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HugoWolf.jpg Hugo Wolf (* 13. März 1860 in Windischgrätz (slowenisch: Slovenj Gradec); † 22. Februar 1903) war ein österreichischer Komponist.

Leben


Wolf wurde als Sohn einer slowenischsprachigen Mutter und eines deutschsprachigen Vaters geboren. Von seinem Vater, einem Lederhändler, der gleichzeitig leidenschaftlicher Musiker war, lernte Wolf das Klavier- und Geigenspiel. Nach Abschluss einer wenig glücklichen Schulzeit, in der er außer für Musik für kaum etwas anderes Fähigkeiten bewies, ging er 1875 auf das Konservatorium in Wien (u. a. bei Robert Fuchs). Anscheinend lernte er dort nur sehr wenig und 1877 wurde er wegen eines Scherzes in Form eines Drohbriefes an den Rektor, mit dem er möglicherweise nichts zu tun hatte, entlassen. Ab einem Alter von siebzehn war er für seine musikalische Ausbildung auf sich selbst angewiesen. Von Klavierunterricht und dank unregelmäßiger finanzieller Unterstützung durch seinen Vater konnte er für einige Jahre in Wien leben.

1884 wurde Wolf Musikkritiker der Wiener Boulevardzeitung Salonblatt und gewann durch seinen kompromisslos beißenden und sarkastischen Stil einige Berühmtheit, die ihm allerdings in seinem späteren Erfolg eher hinderlich sein sollte. Seine glühende Verehrung für Wagner war mit einer harten Ablehnung Brahms' verbunden, dessen Werk er zeitlebens verachtete.

1887 veröffentlichte er zwölf seiner Lieder, kündigte seine Stellung am Salonblatt und begann, sich nur noch der Komposition zu widmen. Die folgenden neun Jahre sollten seinen Ruhm als Komponist begründen: Sie waren von Perioden intensiver Schaffenskraft im Wechsel mit Zeiten geistiger und physischer Erschöpfung geprägt, in denen es ihm manchmal sogar unerträglich war, irgendwelche Musik zu hören.

Im September 1897 machten die Auswirkungen der Syphilis, die er sich im Alter von achtzehn Jahren zugezogen hatte, eine Einweisung in eine Nervenheilanstalt notwendig, aus der er im folgenden Januar entlassen wurde. Einige Monate später, nach einem Selbstmordversuch im Traunsee, ging er auf eigenen Wunsch in die Anstalt zurück. Nach vier leidvollen Jahren verstarb er am 22. Februar 1903.

Wolf hatte Zeit lebens unter extremer Armut zu leiden, was für ihn aufgrund seiner schwachen Gesundheit und seines stolzen, sensiblen und nervösen Charakters schwer erträglich war. Im Wege stand seinem beruflichen Erfolg insbesondere sein empfindliches und schwieriges Temperament. Sein Einkommen verdankte er fast nur den ausdauernden Bemühungen einer kleinen Gruppe von Freunden, Musikkritikern und Sängern, seine Lieder bekannt zu machen, der Unterstützung des Wiener akademischen Wagner-Verein und die Gründung von Hugo-Wolf-Vereinen, z.B. 1887 von Michael Haberlandt in Wien. Selbst die Veröffentlichung seiner Lieder durch den Schott-Verlag 1891 brachte ihm zwar Ansehen, selbst nach fünf Jahren aber lediglich 85 Mark und 35 Pfennige ein. Dementsprechend lebte Wolf zumeist in einfachen Unterkünften, bis die Großzügigkeit seiner Freunde ihm 1896 eine eigene Bleibe verschaffte, in der er ein Jahr leben konnte.

Werk


Zu Wolfs bedeutendsten Werken gehören:
  • 53 Mörike-Lieder, u. a.
    • Der Feuerreiter
    • Er ist's (Frühling lässt sein blaues Band ...)
    • Denk es, o Seele (Ein Tännlein grünet wo, wer weiß, im Walde ...)
    • Abschied (Ich habe die Ehr, Ihr Rezensent zu sein)
  • 20 Eichendorff-Lieder
  • 51 Goethe-Lieder, u. a.
    • Kophtisches Lied (Lasset Gelehrte sich zanken und streiten)
    • Ganymed (Wie im Morgenglanze ...)
    • Frech und froh (Mit Mädchen sich vertragen ...)
    • Erschaffen und Beleben (Hans Adam war ein Erdenkloß)
    • Ob der Koran von Ewigkeit sei?
  • Das Spanische Liederbuch, nach Gedichten von Emanuel Geibel und Paul Heyse, 1890, 44 Lieder
  • Das Italienische Liederbuch, nach Gedichten von Paul Heyse, in der Urfassung von 1891 aus 22 Liedern bestehend, 1896 um weitere 24 Lieder ergänzt, u. a.
    • Nun lass uns Frieden schließen, liebstes Leben
    • Wenn du, mein Liebster, steigst zum Himmel auf
    • Der Mond hat eine schwere Klag' erhoben
    • Ich hab in Penna einen Liebsten wohnen
  • Des Weiteren 13 Lieder zu Texten verschiedener Autoren,
  • Bühnenmusik für Ibsens Das Fest auf Solhaug
  • Der Corregidor, eine vieraktige Oper, die 1896 in Mannheim mit Erfolg uraufgeführt wurde,
  • die Vertonung von drei Sonetten Michelangelos vom März 1897.
  • einige Chorstücke
  • Penthesilea, Sinfonische Dichtung nach Heinrich von Kleist
  • Streichquartett d-Moll
  • Intermezzo Es-Dur für Streichquartett
  • Italienische Serenade G-Dur für Streichquartett

Musikgeschichtliche Bedeutung


Unter denjenigen Komponisten der Spätromantik, die den Standpunkt vertraten, dass die überkommenen Regeln der Schönheit und Form aufgegeben werden müssen, wenn sie einer genaueren oder lebendigeren Verwirklichung eines dramatischen oder emotionalen Ausdruck entgegenstehen, nimmt Wolf einen besonderen Platz nicht wegen der besonders gewagten Originalität seiner Methoden und der bemerkenswerten Eigenheiten seines persönlichen Stils ein, sondern weil diese die direkte Konsequenz einer äußerst tiefen poetischen Einsicht und Vorstellungskraft sind. Er hat die Gabe einer Vision, die das Genie vom Talent unterscheidet.

Die Häufigkeit von Liedern, die von einer einzigen musikalischen Phrase - einer Art Leitmotiv - in der Begleitung aus aufgebaut sind, hat zu der irreführenden Behauptung geführt, dass sein Werk nichts anderes sei als die Übertragung von wagnerschen Prinzipien auf Lieder. In Wirklichkeit variiert die Form seiner Lieder im selben Ausmaß wie die Form der Gedichte, die er vertonte. In gleicher Weise bemerkenswert ist der große Umfang von musikalischen Stilen, die Wolf beherrscht. Doch sind bei Wolf Form und Stil so eng mit den poetischen Ideen, welche sie verkörpern, verbunden, dass sie kaum unabhängig vom Text analysiert werden können.

Sein Platz unter den größten Liederkomponisten verdankt er der Wahrhaftigkeit und Originalität seiner Werke und der lebendigen Ausdrucksstärke, mit der er diese präsentiert. Diese Ergebnisse sind nicht nur ein Ergebnis seiner außergewöhnlichen musikalischen Begabung. sondern ebenso eines außergewöhnlichen kritischen Verständnisses von Lyrik. Kein anderer Komponist besaß eine so skrupulöse Ehrfurcht für die Gedichte, die er vertonte. Einen einzelnen Akzent falsch zu setzen war für ihn ein ebenso abscheuliches Sakrileg wie die Fehlinterpretation einer Idee oder das Übergehen einer wesentlichen Andeutung im Text.

Die Subtilität in der Deklamation hat nirgends einen höheren Grad erreicht als in Wolfs Liedern. Auch die objektive und dramatische Haltung seines Geistes sollte betont werden. Er zog es vor, sich zum Sprachrohr der Poesie zu machen, statt seine Kunst zum Ausdruck seiner eigenen Persönlichkeit zu benutzen, weshalb er auch keine Texte von Autoren vertonte, die er voll Verachtung »Ich-Poeten« nannte. Deshalb stehen die Männer und Frauen, die in seinen Liedern charakterisiert werden, wie lebendig vor dem Hörer und bilden eine Art Galerie von Porträts, die zwar eindeutig das Werk einer Hand sind, aber doch alle auch ihre eigene Identität bewahren. Diese Behauptungen können sowohl im Blick auf die einfacheren und melodiöseren seiner Lieder als auch im Blick auf diejenigen verifiziert werden, die von extremer Komplexität und Schwierigkeit sind. Unter den ersteren könnte man Das verlassene Mägdlein und Der Gärtner (Mörike), Verschwiegene Liebe und Der Musikant (Eichendorff), Anakreons Grab (Goethe), Alle gingen, Herz, zur Ruh (Spanisches Liederbuch) und die Nummern 1 und 4 des Italienischen Liederbuches erwähnen. Unter den letzteren sind An eine Äolsharfe und Der Feuerreiter (Morike) und Ganymed und Prometheus (Goethe).

Der Grazer Komponist Joseph Marx, der durch seine kurz nach Hugo Wolfs Tod entstandenen Lieder Berühmtheit erlangt hat, wird allgemein als musikalischer Erbe der Hugo Wolfschen Liedtradition angesehen. Mit einer von impressionistischer Klangmalerei gekennzeichneten Spätromantik knüpfte Marx direkt an Wolfs melodiösen Stil an und fügte so dem österreichischen Lied eine weitere klangvolle Facette hinzu.

Literatur


  • Dietrich Fischer-Dieskau: Hugo Wolf. Leben und Werk, Henschel, Berlin 2002, 558 S., 44 s/w-Abbildungen, 34 Notenbeispiele, E 39,90, ISBN 3-89487-432-5

Weblinks


  • http://www.dlib.indiana.edu/variations/scores/song.html (Noten der Goethe und Mörike Lieder)
  • http://www.karadar.it/Lieder/wolf.html (Texte sämtlicher Lieder)
  • http://www.slovenj-gradec.si/default.asp?MenuID=132 (Geburtsort)
  • http://www.recmusic.org/lieder/w/wolf.html (Texte sämtlicher Lieder mit Uebersetzungen und Querverweisen)

Österreichischer Komponist | Komponist (Romantik) | Komponist (Oper) | Geboren 1860 | Gestorben 1903

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