der Genfer Reformation ging die reformierte Kirche hervor.
Im Gegensatz zu manch volkstümlichen Annahmen lautet sein Taufname «Ulrich» (im Gedenken an den Heiligen Ulrich von Augsburg). Erst mit der Zeit begann Zwingli selbst, seinen Vornamen zu Huldrych («Huldreich») zu verändern; dies wohl als humanistisch-volksetymologische Spielerei (Ulrich kommt von althochdeutsch uodal «Erbbesitz» + rich «mächtig»). Erst nach seinem Tode wurde «Huldrych» bei Reformierten anstelle des als katholisch unbrauchbar gewordenen Heiligennamens «Ulrich» populär.
Seine Theologie wurde in der zweiten Generation von Heinrich Bullinger und Johannes Calvin weitergetragen.
Bei der Kreditvergabe zeigten sich die Glarner durchaus grosszügig. Etwas weniger entgegenkommend scheinen sie beim Pfarrhaus gewesen zu sein; dessen Unzulänglichkeiten waren den Glarnern offenkundig bewusst. Als Zwingli 1516 um die Entlassung bat, versprachen sie ihm, wenn er bleiben würde, ein besseres Pfarrhaus zu bauen.
Die Glarner Pfarrei umfasste mehrere Dörfer, neben Glarus die Gemeinden Riedern, Netstal, Ennenda und Mitlödi. Der Hauptort umfasste mit Riedern zusammen rund 1.300 Einwohner. Für die geistliche Versorgung war Zwingli zusammen mit drei oder vier Kaplänen zuständig. Über die Tätigkeit Zwinglis in Glarus ist wenig bekannt. Die wenigen Zeugnisse lassen keine Kritik an der Kirche erkennen. Er las die Messe und erteilte die Absolution. 1512 schrieb er an den Papst und bat um Ablass für die Glarner. Zwingli war auch Feldprediger und nahm an den Feldzügen der Glarner für den Papst gegen die Franzosen in der Lombardei 1512–1515 teil.
Der Bauernsohn Zwingli schien sehr volksverbunden gewesen zu sein. Im Laufe der Zeit lernte er wohl alle seine Kirchgenossen kennen. In einzelnen Familien hatte Zwingli mehr als nur offiziellen Zugang gefunden. So übernahm der Geistliche die Patenschaft für verschiedene Kinder. Zwinglis ungebrochene Kirchlichkeit zeigt sich auch im Bestreben, einen angeblichen Splitter des Kreuzes Jesu nach Glarus zu holen, was ihm gelang. Um den Splitter würdig aufzubewahren, musste die alte Glarner Pfarrkirche erweitert werden. Auch dafür setzte sich Zwingli mit Erfolg ein. 1510 wurde die Kreuzkapelle angebaut, die ihren Namen von diesem Kreuzsplitter erhielt. Die Glarner sprachen aber noch lange von der Zwingli-Kapelle und nicht von der Kreuzkapelle.
In den Glarner Jahren bildete sich Zwingli stark fort. Mit grossem Eifer studierte er viele Werke der antiken Klassiker und die Kirchenväter. Ausserdem lernte er griechisch und konnte so den Urtext des Neuen Testaments lesen, den Erasmus von Rotterdam 1516 in einer kritischen Edition veröffentlichte. Durch den Humanisten Erasmus lehrte Zwingli, den eigentlichen Sinn der biblischen Texte zu suchen und zu erkennen. Dadurch fand er einen neuen, befreienden Zugang zur Heiligen Schrift. Trotz der Abgeschiedenheit des Bergtales Glarus stand Zwingli in regem Kontakt mit den Gelehrten seiner Zeit und war dadurch stets unterrichtet über das Erscheinen neuer Bücher. Zwingli besass am Ende seiner Glarner Zeit die damals bedeutende Zahl von über 100 Büchern.
Zwingli wollte sein Wissen weitergeben. Auf seine Veranlassung stimmte die Landsgemeinde 1510 der Gründung einer Lateinschule zu. Auf dieser höheren Schule konnten die Knaben Grundkenntnisse in Latein erwerben und mussten nicht eine auswärtige Schule besuchen. Zwingli wurde zum Lehrer gewählt. Zu Zwinglis Schülern gehörten eine Reihe bedeutender Glarner: Valentin Tschudi, Zwinglis Nachfolger in Glarus, Aegidius Tschudi, Chronist und Politiker, und vermutlich auch Fridolin Brunner, der spätere Reformator des Landes Glarus.
In der glarnerischen und eidgenössischen Politik anfangs des 16. Jahrhunderts wurde heftig gestritten, ob mit dem Papst, dem Kaiser oder mit den Franzosen zusammengearbeitet werden sollte. In Glarus ging es konkret vor allem darum, in wessen Dienste die jungen Glarner als Söldner treten sollten. Zwingli stellte sich stets auf die Seite des Papstes, was ihm mit einer stattlichen päpstlichen Pension von 50 Gulden vergolten wurde. Im Oktober 1515 nach der Schlacht bei Marignano endete die eidgenössische Grossmachtpolitik nach einer vernichtenden Niederlage gegen die Franzosen. Danach offerierten die Franzosen einen schnellen Friedensschluss, allerdings nicht zu vorteilhaften Bedingungen. Zwingli votierte dagegen und unterstützte weiterhin den Gegenspieler der Franzosen, den Papst. In Glarus wie auch in der Eidgenossenschaft schlug die Stimmung zugunsten der Franzosenpartei um. Die Stellung des päpstlichen Parteimanns und Propagandisten Zwingli wurde deshalb unhaltbar.
Zwingli musste 1516 trotz grossem Rückhalt in der Bevölkerung weichen und wurde für drei Jahre beurlaubt. Nach Glättung der Wogen hätte Zwingli wieder das Glarner Pfarramt übernehmen sollen; doch er entschloss sich 1519, nicht wieder nach Glarus zurückzukehren und nahm eine Berufung an das Zürcher Grossmünster an. Die intensiven Studien und seine Erfahrungen in Glarus wie auch in Einsiedeln hatten den bis dahin sehr kirchentreuen Priester verändert. Die Entwicklung, die in Glarus begonnen hatte, führte Zwingli in neue Bahnen, und er wurde zu einem scharfen Kritiker der damaligen kirchlichen Zustände.
Mit dem Land Glarus blieb Zwingli weiterhin intensiv verbunden. Mit verschiedenen Personen korrespondierte er auch weiterhin als Zürcher Pfarrer. Die Hauptschrift «Auslegen und Gründe der Schlussreden» von 1523 widmete er dem Landsgemeindekanton. Am 12. Oktober 1522 predigte Zwingli sogar noch einmal in der Pfarrkirche Glarus anlässlich der Primiz seines ehemaligen Schülers Valentin Tschudi. In dieser Predigt wurde die Veränderung Zwinglis deutlich. Was er früher den Glarner gepredigt habe, so sagte er, sei nicht die Wahrheit gewesen. Die Glarner sollen davon Abstand nehmen. Zwingli distanzierte sich von seiner Verkündigung in den Glarner Jahren 1506 bis 1516.
Da die Zürcher Regierung ebenfalls gegen das Söldnerwesen war, verschaffte ihm diese Haltung das einflussreiche Amt als Leutpriester am Grossmünsterstift in Zürich, das er am 1. Januar 1519 antrat. Das Grossmünsterstift war damals nach der Kathedrale das angesehenste geistliche Stift im Bistum Konstanz. In seinen kunstlosen, aber klaren, allgemein verständlichen Predigten legte er fortlaufend die Evangelien aus. Das Volk und der Rat von Zürich liessen sich davon überzeugen. Sämtliche Prediger in Stadt und Land wurden 1520 von der Obrigkeit angewiesen, das Evangelium gemäss Zwinglis Auslegung zu predigen. 1522 veröffentlichte Zwingli seine erste reformatorische Schrift gegen das Fasten der römischen Kirche, Von Erkiesen und Freiheit der Speisen. Dieses Werk schrieb er aus Anlass des Fastenbrechens eines Freundes. Zwingli selbst war beim «Wurstessen» anwesend, aber nicht beteiligt. Mit der Schrift rechtfertigte er das Handeln, da das Fastenhalten gegen den christlichen Glauben verstosse. An den Bischof von Konstanz sandte er ein ebenso bescheidenes wie nachdrückliches Bittschreiben, in welchem er und zehn seiner Genossen erklärten, dass sie «mit Gott fest entschlossen seien, das Evangelium ohne Unterlass zu predigen» und in dem sie um Aufhebung des Zölibats nachsuchten. Damals bemühte sich Papst Hadrian VI. noch, Zwingli durch einen die Frömmigkeit des Reformators anerkennenden Brief von weiteren Schritten gegen die katholische Kirche abzuhalten.
Als die Dominikaner in Zürich Zwingli Ketzerei vorwarfen, lud der Grosse Rat alle Theologen, die Zwingli der Ketzerei überführen könnten, auf den 29. Januar 1523 zu einer Disputation (1. Zürcher Disputation) über die von Zwingli aufgestellten Thesen nach Zürich ein. Etwa 600 geistliche und weltliche Personen fanden sich dazu in Zürich ein. Da die Abgeordneten des Bischofs von Konstanz, namentlich Johann Faber, gegen Zwinglis Thesen nur die Autorität der Tradition und der Konzilien geltend zu machen wussten, erkannte der Rat von Zürich Zwingli den Sieg zu.
Auf einem zweiten, vom 26. bis 29. Oktober 1523 gehaltenen Religionsgespräch in Zürich wurde in Gegenwart von fast 900 Zeugen aus eidgenössischen Orten über «Bilderdienst und Messe» gestritten. Grund für die 2. Zürcher Disputation war die Predigt gegen Bilderverehrung und den daraus resultierenden Bildersturm. Es wurde beschlossen, dass die Bilder innerhalb eines halben Jahres entfernt werden sollten, damit das Volk durch weitere Predigten auf diesen Einschnitt vorbereitet werden könne. Der «Bildersturm», der also nicht an einem Tag und plötzlich erfolgte, führte u.a. auch zum sog. Ittingersturm. Ein drittes Gespräch 13. und 14. Januar 1524 (3. Zürcher Disputation) beseitigte auch die Messe. Noch im selben Jahr, am 19. April 1524 verheiratete sich Zwingli mit der 33-jährigen Witwe Anna Meyer, geborene Reinhard, mit der er schon vorher unehelich zusammengelebt hatte.
Die Reformation in Zürich betraf nicht nur die Religion. Der Rat, unter Beratung Zwinglis, ordnete Schul-, Kirchen- und Ehewesen neu und gab Sittengesetze heraus. Zwingli hatte kein politisches Amt, aber grossen Einfluss – der Rat wusste, dass das Volk auf Zwinglis Predigten hörte.
1525 gab Zwingli sein Glaubensbekenntnis «Von der wahren und falschen Religion» heraus, das er dem französischen König Franz I. schickte. Mit Luther und den anderen deutschen Reformatoren in vielen Punkten einig, verfuhr Zwingli doch in liturgischer Beziehung radikaler und verwarf die sog. leibliche Gegenwart Christi im Abendmahl. Ab 1525 waren die Reformation und die Reform des Gottesdienstes in Zürich abgeschlossen. Es wurde das Abendmahl in beiderlei Gestalt in Gedächtnis gefeiert. Bilder, Messen und Zölibat waren abgeschafft, und es gab eine geregelte Armenfürsorge. Diese finanzierte sich aus Geldern, die durch die Säkularisation von Klöstern und geistlichen Stiftungen frei wurden. Ebenfalls 1525 wurde das bisherige Chorherrenstift Grossmünster in die Propstei am Grossmünster umgewandelt, um die Ausbildung weiterer reformierter Theologen sicherzustellen. Sie mussten Bibelexegese lernen und die gewonnenen Ergebnisse in deutschen Predigten dem Volk vortragen. Dadurch wurden die Theologen geschult und das Volk sollte in der Bibel verwurzelt werden. Zwingli war als Antistes der Leiter der Zürcher Kirche. In enger Zusammenarbeit mit Leo Jud übersetzte Zwingli zwischen 1524 und 1529 die Bibel neu in ein stark schweizerisch gefärbtes Deutsch. Diese Übersetzung ist heute als die «Zürcher Bibel» bekannt. Zwinglidenkmal.jpg in der Stadt Zürich]]
Zwingli sah Kirche und Staat in enger Zusammenarbeit und darin für die Obrigkeiten eine ernste Verpflichtung. Er erklärte, dass «die Obrigkeit, welche ausser der Schnur Christi fahren», das heisst die Vorschriften Christi sich nicht zum Massstab nehmen wolle, «mit Gott entsetzt werden möge». Der Landgraf von Hessen, Philipp der Grossmütige, welcher Zwinglis weittragende politische Ansichten teilte, organisierte im Oktober 1529 ein Streitgespräch zwischen Zwingli und Martin Luther in seinem Schloss in Marburg, den sog. «Abendmahlsstreit zu Marburg». Luther wies Zwingli allerdings schroff zurück, womit der Plan eines gemeinsamen protestantischen Vorgehens gegen Kaiser und Papst an theologischen Differenzen scheiterte.
Philipp der Grossmütige und Zwingli hatten ehrgeizige Pläne. 1530 wollten sie «durch einen Bund von der Adria bis zum Belt und zum Ozean die Welt aus der Umklammerung des Habsburgers retten». Damals hatte Zwingli schon im Januar 1528 bei einem Religionsgespräch zu Bern auch diesen Kanton für die Reformation gewonnen. Ausserdem schien durch den Ersten Kappeler Landfrieden 1529 die drohende Gefahr eines Glaubenskriegs zwischen Zürich und den fünf katholischen Urkantonen vorläufig beseitigt.
Doch 1531 kam es dann doch zu einem Religionskrieg in der Eidgenossenschaft, dem Zweiten Kappelerkrieg zwischen Zürich und den katholischen Kantonen Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug. Am 11. Oktober 1531 unterlagen die Zürcher in der Schlacht bei Kappel und Zwingli selbst fand auf dem Schlachtfeld seinen Tod. Am folgenden Tag schleppte man den Leichnam zum Scheiterhaufen und streute die Asche in den Wind. Erst 1838 wurde ihm in Kappel und 1885 in Zürich ein Denkmal errichtet. Heinrich Bullinger wurde Zwinglis Nachfolger in Zürich. Er konsolidierte den reformierten Glauben und gilt als eigentlicher Begründer der reformierten Kirche.
Zwingli besass einen scharfen Sinn für das Praktische, der ihn zu politischen Überlegungen befähigte. In die kirchliche Arbeit etwa mit der Prophezei, einer Art Volkshochschule, bezog er Laien ein.
Als Schattenseite seines Wirkens muss hingegen sein Verhältnis zur Täuferbewegung angesehen werden. Auf Zwinglis Drängen liess der Rat von Zürich alle Täufer entweder vertreiben oder nach Gefangennahme und Folterung hinrichten. Eines der damaligen Opfer war Felix Manz. Erst in jüngster Zeit (2004) fand eine versöhnende Versammlung zwischen Zürcher Reformierten und den Täufern statt.
Bereits vorher waren Altgläubige wie beispielsweise die Mönche vor allem der Bettelorden aus den Klöstern vertrieben worden. Zwingli war es auch, der den Rat von Zürich zum 2. Kappelerkrieg gegen die Waldstätte drängte, um die Reformation wenn nicht mit Ueberzeugung möglich, dann mit Feuer und Schwert auch in der Innerschweiz zu verbreiten. Entsprechend war Zwingli einer der ersten auf dem Schlachtfeld, wo er auch mit dem Schwert in der Hand fiel.
Auswirkungen der Theologie Ulrich Zwinglis sind vor allem in der deutschsprachigen Schweiz sowie im Waadtland festzustellen. Der Erfolg der Reformation ist dabei nicht ohne weitere Persönlichkeiten wie Johannes Oekolampad und Oswald Myconius in Basel, Berchtold Haller in Bern, Sebastian Hofmeister und Erasmus Ritter in Schaffhausen, Joachim Vadian und Johannes Kessler in St. Gallen und Johann Comander in Graubünden denkbar.
In Deutschland gehen nur die reformierten Kirchen in Bad Grönenbach und Herbishofen auf Zwinglis Wirken zurück. Die übrigen reformierten Kirchen sind – wie sich am Heidelberger Katechismus ablesen lässt – stärker von Calvins Denken beeinflusst.
Mann | Reformierter Theologe (16. Jh.) | Gestalten der Reformation | Politiker (Schweiz) | Schweizer | Reformator | Humanist | Geboren 1484 | Gestorben 1531
Zwingli | Ulrich Zwingli | Ulrich Zwingli | Huldrych Zwingli | Zvinglo | Ulrico Zuinglio | Ulrich Zwingli | Ulrich Zwingli | Ulrich Zwingli | Ulrich Zwingli | Huldrych Zwingli | Ulrich Zwingli | Ulrico Zwingli | フルドリッヒ・ツヴィングリ | ცვინგლი, ულრიხ | 울리히 츠빙글리 | Huldrych Zwingli | Huldrych Zwingli | Ulrich Zwingli | Huldrych Zwingli | Ulrich Zwingli | Цвингли, Ульрих | Ulrich Zwingli | Huldrych Zwingli | 慈運理
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Ulrich Zwingli".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world