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Die Hui (回族 Huízú) sind eine der 56 Nationalitäten Chinas, die offiziell als eigenständige Völker "anerkannt" worden sind. Die Hui sind in ihrer Kultur und viele auch in ihrem Aussehen den Han-Chinesen ähnlich, mit der Ausnahme, dass sie Muslime sind und deshalb einige religiös geprägte Sitten und Bräuche haben. Beim Zensus im Jahre 2000 wurden 9.816.805 Angehörige der Hui-Nationalität gezählt. Die ca. 20.000 Hui in Hongkong und ca. 100 in Macau wurden dabei nicht mitgezählt. Die ca. 52.000 Hui auf Taiwan werden von der Regierung der Republik China nicht als "Nationalität" anerkannt, sondern als Han-Chinesen islamischen Glaubens betrachtet.
Besondere Kennzeichen
Zu den Hui zählen auch diverse kleinere muslimische Ethnien, die keinem der anderen großen islamischen Völker Chinas (
Uiguren,
Kasachen,
Kirgisen,
Dongxiang,
Salar,
Usbeken,
Tataren,
Tadschiken,
Bonan) zugeordnet werden konnten, aber zu klein oder zu kompliziert waren, um sie als eigene Nationalitäten anzuerkennen. Eine Besonderheit der Hui ist, dass sie zwar über ganz China verstreut, örtlich aber konzentriert in „Hui-Stadtvierteln“ oder „Hui-Dörfern“, meistens im Umkreis der Moschee leben. Die jeweiligen lokalen Gruppen der Hui unterscheiden sich oftmals erheblich voneinander, insbesondere hinsichtlich ihrer Herkunft und Geschichte. So gibt es – um nur ein Beispiel zu nennen – im Norden der Stadt
Dezhou (Nordwest-
Shandong) ein kleines Dorf namens Beiying, in dem 710 Hui (1990) leben, die überwiegend Nachfahren zweier Söhne (
Andulu und
Wenhala) eines Königs der Ureinwohner von den
Sulu-Inseln (heutige
Philippinen) sind. Der Sulu-König war im Jahre
Yongle 15 (1417) mit einer 340-köpfigen Delegation auf Staatsbesuch am Hof der
Ming-Dynastie gewesen und auf dem Heimweg in Dezhou verstorben. Seine beiden jüngeren Söhne blieben am Grab zurück, traten mit drei örtlichen Hui-Familien (Xia, Ma und Chen) in Heiratsbeziehungen und begründeten die Familien
An und
Wen. Im Jahre
Yongzheng 9 (1731) bekam ihre inzwischen auf 193 Personen angewachsene Nachkommenschaft vom Qing-Kaiser die chinesische Staatsbürgerschaft verliehen.
Sprache
Die Hui sprechen überwiegend
Chinesisch im jeweiligen örtlichen Dialekt und/oder Sprachen der örtlichen ethnischen Minderheiten. Im religiösen Bereich gibt es einen umfangreichen Wortschatz arabischen, persischen und türkischen Ursprungs. Der Nordwestchinesische Dialekt der Hui in
Shaanxi,
Gansu und
Ningxia (z.T. auch in
Qinghai und
Xinjiang) wird in
Kirgisistan,
Kasachstan,
Usbekistan und
Tadschikistan Dunganisch (東干語) genannt. Dort leben über 100.000 Hui unter der Bezeichnung
Dunganen. In
Lhasa und einigen anderen Orten
Tibets, im Autonomen Bezirk
Dêqên der
Tibeter (
Yunnan) und in den Gemeinden Dehenglong und Ashinu (Autonomer Kreis
Hualong der Hui, Provinz
Qinghai) leben insgesamt knapp 15.000 Hui, die
Tibetisch (藏語) sprechen. Einige tausend Hui, die sich selbst
Tuomao (托茂人) nennen, leben im Autonomen Bezirk
Haibei der
Tibeter sowie im Uigurischen Autonomen Gebiet
Xinjiang. Sie sprechen Oirat-
Mongolisch. Die etwa 4.500 Utsat-Hui in
Sanya an der Südspitze von
Hainan sind Nachfahren von
Cham-Einwanderern, die Ende des 12. oder Anfang des 13. Jhs. aus
Vietnam nach China kamen. Sie sprechen Tsat (回輝語), eine
austronesische Sprache, die zu den Sundischen Sprachen der Westlichen Malayo-Polynesischen Sprachfamilie zählt. Im Autonomen Bezirk
Xishuangbanna der
Dai leben knapp 600 Hui, die
Paxi-Dai (帕西傣) genannt werden. Sie sprechen Dai, eine südwestliche Tai-Sprache. Weitere knapp 6.000 Hui im Kreis
Eryuan, Autonomer Bezirk
Dali der
Bai sprechen Bai, eine sinotibetische Sprache.
Islam
Die chinesische Bezeichnung für Islam ist entweder "die Religion der Hui" (回教
Huí jiào) oder die
Transkription Yisilan-Religion (伊斯蘭教
Yīsīlán jiào). Unter dem Hui Nordchinas gibt es starke Einflüsse der zentralasiatischen
Sufi-Schulen wie
Kubrawiyya,
Qadiriyya,
Naqschbandiyya (
Khufiyya und
Jahriyya) etc. meistens des
Hanafi Madhhab (während unter den südöstlichen Gemeinschaften das
Schafii Madhhab häufiger ist). Vor der
Ihwani-Bewegung, der chinesischen Variante der
Salafi-Bewegung, fusionierten die nördlichen Hui gern
taoistisches Gedankengut und Kampfsport-Praktiken mit der Sufi-Philosophie.
Südöstliche Hui haben eine lange Tradition der Fusion von
konfuzianistischen Lehren mit der
Schari'a und dem
Koran. Die Beiträge der Muslime des chinesischen Südostens zum konfuzianistischen Beamtentum sind bis in die
Tang-Dynastie belegt.
Ethnogenese
Die Hui-Chinesen haben verschiedene Ursprünge. Einige an der Südostküste stammen von
arabischen Händlern ab, die seit dem
9. Jahrhundert in China siedelten und sich mit der Zeit an die einheimische Bevölkerung anpassten, sich mit ihr vermischten und letzten Endes nur die andere Religion beibehielten. Für die den
nordchinesischen Dialekt sprechenden Hui von
Yunnan und in Nordchina gibt es eine andere Erklärung der Abstammung: Ihre Vorfahren waren
mongolische,
turkische und andere zentralasiatische Siedler, welche während der
Yuan-Dynastie die Elite bildeten. Dokumente belegen, dass ein Großteil der nomadischen oder militärischen Gruppen eigentlich
nestorianische Christen waren und während des
Sinisierungsdrucks der
Ming- und
Qing-Dynastien zum Islam übertraten.
Dies erklärt das Ethnonym "Hui", welches eine große Ähnlichkeit mit der Bezeichnung "Uiguren" hat, obwohl die Bedeutung unterschiedlich ist.
Das Wort "Hui" wurde zumindest seit der Qing-Dynastie als Oberbegriff für chinesischsprachige Muslime und teilweise für Muslime im Allgemeinen benutzt.
So konnte zum Beispiel ein Chinese der Qing-Zeit einen Uiguren als "Chantou" beschreiben, der die "Hui"-Religion ausübte. Es wurde benutzt wie das Wort Qingzhen im Südosten Chinas.
Bis in die frühmodernen Zeiten wurden die nordchinesischen Hui-Dörfer noch als "Blau-Kappen Huihui", "Schwarz-Kappen Huihui" und "Weiß-Kappen Huihui" bezeichnet, um sie hinsichtlich ihres möglicherweise christlichen, jüdischen oder moslemischen Ursprungs zu unterscheiden, obwohl schon damals die Hui Nordchinas im großen und ganzen islamisch waren.
Die zentralasiatischen Turkvölker und die Tadschiken bezeichnen die Hui-Chinesen als "Dunganen". In Thailand werden chinesische Moslems als Chin Ho genannt, in Birma und in Yunnan Panthay. Es gibt einige chinesische Moslems oder zum Islam übergetretene Chinesen in Malaysia. Diese werden offiziell als Teil des Bumiputri, der dominierenden Malaiien gezählt. In der Gesellschaft werden sie jedoch als Teil der chinesischen Minderheit gesehen.
Berühmte Hui
Weblinks
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